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Schneiders Serie „menschlich“

Schneiders Serie "menschlich"

Dr. Hans Schneider veröffentlichte als Chefredakteur in „brand aus“, Zeitschrift der Niederösterreichischen Feuerwehren, in den Jahren von 1980 bis 1988 nachstehende Serie (Wiedergabe in der damaligen Rechtschreibung).

 

Handb. Serien brand aus

Seite  Nr.  Jahr Nr.  Seite  Titel 
 2 1 1980 4 118 Feuerwehrhaus, Fotografie der Feuerwehr
 3 2 1980 5 158 Sie suchen ihre Feuerwehrfahne ...
 Freiwillige Feuerwehr Oberlaa: Vergessene nö.
 Feuerwehrkameraden?
 4 3 1980 6 201 Der Funktionär braucht ein Hobby
 5 4 1980 7-8 244 „Was sich die Jungen alles einbilden“
 7 5 1980 9 296 Schindet Eure Funktionäre nicht zu Tode!
 8 6 1980 11 379 Die Wahlen stehen vor der Tür, 1.Teil
 9 7 1980 12 418 Die Wahlen stehen vor der Tür, 2.Teil
 10 8 1981 1 22 Hier Florian Amstetten. Einsatzmeldung...
 11 9 1981 2 65 Wir lernen für das „Goldene“
 12 10 1981 3 102 Feuerwehrjugendführer werden Kommandanten
 15 11 1981 4 128 In Ehren abtreten
 16 12 1981 6 202 Mut? Leichtsinn? Schlamperei?
 17 13 1981 7-8 237 Siegerverkündung – besser überlegen!
 18 14 1981 10 323 Kinder
 19 15 1981 11 368 Öffentliche Rüge wegen Schuhwerks in „brand aus“ –  war das übertrieben?
 21 13 1982 1 22 Neu anfangen
 22 17(1) 1982 2 56 Muß i denn, muß i denn zum Städtele hinaus
 
Die FF Langenzersdorf lud behinderte Menschen ein
 23 17(2) 1982 4 141 

 Den Hut d’raufhau’n (Nr. 17 wurde zweimal vergeben)

 24 18 1982 5 172 Kleinigkeiten...
 26 19 1982 9 324 Wir sind keine „Schani“
 27 20 1982 11 399 Säuberungsaktionen
 27 21 1982 12 440 Fahrzeugkontrolle
 28 22 1983 2 64 Das Unbehagen der Verwalter / Das Unbehagen mit
 den Verwaltern
 30 23 1983 6 228 Feuerwehrkommandanten
 31 24 1983 7-8 278 Was man alles erlebt
 33 25(1) 1983 9 342 Das lange Sündenregister 
 eines Feuerwehrkommandanten
 33 25(2) 1984 2 64 Die da oben / Die da draußen (Nr. 25 wurde zweimal
 vergeben)
 35 26 1984 4 155 Selbstbewußtsein
 36 27 1984 7-8 285 Intervenieren
 37 28 1984 10 389 Gemma Feuer schaun!
 38 29 1984 12 480 Jung und alt in der Feuerwehr 1. Teil

Was wird aus der Jugendlichengeneration in unseren Feuerwehren?

 39 30 1985 1 29 Jung und alt in der Feuerwehr 2. Teil
 40 31 1985 2 70 Wie hält der Feuerwehrmann die Belastung aus?
 42 32 1985 3 119 Jung und alt in der Feuerwehr 3. Teil
 43 33 1985 4 163 Schnelligkeit – immer das Um und Auf?
 44 34 1985 5 198 Wird es uns zuviel? (Nr. 35 wurde nicht vergeben)
 45 36 1985 6 246 Mit Qualität und Herz
 47 37 1985 7-8 299 Das „Danke“ und die „Goschn“
 47 38 1985 11 447 Wie die kleinen Kinder
 48 39 1985 12 490 Wahlen
 50 40 1986 4-5 170 Nach den Wahlen
 51 41 1986 10 346 „Minus 10 Prozent“

–10% Ich mach’ mit! Warum die Feuerwehr unbedingt mittun sollte

 52 42 1987 3 101 „Wir haben auch unseren Stolz“

Feuerwehrmänner bei Werbeveranstaltungen?

