ÖBFV Terminkalender

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Währungen

Adolf Schinnerl (1)

 

Blättert man in den Kassabüchern der Feuerwehren, wird man über den Einnahmen- und Ausgaben-Spalten vor dem Jahr 1900 die Buchstaben „Fl – kr“, ab 1900 „K – h“, später „S – g“, dann „RM – Rpf“ und schließlich „öS“ als Währungsangabe finden. Ab dem Jahr 2002 gibt es das neue Zeichen „€“. Was bedeuten nun diese Abkürzungen und welche Vergleichswerte können wir heute heranziehen? Dieser Behelf will das aufklären.

1. Gulden und Kreuzer bis 1899

1857 gibt Österreich nach rund 100 Jahren die „Conventionswährung“ auf und führt 1858 den neuen Gulden („Fl“) als Silberwährung ein. 100 Gulden der „Conventionswährung“ entsprechen 105 Gulden österreichische Währung. Gleichzeitig wird der alte Kreuzer (1 Gulden = 60 Kreuzer) beseitigt, an dessen Stelle der Neukreuzer in Kupfer gemünzt wird (1 Gulden = 100 Neukreuzer). Er wird weiterhin nur Kreuzer genannt („kr“).

Der Gulden (zu Gold) geht auf die im Jahr 1252 von Florenz eingeführte Goldmünze zurück. Die in Florenz geprägten Goldgulden zeigten auf der einen Seite das Bildnis Johannes des Täufers, auf der anderen eine Lilie mit der Inschrift „Florentia“. Von der Aufschrift oder Blume (lateinisch flos) stammt das für Gulden gebräuchliche Abkürzungszeichen „Fl“. Der Gulden war die wichtigste Goldmünze des Mittelalters. 1559 wurde das silberne Äquivalent im Reichsgulden zu 60 Kreuzern eingeführt.

Seit dem 17. Jahrhundert wurde der Goldgulden allmählich durch den Dukaten verdrängt. Der Dukat, dessen Name wahrscheinlich aus Griechenland stammt, wurde als Goldmünze erstmals 1284 in Venedig geprägt. Die Reichsmünzordnung von 1559 nahm den Dukaten als Reichsmünze auf.

1751 wird in Österreich der „Maria Theresien-Taler“ eingeführt. Der Taler wurde erstmals 1484 als große Silbermünze, Guldengroschen genannt, in Tirol geprägt. Österreich schließt 1750 mit Bayern eine Münzkonvention ab, in der ein neuer Münzfuß vereinbart wird. Ein Gulden entspricht einem halben Taler und hat 14 g Silber („Conventionswährung“). Damit ist das Verhältnis zwischen Gulden und Taler auf 2:1 festgesetzt. Als Scheidemünzen werden die Kreuzer aus Kupfer verwendet. 60 Kreuzer entsprechen einem Gulden.

Der Kreuzer („kr“) wurde 1271 in Tirol geschlagen. Den Namen hat die Silbermünze vom Doppelkreuz, das ursprünglich sein Gepräge zeigte. Er wurde auch Etschkreuzer genannt. Nach der Münzordnung von 1551 sollten 72 Kreuzer ein Goldgulden sein. Ursprünglich wurde der Kreuzer aus geringhaltigem Silber (Billon) und später aus Kupfer geprägt.

2. Kronen und Heller – 1900 bis 1925

Am 1. Jänner 1900 wird die Kronenwährung (Goldwährung) ausschließliches Zahlungsmittel in der k. u. k. Donaumonarchie. Eine Krone (K) hat 100 Heller (h) und entspricht einem halben Gulden alter Währung, also zwei Kronen für einen Gulden. Die Einführung wurde bereits am 11. August 1892 beschlossen.

Die Krone („K“) ist ursprünglich der Name mehrerer Münzen und dreier Geldeinheiten. Im Deutschen Reich wird das goldene Zehnmarkstück amtlich Krone, das Zwanzigmarkstück Doppelkrone und das Fünfmarkstück halbe Krone genannt. Seit 1892 werden in Österreich-Ungarn aus Gold Stücke von 20 und 10 Kronen geprägt.

Der Heller („h“) hat den Namen von den seit dem 12. Jahrhundert in Schwäbisch Hall geprägten Pfennigen („Händel-Häller). Vom 16. bis zum 19. Jahrhundert meist in Kupfer geprägt. 1892 bzw. 1900 wird der Heller als österreichische Scheidemünze übernommen; in Ungarn heißt er Filler und in der Tschechoslowakei Halèr.

