90 Jahre Justizpalastbrand

„Bei gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Anhängern des Republikanischen Schutzbundes und der Frontkämpfervereinigung im burgenländischen Ort Schattendorf am 30. Jänner 1927 wurden zwei unschuldige Menschen getötet. Die Täter wurden freigesprochen. Im Zuge einer gewaltsamen Demonstration gegen dieses Urteil wurde der Justizpalast in Brand gesetzt. Die Polizei erhielt Schießbefehl, und 89 Personen kamen ums Leben. Die Ereignisse dieser Zeit, die schließlich im Bürgerkrieg des Jahres 1934 mündeten, sollen für alle Zeiten Mahnung sein.“ Dieser Text auf einer Gedenktafel im Justizpalast beschreibt die explosive Stimmung in Wien vor 90 Jahren und die Folgen. Bei den Löscharbeiten wurden auch 33 Feuerwehrleute zum Teil schwer verletzt.

Demonstranten zündeten am 15. Juli 1927 an vielen Stellen und in mehreren Stockwerken des fünfgeschoßigen Justizpalastes Kästen und Regale mit aufgehäuften Akten an, sodass binnen kurzer Zeit mehrere Räume brannten. Die Feuerwehr wurde um 12:28 Uhr alarmiert. Bereits auf der Fahrt zur Einsatzstelle wurden die Fahrzeuge der Feuerwehr behindert und konnten nicht auf direktem Weg zum Brandplatz kommen. Auch beim Justizpalast angekommen, gelang es vorerst nicht die Löschtätigkeit aufzunehmen. Im Gebäude selbst hätte man mit den 12 Wandhydranten einen ersten Löscherfolg erzielen können.

Da befürchtet wurde, dass der Brand außer Kontrolle geraten könnte, entschloss man sich zu besonderen Maßnahmen: In angemessener Entfernung zu der Menschenmenge und zum Gebäude wurden von Hydranten über Verteilungsstücke unter Druck stehende Schlauchleitungen vorbereitet. Sobald diese Löschleitungen ausgelegt und in Betrieb waren, wurde sie jedoch von Demonstranten zerschnitten. Auch die Mannschaften an den Pumpen und Leitern wurden behindert.

Nachdem sich der Brand bereits in allen Stockwerken ausgebreitet hatte, versuchten Feuerwehrleute über das Treppenhaus zum Dachgeschoß vorzudringen, aus dem schon starker Rauchaustritt zu sehen war. Bei einigen Versuchen wurden Feuerwehrleute beinahe eingeschlossen. Es gelang Ihnen nur noch sich über Hakenleitern in Sicherheit zu bringen. Sie erlitten starke Brandwunden an den Händen. Um ungefähr 18:00 Uhr standen rund 10.000 m² Geschoßfläche in Brand. Dazu kam der sich immer rascher ausbreitende Dachbrand mit einstürzenden Decken. Die Gesimse brachen und rissen Balkone mit, welche als wichtige Aufstellungsplätze der Strahlrohrführer gedient hatten. Es musste immer weiter zurückgewichen werden und man entwickelte eine Art des Löschens, die es in Wien bis dahin nie gegeben hatte: Die in das Gebäude führenden Schlauchleitungen schützte man mit darüber gestellten Parkbänken, damit die herabfallenden Mauerteile abgefangen werden konnten.

Aus bis zu 30 Meter Entfernung versuchte man durch Öffnungen des Gebäudes den Brand zu bekämpfen und auch die neuen 30-Meter-Drehleitern kamen zum Einsatz. Trotz mittlerweile 28 eingesetzter Löschleitungen, die von 8 Pumpen mit zusammen 500 PS und von 8 Hydranten gespeist wurden, entwickelte sich der Brand um 21:00 Uhr zu höchster Intensität. Die Wucht des Feuers war derart intensiv, dass durch die Strahlung ganze Fronten eines Geschoßes mit einem Schlag in Flammen standen. Der Wind trieb die Funken über die westlich gelegenen Häuserblocks. Doch durch den Einsatz von Brandwachen und zivilen Helfern (Bewohnern) entstand dort jedoch kein weiterer Brand.

Nach rund 12 Stunden konnte die eingesetzte Löschmannschaft, durch einige freie Mannschaften unterstützt, um etwa 2:00 Uhr früh am 16. Juli den Brand eindämmen. Die Löschmannschaften hatten versucht, mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln, den Brand zu löschen und weiteren Schaden zu verhindern. 33 Feuerwehrleute erlitten Verletzungen bzw. mussten ins Spital eingeliefert werden. Branddirektor Wagner bedankte sich bei der Mannschaft und brachte zum Ausdruck,ass allen Männern ohne Unterschied des Ranges und der Dienststellung die vollste Anerkennung des Feuerwehrkommandos sicher sei. Doch für die Feuerwehr war die Arbeit noch lange nicht vorbei. Die umfangreichen Nachlöscharbeiten dauerten noch Tage an und die ständig besetzte Brandwache konnte gar erst nach 40 Tagen, am 23. August 1927 abgezogen werden.

 

Wiener Feuerwehrmuseum

Am Gründungsort der ältesten Berufsfeuerwehr der Welt können Sie die Entwicklung der Brandbekämpfung hautnah mitverfolgen. Während im Erdgeschoß die Löschfahrzeuge ausrücken, erleben Sie im Museum im ersten Stock die Welt der Feuerwehrleute. Anhand der Geschichte der Berufsfeuerwehr kann die Entwicklung des Feuerlöschwesens auf spannende Weise mitverfolgt werden.

Öffnungszeiten:
Das Feuerwehrmuseum ist an Sonn- und Feiertagen in der Zeit von 09:00 bis 12:00 Uhr geöffnet.

Für Führungen von Gruppen im Feuerwehrmuseum außerhalb der Öffnungszeiten ist eine Terminvereinbarung unter der Telefonnummer +43 1 531 99-51 207 notwendig

 

Feuerwehrmuseum Wien
Am Hof 7
1010 Wien

www.wien.gv.at/menschen/sicherheit/feuerwehr/museum/

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