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Technikgeschichte des Feuerwehrwesens

Technikgeschichte des Feuerwehrwesens

Jörg Würzelberger (1)

 

Technikgeschichte im Überblick

 

1. Feuerspritzen

Um 110 n.Chr.: Beschreibung einer Kolbenpumpe als Feuerspritze.
Spätmittelalter: Stockspritzen, Löscheimer, Einreißwerkzeug.
ab 1500: Versuche mit Kolbenpumpen und einfachen Spritzen.
ab 1660: funktionsfähige Spritzen ohne Saugwerk.
1689:

Zentrifugalpumpe

1690: Jan van der Heyden: Schlauchspritze.
ab 1750: Holz-Fahrspritzen örtlicher Erzeuger häufig.
ab ca. 1830: Metallspritzen (Land-, Stadtfahrspritzen, Hydrophore), teils schon mit Saugwerk (z.B. Fa. Knaust Wien, gegr. 1822, Rosenbauer 1866, Kernreuter, Czermack, Union).
1838: Erfindung der Dampfspritze (England), in Österreich ab ca. 1870 (Wien, Fa. Knaust „Donau“).
1904 Erste Motorspritzen, erste Kraftfahrzeuge.

 

 

(Stadt-) Fahrspritze, um 1870

 

Kastenspritze, 1870

 

 

Abprotzspritze, 1880

Wasserwagen

 

 

2. Atemschutz

  • Mundschwämme.
  • um 1860 diverse Versuche (Ur-Preßluftatmer mit Luftsack !) und Frischluftgeräten.
  • Experimente mit chemischem Sauerstoff funktionieren zunächst nicht.
  • Sauerstoffschutzgeräte um 1900 tauglich, bei den Feuerwehren aber nicht vorhanden. (BF Wien ab den 20er Jahren). FF Salzburg 1936 Kreislaufatmer.
  • „Gasmasken“ aus Kriegsbeständen.
  • Kriegsfahrzeuge waren mit SSG+Masken ausgestattet, teilweise übernommen.
  • Standardmäßige Einführung von Preßluftatmern ab etwa 1960 (Dräger PA 37, Auer-Dräger DA 58).

3. Alarm- und Signalgeräte

  • Alarm/Kommando war ursprünglich an das Militär angepasst (Pfeifen, Hörner, Trompeten) mit eigenen Signalen/Rufen bzw. dem „Ortsruf“.
  • Alarmierung durch Klingelleitungen (Weckerlinien) ab etwa 1880, seit damals auch Feuermelder.
  • Stadt Salzburg mit Kanonenschüssen und Feuer-Observationsmaschine.
  • Sirenen: 2. Weltkrieg.
  • Funk: technisch seit den 30er Jahren möglich, praktisch um 1960 eingeführt.
  • Funkmeldeempfänger: 1964 erste Versuche.

4. Gerät für technischen Einsatz

  • einfache Schanz- und Handwerkzeuge immer schon vorhanden.
  • ab etwa 1930: Vereinzelt Greif(Flaschen)züge bei hohem Unfallaufkommen, ebenso Stromerzeuger, Scheinwerfer, etc.
  • Rettungssätze/Bergescheren: Hydraulikpressen (PortoPower) ab 1960, erster Rettungssatz 1973 in Deutschland, 1975 in NÖ.

5. Gefahrgut-Ausrüstung

  • Öleinsatzfahrzeuge/Ölalarmfahrzeuge seit etwa 1960 (Vorstufen z.B. der bayrische ÖSA).
  • Schutzkleidung, Strahlenmeßgeräte (EMB 3), Explosimeter (Auer A 2) ab etwa 1960/65.
  • Richtlinie für das GSF/SSTF/GGF: 1980.
Zur Entwicklung der Motorisierung bei den österreichischen Feuerwehren

Österreich am Beginn des 20. Jahrhunderts

Die Doppelmonarchie Österreich-Ungarn zählte vor dem Ersten Weltkrieg rund 52 Millionen Einwohner. Das Staatsgebilde bestand aus „den im Reichsrat vertretenen Königreichen und Ländern“ (das heutige Österreich, Böhmen, Mähren, Galizien, Bukowina, das heutige Slowenien und die dalmatinischen Küstengebiete) und den Ländern der ungarischen Krone sowie dem Okkupationsgebiet Bosnien und Herzegowina (das 1908 dem Staat einverleibt wurde, ohne einer der beiden Reichshälften anzugehören). Zwölf Sprachen wurden gesprochen und mehr als bunt präsentierten sich Land und Leute. Von hochentwickelten Industrieregionen über Agrarhochburgen bis zu entlegenen, provinziellen Gebieten reichte die Palette der einstigen Großmacht.