 53 43 1987 9 325 Besonnene Männer sind gesucht
 54 44(1) 1987 11 406 Wozu sind diese Freiwilligen da?
 55 44(2) 1988 1 31 „Meine Frau ist mit dem Geld weggegangen“ (Nr. 44 zweimal vergeben)

Erlebnisse von Feuerwehrmännern bei Haussammlungen

     

 

 

 

Ablage unter: Schneiders Serie „menschlich“

 

Handbuch zur Feuerwehrgeschichte - Ausgabe: April 2005/2

Ablage unter: Einführung i. d. Fw-Geschichte

Handbuch zur Feuerwehrgeschichte - Ausgabe: Mai 2000

menschlich ... 1

 

Feuerwehrhaus, Fotografie der Feuerwehr

Um Gestaltung und Instandhaltung unserer Feuerwehrhäuser

 

Von Hauptverwalter Geralt Brandstötter, Zwettl

 

„Sage mir, wie das Feuerwehrhaus aussieht, und ich sage Dir, wie die Feuerwehr ist.“ HV Brandstötter hat sich dazu Gedanken gemacht und eine Checkliste zusammengestellt, die „brand aus“ sehr gern allen Feuerwehren übergibt.

Feuerwehren, die alle diese Punkte mit einem beruhigenden „Bei uns in Ordnung“ abhaken, sollen sich nicht beim Landesfeuerwehrkommando melden, denn sie sind betriebsblind und nicht ganz ehrlich zu sich selbst ...

Das Feuerwehrhaus ist die Heimstätte der Feuerwehr und somit Mittelpunkt aller ihrer Aktivitäten. Unsere Wohnung daheim müssen wir mit Liebe und Sorgfalt pflegen, damit wir uns in ihr wohlfühlen und gern daheim sind. So ist es auch im Feuerwehrhaus: Die technischen Anlagen müssen funktionieren, und ständig sind Pflege- und Verschönerungsarbeiten nötig, denn ein Feuerwehrhaus ist nicht nur ein Maschinendepot, sondern auch ein Haus, in dem Menschen leben und sich wohlfühlen sollen.

Am sorgfältig gepflegten Feuerwehrhaus erkennt man den Geist der Feuerwehr. Dabei geht es nicht um Geld, sondern um Ordnungssinn und Liebe zur Sache, die sich vom Kommandanten auf alle Männer überträgt, wenn der Kommandant nur lange und eisern genug dahinter ist.

Es ist ein Kunststück, Kameraden zu finden, die sich um die kleinen, so zeitaufwendigen Dinge kümmern, die hinter jedem Papierl, hinter jeder schlampig dahängenden Einsatzbekleidung, hinter jeder schon lange quietschenden Tür her sind. Sie sind nicht beliebt, aber sie sind Goldes wert. Absolut unfair, unkameradschaftlich und vom schlechten Geist beseelt ist jene Feuerwehr, die sich ständig darauf verläßt, daß der Kommandant oder ein anderes „W vom Dienst“ schon Ordnung machen wird. Das schafft Verdruß und führt dazu, daß auch der Geduldigste „den Hut draufhaut“, sich ausgenützt vorkommt und resigniert. Wenn man ein Feuerwehrhaus besucht, in dem noch die Tische und Flaschen vom letzten Feuerwehrheurigen vor sechs Wochen schmutzig herumstehen, in dem alte, schmutzige, verschimmelte Einsatzbekleidung zusammengenudelt in Fächer hineingestopft ist, denkt man sich seinen Teil, nicht nur über den Zeugwart und den Kommandanten, sondern über jeden einzelnen Mann. Einen Besen kann sich jede Feuerwehr leisten, sie muß nur innerlich stark genug sein, daß jeder, wirklich jeder den Schmutz auch sieht und den Besen in die Hand nimmt.