3. „Galoppierende Inflation“

1918 war der Erste Weltkrieg beendet, die Österreichisch-Ungarische Monarchie existierte nicht mehr, der Vielvölkerstaat war auseinandergebrochen. In Österreich, dem Kernland der ehemaligen Habsburgermonarchie, wurde die Republik ausgerufen. Diese hat mit großen wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen.

Im Laufe des Jahres 1921 nimmt die Inflation deutlich zu und gerät aus der Kontrolle der Regierung. Der Banknotenumlauf beträgt bereits 200 Millionen Kronen – bei einer Bevölkerung von rund sechs Millionen. Die Lebenshaltungskosten sind bereits Anfang Jänner katapultartig nach oben geschnellt (+24%); bis zur Jahresmitte steigen sie von 3.800 auf 6.200 (+63%) und bis zum Jahresende auf 25.600 Kronen. Das bedeutet einen Anstieg um 573% in zwölf Monaten. Kein Wunder, wenn man in den Kassabüchern dieser Zeit Millionenbeträge findet. 1924 erreicht die „galoppierende Inflation“ den Höhepunkt.

4. Schilling und Groschen – 1925 bis 1938

Am 12. Dezember 1924 wird in Österreich der Schilling („S“) als neue Währung eingeführt. Die Reform sollte mit 1. Jänner 1925 wirksam werden, tritt aber erst am 1. März 1925 in Kraft. Der Währungsumtausch von der Krone zum Schilling beginnt mit dem 20. Dezember 1924 und kann grundsätzlich bis zum 31. Mai 1937 durchgeführt werden. Die neue Schilling-Währung hat als Scheidemünze 100 Groschen („g“). Ein Schilling entspricht dem Wert von 10.000 Papierkronen. Eine Goldkrone hat den Wert von 1,41 Schilling.

In einem Kassabuch kann das beispielsweise so aussehen: der Abschluß lautet auf K 4,235.200 und dieser wird dann mit S 423,52 vorgetragen. Die Einführung der Schilling-Währung bedeutet das Ende der Inflation in Österreich.

Schilling (lateinisch Solidus) ist ein gemeingermanisches Wort, das zu dem altdeutschen scëllan (scheppern, schallen) gehört und soviel wie tönendes Metall bedeutet. Ursprünglich war der Schilling Münzzahlwert für 30 oder 40, seit 743 n. Chr. für 12 Pfennige. Im 9. Jahrhundert wurde er in Gold und seit dem 14. Jahrhundert in Silber geprägt.

Groschen (lateinisch grossus) bedeutet dick. „Grossus denarius“ ist die Großsilbermünze des Mittelalters im Wert mehrerer Pfennige. Der Prager Groschen (grossi pragenses) wird bereits um 1300 geschlagen. Seit dem 16. Jahrhundert war der Groschen die wichtigste Unterteilung des Talers.

5. Reichsmark und Reichspfennig – 1938 bis 1945

Am 12. März 1938 beginnt der Einmarsch deutscher Truppen in Österreich und am 13. März wird in Linz der „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich proklamiert. Am 17. März beginnt mit der Verordnung über die Eingliederung der Österreichischen Nationalbank in die Deutsche Reichsbank die Übernahme der österreichischen Wirtschaft durch Deutschland. Etwa 243 Millionen Schilling Goldreserven und 121 Millionen an Devisen werden nach Berlin gebracht. Außerdem wird die Wertrelation des Schilling zur Reichsmark („RM“) im Verhältnis 1 RM = 1,5 öS neu festgelegt. Scheidemünze ist nun der Reichspfennig („Rpf“). Eine Reichsmark = 100 Reichspfennig.

Die Mark ist im Deutschen Reich seit 1876 das offizielle Zahlungsmittel. Eine Mark wird in 100 Pfennige geteilt. Ursprünglich war die Mark eigentlich die Hälfte des in 32 Lot geteilten kölnischen Pfundes.

Die Reichsmark ist seit 1924 deutsche Währungseinheit. 1948 wird sie in Deutschland durch die Deutsche Mark (DM) abgelöst.

Das einzige geprägte Silbergeld war jahrhundertelang der Denarius oder Pfennig, von dem nach der Münzordnung Karls d. Gr. aus einem Pfund reinen Silbers 240 Stück geprägt werden sollten. Zwölf Stück bildeten einen Schilling. Ab dem 16. Jahrhundert sank der Pfennig zur Scheidemünze herab und wurde immer häufiger in Kupfer geprägt.