Das Feuerwehrwesen widerspiegelt auch die Buntheit der Völker und Sprachen des Reiches, auszugsweise der österreichischen Reichshälfte: so gab es einen deutsch- und einen tschechisch-böhmischen Feuerwehrverband, einen FF-Landesverband der Bukowina, den königlichen Landesverband der Freiwilligen Feuerwehren in Galizien, Lodomerien mit dem Großfürstentum Krakau, den Kärntner und Krainischen Landesfeuerwehrverband, einen Deutschen und einen tschechischen Landesverband in Mähren, Verbände in Salzburg, Ober- und Niederösterreich, den österreichisch-schlesischen Landesverband, den tschechisch-polnischen Landesverband für Schlesien, den Verband der freiwilligen Deutsch-Tiroler Feuerwehren und Verbände in Vorarlberg und in der Steiermark.

Allein 15 Zeitschriften berichteten über die Aktivitäten der Feuerwehren der österreichischen Reichshälfte.

1901 zählte man

5.651 deutsche freiwillige und Fabriks-Feuerwehren,
3.713 slawische freiwillige und Fabriks-Feuerwehren,
38 italienische freiwillige und Fabriks-Feuerwehren,
7 deutsche Berufsfeuerwehren,
2 slawische Berufsfeuerwehren,
2 italienische Berufsfeuerwehren,
(die Berufsfeuerwehren in Wien, Triest, Graz, Prag, Brünn, Lemberg, Czernowitz, Pola-Arsenal, Pola-kommunal, Pilsen und Krakau).
Die sprachliche Bezeichnung ergibt sich – wie beim Militär – aus der Kommandosprache.

Technisch hoch entwickelt waren die größeren Feuerwehren schon am Beginn des Jahrhunderts auf der Suche nach Alternativen vom Pferd als Zugtier.

 

Möglichkeiten automobilen Antriebs

Dampfantrieb

Mit Dampfautomobilen wurde schon in der ersten Hälfte des 19.Jahrhunderts experimentiert, bereits 1841 erprobte man in New York eine selbstfahrende Dampfspritze. Funktionsfähige Modelle wurden aber erst um 1900 gebaut. In Österreich wurden derartige Modelle zwar angeboten, aber von keiner Feuerwehr eingeführt.

Elektromobiler Antrieb

Der elektromobile Antrieb stand am Beginn der Feuerwehr-Motorisierung. Die Fahrzeuge waren relativ gut zu bedienen und anfangs zuverlässiger als alle benzinmotorbetriebenen Geräte. Nachteilig erwies sich das hohe Gewicht der Batterien und der beschränkte Aktionsradius. Bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs konnte sich der Elektroantrieb behaupten, wobei die Erfindung des Radnabenmotors durch Ferdinand Porsche erwähnenswert ist.

Benzin-Elektro-Antrieb (Mixed)

Ferdinand Porsche hatte die Möglichkeit genutzt, die elektrische Energie für seine Radnabenmotoren durch einen benzinmotorbetriebenen Stromerzeuger zu gewinnen. Der Aktionsradius war dadurch nicht mehr begrenzt wie bei den batterie-elektrischen Fahrzeugen, auch konnten vermehrt Übungsfahrten durchgeführt werden. Bedingt durch Gewicht und geringeres Beschleunigungsvermögen blieb diese Variante gegenüber dem Benzinmotor auf der Strecke.

Benzin-Automobil

Diese für uns selbstverständliche Variante konnte sich erst relativ spät durchsetzen. Erst als die Motoren einen hohen Grad an Betriebssicherheit erreichten, begann der Siegeszug des Benzin-Automobils im Feuerwehrdienst. Interessant ist die Tatsache, dass man sich im Bereich der k.u.k. Armee von Anfang an fast ausschließlich mit dem Benzinmotor beschäftigte, nur für die „Auto-Trains“ kamen Radnabenantriebe System Porsche zum Einsatz. (2)

Experimente in Niederösterreich

Das erste Kraftfahrzeug einer niederösterreichischen Feuerwehr stand in Baden: Die Betriebsfeuerwehr der Leesdorfer Automobilfabrik besaß bereits im Jahr 1900 eine Automobilspritze: Der kompakte, offenbar elektrisch betriebene Frontlenker bot sechs bis acht Mann Platz und war mit Schläuchen und Leitern bestückt. Ein Artikel der Mitteilungen des NÖ Landesfeuerwehrverbandes vom Dezember 1900 beschäftigte sich mit dem Fahrzeug, auch eine Abbildung wurde gezeigt. Der Fahrzeugmotor betrieb auch die Einbaupumpe - ein System, das bereits von der Feuerwehr Paris erprobt wurde. (3)