Wenn der Anschlagkasten schief hängt, wenn das Unkraut vor dem Tore wuchert, wenn die Räume wegen der Spinnweben schon halb dunkel sind, wenn auf dem Fußboden noch immer die toten Fliegen vom letzten Winter herumliegen, dann sollen sich ordnungsliebende Kameraden nicht beim Kommandanten beschweren, sondern ihm freundlich mitteilen, daß sie mit Kübel, Fetzen, Besen, Farben und Hammer am kommenden Samstag um 9 Uhr zur Generalreinigung gestellt sind.

Wie wäre es, jetzt im Frühjahr das eigene Feuerwehrhaus von dieser Seite kritisch unter die Lupe zu nehmen? Der (gefürchtete?) Frühjahrsputz der Hausfrau tut der eigenen Wohnung letztlich gut, dem Feuerwehrhaus täte er nicht weniger gut. Oder sind wir dem eigenen Feuerwehrhaus gegenüber betriebsblind?

Die folgende Checkliste ist keineswegs vollständig...

  1. Regelmäßige Überprüfung der elektrischen Anlagen. Prüfung des Fi-Schalters, Kontrolle der Sicherungen. Sind genug Ersatzsicherungen vorhanden? Besonders zweckmäßig sind automatische Bimetallsicherungen.
  2. Funktionieren alle Glühbirnen und Leuchtstoffröhren?
  3. Sind alle Schalter und Steckdosen funktionstüchtig?
  4. Sind alle Sanitär- und Wasserinstallationen intakt?
  5. Sind alle Wasserhähne und Anschlüsse usw. intakt?
  6. Eventuell vorhandene Abscheider auf Zustand und Funktionstüchtigkeit prüfen.
  7. Regensinkkästen entleeren.
  8. In der kalten Jahreszeit Frostsicherheit gewährleisten.
  9. Hydrantenanschlüsse mit geeignetem Fett schmieren.
  10. Sämtliche Torangeln und Verriegelungen mit geeignetem Öl besprühen bzw. schmieren.
  11. Türschlösser auf ihre Funktionstüchtigkeit überprüfen. Im Winter auf Vereisung achten.
  12. Brandschutztüren bei Garagen und Dachböden auf die selbstschließende Wirkung prüfen.

menschlich ... 2

 

Sie suchen ihre Feuerwehrfahne...

Freiwillige Feuerwehr Oberlaa: Vergessene nö. Feuerwehrkameraden?

 

„Herr Präsident Holaubek! Können Sie uns nicht helfen, unsere alte Feuerwehrfahne wieder zu bekommen?“ Durch diesen Brief wurde „brand aus“ auf nö. Feuerwehrkameraden aufmerksam, die sich schon vergessen glaubten und die noch heute mit geradezu rührender Liebe am nö. Feuerwehrwesen hängen.

Ein kleines Gasthaus in Wien-Oberlaa. Im Extrazimmer sitzen sechs alte Herren. Einen sichtlich immer wieder liebevoll mit Sidol geputzten Feuerwehrhelm aus den dreißiger Jahren vor sich, ein paar alte Fotos. Das ist von der FF Oberlaa geblieben. Und eine Liebe zur Feuerwehr, die eigentlich erschütternd ist.

Kurz die Geschichte: 1938 wurden einige niederösterreichische Gemeinden an Wien angeschlossen, u.a. Inzersdorf, Rothneusiedl, Oberlaa und Unterlaa. Die Wiener Berufsfeuerwehr übernahm den Löschbereich dieser Gemeinden.