6. Seit 1945 wieder Schilling und Groschen

Am 27. April 1945 wird in Wien die „Provisorische Österreichische Staatsregierung“ gebildet und am 8. Mai ist der Zweite Weltkrieg zu Ende.

Vom 13. bis zum 20. Dezember 1945 wird die erste Währungsreform durchgeführt. Der Schilling wird wieder gesetzliches Zahlungsmittel. Reichsmark und „Alliierte Militärschillinge“ werden im Verhältnis 1 : 1 umgetauscht. Pro Kopf der Bevölkerung werden jedoch nur 150 Reichsmark gegen die neuen Schilling gewechselt, das übrige Geld befindet sich auf Sperrkonten.

Vom 11. bis zum 24. Dezember 1947 wird gemäß einem Beschluss des Ministerrates, der die einstimmige Zustimmung des Alliierten Rates erhalten hat, die zweite Währungsreform durchgeführt, um den Geldumlauf zu verringern. Pro Kopf der Bevölkerung werden 150 österreichische Schillinge (öS) im Verhältnis 1 : 1 umgetauscht, weitere Beträge werden um zwei Drittel abgewertet.

7. Euro (€) und Cent (C) in Zukunft

Österreich ist seit 1. Jänner 1995 Mitglied der Europäischen Union (EU, die nun aus 15 Mitgliedsländern besteht) und gehört seit 1. Jänner 1999 auch zu deren Währungsunion. Seither wird im bargeldlosen Verkehr der Kreditinstitute in Euro (€) verrechnet und ab 1. Jänner 2002 werden auch Geldscheine und Münzen in Euro und Cent (100 C = 1 €) ausgegeben und somit offizielle Zahlungsmittel der zur Währungsunion gehörenden elf Mitgliedsländer. Der am 31. Dezember 1998 festgelegte Umtauschkurs beträgt für einen Euro 13,7603 österreichische Schilling.

Ursprünglich wurde als gemeinsame europäische Währung der Ecu (französisch = Schild), vorgeschlagen (der Ecu gilt als älteste französische Goldmünze – 13.-17. Jahrhundert). Man einigte sich dann auf den neuen Namen Euro.

Der Cent (lateinisch centum = hundert) ist in vielen Ländern Münzeinheit, so seit 1792 im Währungsgebiet des US-Dollars (100 C = 1 $) und seit 1816 im Währungsgebiet des holländischen Gulden (100 C = 1 Hfl).

8. Vergleichswerte

Gerne möchte man wissen, welchem Wert frühere Anschaffungen heute entsprechen würden. Bei Preisvergleichen muss man jedoch bedenken, dass sich die Grundbedürfnisse des Menschen und die Produktionsbedingungen laufend verändert haben. Dennoch gibt das Österreichische Statistische Zentralamt monatlich eine mit komplizierten Formeln erstellte Fortrechnungshilfe heraus – siehe Tabelle „Altwährungsumrechnung“ im Anhang.

 

Literatur:

Brockhaus Konversations-Lexikon, 14. Auflage, 1898.

Bertelsmann Universal Lexikon, 1988.

Prof. Walter Kleindel, Die Chronik Österreichs, 3. Auflage, 1989.

Österreichisches Statistisches Zentralamt, Indizes zur Wertsicherung, Anleitungen, Langzeitreihen, Beispiele, Wien, 1998, ISBN 3-7046-1285-5.

Altwährungsumrechnungstabelle, E-Mail: Info@statistik.gv.at

 

 

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1 BR Adolf Schinnerl, Adnet, Referent des Landesfeuerwehrverbandes Salzburg und Sachbearbeiter des ÖBFV-Sachgebietes 1.5 Feuerwehrgeschichte und Dokumentation.

 

Ablage unter: Währungen

Handbuch zur Feuerwehrgeschichte - Ausgabe: November 2002/2

Altwährungsumrechner

Altwährungsumrechnung

Aus dieser Fortrechnungshilfe ist der Gegenwert am 31. Dezember 2001 bzw. am 1. Jänner 2002 für eine frühere Währungseinheit in Schilling und Euro ablesbar.

 

Quelle: Österreichisches Statistisches Zentralamt, Wien.

