ÖFKAD Führungsseminare 2026: „Führen über Generationen hinweg“
Mit dem Seminar „Führen über Generationen hinweg“ startete Anfang März in Linz die neue Reihe der Führungsseminare der Österreichischen Feuerwehr- und Katastrophenschutzakademie (ÖFKAD). Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Führungskräfte in den Feuerwehren mit unterschiedlichen Generationen erfolgreich zusammenarbeiten können. Weitere Termine der Seminarreihe fanden in Telfs und Klagenfurt statt.
Text: Mathias Seyfert
ÖBFV-Referatsleiter Klaus Tschabuschnig betonte, dass bereits heute an die Zukunft gedacht werden müsse. Führung über Generationen hinweg bedeute, Ausbildung, Dienst und Einsatz auf die unterschiedlichen Generationen auszurichten. Während Einsätze vor allem Erfahrung erfordern, brauche die Zukunft vor allem geeignete Führung.
Die Zielsetzungen des Seminars waren:
- Erweiterung des Grundwissens zu unterschiedlichen Generationen, deren Werten und Verhaltensweisen.
- Reflexion des (eigenen) Führungsverhaltens unter Einbeziehung von Chancen, Risiken und Konfliktpotenzial im Kontext der Generationenvielfalt.
- Gemeinsame Ableitung praxisnaher Führungsleitlinien als Ideenansatz zur persönlichen Weiterentwicklung.
- Gemeinsame Erarbeitung von Unterstützungsstrategien für Ortsfeuerwehrkommandanten.
- Aktiver Erfahrungsaustausch und Sensibilisierung für die Auswirkungen auf das Ehrenamt.
Robert Mayer machte deutlich, dass sich die Aufgaben von Führungskräften in der Feuerwehr stark verändert haben. In dieser Führungsebene liege der Anteil der eigentlichen Einsatzaufgaben nur noch bei rund zehn Prozent, während etwa neunzig Prozent auf Führungs- und Organisationsaufgaben entfallen. Auch wenn die Zahl der Einsätze nach den schweren Unwettern von 2024 auf 2025 wieder etwas zurückgegangen sei, habe sich der Umfang der Arbeiten im Hintergrund keineswegs reduziert.
Durch die jüngsten Feuerwehrwahlen sei zudem eine Verjüngung in der Reihe der Feuerwehrkommandanten zu beobachten.
Mayer veranschaulichte dies mit einem Vergleich: „Wenn wir ein Fahrzeug bestellen, wird es nach kurzer Zeit geliefert. Beim Personal funktioniert das jedoch nicht. Einsatzkräfte stehen nicht einfach auf Bestellung in ausreichender Zahl zur Verfügung.“
Daher gehe es heute nicht mehr nur darum, für den Eintritt in die Feuerwehr zu werben. Ebenso wichtig sei es, die Mitglieder langfristig in der Organisation zu halten – sowohl jene, die bereits seit vielen Jahren im Aktivdienst stehen, als auch jene, die gerade aus der Feuerwehrjugend in den Aktivstand überstellt wurden. „Neben dem Einsatzgeschehen als Kerngeschäft muss sich die Feuerwehr daher verstärkt mit dem Thema Menschenführung beschäftigen. Dies spielt auch im Österreichischen Bundesfeuerwehrverband eine zentrale Rolle“, so Mayer.
Der gemeinsame Anspruch müsse es sein, den eigenen Führungsauftrag ernst zu nehmen und sich in diesem Bereich kontinuierlich weiterzuentwickeln – auch im Sinne jener, die als neue Generation von Führungskräften künftig das übernehmen werden, was heute aufgebaut wird.
Martin Kisser vom Landesfeuerwehrverband Vorarlberg widmete sich in seinem Beitrag der Frage, wie unterschiedliche Generationen „ticken“ und wie Führungswerkzeuge gezielt auf verschiedene Altersgruppen angewendet werden können.
Er betonte, dass ein Generationenwechsel nicht mit einem einfachen Update vergleichbar sei, sondern vielmehr einem Systemwechsel gleiche. Der Wandel zwischen den Generationen sei eine echte Transformation und nicht nur eine kleine Veränderung. Dieser Paradigmenwechsel finde statt – unabhängig davon, ob man ihn wolle oder nicht. Er sei irreversibel und von Dauer.
Anhand mehrerer Beispiele zeigte Kisser auf, wie unterschiedlich Generationen kommunizieren, lernen und Informationen aufnehmen. Dabei ging er auch darauf ein, dass jüngere Generationen häufig eine kürzere Aufmerksamkeitsspanne haben und daher andere Formen der Ansprache und Wissensvermittlung benötigen.