Und damit begann das Trauerspiel. „Wir sind zu einer Generalversammlung in unser Spritzenhaus (heute stehen dort Gemeindewohnbauten) einberufen worden, Herr Siegfried Olbort, der Obmann unserer Feuerwehr, hat eine Abschiedsrede gehalten, jeder hat ein Dankschreiben bekommen, und damit waren wir aufgelöst. Dann mußten wir an einem bestimmten Tag alles, was mit der Feuerwehr zu tun hatte, abgeben, von der Vereinskasse (32.000 Schilling waren drin, viel Geld damals) bis zu den Uniformen und Helmen. Nur einen Helm haben wir heimlich ‚erhalten’: der Mötzl hatte nämlich zwei.“ Und den zeigte er dem „brand-aus“-Redakteur.

„Wir waren eine gute Feuerwehr...“

„Wir sind 1872 gegründet worden. Unser Gräf & Stift-Fahrzeug, Baujahr 1924, hat tadellos funktioniert, der Motorspritzenanhänger ebenfalls. Das Rettungsfahrzeug (wir waren ja zugleich Rettungscorps) wurde gleich 1938 nach Kledering überstellt.“ Obwohl die Wehr schon aufgelöst war, fuhren die Männer nochmals zu einem Einsatz, damals, als der Huberstadl brannte.

Je hübscher die Mädchen, desto mehr Geld ...

„Am Geld hat es immer gefehlt“, erinnern sich die alten Herren. „Am Faschingssamstag ist immer Feuerwehrball gewesen, da ist uns kein anderer Verein dazwischengekommen, und der erste Septembersonntag, der Kirtag, war Blumentag. Jeder nichtverheiratete Feuerwehrmann hat ein Mädchen seiner Wahl angegeben, der Kommandant und der Schriftführer sind eigens zu den Eltern gegangen und haben um Erlaubnis gebeten, daß die Mädchen mittun dürfen. So streng war das damals.“ Und am großen Tag verkauften Feuerwehrjüngling und Mädchen auf der Straße Blumen. „Wir Burschen haben kassiert, und die Mädchen haben die Blumen verkauft. Je hübscher das Mädchen war, desto mehr hat der Kamerad für die Feuerwehrkassa eingenommen. Und der Kommandant hat immer wieder mit uns geschimpft, weil wir nur mit den Mädchen und nicht auch mit den älteren Damen getanzt haben“, lächeln die alten Herren verschmitzt.

„Hör auf mit der Blaserei!“

Von den Übungen fast jede Woche ist die Rede („1000 Meter Schläuch’ haben wir gehabt“), von den Ausrückungen zu Bränden und Begräbnissen nach Hennersdorf, nach Inzersdorf, Rothneusiedl und Liesing. „Und wie wir 1931 mit dem Feuerwehrauto zum Landesverbandstag nach Gmünd gefahren sind! Eine Weltreis’ war das damals. Unserem Hornisten haben wir immer wieder sagen müssen: ‚Hör auf mit deiner Sch...Blaserei, wir haben schon wieder einen Defekt.’ Immer wieder haben wir Keile in die Gummireifen stecken müssen, damit wir sie nicht verloren haben. Um 10 Uhr abends sind wir erst in Gmünd angekommen.“

Sie blieben beisammen...

Im II. Weltkrieg waren die meisten eingerückt, einen verschlug es sogar (als Angehörigen des Feuerwehrschutzpolizeiregiments) in das brennende Berlin und in die Ölhäfen von Marseille.

Dann kamen sie nach Hause, aber mit der Feuerwehr war’s aus. Sie wurden älter und älter, und sie trafen sich immer wieder. Und redeten über die Feuerwehr, wie eben Feuerwehrmänner über nichts anderes reden als über die Feuerwehr.

Heute gibt es in Wien-Oberlaa noch 15 „Ehemalige“. Alte, liebenswürdige Herren. Wenn wieder einer stirbt, geht der Mötzl Franz, der sie alle zusammenhält, zu jedem von ihnen und sammelt für einen Kranz. Behält auch einige Schillinge zurück und legt sie auf ein eigenes Sparkonto, das auf „Feuerwehr Oberlaa“ lautet..., „denn wir werden immer weniger, und auch der letzte Feuerwehrkamerad soll noch seinen Kranz haben.“ Und sie gehen beim Begräbnis immer noch in einem festen Marschblock. Wie damals vor ´38.

