Vor 40 Jahren: verheerender Brand im Hotel „Am Augarten“

Vor 40 Jahren am 28. September 1979 kam es zu einem verheerenden Brand im Hotel „Am Augarten“ in der Wiener Leopoldstadt. Fehlender Brandschutz und eine späte Alarmierung der Feuerwehr führten zu einer Tragödie, bei der mindestens 25 Menschen starben.

Das Unglück nahm vermutlich schon eine Stunde vor der Alarmierung der Berufsfeuerwehr Wien seinen Ausgang: Heiße Zigarettenreste in einem Mistkübel in der Portierloge des mit fast 100 Gästen ausgebuchten Hotels dürften über längere Zeit geglost haben. Durch die Hitze entzündeten sich in weiterer Folge Möbel und der Spannteppich in dem Raum. Der Brand produzierte große Mengen Kohlenmonoxid und andere giftige Gase. Dieser Brandrauch breitete sich über das einzige Stiegenhaus in alle vier Stockwerke aus und drang durch die Türritzen in die Gästezimmer ein. Noch bevor der Brand entdeckt wurde, dürfte bereits ein Großteil der später gefunden Todesopfer erstickt sein, vor allem in den oberen Stockwerken – keine einzige Person war an den Folgen der Brandhitze gestorben.

Späte Alarmierung der Feuerwehr
Der Nachtportier war mit einer Bekannten in einem Zimmer im 3. Stock, als er auf den Brandrauch aufmerksam wurde. Er warnte noch einen Zimmernachbarn und öffnete dann ein Fenster. Entweder dadurch oder durch das Zerspringen einer Fensterscheibe war plötzlich reichlich Sauerstoff vorhanden, die heißen Gase zündeten durch und es kam zu einem „flash over“. Nun stand auch das Stiegenhaus schlagartig in Flammen, weitere Hotelgäste wurden auf den Brand aufmerksam und riefen um Hilfe. Nachbarn dachten zunächst an eine Wirtshausschlägerei und alarmierten nicht sofort die Feuerwehr – dies geschah laut einem Bericht der Arbeiterzeitung erst 20 Minuten nach den ersten Hilferufen. Erst jetzt – um 05:15 Uhr – wurde die Feuerwehr alarmiert.

Dramatische Rettungsaktion in der Erstphase
Die ersten Feuerwehrleute trafen fünf Minuten später am Brandort ein. Zahlreiche Menschen riefen an den Fenstern um Hilfe – eine junge Frau sprang kurz nachdem die Feuerwehr eingetroffen war aus dem 1. Stock – sie verstarb wenig später im Spital. Sofort wurden mit einer Löschleitung die Flammen im Erdgeschoss bekämpft und gleichzeitig begann die Rettung der eingeschlossenen Personen. Dazu wurde anfangs eine Drehleiter, zwei Schiebleitern, eine Bockleiter und zu Beginn der Rettungsaktion auch ein Sprungbalg eingesetzt, der teilweise mit Passanten besetzt wurde.

Innerhalb kürzester Zeit wurde bis auf Alarmstufe 4 erhöht, so dass dann rasch insgesamt fünf Drehleitern für die Menschenrettung zur Verfügung standen. Der Brand und die Glutnester im Stiegenhaus konnten mit vier Löschleitungen verhältnismäßig rasch gelöscht werden, das gesamte Haus war aber immer noch stark verraucht. Die meisten Feuerwehrleute waren bei den umfangreichen Menschenrettungen gebunden. Der Hausmeister des Nachbarhauses machte die Einsatzkräfte auf einen kleinen Lichthof aufmerksam. Dort riefen auch einige Eingeschlossene um Hilfe. Dieser Hof war jedoch nur über ein kleines Fenster des Nachbarhauses erreichbar, so dass dort wegen der beengten Platzverhältnisse nur kurze Leitern und Hakenleitern eingesetzt werden konnten. Zwei Gäste kletterten aus einem Fenster im 4. Stock über das Dach ins Nebenhaus und brachten sich so in Sicherheit. Insgesamt kamen bei diesem Brand mindestens 25 Menschen ums Leben, knapp 70 Personen konnten von der Feuerwehr gerettet werden.

Das Hotel verfügte damals weder über eine Brandmeldeanlage noch über Brandabschnitte, die Türen zu den Gästezimmern waren undicht, es gab nur ein Stiegenhaus – und das war verraucht bzw. brannte. Nicht zuletzt diese Tragödie führte in weiterer Folge zu einer Verschärfung der Brandschutzbestimmungen für Hotels. Beim Brand des Hotels „Am Augarten“ gab es nach dem Ringtheaterbrand 1881 die meisten Opfer eines Brandes in zivilen Zeiten in Wien.

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