Danach arbeiteten die Teilnehmer in Gruppen zum Thema „Konflikte und Chancen zwischen den Generationen“. Dabei wurden typische Herausforderungen im Zusammenarbeiten verschiedener Altersgruppen in der Feuerwehr diskutiert und zugleich mögliche Chancen und Lösungsansätze erarbeitet.
Weitere Vorträge zum Thema Menschenführung
Im weiteren Verlauf des Seminars folgten mehrere Fachvorträge aus unterschiedlichen Perspektiven. Maria Horvath, Head of Talent Management bei Rosenbauer Österreich, gab in Linz einen Einblick in den Personalauswahlprozess und in die Personalentwicklung aus Sicht eines international tätigen Unternehmens. In Klagenfurt gestattete Christiana Zenkl, HR-Leiterin von Infineon Technologies Austria, einen Blick hinter die Kulissen des Unternehmens und ging dabei auf die Arbeit als Personalverantwortliche ein, die sie mit jener der Feuerwehren in Österreich verglich.
Der Zukunftsforscher Klaus Kofler widmete sich unseren Erwartungen an die Zukunft. Unter dem Leitgedanken „Wer die Zukunft schaffen will, soll sie zuerst kennen“ zeigte er auf, welche Trends Führungskräfte bereits heute berücksichtigen sollten.
In weiteren Gruppenarbeiten erarbeiteten die Teilnehmer gemeinsame Führungsleitlinien für den Umgang mit Generationenvielfalt und konkrete Unterstützungsstrategien für die Ortsfeuerwehrkommandanten.
Thomas Brugger stellte in seinem Beitrag dar, wie vorhandenes Erfahrungswissen innerhalb von Organisationen besser genutzt und an jüngere Generationen weitergegeben werden kann. Dabei ging es insbesondere darum, Erfahrung in Wissen umzuwandeln, das Wissen zu sichern und es an neue Mitglieder weitergeben zu können. Im Anschluss gab Feuerwehrpräsident Robert Mayer einen Überblick über aktuelle Entwicklungen und zentrale Themen im Österreichischen Bundesfeuerwehrverband. Dabei berichtete er über Projekte des letzten Jahres und aktuelle Themen, wie die ÖFKAD-Ausbildung, die Bekleidungsrichtlinie KS-04, die Finanzierung des Feuerwehrwesens und den kürzlich stattgefundenen Fahrzeuggipfel.
Führungsseminar in Telfs, Tirol
In Telfs wurde seit langer Zeit wieder ein Führungsseminar abgehalten. Der Hörsaal war mit Feuerwehrführungskräften aus den Bundesländern Vorarlberg, Tirol, Salzburg, Niederösterreich, Burgenland und Gästen aus Südtirol bis zum letzten Platz gefüllt. „Der Austausch über Bundeslandgrenzen und sogar ins benachbarte Südtirol hinweg ist ein wertvoller Beitrag zur Entwicklung der Feuerwehren. Das Thema ‚Führen über Generationen hinweg‘ wird uns besonders in den nächsten Jahren immer stärker fordern“, betont Klaus Tschabuschnig. FPräs Robert Mayer sowie die Landesfeuerwehrkommandanten Jakob Unterladstätter (Tirol), Günter Trinker (Salzburg), Herbert Österle (Vorarlberg) und der FAFF-Vorsitzende Robert Lottermoser stellten sich am Ende der Veranstaltung einer Interview-Runde. Dabei zeigten sie sich unisono zuversichtlich, dass dieses Seminar wichtige Impulse für die zukünftige Haltung von Führungskräften ausgelöst hat.
Finale in Klagenfurt
Der letzte Termin wurde in der Landesfeuerwehrschule Kärnten in Klagenfurt durchgeführt. Über 100 Führungskräfte fanden sich im Atrium ein, um sich dem Generationen-Thema zu widmen, aktiv mitzuarbeiten und sich auszutauschen. Diesmal diskutierten am Ende Landesfeuerwehrkommandant Robert Mayer (Oberösterreich), Feuerwehrvizepräsident Rudolf Robin (Kärnten), Landesfeuerwehrkommandant-Stv. Martin Reidl (Burgenland) sowie Landesfeuerwehrrat Josef Krenn in Vertretung von LBD Reinhard Leichtfried (Steiermark). Zusammenfassend hielt FPräs Mayer fest, dass das Ergebnis der Gruppenarbeiten bei allen drei Terminen dazu beitragen wird, eine gute Zusammenarbeit zwischen den Generationen zu fördern und Führungskräfte auf diese wichtiger werdende Aufgabe intensiver vorzubereiten.
Fotos: Thomas Meier, Mathias Seyfert, Richard Berger

















