Maske ist nicht gleich Maske

Im am 31. März veröffentlichten Erlass des Gesundheitsministeriums zu den Hygieneregeln für Supermärkte und Drogerien/Drogeriemärkte wird unter anderem festgehalten, dass Kunden „mechanische Schutzvorrichtungen“ im Verkaufsbereich tragen müssen. Einfache NMS-Maksen (Nase-Mund-Schutz-Masken) sind ausreichend. Doch gibt es auf dem Markt viel mehr als die laienhaft ausgedrückte „klassische Arztmaske“. 

Es sind drei Schutzklassen derzeit massiv im Umlauf und werden entsprechend publiziert: FFP1, FFP2 und FFP3. FFP steht dabei für den englischen Begriff „filtering face piece“ was auf Deutsch übersetzt „Gesichtsfiltermaske“ bedeutet. Diese partikelfiltrierenden Halbmasken und Masken mit Wechselfilter schützen grundsätzlich vor Partikeln wie Feinstäuben, Sporen oder Nebeln (wie zum Beispiel dem Niesnebel). Sie bestehen aus Vliesfasern, die in Lagen im Filter angeordnet sind.

FFP1

Masken dieser Type schützen nicht gegen giftige oder fibrogene Stäube und Aerosole. Fibrogene Stäube sind zum Beispiel Staub von Asbest, Quarz, Steinwolle. Diese bewirken vorwiegend Gewebeveränderungen in der Lunge. Diese Masken filtern mindestens 80% der sich in der Luft befindlichen Partikel bis zu einer Größe von 0,6µm (das entspricht in etwa der Größe einer Bakterienzelle) und dürfen bis zur vierfachen Konzentration des Arbeitsplatzgrenzwertes eingesetzt werden. Durch diesen Filter eignen sich diese Masken auch bedingt zum Eigenschutz: „Potentiell virenverseuchte Tröpfchen werden ebenfalls abgehalten“, so Adolf Schinnerl, Sachgebietsleiter des Sachgebietes Feuerwehrmedizinischerdienst im ÖBFV.

FFP2

FFP2 Masken schützen vor festen und flüssigen gesundheitsschädlichen Stäuben, Aerosolen und Rauch. Sie filtern mindestens 94% der in der Luft befindlichen Partikel bis zu einer Größe von 0,6µm und dürfen bis zur zehnfachen Konzentration des Arbeitsplatzgrenzwertes eingesetzt werden.

FFP3

Diese Type bildet die höchste Schutzklasse und schützt vor giftigen und gesundheitsschädlichen Stäuben, Rauch und Aerosolen. Viele Hersteller empfehlen im Umgang mit Viren, Bakterien und Pilzsporen diese Maskentype. Allerdings schützt die Maske nur im vollen Umfang, wenn die Maske korrekt sitzt und die Gesamtleckage maximal 5% beträgt. Das bedeutet, dass maximal 5% der abgedeckten Fläche undicht sein dürfen. Dann werden mindestens 99% der Partikel bis zu einer Größe von 0,6µm ausgefiltert. Die Masken dürfen bei einer bis zum dreißigfachen des Arbeitsplatzgrenzwertes verwendet werden. Diese Masken werden hauptsächlich in der chemischen Industrie verwendet.

Manche FFP2 und FFP3 Masken verfügen über ein Ausatemventil. Dieses mindert den Fremdschutz.

MNS

Mund-Nasen-Schutz sind chirurgische Masken, welche die Übertragung von Krankheiten durch Sekrettröpfchen verhindern können. Diese bestehen aus mehreren Papier- bzw. Vliesschichten und werden mit Bändern hinter dem Kopf oder hinter den Ohren fixiert. Ein Mund-Nasen-Schutz kann die großen Tröpfchen, welche Tröpfcheninfektionen übertragen können, zurückhalten. Diese sind nach sichtbarer Verschmutzung, Durchfeuchtung oder nach spätestens zwei Stunden zu erneuern.

Einen interessanten Vortrag hielt Dr. med. Thomas Grünewald, Leiter der Klinik für Infektions- und Tropenmedizin, Zentrum für Innere Medizin II, am Klinikum Chemnitz. (Der ganze Vortrag unter https://fire.cc/4gg). Hierin beschreibt er, dass MNS-Masken für das Zurückhalten von Tröpfcheninfektionen völlig ausreichend sind, wenn die entsprechenden Abstände sowie die grundlegende Hygiene ebenfalls eingehalten werden und man den Schutz tauscht, sobald dieser durchnässt ist. Außerdem schützt dieser Schutz auch den Träger davor, sich selbst mit verschmutzten Händen bei Mund und Nase zu kratzen. Die Augen sind – wie bei den anderen Halbmasken – nicht geschützt. Hier empfiehlt es sich eine einfache Schutzbrille oder Sonnenbrille zu tragen, sodass keine Tröpfchen in die Augen kommen.

Anwendungsgebiete

Diese Masken können zu unterschiedlichen Zwecken natürlich angewendet werden, abseits der Corona-Krise. So empfiehlt der ÖBFV bereits seit längerem den Einsatz von FFP2 Masken zum Beispiel bei Arbeiten mit „fibrogenen Stäuben“, wie sie bei Einsätzen mit Dämmwolle oder beim Schneiden von Carbon entstehen. Die Matrix zeigt, welche Einsatzbereiche für die unterschiedlichen Maskentypen zusätzlich empfohlen werden.

