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Uniformentwicklung

Uniformentwicklung mit Rangabzeichen und
persönlicher Ausrüstung bei den österreichischen Feuerwehren

 

SCHMUCK UND SCHUTZ (1)

130 Jahre Uniform- und Schutzbekleidung

Jörg Würzelberger (2)

 

Die Uniform hat zwei Bedeutungen: einerseits der Schutz vor diversen Gefahren am Einsatzort, andererseits ist sie „corporate design“ und Zierde des Feuerwehrmannes. Diese Aspekte ziehen sich wie ein roter Faden durch die Geschichte der größten Hilfeleistungsorganisation.

Voraussetzungen

Wenn das österreichische Feuerwehrwesen nicht unbedingt militärische Vorläufer aufzuweisen hat - geführt wurde es militärisch straff, was durch die gestellten Aufgaben verständlich scheint. Ebenso war es notwendig, verschiedene Funktionsträger optisch erkennbar zu machen und den Einsatzkräften Schutz zu geben.

Vorbilder

Die berühmte Turnerfeuerwehr in Leipzig, die einigen österreichischen Feuerwehren zum Vorbild wurde, verfügte schon 1864 über eine Kleiderordnung: „blau-weiß gestreifte Leinenbluse, weit genug für Unterkleid, mit zwei Brusttaschen, rechts die Buchstaben TC, links die Nummer aus rotem Tuch; Steiger: Gurt nach Magirus, sonstige Ledergürtel, Lederhelm mit Lederkamm, für Offiziere aus Messing mit rotem Streifen.“

Es scheint nicht verwunderlich, wenn in diesen Jahren auch andere Feuerwehren diese gestreifte Bluse verwendeten. Schon 1865 verwendete auch die Feuerwehr im ungarischen Esztergom (Gran) diese Farbkombination, Feuerwehren in Niederösterreich folgten diesem Beispiel.

Spannend gestaltete sich dann die erstmalige Einführung der bis heute in fast allen österreichischen Bundesländern üblichen Farbe braun. Im "Bericht über das 1. Vereinsjahr" der FF Salzburg ist zu lesen: „... Zur Erzielung einer Gleichmäßigkeit in der Bekleidung wurde ein brauner Wollstoff für den Feuerwehrrock bestimmt und den Mitgliedern die Anschaffung durch ratenweise Abzahlung erleichtert ...“ (1866).

Die Feuerwehr des Bielitz-Bialaer Turnvereines verwendete 1867 „eine schwarze Blouse, Filzhut und Gürtel“. Der Buchstabe am Hut definiert die Funktion . Als Erkennungszeichen trug man die Buchstaben „FB: Stab rot, Unterführer grün“.

Wien

Ganz im Gegenteil dazu verwendete man in Simmering, der ersten Freiwilligen Feuerwehr auf Boden der heutigen Stadt Wien, blaue Uniformen, was in Zusammenhang mit der Berufsfeuerwehr, damals noch „Löschanstalt“ zu stehen scheint: Diese hatte ja bereits eine fast 200jährige Geschichte. Der besoldete Feuerknecht scheint noch die Tracht eines Handwerkers getragen zu haben, doch schon im Jahre 1786 wurde diesem das Tragen der Stadtlivree genehmigt. Im Statut der Central-Feuerlöschanstalt von 1856 ist zu lesen:

„Bekleidungsnormen. Die Adjustirung unterscheidet sich in:

volle Uniform (Waffenrock, schwarzes Beinkleid, Militär-Kravatte, schwarze Lederstiefel, Helm, der Ledergurt mit Tasche ist umzuhängen),

kommode-Kleidung (Waffenrock, Beinkleid, Halstuch, Stiefel, Kappe),

Feuerdienstkleidung (wie volle Uniform, doch wird über Hose und Waffenrock eine Überbekleidung aus Gradl getragen).“

Zu diesem Zeitpunkt war der Lederhelm gerade erst zwei Jahre alt, denn er stammte aus den Beständen der aufgelösten Municipalgarde.