Wo ist die Fahne?

Da ist nun die Sache mit der Fahne. 1902 haben sie eine wunderschöne Fahne bekommen. Handgestickt, schwere Seide. Der Engelmayer war Fahnenjunker (der Jüngling auf dem vorgezeigten Bild sitzt als alter Herr bei dem Gespräch dabei), er hat immer die acht Bänder bei sich aufbewahrt, die Fahne ist in der Kirche gewesen. Und jetzt ist sie weg. Niemand weiß, wo sie hingekommen ist.

Sie würden ihre Feuerwehrfahne so gerne wieder haben. Der Kameradschaftsbund hat eine, die anderen Vereine auch, nur sie, die ehemaligen „Feuerwerker“, haben keine. Das macht sie traurig, mehr als man meinen könnte. So haben Sie dem Präsidenten Holaubek geschrieben. Er wird zusammen mit dem Landesfeuerwehrkommando die Fahne suchen. Vielleicht findet sie sich irgendwo.

Ja, in Leopoldsdorf...

Der alte Huber aus Leopoldsdorf, ein Alterskollege, sammelt noch heute für seine Feuerwehr, die, in Niederösterreich verblieben, nicht aufgelöst worden ist, Flaschen und Altpapier. Die Feuerwehr ist seine Heimat geblieben, gegen die Jungen hat er so etwas wie Großvatergefühle. Ganz ähnlich ist es mit dem alten „Berli“ aus Liesing, der im niederösterreichischen Perchtoldsdorf eine neue Feuerwehrheimat gefunden hat. Nur die Feuerwehrmänner von Oberlaa haben keine Feuerwehr mehr, die sie einmal einlädt oder gar ehrt. Begeisterte niederösterreichische Kameraden, auf die man vergessen hat...

****

Sie sind nicht mehr vergessen, unsere Kameraden aus Oberlaa, Unterlaa, Rothneusiedl, Inzersdorf, Liesing usw. Einige sind sogar noch in der Sterbekasse versichert. Präsident Kast hat verfügt, daß jedem von ihnen sofort ein Feuerwehrkorpsabzeichen geschickt wird. „Ob wir denn das tragen dürfen?“ haben sie zweifelnd gefragt. Ihr dürft, Kameraden. Weiter hat Präsident Kast verfügt, daß alle diese „heimatlosen“ Feuerwehrmänner in einem großen Autobus nach Tulln fahren, das Feuerwehrmuseum sehen und auch erfahren, wie heutzutage die Feuerwehrmänner ausgebildet werden. Und beisammensitzen werden sie auch. Bitte bei Brandrat Dr. Schneider, Landesfeuerwehrkommando für Niederösterreich, 1010 Wien, Bankgasse 2, melden. Telefon 0 22 2 / 63 57 11, Klappe 3265.

Und die Fahne von Oberlaa suchen wir jetzt auch. Wir finden sie sicher. Präsident Holaubek hilft auch mit. Er hat es versprochen.

 

Schneider

menschlich ... 3

Der Funktionär braucht ein Hobby

„Hobby auch noch. Ich bin ohnehin fast nicht mehr zu Hause.“ Trotzdem. Der Funktionär, vor allem der vielbeschäftigte, braucht ein Hobby. Warum?

„Wie war’s zu Ostern?“ fragte ich einen überlasteten Feuerwehrfunktionär, „wieder ständig für die Feuerwehr unterwegs gewesen?“

Nein, er hatte sich alle Termine und allen Schreibkram vom Hals gehalten und war doch nicht recht glücklich. „Ich habe mir nichts Rechtes anzufangen gewußt. Nur Spazierengehen kann ich nicht, Herumsitzen daheim bin ich nicht gewohnt, zum Lesen komme ich das ganze Jahr nicht, für Hobbys habe ich keine Zeit. Die Feuerwehr ist mein einziges Hobby.“ Der Gute freute sich fast, als der gehetzte Funktionärsalltag wieder begann.