 

Whg (1) Jahr        S                   €

fl (2)    1820     197,19        14,33

fl          1830     218,79        15,90

fl          1840     215,90        15,69

fl          1850     180,40        13,11

fl (3)    1860     139,25        10,12

fl          1870     129,48          9,41

fl          1880     125,49          9,12

fl          1890     137,05          9,96

(4)   1900       70,18          5,10

K          1901       72,24          5,25

K          1902       71,69          5,21

K          1903       70,59          5,13

K          1904       69,21          5,03

K          1905       65,77          4,78

K          1906       64,95          4,72

K          1907       62,47          4,54

K          1908       62,05          4,51

K          1909       61,37          4,46

K          1910       59,03          4,29

K          1911       56,69          4,12

K          1912       55,87          4,06

K          1913       55,73          4,05

Erster Weltkrieg

K          1914       56,42          4,10

K          1915       33,58          2,44

K          1916       16,37          1,19

K          1917         8,26          0,60

K          1918         5,09          0,37

K          1919         2,06          0,15

Inflation

(5)    1920       10,18          0,74

K          1921        3,30          0,24

K          1922         0,14          0,01

Galoppierende Inflation

(6)    1923         4,82          0,35

K          1924         4,13          0,30

aS (7)  1925       37,57          2,73

aS        1926       37,84          2,75

aS        1927       36,74          2,67

aS        1928       36,05          2,62

aS        1929       35,09          2,55

aS        1930       34,68          2,52

aS        1931       36,46          2,65

aS        1932       36,05          2,62

aS        1933       36,74          2,67

aS        1934       37,15          2,70

aS        1935       37,15          2,70

aS        1936       37,15          2,70

aS        1937       37,15          2,70

RM (8)1938       56,28          4,09

Zweiter Weltkrieg

RM      1939       56,83          4,13

RM      1940       55,73          4,05

RM      1941       54,63          3,97

RM      1942       54,08          3,93

RM      1943       54,08          3,93

RM      1944       53,67          3,90

RM      1945       50,23          3,65

RM      1946       39,90          2,90

RM      1947       20,37          1,48

(9)        1948       11,42          0,83

S          1949         9,36          0,68

S          1950         8,12          0,59

S          1951         6,33          0,46

S          1952         5,64          0,41

S          1953         5,64          0,41

S          1954         5,50          0,40

S          1955         5,37          0,39

S          1956         5,23          0,38

S          1957         5,09          0,37

S          1958         4,95          0,36

S          1959         4,95          0,36

S          1960         4,82          0,35

S          1961         4,68          0,34

S          1962         4,40          0,32

S          1963         4,27         0,31

S        1964     4,13      0,30

S          1965         3,99          0,29

S          1966         3,85          0,28

S          1967         3,72          0,27

S          1968         3,58          0,26

S          1969         3,58          0,26

S          1970         3,44          0,25

S          1971         3,16          0,23

S          1972         3,03          0,22

S          1973         2,89          0,21

S          1974         2,61          0,19

S          1975         2,34          0,17

S          1976         2,20          0,16

S          1977         2,06          0,15

S          1978         2,06          0,15

S          1979         1,93          0,14

S          1980         1,79          0,13

S          1981         1,79          0,13

S          1982         1,65          0,12

S          1983         1,51          0,11

S          1984         1,51          0,11

S          1985         1,51          0,11

S          1986         1,38          0,10

S          1987         1,38          0,10

S          1988         1,38          0,10

S          1989         1,38          0,10

S          1990         1,24          0,09

S          1991         1,24          0,09

S          1992         1,24          0,09

S          1993         1,10          0,08

S          1994         1,10          0,08

S          1995         1,10          0,08

S          1996         1,10          0,08

S          1997         1,10          0,08

S          1998         1,10          0,08

S          1999         1,10          0,08

S          2000         1,10          0,08

S          2001         1,00          0,07

€           2002       13,7603      1,00

 

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  1. Zu lesen (1. Zeile): 1 Gulden im Jahr 1820 entspricht kaufkraftmäßig am 31.12.2001 bzw. am 1.1.2002 einem Betrag von S 197,18 oder € 14,33.
  2. Gulden, Wiener Währung (1 fl = 60 Kreuzer).
  3. Gulden, Österreichische Währung ab 1.11.1858 (1 fl = 100 Kreuzer).
  4. Kronenwährung ab 1.1.1900 (1 fl = 2 Kronen; 1 Krone = 100 Heller).
  5. 10 Kronen.
  6. 1.000 Kronen.
  7. Altschilling ab 1.1.1925 (1 aS = 10.000 Papierkronen; 1 aS = 100 Groschen).
  8. Reichsmark ab 26.4.1938 (1 RM = 1,50 aS).
  9. Schilling ab 21.12.1945 (1 S = 1 RM).