In der gleichen Nummer wurde auch vom Internationalen Feuerwehrkongress in Paris berichtet: „Automobilspritzen wurden nicht vorgeführt, waren auch in der Ausstellung nicht zu finden. Nur die Feuerwehr in Paris hatte 3 Automobile, ..., welche mit Elektromotoren betrieben werden, in Verwendung.“

Im Jänner 1901folgte die Beschreibung dieser Geräte, wobei angemerkt wurde, daß die elektrische Spritze die in Österreich und Deutschland übliche Kohlensäure-Spritze ersetzen sollte.(4)

Bei der ersten Generalversammlung des Verbandes der freiwilligen Feuerwehren der k.u.k. Reichshaupt- und Residenzstadt Wien am 6.Mai 1901 wurde bereits die Anschaffung von dampf- oder elektromobilen Geräten gefordert, „zumal die Pferdebespannung viel zu teuer sei“.(5)

Man lag im Trend der Zeit, nach Paris setzte 1901 bereits die Berufsfeuerwehr Hannover einen elektromobilen Löschzug ein, Wien sollte ein Jahr später folgen (Knaust Elektro-Kohlensäure-Spritze). Bei der Feuerschutzausstellung in Berlin 1901 wurden neben den Elektro-Automobilspritzen auch die bei den deutschen Berufsfeuerwehren verbreiteten (aber in Österreich offenbar nicht einmal erprobten) selbstfahrenden Dampfspritzen und auch erste benzinmotorbetriebene Spritzen gezeigt. Die Mitteilungen berichteten häufig über diverse Neuerungen auf diesem Sektor, doch bis die ersten NÖ Feuerwehren solche Fahrzeuge anschafften, sollte noch einige Zeit vergehen.

In den ersten Jahren des 20.Jahrhunderts ist ein seltsames Nebeneinander verschiedenster Technik festzustellen: Dampfspritzen waren ziemlich häufig bei größeren Feuerwehren zu finden (1901: 30 Stück, hier ist zu vermerken, das dieses Gerät in den westlichen Bundesländern oder in Deutschland bei den Freiwilligen Feuerwehren wenig Verbreitung fand), Handdruckspritzen aller Größen blieben der Favorit der kleineren Feuerwehren und 1903 kaufte die FF Traiskirchen eine von der Firma Kernreuter gebaute Benzinmotorspritze an. (6)

Schon 1906 wurde in eindeutiger Weise für Automobile und gegen Pferdegespanne argumentiert:

  • höhere Geschwindigkeit,
  • Wegfall der Kosten für Pferde,
  • Wegfall der Unsicherheit durch den Vorspanndienst,
  • geringere Betriebskosten bei ständiger Pferdebeistellung.(7)

Das Fahrzeug der Leedorfer Automobilfabrik

 

8. Österreichischer Feuerwehrtag

Bei der Fachausstellung zum 8. Österreichischen Feuerwehrtag in Wien 1906 standen automobile Löschgeräte im Vordergrund: Der Knaust´sche Löschzug der BF Wien ebenso wie die Produkte von Justus Braun, Nürnberg. Die BF Wien begann im großen Stil umzurüsten, doch für die freiwilligen Feuerwehren war die Stunde des Umrüstens noch nicht gekommen. Ein seltsames Nebeneinander von Geräten konnte beobachtet werden: Die neuartigen Patentabprotzspritzen wurden ebenso verkauft wie Dampfspritzen und erste Motorspritzen. An das „Mysterium“ Kraftfahrzeug zu denken war für die Freiwilligen eine Nummer zu groß, zur Angst mit „Benzin zum Feuer zu fahren“ kam natürlich auch die Kostenfrage: Ein elektromobiler Mannschafts- und Gerätewagen von Flader kostete 1906 gegen 18.000 Kronen, eine Dreizylinder-Dampfspritze der Firma Knaust etwa 8.500 Kronen.(8)

Somit war schon die Kostenfrage ein gewichtiges Argument gegen die Anschaffung von Kraftfahrzeugen, weiters fehlte es bei den freiwilligen Feuerwehren an Fahrern und Mechanikern und natürlich auch an Vertrauen zu neuen Technologien. Noch war zumindest in den ländlichen Bereichen die Bespannung kein Problem. Das Interesse an derlei Gerät blieb den Zeitschriften vorbehalten, die Auseinandersetzung über die verschiedenen Antriebssysteme den Berufsfeuerwehren.