Auf dem Weg zur Einheitlichkeit

Der Feuerwehrhelm war im Juli 1864 erstmals Thema in der Deutschen Feuerwehrzeitung und man kann daher davon ausgehen, dass dieses bis heute so elementar mit dem Begriff Feuerwehr in Zusammenhang stehende Bekleidungsstück von Anfang an zum Inventar jeder nun entstehenden Feuerwehr gehörte. 1865 ist in der deutschen Feuerwehrzeitung schon mehrmals von Bekleidungssorten die Rede: So werden die Helme und Karabiner von Braun aus Nürnberg beschrieben, sowie über Einführungen in Lemberg (Schärpe für die „Einsatzleiter“), Berlin oder Salzburg berichtet, ebenso wird erstmals auch gegen den „Prunk“ gewettert. Im Protokoll des 1. NÖ Landesfeuerwehrtages in Baden am 17. Mai1869 ist zu lesen:

„Dienstkleidung: Zwilchkittel oder Blouse ist fast allgemein, meist grau, doch auch blau, blau und weiß gestreift, braun und roth. Zwilchhosen bei 16 von 24 Feuerwehren; Selbe ist jedoch oft Privateigenthum. Lodenjacken haben Neustadt, Gloggnitz, Neunkirchen und St.Pölten; braune Wolljacken: Scheibbs, graue Velourjacken: Krems (städt. F.W.), Tuchjacken Leobersdorf. Paradeuniform findet sich angegeben bei Groß-Enzersdorf und den Feuerwehren des Hernalser Bezirkes (Ottakring, Dornbach etc.): hecht- und blaugraue Tuchröcke mit gelben Knöpfen, weißen, grauen oder schwarzen Hosen, auch weißen Handschuhen. Es scheint, daß die Nähe von Wien Anlaß geboten, die Uniformen der Wiener Feuerwehr nachzuahmen ohne hiebei Notwendiges und Überflüssiges zu trennen. Gloggnitz gibt an, dass im Winter Lodenjacken und Tuchhosen getragen werden, alle anderen Feuerwehren schweigen hierüber“.

Nicht schön sondern praktisch ...

Schon das Jahr 1870 brachte für Niederösterreich elementare Erkenntnisse. Moriz Willfort schrieb in der „Wiener Feuerwehr-Zeitung“: „Besondere Uniform ist keine notwendig – wohl aber gleicher Schnitt und Farbe der üblichen Ortstracht. Führer, Gemeinde-Ausschüsse und Ortsarzt tragen Armbinden verschiedener Farben“. In der Feuerpolizeiordnung für Niederösterreich vom 1. Juni 1870 trifft man bereits auf eine gesetzliche Verankerung: „§ 46. Die Mitglieder der Feuerwehr sind berechtigt, in und außer dem Dienste ein Abzeichen ihrer Eigenschaft zu tragen, welches von anderen Personen nicht gebraucht werden darf".

In den meisten Kronländern der Österreichischen Reichshälfte setzten sich dunkle Farben (blau, braun) zunehmend durch. Es dürfte dafür eine plausible Erklärung geben: Der Stoff musste nicht besonders eingefärbt werden und wurde optisch nicht so schmutzig wie etwa das Wiener Hechtgrau. Der Zusammenhang mit der Artillerie der k.u.k. Armee bei den in den meisten heutigen österreichischen Bundesländern eingeführten dunkelbraunen Blusen ist jedenfalls nicht beweisbar. Zunächst beschränkte man sich auf Empfehlung der dunklen Farbe: 1879 erfolgte ein Antrag auf Einführung und Annahme von gleichartiger Uniformierung bei den freiwilligen Feuerwehren von Niederösterreich. Als ein Stoff, der allen nötigen Eigenschaften möglichst entspricht, wurde der Loden anerkannt. Das Beinkleid aus grauer Leinwand oder Zwilch vervollständigt dann den Anzug.

In den Bestimmungen über die Errichtung der NÖ Feuerwehren ist 1887 zu lesen: „Zur Uniformierung der einzelnen Feuerwehren werden dunkle Jacken und Blousen aus Loden oder Tuch angeraten“. Eine endgültige Farbdefinition gab es damit noch nicht, nur vom Bezirksfeuerwehrverband Baden ist zu erfahren, daß bereits 1878 braune Blusen eingeführt wurden.

Für das grobe, aber robuste Lodenmaterial sprach auch die Statistik: Die Zahl der Erkältungen beim Einsatz sollten verringert werden, die Einführung einer wärmeren Dienstjacke aus Tuch oder Loden statt der vielfach üblichen Zwilchjacken würde Abhilfe schaffen. Weiters sollte bei auswärtigen Fahrten unter dem Dienstrock ein Unterkleid getragen werden. Die übliche Praxis lag aber anders: 1893 beispielsweise standen bei 30% der NÖ. Feuerwehren Lodenblusen, bei 67% Zwilchblusen und bei 3% Tuchblusen in Verwendung.