Die Feuerwehr ist nicht die ganze Seligkeit

Auch für den vielbeschäftigten Funktionär (der Feuerwehr, der Partei, jedes Vereins) geht die Funktionärszeit einmal zu Ende: er wird nicht mehr gewählt. Jüngere kommen nach, die Altersgrenze wird erreicht, oder er bekommt Krach und zieht sich zurück, wovor niemand gefeit ist. Wenn er dann nicht auf andere Lebenskreise und Interessen „umsteigen“ kann und menschlich nur auf einem Bein steht, kommt eine innere Leere, die kaum auszufüllen ist. Er ist auch nach dem Austritt aus der Funktion auf die Feuerwehr fixiert, trauert ihr nach und ist, weil er sich nicht mit anderem Interessanten trösten und nicht anders abreagieren kann, auf sie böse und wird verbittert. Eine schwere Lebenskrise kann die Folge sein.

Auch die Feuerwehr nicht tierisch ernst nehmen

Wie kann man diese Situation vermeiden, schon bevor sie eintritt?

  1. Nimm die Feuerwehr auch in der Hochblüte Deiner Funktionärstätigkeit nicht tierisch ernst. Wisse immer, daß es auch noch andere spannende, interessante Dinge gibt. Bedaure vor Dir und anderen immer wieder, daß Du dies oder jenes momentan nicht tun kannst.
  2. Laß Dein Hobby nie ganz einschlafen. Zwing Dich einmal, auf der Hobelbank und im Werkzeugschrank wieder Ordnung zu machen, schlag daheim einen Nagel mit Spaß ein, und nicht nur, weil die Frau schon seit drei Wochen drängt. Laß nicht den Garten auf, weil Du keine Zeit für ihn hast. Am Samstagnachmittag geht es immer wieder einmal. Verlerne nicht darüber zu staunen, daß Du ja auch noch für anderes als für die Feuerwehr zu gebrauchen bist.
  3. Sitz einen Abend in der Woche mit Deiner Frau bei einem Glaserl Wein beisammen. Auch das (das Beisammensitzen mit ihr) kann man verlernen, wenn man es nicht immer wieder tut. „Was nicht geübt wird, funktioniert nicht“ gilt auch daheim. Die Frau wird auch bei Dir sein, wenn der ganze Feuerwehrzauber vorbei ist. Geh am Sonntagnachmittag mit ihr spazieren, jedes Mal bist Du nicht terminmäßig verstellt; oder fahre gar wieder einmal einen Tag (oder drei) mit ihr (und den Kindern) weg. Oder kannst Du das nicht mehr?
  4. Hab nicht während der Berufsarbeit den Kopf ständig bei der Feuerwehr. Ein Beruf, den man nur als Broterwerb betrachtet, wird auch dann, wenn die Feuerwehr wegfällt, nicht mehr, also auch nicht Trost und Vergessen und spannendes Interessengebiet.
  5. Interessiere Dich auch für anderes, auch wenn sich am Nachtkasterl die ungelesenen Feuerwehrzeitschriften und Rundschreiben türmen. Dein Verstand und Deine Tüchtigkeit müssen auch von anderen Gebieten gefordert werden. Unangenehm jene, die außer der Feuerwehr überhaupt kein Gesprächsthema kennen, weil sie weder fachlich noch interessemäßig bei anderem mitreden können. Hast Du überhaupt außerhalb der Feuerwehr Freunde? Wenn Du im Unfrieden scheidest und die Feuerwehrkontakte wegfallen, bist Du auf einmal bitter allein.
  6. Vielleicht solltest Du doch lernen, ein Buch zu lesen. Ein spannendes natürlich, es muß nicht Schiller und Goethe sein, vielleicht etwas aus dem Weltkrieg? Schon ungeduldig darauf warten, daß man weiterlesen kann und erfährt, wie es weitergeht, ist ein Vergnügen, das man sich vergönnen sollte.
  7. Überlege schon jetzt, wie und mit welchen Tätigkeiten Du die Pension verbringen wirst. Bereite schon jetzt das Leben ohne Feuerwehrarbeit vor. Der Garten, die Hobbymalerei, der Verein, zu dem Du hoffentlich nie ganz den Kontakt abgebrochen hast und der schon darauf wartet, bis Du endlich nicht mehr so sehr bei der Feuerwehr eingespannt bist, werden noch wichtig werden. Die Feuerwehr braucht Dich nach 65 kaum mehr, der Verein schon!