Erst am Vorabend des Ersten Weltkrieges kamen erste Kraftfahrzeuge zu den Feuerwehren: Wiener Neustadt und Baden haben in Niederösterreich den Anfang gemacht, dazu Betriebsfeuerwehren wie in Traisen oder Wiener Neustadt. Der Erste Weltkrieg unterbrach diese Entwicklung.

Militärfeuerwehren

Völlig unberücksichtigt bleiben hier die Militärfeuerwehren, die den Brandschutz in staats- oder militäreigenen Rüstungsbetrieben aufrechterhielten, so z.B. in den Munitionsfabriken Blumau, Groß Mittel und Hirtenberg-Enzesfeld, dem Fliegerstandort Wiener Neustadt oder dem k.u.k. Trainzeugsdepot Klosterneuburg. Diese Brandschutzkräfte waren zumindest teilweise motorisiert. Nach der Katastrophe von Blumau 1917 (Pulverexplosion) wurden wesentliche Schritte gesetzt: Der spätere Salzburger Landesfeuerwehrinspektor Oberst Oswald Prack wurde mit der Reorganisation des militärischen Brandschutzwesens betraut und sorgte für die Beschaffung von modernen Gräf&Stift-Kraftfahrspritzen.(9)

Pferdemangel

Der Mangel an Zugtieren nach dem Ersten Weltkrieg machte sich besonders in den Städten und Ballungsräumen bemerkbar, die Schlagkraft der Feuerwehr sank, wobei besonders bei „Überlandeinsätzen“ nicht mehr sinnvoll geholfen werden konnte. Die einzige Abhilfe war die Beschaffung von Kraftfahrzeugen.

1921 konnte der Ausschuß des NÖ Landesfeuerwehrverbandes einen „erfreulichen Fortgang“ bezüglich der Beschaffung von Automobilspritzen und Benzin-Motorspritzen feststellen: 8 Fahrzeuge und 70 Spritzen stünden im Einsatz.(10)

 

Tenderpumpe, Feuerwehr Wien

 

Schon ein Jahr später standen 15 Autospritzen zur Verfügung: Bei den Freiwilligen Feuerwehren Amstetten, Baden, Wiener Neustadt, Neunkirchen, St. Pölten, Berndorf, Schwechat, Stockerau, Waidhofen an der Ybbs und Sollenau, sowie bei den Betriebsfeuerwehren Traisen, Klinger Gumpoldskirchen, Austro-Daimler Wiener Neustadt, Austro-Fiat Wiener Neustadt und Fabrik Möllersdorf.(11)

Bei den 10 Freiwilligen Feuerwehren handelte es sich um Industriestandorte mit für damalige Verhältnisse stärkerem Einsatzaufkommen, auch war dort der Pferdemangel besonders drückend. Von den Betriebsfeuerwehren kamen drei aus der „Branche“, die Autowerke in Wiener Neustadt und die Pumpenfabrik in Gumpoldskirchen.

Stand Verbandsobmann Karl Schneck den automobilistischen Neuerungen anfang der 20er Jahre ablehnend gegenüber, war es gerade seine Feuerwehr St. Pölten, bei der die Notwendigkeit zur Beschaffung von Fahrzeugen deutlich wurde. Mangels einer ausreichenden Zahl von Pferden konnte mehrfach keine „Überlandhilfe“ geleistet werden. 1924 heben die St. Pöltener die Bedeutung der Autospritzen nach einem Großbrand hervor: Geringe Eingreifzeiten und das rasche Wechseln von Stellungen machten die Autospritzen unentbehrlich.(12)

Rasche Motorisierung

Voraussetzungen für den Einsatz von Motor- und Kraftfahrspritzen „auf dem flachen Land“:

  • gut ausgebautes Straßennetz,
  • ausreichende Wasserverhältnisse,
  • Zufahrtsmöglichkeiten zu Wasserentnahmestellen,
  • Vorhandensein einer vorschriftsmäßigen und heizbaren Garage,
  • pro Fahrzeug drei gutausgebildete Kraftfahrer,
  • kostenintensives Üben der Kraftfahrer.