Dienstgrade

Neben den bereits erwähnten Armbinden (für Kommandant, Zug- und Rottenführer) verwendeten vielerorts die Feuerwehren auch Sterne und Rosetten am Kragen, wie dies der österreichischen Uniformtradition entsprach. Das k.u.k. Kriegs- bzw. k.k. Landesverteidigungsministerium zeigten für diese allzu militärische Kennzeichnung in den „zivilen“ Feuerwehrvereinen wenig Verständnis. Mehrere Verhandlungen, in die der Österreichische Verband für das Feuerwehr- und Rettungswesen stark eingebunden war, führten dann 1892 zu einer – allerdings unösterreichischen – Lösung: Am 1. Dezember 1892 erklären das k.u.k. Reichskriegsministerium, das k.k. Ministerium für Landesverteidigung und das k.k. Ministerium des Innern, „daß gegen die Einführung und das Tragen der vorgeschriebenen Distinctionsabzeichen für die Chargirten der österr. Feuerwehren kein Bedenken bestehe.“ Nunmehr wurden „Achselklappen“ nach deutschem Muster getragen, welche mittels Messingbalken bzw. Silberplatten auf rotem Grund den Dienstgrad ausdrückten. Im Bereich des (deutsch-) böhmischen Landesfeuerwehrverbandes wurden zusätzlich die Bezirksnummern getragen – eine Gepflogenheit die in den anderen im Reichsrat vertretenen Königreichen und Ländern nur teilweise übernommen wurde.

Die Uniform selbst bestand aus einer braunen oder blauen Bluse mit Stehumlegkragen (mit jeweils einem „F“-Symbol) und vier Taschen sowie den Achselklappen. Dazu kam eine dunkle Hose oder eine Zwilchhose für den Einsatzdienst. Helme wurden nach regionalen Gepflogenheiten getragen. Die zeitgenössischen Kataloge bieten eine breite Palette an Variationen an: Breitkamm („Wiener Form“), Schmalkamm (u. a. Niederösterreich) oder die steirische und böhmische Form sind nur Beispiele. Ebenso unterschiedlich wurden Schuppenbänder, Löwenköpfe oder Helmwappen (z.B. „Linzer“ Feuerwehrabzeichen mit Ortsnamen oder die Kombination heiliger Geist mit Freundschaftshänden) getragen, dazu kamen Spezialitäten wie der "Schriftführerhelm" mit Schreibtafel- und Federkiel-Symbol.

Für spezielle Anlässe wurde auch eine Mütze verwendet: „Obmänner-Versammlung spricht sich für die Einführung der niederen Dienstkappe (deutsche Form) aus“. Diese Mütze ähnelte stark der Bordkappe der k.u.k Kriegsmarine.

In Niederösterreich erfolgte schon 1890 eine Einigung auf die Verwendung von „Achselschnüren“, weiters sollten „die Vertreter des Landesverbandes und der Bezirksverbände ein gleichmäßiges Abzeichen erhalten, welches sie bei ihrem Erscheinen im Feuerwehrkleide erkenntlich macht.“

Die Umsetzung dieser österreichweiten Innovation scheiterte natürlich an vielen Faktoren: So sprach man sich in Niederösterreich im Jahr 1893 auf die Neueinführung der braunen Uniformbluse einstimmig aus, wobei „Farbe und Art der Hose“ offen bleiben, und argumentierte: Die Bekleidung sei für alle Feuerwehren zweckmäßig. Doch: „Bezüglich der neuen Chargenabzeichen wird bemerkt, daß dieselben bereits bei vielen Verbänden Eingang gefunden haben, nur sei zu finden, daß sich einzelne Feuerwehren wieder Abweichungen erlauben, wodurch der Zweck der gleichmäßigen Kennzeichen der Chargen vereitelt werde.“ Einerseits genehmigte die k.k. Statthalterei die vorgelegten Uniformmuster und sorgte sogar für eine Novellierung der Feuerpolizeiordnung, andererseits weigerten sich der (zu Niederösterreich gehörende) „Verband der Freiwilligen Feuerwehren der k.k. Haupt- und Residenzstadt Wien“, die Normaluniform einzuführen. Dieser empfahl die Abschaffung des Waffenrocks und Ersetzung desselben durch die Bluse in hellblauer Grundfarbe mit hellrotem Kragen und weißen Knöpfen.

