Feuerwehrfahrzeuge werden immer teurer – Weg zur Kostenbremse gesucht

Österreichischer Bundesfeuerwehrverband (ÖBFV) lud zum Feuerwehr-Fahrzeuggipfel: Senkung der Anschaffungskosten von Feuerwehrfahrzeugen dringend erforderlich

Die Kosten für Feuerwehrfahrzeuge sind in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Auch unterschiedliche Ausstattungsanforderungen spielen dabei eine Rolle, sind jedoch nicht der Hauptgrund dieser Entwicklung. Ausschlaggebend sind vor allem die stark gestiegenen Preise für Fahrgestelle, Technik, Material sowie zusätzliche norm- und sicherheitsbedingte Anforderungen.

Bei einem klassischen Löschfahrzeug im 18t – Bereich sind das Mehrkosten in der Größenordnung von €100.000,- bis €150.000,-, prozentuell gesprochen also bis zu 30% Preissteigerung innerhalb von zwei bis drei Jahren.

Diskussion mit relevanten Stakeholdern

Anwesend bei diesem Fahrzeuggipfel waren rund 40 Vertreter von 17 Unternehmen aus dem Bereich Fahrgestellproduzenten und Feuerwehr-Aufbauer in Österreich sowie aller neun Landesfeuerwehrverbände. Gemeindebundpräsident Johannes Pressl sowie Gilbert Sandner von der Stadt Graz für den Städtebund nahmen ebenso teil.

Die große Anzahl an Zusagen unterstrich die hohe Bedeutung, gemeinsam Lösungen zu finden, um die steigenden Anschaffungskosten von Feuerwehrfahrzeugen zu bremsen.

Gemeindebundpräsident Johannes Pressl: „Ich bin den Kameradinnen und Kameraden der 4.767 Freiwilligen Feuerwehren im ganzen Land unglaublich dankbar für ihren freiwilligen Einsatz. Für jede einzelne Feuerwehr und damit die Gemeinde, ist die Anschaffung eines neuen Feuerwehrfahrzeuges ein wichtiges Ereignis, das auch mit hohen Kosten verbunden ist. Gesteigerte Anforderungen, allgemeine Preiserhöhungen sowie eigene Wünsche haben die Preise für Feuerwehrfahrzeuge in den letzten Jahren immer weiter nach oben getrieben. Die Grenze der Finanzierbarkeit ist bereits erreicht. Erfolgreiche Beispiele, wie die Sammelbestellung von 50 Löschfahrzeugen (HLF2) aus Niederösterreich zeigen, dass die gemeinsame Beschaffung auch Einsparungen von 150.000 Euro pro Fahrzeug bringt. Unsere Verantwortung ist klar: Die Feuerwehren müssen verlässlich arbeiten können und die Finanzierung muss für Gemeinden und Freiwillige Feuerwehren fair und nachvollziehbar bleiben. Vielen Dank an Robert Mayer und sein Team im Bundesfeuerwehrverband, dass er gemeinsam mit Bund, Ländern, Gemeinden, Landesfeuerwehrverbänden und Fahrzeugherstellern dieses wichtige Thema der Fahrzeugbeschaffung vorantreibt. Damit halten wir unsere Feuerwehren weiter stark und einsatzbereit.“

Beschaffungsprozess, Aufbau-Arten, Betrieb und Zukunft

In Fachimpulsen gingen Feuerwehrtechnik-Experten auf die Herausforderungen bei der Beschaffung in Zusammenhang mit Mindestausrüstungsstandards und Förderprogrammen der Feuerwehren, und für den Bereich der Freiwilligen Feuerwehren insbesondere auf die Mitfinanzierung, ein. Es folgte eine angeregte Diskussion mit Stellungnahmen aller Firmenvertreter zum Beschaffungsvorgang sowie zur Nutzungsdauer, der Nachbeschaffung und den Herausforderungen, die sich in den nächsten Jahren noch auf die Kosten auswirken könnten.

Gemeinsame Lösungsfindung wichtig

Feuerwehr-Vizepräsident Ing. Mario Rauch: „Wir haben einen gesetzlichen Auftrag und sehen uns als Partner für Lösungen. Es braucht aber mehr als Feuerwehr-Lösungen, es sind technische, rechtliche und wirtschaftliche Lösungen erforderlich.“

Zusammengefasst waren sich die Anwesenden einig, dass ein Schlüssel zu kostengünstigeren Lösungen bestmöglich standardisierte Fahrzeuge und österreichweit gemeinsame Beschaffungsaktionen sein können. Das ist jetzt keine große Überraschung oder neue Errungenschaft. Wesentlich ist aber, dass alle Stakeholder ein Bewusstsein dafür entwickeln und gemeinsam Prozesse erarbeiten, diesen Ansatz auch realisieren zu können. Besonderes Augenmerk soll dabei auch auf kleine Unternehmen gelegt werden, da diese durch größere Sammelbestellungen ihre Geschäftsgrundlage verlieren könnten.

Rechtliche Vorgaben sorgen oftmals für Unsicherheit

Neue bzw. künftige rechtliche Vorgaben, die im Entstehen oder in Vorbereitung sind, sorgen für Verunsicherung und Planungsunsicherheit. Fahrassistenzsysteme, die den Betrieb von Fahrzeugen sicherer machen, bei einer Einsatzfahrt allerdings zu massiven Nachteilen führen können (Fahrzeug bremst in der Rettungsgasse ein, Tiefe der Seilwinde am Fahrzeug wird beim Abstandshalter nicht einberechnet etc.), sorgen ebenfalls für eine Kostensteigerung, als auch für einsatztaktische Herausforderungen. Auch hier ist ein Schulterschluss geplant, rechtliche Klarheit zu schaffen. Der im Verhältnis kleine Feuerwehrmarkt mit einem Marktanteil von 4% am LKW-Sektor in Österreich ist eine zusätzliche Herausforderung, weshalb über den EU-Verband der Feuerwehren auch eine internationale Interessensvertretung zu diesem Thema bemüht werden soll.

„Der sehr offene und lösungsorientierte Austausch hat allen Beteiligten wichtige neue Perspektiven eröffnet. Tragfähige Lösungen müssen sowohl wirtschaftlich für die Unternehmen darstellbar sein als auch den sicherheitstechnischen und finanziellen Anforderungen von Städten, Gemeinden und Feuerwehren entsprechen, insbesondere vor dem Hintergrund stark beanspruchter öffentlicher Budgets. Der Dialog soll daher weiter vertieft werden, um ganz konkrete Einsparungspotenziale zu identifizieren und gemeinsam umzusetzen“, fasst Feuerwehrpräsident Robert Mayer die Diskussion beim Fahrzeuggipfel zusammen.

Fotos: Thomas Meier

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