Grundsätzlich ging man damals von einer Stützpunktbildung aus: Kraftfahrspritzen sollten in einem Radius von etwa 20 Kilometern eingesetzt werden. Sehr viele Feuerwehren wählten in diesen Jahren einen Mittelweg, nämlich die Anschaffung von pferdegezogenen Motorspritzen, die billiger in Anschaffung und Erhaltung waren. Für Autospritzen sprach natürlich das Argument der größeren Geschwindigkeit, der höheren Pumpenleistung und die Möglichkeit Gerät und Mannschaft zu transportieren. Viele Motorspritzen wurden später als KFZ-Anhänger adaptiert.(13)

 

Kraftfahrspritze von Knaust

 

In Oberösterreich wurden Bezirks-Automobile an bestimmten Stützpunkten in Betrieb genommen. Die Firmen sprachen in solchen Fällen von Überlandgeräten. Linz und Wels waren die Vorreiter.

In Salzburg schaffte die FF Zell am See 1919 ein Löschfahrzeug an. 1925 standen bereits 16 Kraftfahrzeuge im Einsatz und 1938 waren es 42 Fahrzeuge.

In Kärnten stand das erste Löschfahrzeug in Villach, die Klagenfurter Feuerwehr besaß bereits 1919 drei Rettungsautomobile.

In der Steiermark standen schon 1914 bei den Feuerwehren Böhler-Kapfenberg und Marburg an der Drau (Maribor) Feuerwehrfahrzeuge im Einsatz. 155 Automobile gab es dann schon 1930.

Tirol und Vorarlberg schlossen sich dieser Entwicklung an (Innsbruck 1920, Lustenau, Bregenz).

Bis 1925 war eine rasche Motorisierung des Feuerwehrwesen zu bemerken, vielfach traten aber Probleme auf: Firmenvertreter verkauften zu große oder bereits gebrauchte Spritzen. Die Feuerwehren waren vom technischen Verständnis einfach überfordert. Aus diesem Grund wurde 1926 der Technische Ausschuß des NÖ Landesfeuerwehrverbandes gegründet. Zu diesem Zeitpunkt gab es in Niederösterreich 130 Feuerwehrfahrzeuge, die durch eine Kollektiv-Haftpflichtversicherung abgedeckt wurden. Innerhalb von fünf Jahren hatte sich der Bestand an Kraftfahrzeugen also fast verzehnfacht. 1930 waren dann 217 Fahrzeuge im Einsatz.(14)

Ein Mehrzweck-Überlandgerät (Steyr)

 

Die Statistik für 1927 zeichnet ein eindrucksvolles Bild der fortschreitenden Motorisierung in Niederösterreich.

1927 (1924)
Autospritzen: 79 (49)
Mannschaftswagen: 10 (0)
Autorüstwagen 13 (0)
Sanitätswagen 23 (4)
bespannte Motorspritzen 225 (142)

Die Tendenz ist klar, doch die Forderungen der Feuerwehren gingen Richtung wendiger bzw. tragbarer Spritzen um exponierte Wasserentnahmestellen besser erreichen zu können.(15)

In den Mitteilungen des NÖ Landesfeuerwehrverbandes beschäftigt sich ein unbekannter Autor schon mit der Nutzbarkeit von automobilen Straßensprengwagen (Tankwagen) und bezeichnet diese als äußerst wichtig für die Brandbekämpfung: Diese würden die Funktion der Wasserwagen übernehmen und den Löschangriff beschleunigen – der erste Schritt zum Tanklöschfahrzeug.(16)

Die wirtschaftlichen Einbußen rund um die Weltwirtschaftskrise bremsten wohl die Beschaffung von Fahrzeugen, konnten sie aber schließlich nicht aufhalten. In kleinen Orten wurde der Pferde-Vorspanndienst durch einen Autovorspanndienst ersetzt. Mehrfach ist zu hören, dass Feuerwehren für Privatfahrzeuge Anhängekupplung erwarben. Improvisieren wurde – wie immer bei der Feuerwehr – großgeschrieben.

Über die Problematik solcher Improvisationskunst kann man in den Mitteilungen lesen: „Kraftfahrzeuge: Meistens gut gehalten, manchesmal unzweckmäßig, oft aber Sorgenkinder der Wehr, weil Erhaltung und Betrieb viel Geld verschlingen. Manche Wehren täten besser solche besorgniserregende alte Vehikel (im Volksmund „Kraxen“ und dergleichen genannt) außer Dienst zu stellen. Es wäre zweckmäßiger für den eigenen Feuerschutz zu sorgen, als ausfahren zu wollen und dabei Leben und Gesundheit der Kameraden zu riskieren, von den überflüssigen Kosten ganz abgesehen!“)(17)

Bei der Besetzung Österreichs durch deutsche Truppen standen in Niederösterreich rund 400 Fahrzeuge zur Verfügung, von denen nur wenige den Zweiten Weltkrieg „überlebten“.