Uniformen im alten Österreich

Im Wesentlichen wurde die 1892er Vorschrift umgesetzt und blieb bis zum Ende der Monarchie in Geltung, wobei es regionale Besonderheiten gab.

(Deutsch-)Böhmen: Dunkelgrau-blauer Waffenrock, Zwilch, schwarzer Lederhelm mit Messingbeschlag, graublaue Mütze, Faschinmesser (langes Messer mit Sägezahnung ähnlich der Pioniere).

(Tschechisch-) Böhmen : Dunkelblauer Waffenrock mit Verschnürung, Zwilch, französische Mütze.

Steiermark, Kärnten, Krain, Mähren, Schlesien, Bukowina, Galizien: Dunkelblau, verschiedene Mützen (Offiziers-, Marine oder „Holz“-Mützen).

Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Tirol, Vorarlberg: Brauner Loden, Zwilch, Marinemützen. Die Wiener Freiwilligen Feuerwehren und die Bezirke um Wien hielten, teils bis 1938, am Graublau fest. Ebenso verwendeten diese, stark angelehnt an die berühmte Wiener Berufsfeuerwehr, Sternrosetten zur Kennzeichnung der Dienstgrade.

In der ungarischen Reichshälfte waren die Uniformen ähnlich, teils aber mit Verschnürungen regionalen Unterschiedes.

Als 1917 das k.k. Ministerium des Inneren die Vorlage diverser Uniformen zwecks behördlicher Tragebewilligung verlangte, antwortete z.B. die Freiwillige Feuerwehr Klosterneuburg: „im Dienst das Tragen der Zwilchuniform, bei feierlichen und patriotischen Anlässen die Extrauniform, bestehend aus dunkelblauem Tuch, für die Hauptleute goldene, für die Mannschaftschargen silberne Rosetten“. Begründung: „weil die Feuerwehr Klosterneuburg mit den Wiener Feuerwehren fortwährend im Verkehre steht, auch dienstlich mit Ihnen zusammenarbeitet, da bei Bränden in Klosterneuburg die Wiener Feuerwehren zur Hilfe kommen und ein Zusammenarbeiten nur gedeihlich ist, wenn möglichst gleiche Chargenabzeichen bestehen ...“. Es folgte die Antwort der k.k. nö. Statthalterei: „Das weitere Tragen der gegenwärtig bei der freiwilligen Feuerwehr der Stadt Klosterneuburg im Gebrauche stehenden Uniform wird einstweilen auf die Dauer des Krieges und der durch den Krieg bedingen Verhältnisse bewilligt.“

Zwischenkriegszeit

Nach 1918 ruhte die Frage der Uniformen. Der herrschende Geldmangel vereitelte besondere Anschaffungen. Zahlreiche Feuerwehren deckten ihren Bedarf durch Erwerb billiger Uniformen der k.u.k. Armee aus den Beständen der Sachdemobilisierung, was zu Kuriosa im Erscheinungsbild führte: Feuerwehren trugen geschlossen Waffenröcke aus Beständen der Tiroler Kaiserjäger oder Blusen aus Ulanen- und Dragoner-Beständen.

Dem Zug der Zeit Rechnung tragend, erfolgte die Verurteilung der glänzenden Verschnürung, der Roßschweife der Hornisten, der langen Säbel ... und erste Anpassungen – wiederum an Militär und Exekutive, so wurde 1929 die schwarze Dienstkappe (Tellermütze), ähnlich der des Bundesheeres, eingeführt, und am 4. Jänner 1935 erfolgte die Bewilligung zur Einführung von neuen Chargenabzeichen auf dem Kragen, anstelle der Achselspangen. Diese Forderung, z.B. 1907 schon in Salzburg formuliert, begleitete die Feuerwehren seit der Dienstgrad-Einführung von 1892.

Revolutionäres kam aus Wien: Der Aluminiumhelm mit einer spinnenförmigen Verstärkung nach oben kam auch in anderen Bundesländern zur Einführung und prägt das Erscheinungsbild der österreichischen Feuerwehren bis heute. Mehrfach wurde später die Form adaptiert und verschiedene Farbvarianten lackiert, doch ist dieser Helm zum Symbol für das österreichische Feuerwehrwesen geworden – in den letzten Jahren vielfach allerdings nur noch als Paradehelm.