Wenn das alles eingeübt wird, wird der Austritt aus hohen und zeitraubenden Funktionen keine Katastrophe auslösen. Du wirst Dich nicht an Funktionen klammern aus der uneingestandenen Angst, dann nichts mehr zu tun zu haben, nicht mehr gebraucht und daher unnötig zu sein, was gerade an bis dahin aktiven, geschätzten und gesuchten Menschen sehr nagen kann.

Wer am Anfang der Pension nichts zu tun hat und sich nichts anzufangen weiß, ist herzinfarktgefährdet. Und an einem Herzinfarkt möchte die Feuerwehr nicht schuld sein, jene Feuerwehr, die Dich jetzt so sehr beansprucht.

Daher: Der Funktionär braucht ein Hobby.

 

Schneider

 

menschlich ... 4

 

„Was sich die Jungen alles einbilden!“

Überstellung von fünf Jugendfeuerwehrmännern in die Aktivmannschaft. Ein Dankeswort an die Jugendführer. Die Jugendarbeit hat doch einen Sinn, ist die Wehr überzeugt.

Und dann beginnen die Spannungen.

  • Die „Jungen“ werden in verschiedene Löschgruppen aufgeteilt. Sie waren intensive Gruppenarbeit, Kameradschaft, straffes Geführtsein, häufige Gruppentreffen gewöhnt. Jetzt „verschwinden“ sie unter den Erwachsenen, niemand kümmert sich um sie, keiner erkennt, daß sie mit 15 und 16 noch ein richtiges Rudeldasein führen wollen, es ist nichts „los“, die Übungen sind selten und selten erlebnisreich gestaltet.
  • Die Gruppentreffen waren keine Kinderei, die 12- bis 15jährigen haben allerhand gelernt und kommen jetzt, da sie mit den Erwachsenen arbeiten, darauf, daß sie manchen von ihnen fachlich überlegen sind. Fachlich, freilich nicht an Erfahrung. Der Erwachsene wird unsicher, möchte sich vor dem 15jährigen nicht blamieren, ist aber auch nicht bereit, die offensichtlich mangelnden theoretischen Kenntnisse (die der Junge besitzt) in Tulln nachzuholen. Unsicherheit, Aggressionen, böse Worte über die Jungen sind die Folge.
  • Die Autorität des Jugendführers war unangefochten, der Gruppenkommandant faßt die Erwachsenen eher mit Glacéhandschuhen an, will den Jungen scheinen. Auch Eitelkeiten und Reibereien unter den Aktiven enttäuschen die Neuankömmlinge.
  • Jahrelang hat sich der Jugendfeuerwehrmann auf die Überstellung in die Aktivmannschaft gefreut und sie als Zeichen, daß er nun ein „Mann“, ein Erwachsener, ist, ersehnt. Nun ist die Enttäuschung da. Die Erwachsenen sehen natürlich auch nicht nur Strahlend-Gutes: die Jungen sind „frech“, sie sollen einmal lernen, sich hinten anzustellen, sie sind unpünktlich, sie sind laut (wie halt jeder Jugendliche, der auf einmal seine Büffelkräfte entdeckt) und reden sogar dawider. Auch ihre Stiefel räumen sie nicht auf (beim Erwachsenen kommt’s auch vor, da sagt man aber nichts, bei den Jungen heißt’s aber scharf sein).