Fahrgestell- und Aufbauhersteller

An Fahrgestellen wurden Produkte unterschiedlichster Herkunft verwendet; egal ob PKW oder LKW, ob gebraucht oder neu. Für die Aufbaufirmen waren nur Chassis, Motor, Antrieb und Motorverkleidung interessant, denn Fahrer- und Mannschaftssitze, Gerätekästen, Leiterngerüste und Schlauchmulden wurden selbst gebaut. Da die Fahrzeuge offen waren, entfielen Fahrerhausverlängerungen oder aufwendige Aufbauten. Entscheidend war die Leistung des Motors und die Möglichkeit eines Nebenabtriebes.

Pumpen

Die Kreiselpumpen wurden ursprünglich als Heckpumpen ausgeführt, doch hatten die ab den 20er Jahren verwendeten Vorbaupumpen den Vorteil des einfacheren Antriebs und ermöglichten eine optimalere Nutzung des Fahrzeuges für Gerätelagerung.

Der „Midship“-Einbau wurde ebenfalls versucht, bewährte sich aber offenbar nicht sehr. Die Pumpenleistung lag zwischen 700 und 1500 l in der Minute.

Ab 1925 wurden die Fahrzeuge zunehmend mit Abprotz- oder Tragkraftspritzen ausgerüstet. Hauptabnehmer dafür waren Feuerwehren mit unwegsamem Einsatzgebiet, die mit dem Fahrzeug nicht direkt zur Wasserentnahmestelle fahren konnten.

Anfangs erzeugte die Firma Klinger in Gumpoldskirchen Feuerlöschpumpen, doch setzten sich bald die traditionellen Feuerwehrgerätefirmen Knaust, Rosenbauer und Kernreuter durch. Letztere vermehrt auf dem Sektor der pferdegezogenen Motorspritzen, die beiden erstgenannten wurden Marktführer bei Einbau- und Vorbaupumpen. In den 30er Jahren wurden bereits Hochdruckpumpen mit einem Maximaldruck von 20 bar hergestellt.

 

Tanklöschfahrzeug Austro-Fiat AFO, FF Wels, 1937

 

Besatzung und Ausrüstung

Sitzplätze wurden unterschiedlich vorgesehen: Kleine wendige Kraftfahrspritzen hatten oft nur vier Sitzplätze, größere zwischen 8 und12.

Die Ausrüstung war uneinheitlich, Schläuche (gerollt oder auf Haspeln) wurden in unterschiedlicher Stückzahl aufgepackt. Steck- und Hakenleitern waren obligatorisch, die Werkzeugausstattung meist bescheiden. Um 1930 wurden die Fahrzeuge aber schon mit Atemschutzgeräten und Schaumlöschausrüstung (Stankö-Apparate) bestückt. Die Ausrüstung war nach rein örtlichen Gegebenheiten zusammengestellt.

Fahrzeugtypen

Neben der Auto (Kraftfahr)spritze wurden verschiedenste Mannschafts- und Gerätewagen beschafft, die mit TS bestückt waren oder dem Zug einer bereits vorhandenen Motorspritze dienten. In seltenen Fällen wurde Löschwasser bereits zum Brandplatz mitgeführt. Viele Fahrzeuge dienten „nebenbei“ auch dem Krankentransport oder der Erste-Hilfe-Leistung.

Rüstwagen dienten als Nachschub-, Schlauch- und Gerätewagen, selten für den technischen Einsatz im heutigen Sinn. Eine Ausnahme stellt der 1930 für die FF St. Pölten gebaute Rüstwagen dar. Drehleitern wurden von niederösterreichischen Feuerwehren nicht beschafft, sieht man von Gebraucht-Fahrzeugen der BF Wien (Baden, Wiener Neustadt) ab.

Nicht übersehen werden darf die Vielgestaltigkeit von primitiven Eigenbauten, die als Behelfsfahrzeuge zu bezeichnen sind.

Fahrgestelle

Grundsätzlich wurde alles verwendet, was der heimische Markt zu bieten hatte. Bei den Gebrauchtfahrzeugen, zumeist aus Beständen der k.u.k. Armee, reichte die Palette vom Puch Alpenwagen bis zum schweren Sub(ventions)-LKW von Praga oder Saurer. Die von der k.u.k. Heeresverwaltung beschafften Feuerwehrfahrzeuge waren auf Gräf&Stift-Fahrgestellen aufgebaut worden.