NS-Zeit

Die Gleichschaltung der Feuerwehren nach dem Anschluss wirkte sich auch auf die Uniformierung der Feuerwehren aus: Deutsche Dienstgrade (wieder als Achselklappe) kamen ebenso zur Einführung wie die Farbe dunkelblau (für die Freiwilligen Feuerwehren) oder grau (für die Berufsfeuerwehren, damals Feuerschutzpolizei). Genau geregelt war auch die Trageweise von Gurten, Beilen, Faschinmessern und Seitengewehren für die verschiedenen Dienstgrade. Generell schrieb das Reichsministerium des Inneren die Verwendung des Stahlhelmes (bis 1940 mit Aluminiumkamm) vor.

Nicht vergessen darf man in diesem Zusammenhang die – sehr einfache – Bekleidung für die „Frauenhelferinnen“-Gruppen, die „Hitlerjugend-Feuerwehrscharen“ sowie des Reichsluftschutzbundes (mit eigenem flachen Helm).

Viele Feuerwehren trugen ihre alten braunen Uniformblusen, teils nach deutschem Konfektionsmuster umgearbeitet, bis 1945 (und darüber hinaus) weiter.

Wiederaufbau

Schon im Zuge seiner konstituierenden Sitzung sprach sich der NÖ Landesfeuerwehrverband am 8. Mai 1947 für die braune Farbe der Uniformbluse aus, dies sollte auch für die Feuerwehren im Umkreis von Wien gelten.

Im April 1948 folgte auch der Bundesfeuerwehrausschuss im Landhaus in Wien diesem Vorbild: „Die Uniformfarbe soll für die Freiwilligen Feuerwehren und Betriebsfeuerwehren dunkelbraun, für die Berufsfeuerwehren graublau sein.“

Außer Kärnten, das am traditionellen Dunkelblau festhielt, trugen nunmehr alle Bundesländer braune Blusen, auch die Restbestände aus der NS-Zeit bzw. ältere Typen wurden systematisch umgerüstet.

Während man die Dienstbekleidung (Ausgangsuniform) seit 1958 (Einführung des offenen Kragens und der schwarzen Krawatte) nur mehr geringfügig veränderte, war die Einsatzbekleidung stetiger Anpassung an gesteigerte Sicherheitsmaßstäbe unterworfen.

Anfang der 60er Jahre ersetzte der „Europa-Anzug“ sämtliche bis dahin verwendete Zwillich- und Drillich- und Militär-Bekleidungsstücke. Der Segeltuchanzug erwies sich an Haltbarkeit und Tragedauer seinen Vorgängern weit überlegen. Dies war die Geburtsstunde der Farbe olivgrün im Feuerwehrdienst. Als Vorläufer der Schutzjacke, allerdings eher als Kälte- und Regenschutz, wurden zweireihige Textiljacken, in manchen Bundesländern auch Lederjacken (z. B. Model Feuerwehrschule OÖ), getragen.

Um 1975 erwarben bereits mehrere Feuerwehren polyurethanbeschichtete Schutzjacken welche mit mehrfarbigen Signalkollern ausgestattet waren. Dem Wunsch nach besserem Schutz gegen Flammeneinwirkung kam die österreichische Wirtschaft mit der Einführung der „Dreiermischung“ (Polyester, Baumwolle, Viskose) entgegen, welche ab 1979 auch im Stil des Bundesheer-Kampfanzuges 75 konfektioniert wurde.

Die Feuerwehr der Stadt Wien beschäftigte sich in diesen Jahren bereits mit Stoffen, welche keinen Polyesteranteil aufwiesen. Ergebnis dieser Studien war das Material P 84 (Aramid, Viskose). Um den Feuerwehrmann besser abzusichern, wurden Einsatzhose und –bluse zweilagig ausgeführt. Die Richtlinie des Österreichischen Bundesfeuerwehrverbandes folgte erst rund zehn Jahre später – im Schatten der Europanorm 469 – diesem Beispiel.