MNS selber machen

Auf vielen Seiten wird zur Zeit propagiert, dass man sich eine MNS-Maske selbst basteln kann. Im Gespräch mit Futurezone.at hat Andrea Grisold, Infektologin für Hygiene, Mikrobiologie und Umweltmedizin der Meduni Graz, erklärt, dass es auf den richtigen Stoff ankommt. „Der Stoff sollte bei 60 bis 90 Grad mit einem Vollwaschmittel waschbar sein und drei Lagen haben“, sagt sie im Gespräch mit Futurezone.at. Die derzeitigen Corona-Maßnahmen orientieren sich in Richtung „Nichtausbreitung“. Hier helfe schon ein Schal in mehreren Lagen um Mund und Nase, so Gesundheitsminister Rudolf Anschober in der Pressekonferenz. Eine Studie von Prof. Madhukar Pai von der McGill Universität (Canada) aus dem Jahr 2008 beschreibt, dass „jede Art von Maske dazu beiträgt, die Verbreitung eines Virus und ein Risiko der Infektion zu vermindern“. In der Studie wurde festgestellt, dass ein einfaches Geschirrtuch („tea cloth“) einen Schutzfaktor zwischen 2,2 und 3,2 (die Werte wie auch alle nachfolgenden wurden bei Erwachsenen in unterschiedlichen Situationen festgestellt, Anm.) erreicht. Dabei bedeutet der Schutzfaktor 1, dass KEIN Schutz vorhanden ist. Die Skala ist nach oben hin offen. Eine MNS-Maske erreicht schon einen Schutzfaktor von 4,1 bis 5,3. Eine FFP2 Maske erreicht hingegen einen Schutzfaktor von 66 bis zu 113. Bei dieser Studie ist zu beachten, dass die Tröpfchengröße von ca. 0,02 µm bis 1 µm berücksichtigt wurde. Dr. Grünewald zitiert in seinem Vortrag eine Untersuchung aus dem Jahr 2016, wonach die MNS-Maske deshalb ebenso völlig ausreichend ist, weil es sich um größere Tröpfchen handelt, welche es zurückzuhalten gilt.

Passform der Maske

Damit eine Maske überhaupt schützt, ist die Passform wichtig. Um einen entsprechenden Schutz zu bieten, darf die Maske je nach Schutzgrad eine gewisse Leckage aufweisen. Je besser die Maske sitzt, desto geringer die Leckage, desto besser der Schutz. Auch beeinträchtigt die Maske die Atmung, denn mit einer Maske atmet man schwerer, als ohne. Da wir bei der Feuerwehr keinen korrekten Fit-Test aufgrund dessen Komplexizität für die Feuerwehren, kann man den Sitz der Maske zum Beispiel im Luftzug oder vor einem Ventilator testen. Spürt man den Luftzug unter der Maske, ist sie vermutlich undicht. Dies ersetzt aber keinen korrekten Fit-Test. Unternehmen nutzen diesen Fit-Test um die korrekte Maske für den Arbeitnehmer zu finden. So dauert ein solcher Test in der Regel pro Person bis zu 30 Minuten und bedarf eines geschulten Personals. Dieser Test stellt die Dichtigkeit der Maske bei Unterdruck fest, um das korrekte Modell für die jeweilige Gesichtsform herauszufinden.

Grundsätzliches

Dr. Grünewald erwähnt drei wesentliche Punkte in seinem Vortrag, ohne die jeder Schutz wirklungslos ist. Zum einen ist die grundlegende Hygiene besonders wichtig. Dazu gehört auf jeden Fall das Händewaschen. Zum zweiten ist es wichtig, dass die Maske korrekt aufgesetzt wird. Also vor dem Aufsetzen und nach dem Abnehmen müssen die Hände gewaschen und desinfiziert werden. Außerdem ist die korrekte Passform wichtig. Und zum dritten muss die Maske getauscht werden, wenn diese durchnässt ist. Berücksichtigt man dies, dann ist auch ein mehrlagiger Mund-Nase-Schutz hilfreich bei der Reduktion der Verbreitung des Coronavirus.

Der Österreichische Bundesfeuerwehrverband hat eine Übersicht zu diesem Thema veröffentlicht: Übersicht MASKEN

 

Quellen:

Link zu Studie von Prof. Pai, Abgerufen am 1.4.2020
https://www.researchgate.net/figure/Protection-factor-of-home-made-mask-being-measured-by-Portacount-in-volunteer-Volunteer_fig4_5239203

Biologie und molekulare Medizin: für Mediziner und Naturwissenschaftler von Manfred Schweiger, Michal-Ruth Schweiger, Monica Schweiger; erschienen im Georg Thieme Verlag

Zellbiologie von Helmut Plattner, Joachim Hentschel erschienen im Georg Thieme Verlag

Handbuch in die Einführung in die Personenschutztechnik, Dräger, Abgerufen am 1.4.2020
https://www.draeger.com/Products/Content/personenschutz-ca-9072152-de.pdf

UVEX: Bedeutung der Schutzklassen, Abgerufen am 1.4.2020
https://www.uvex-safety.com/de/wissen/normen-und-richtlinien/atemschutzmasken/die-bedeutung-der-ffp-schutzklassen/

MNS, FFP oder selbstgemacht: Was welche Maske bringt, Abgerufen am 1.4.2020
https://futurezone.at/produkte/mns-ffp-oder-selbstgemacht-was-welche-maske-bringt/400797320

CE-Kennzeichen und Normen, WKO, Abgerufen am 1.4.2020
https://www.wko.at/service/innovation-technologie-digitalisierung/ce-kennzeichnung-normen.html

Normen: EN 149:2009 & EN 14683:2019

 

 

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