Bei den Neubeschaffungen in den 20er und 30er Jahren dominierten Austro-Fiat und Steyr, etliche Fahrzeuge stammten auch von Gräf&Stift. Die Fahrzeuge hatten grundsätzlich Straßenantrieb, die hervorragenden dreiachsigen Austro-Daimler oder Steyr-Fahrzeuge kamen in Niederösterreich nicht zum Einsatz.

In einigen Feuerwehren wurden aber auch Mercedes und Ford-Fahrgestelle verwendet, bei den Eigenbauten gab es verschiedenste In- und ausländische Typen.

Auf- und Ausbauten

Die marktführende Firma war zunächst Knaust, Wien, die jedoch vom Newcomer Rosenbauer, Linz überflügelt wurde (auf dem Handdruck- und Dampfspritzensektor konnte sich die schon 1866 gegründete Firma nicht durchsetzen und verfügte nur über einen lokalen Markt). Durch die Insolvenz der Firma Kernreuter und die großen wirtschaftlichen Probleme von Knaust beherrschte Rosenbauer kurz vor 1938 den österreichischen Markt.

1938 – 1945

Mit 1938 galten für Österreich die reichsdeutschen Vorschriften. Nach einem Konzept für eine Mindestausrüstung sollten Tragkraftspritzenanhänger, Löschgruppenfahrzeuge (LLG, SLG, GLG, ab 1943 LF 8, LF 15 und LF 25) sowie Drehleitern und Sonderfahrzeuge beschafft werden. Mit Ausnahme der Feuerschutzpolizei-Dienststellen (Berufsfeuerwehren) bzw. der Feuerwehren von großen Städten sowie wichtigen Rüstungsstandorten wie Wiener Neustadt oder Steyr beschränkte sich die Beschaffung auf die kleinen Fahrzeuge LF 8 samt TSA. Vielfach waren Fahrzeuge bestellt, kamen aber nicht mehr zur Auslieferung.

Die Normung hatte in Deutschland – im Gegensatz zu Österreich bereits – früh begonnen, ab 1940 war die Feuerwehrgeräteindustrie einer straffen Typen-Vereinheitlichung unterworfen. Bis Ende 1943 wurde in hoher Qualität gebaut, erst im letzten Kriegsjahr kamen einfachste Behelfslösungen zum Aufbau.

Die österreichischen Fachfirmen lieferten vereinheitlichte Fahrzeuge und Geräte, wobei es zu interessanten Kombinationen von Fahrgestell, Pumpe und Ausstattung kam.

Wiederaufbau

Bei Kriegsende sahen sich die österreichischen Feuerwehren vor unterschiedlichsten Situationen. Im Osten waren die Feuerwehrfahrzeuge noch wenige Tage nach Kriegsende in den „Westen“ verlagert worden (in Wien verblieben nur zwei Oldtimer) oder fielen den Erdkämpfen und Plünderungen zum Opfer. Im Westen konnte dank dem Entgegenkommen der Besatzungsmacht auf die überall herumstehende „Konkursmasse“ des Dritten Reiches zurückgegriffen werden. Teilweise verschaffte dieser Umstand den Feuerwehren eine richtige Vollmotorisierung.

Im Rahmen der Hilfe der Vereinten Nationen (UNRRA) standen den Feuerwehren ab 1946 diverse Militär-Fahrzeuge westalliierter Provenienz zur Verfügung. Diese wurden teilweise sehr abenteuerlich von den Feuerwehren selbst auf- und umgebaut. Aber auch die Fachfirmen, allen voran Rosenbauer boten bereits Umbau-Lösungen an.

Die Methode „altes Fahrgestell mit neuem Aufbau“ kam bis Ende der 50er Jahre zur Anwendung, erst dann wurden aus finanziellen Gründen wieder Neufahrzeuge angeschafft.

In die Gegenwart ...

Die Gremien des österreichischen Bundesfeuerwehrverbandes waren nun um die Schaffung von Baurichtlinien bemüht, nachdem schon in der Steiermark 1953 Forderungen in dieser Richtung laut wurden.