1992 forderten mehrere Gremien des ÖBFV die vollständige Modernisierung der Einsatzbekleidung, wobei optisch auf sämtliche bisherige Bestandteile der persönlichen Schutzausrüstung Rücksicht genommen werden sollte. Dies geschah nicht zuletzt aufgrund der immer öfter von Feuerwehren gekauften Bekleidungsstücke in verschiedensten Farben und Ausführungen. Eine eigene Arbeitsgruppe (später zum Sachgebiet 3.9 aufgewertet) erstellte die Richtlinie KS 03 (Einsatzbekleidung für die Feuerwehren Österreichs), wobei Materialien ähnlich dem obengenannten P 84 eingesetzt und eine einteilige Version als Variante berücksichtigt wurden. Später folgte die Richtlinie KS 04 (Schutzjacke), KS 05 (die frühere Einsatzbekleidung wurde zur Dienstbekleidung grün) und KS 06 (Feuerwehrsicherheitsstiefel).

Einem Krimi gleicht die Einführung neuer Feuerwehrhelme. Schon in den frühen 80er Jahren war vielen Verantwortlichen klar, dass der seit 1934/35 verwendete Spinnenhelm nicht mehr ausreichende Sicherheit für die Feuerwehrkräfte bot. Ähnlich dem deutschen Feuerwehrhelm (welcher in Kärnten und in der Steiermark ohnehin eingeführt war) wurden Helme mit Visieren und Nackenschutz halbherzig nachgerüstet. Die Einführung des französischen Feuerwehrhelms der Firma Gallet (vertreten durch Dräger Austria) bei den Berufsfeuerwehren Innsbruck und Wien brachte eine Lawine ins Rollen. Die Verantwortlichen des ÖBFV suchten nach einem österreichischen Feuerwehrhelm, der ab 1992 in Form des "Heros", produziert von der Firma Rosenbauer in Zusammenarbeit mit der Firma Ulbrichts Witwe in Schwanenstadt, vorlag. Die Durchsetzung dieses Produktes zum „Österreichischen Feuerwehrhelm“ gelang nicht, da der Mitbewerb durch die Firmen Dräger und Auer zu stark war. Heute präsentiert sich die „Helmlandschaft“ in Österreich folgendermaßen: Oberösterreich, Tirol, Vorarlberg haben den Heros-Helm eingeführt. Kärnten verwendet den deutschen Feuerwehrhelm bzw. einen gesondert für dieses Land produzierten Kunststoffhelm ähnlicher Ausführung. In der Steiermark sind Helme nach DIN mit und ohne Kamm üblich. In den anderen Landesfeuerwehrverbänden blieb es den Feuerwehren überlassen, ihre Helmentscheidung zu treffen. Entsprechend bunt erscheint damit das österreichische Feuerwehrwesen.

 

 

Literatur:

Hans Schneider, Warum tragen wir braune Uniformblusen, in: „brand aus“ 1984/85.

Deutsche Feuerwehrzeitung, Leipzig 1861 – 1865.

Regina Katerl, Die Feuerwehruniform in Niederösterreich, Diplomarbeit, Salzburg, 1994.

Österreichische Feuerwehrzeitung, Jahrgang 1860 – 1865.

Mitteilungen des NÖ Landesfeuerwehrverbandes, diverse Jahrgänge

Rössl/Schneider/Schneider/Zawrel, Das Große NÖ Feuerwehrbuch, Wien, 1986.

Muhr/Ribitsch/Schinnerl, 100 Jahre Salzburger Landesfeuerwehrverband, Salzburg, 1981.

Schematismus des NÖ Landesfeuerwehrverbandes, Hollabrunn, 1930.

Günter Treffer, Das steirische Feuerwehrbuch, Wien, 1984.

Christoph Wagner, Das oberösterreichische Feuerwehrbuch, Wien, 1985.

Jörg Würzelberger, Das NÖ Feuerwehrmuseum, Petzenkrichen, 1994.

NÖ Landesfeuerwehrkommando, Dokumentationsstelle, diverse Akten.

ÖBFV-Sachgebiet 3.9, Dienst- und Einsatzbekleidung, Richtlinien und Arbeitsunterlagen.

 

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  1. Aufsatz in „FEUERwehr gestern und heute“, Katalog der Burgenländischen Landessonderausstellung, 1998.
  2. ABI Jörg Würzelberger, Chefredakteur „brand aus“, Leiter des Niederösterreichischen Feuerwehrmuseums und Sachbearbeiter Feuerwehrgeschichte im niederösterreichischen Landesfeuerwehrkommando, Tulln.

 

Ablage unter: Uniformentwicklung

Handbuch zur Feuerwehrgeschichte - Ausgabe: November 2002/2