Beispiele:

1956 LLF, KLF (Leichtes Löschfahrzeug, meist Opel-Fahrgestell, oft auch Unimog; Kleinlöschfahrzeug, meist Ford FK 1000).
1959 TSA 750, KLF-TSA 500 (Tragkraftspritzenanhänger; KLF -TSA, VW-Bus T 1).
1962 TLF 1000, BLF, RA 750 (Tanklöschfahrzeug Opel; Berglandlöschfahrzeug, meist Landrover, Rüstanhänger).
1963 ULF (Universallöschfahrzeug).
1971 TLF 4000 (Tanklöschfahrzeug 4000 Liter).
1976 KRF-B,E,W (Kleinrüstfahrzeuge).
1977 LF-B.

 

Tanklöschfahrzeug-Allrad, Steyr 680, Aufbau Rosenbauer, um 1967

 

Waren es zunächst die Standard-Löschfahrzeuge, die normiert wurden, folgten später auch die vielen Sonderfahrzeuge, die durch das geänderte Einsatzspektrum erforderlich wurden. Dazu zählen die verschiedenen Rüstfahrzeuge, Öleinsatz- und Gefährliche Stoffe-Fahrzeuge, aber auch Kommando- oder Atemschutzfahrzeuge. Auch die Forderung nach universellen Kombinierern (Löschfahrzeug mit Bergeausrüstung und Rüstlöschfahrzeuge) führte in den 70er Jahren zu neuen Richtlinien. Dabei hatte die Wiener Berufsfeuerwehr eine Vorreiterrolle.

Bei den Hubrettungsfahrzeugen hält man sich bis heute an deutsche Normen.

Einige Bundesländer setzten auf eine starke Vereinheitlichung mit wenigen Typen, z.B. Oberösterreich mit dem TLF 2000 Trupp und dem LF-B in den 70er Jahren.

Heute präsentieren sich Österreichs Feuerwehren überwiegend gut und modern ausgerüstet. Die Nachfrage wird durch Fachfirmen, die teils auch weltweit Bedeutung haben (Rosenbauer, Lohr-Magirus, Marte, Seiwald) gedeckt. Fortschrittlich wie die Feuerwehren in Österreich immer waren, haben sich in den letzten 100 Jahren auch deren Fahrzeuge entwickelt.

 

Anmerkungen

Quellen:

Dokumentationsstelle des NÖ, Landesfeuerwehrkommandos, div.

Manfred Gihl, Handbuch der Feuerwehrfahrzeugtechnik, Stuttgart 1982.

Rössl/Schneider/Schneider/Zawrel, Das Große NÖ Feuerwehrbuch, Wien 1986.

Jörg Würzelberger, Das neue NÖ Feuerwehrmuseum, Petzenkirchen 1999.

Fachtagung, Wels 1993, Tagungsband.

Fotos: Archiv NÖ Landesfeuerwehrkommando.

 

_______________________________________

  1. ABI Jörg Würzelberger, Chefredakteur „brand aus“, Leiter des Niederösterreichischen Feuerwehrmuseums und Sachbearbeiter Feuerwehrgeschichte im niederösterreichischen Landesfeuerwehrkommando, Tulln.
  2. Manfred Gihl, Handbuch der Feuerwehrfahrzeugtechnik, Stuttgart, 1982.
  3. Mitteilungen (mitt.) des NÖ Landesfeuerwehrverbandes, 12-1904, S. 4.
  4. Vgl. Anm. 2, S.6; Mitt. 1-1901, S. 1f.
  5. Mitt. 5-1901, S. 6.
  6. Mitt. 4-1903, S. 12; 5-1903, S. 5.
  7. Mitt. 1-1906, S. 6ff.
  8. Mitt. 10-1906, S. 6; Würzelberger/Fuchs, Klosterneuburgs Feuerwehren, Petzenkirchen, 1992, S. 29.
  9. Die Problematik der Militärfeuerwehren kann als völlig unerforscht bezeichnet werden, die hier gemachten Angaben sind der Fachwelt bekannt bzw. beziehen sich auf Unterlagen der örtlichen Feuerwehren.
  10. Mitt. 6-1921, S. 3.
  11. Mitt. 1-1922, S. 3.
  12. Mitt. 7-1924, S. 1f.
  13. Mitt. 8-1924, S. 1f.
  14. Mitt. 1-1926, S. 4; Schematismus des NÖ Landesfeuerwehrverbandes, Hollabrunn, 1930.
  15. Mitt. 3-1927, S. 4ff.
  16. Mitt. 6-1927, S. 3.
  17. Mitt. 8-1937, S. 149.

 

Ablage unter: Technikgeschichte d. Feuwehrwesens

Handbuch zur Feuerwehrgeschichte - Ausgabe: November 2002/2