Was die „Alten“ überlegen sollten

  • Zum Teil geht’s um ein Generationenproblem. Ähnliche Schwierigkeiten hat jeder Vater mit seinem heranwachsenden Sohn.
  • Ordnung und Disziplin sollen die Jungen selbstverständlich halten. Wenn man sie sinnvoll beschäftigt, wenn man sie einmal lobt, sind sie zu Leistungen fähig, die man ihnen nie zutrauen würde. Sie sollen auch einen Besen in die Hand nehmen lernen, freilich ihn nicht immer dann in die Hand gedrückt bekommen, wenn die „Alten“ nicht mögen. Das große Beispiel der Erwachsenen ist: wir, die „Alten“ und die Jungen arbeiten, schwitzen miteinander.
  • Wie viel von dem Konflikt kommt eigentlich aus der Unsicherheit der Älteren: „Wenn noch mehr so gut geschulte Junge kommen, wird man uns, die wir seit Jahren keine Lehrgänge mehr besucht haben, bald nicht mehr brauchen?“
  • Sind die Übungen interessant oder für Jugendliche (auch für die Erwachsenen) keineswegs anziehend?
  • Sind Reibereien und Eifersüchteleien in der Wehr geeignet, junge Leute zu den Altgedienten aufschauen zu lassen? Schadet es ihnen nicht, wenn sie sehen, wie man die Älteren mit Glacéhandschuhen anfaßt und alle Unpünktlichkeiten duldet, nur damit „es nichts gibt“?
  • Ist es nicht psychologisch ein schwerer Fehler, dem Jugendlichen gerade dann, wenn er die „Nestwärme“ der Schule verliert und in die fremde Umgebung des Berufs kommt, auch noch die Heimat der Feuerwehrjugendgruppe zu nehmen? In manchen Wehren werden die 15jährigen bereits in eigene Ausbildungsgruppen oder –züge überstellt, bleiben dort unter Gleichaltrigen bis 18 und bekommen vielleicht sogar ihren Jugendführer als Gruppenkommandanten. Das Feuerwehrjugendleben wird weiter- und behutsam in die Männerkameradschaft übergeführt. Der 15jährige und der Erwachsene – das sind psychologisch noch nicht die richtigen Kameraden mit gleichen Interessen. Mit 18 wachsen sie dann von selbst in die Männergemeinschaft hinein.
  • Wer spielt bei den Jungen ein wenig Vaterrolle, wer bremst sie ein, redet mit ihnen, wer fährt mit ihnen zum FLA in Silber, ist lustig mit ihnen und hat sie doch fest in der Hand und paßt ein wenig auf sie auf?
  • Wer denkt nicht: „Was sollen wir mit den Knirpsen? Sie sollen beim Fahrzeug bleiben?“ Und seit Jahren haben sie sich auf den ersten richtigen Einsatz gefreut. Eine Welt bricht zusammen, wenn der Junge nicht gebraucht wird.
  • Wer nimmt sich den Neuling heimlich her und zeigt ihm, wie dieses oder jenes Gerät praktisch anzufassen ist? Der Junge wird strahlen.

15- bis 18jährige gegen die Konkurrenz von Pubertät, „fad“, Beruf, Moped, Disco und Mädchen bei der Feuerwehr zu halten ist ein Kunststück. Auch hier: aus nichts wird nichts. Wenn’s nicht interessant und spannend ist, bleibt der Junge bald weg. Dabei kann man ihn ruhig fest anfassen. Mögen muß man ihn halt.

Was die Jungen überlegen sollten

  • Daß Du der Große warst und Dich jetzt hinten anstellen mußt, mußt Du kapieren. In der Lehre ist’s nicht anders.
  • Du weißt mehr als mancher Altgediente? Stimmt vielleicht. Aber platze nicht gleich heraus und zeige ihm nicht, wie wenig er theoretisch weiß. Du hast’s ja auch nicht gern, wenn Dich ein Erwachsener bloßstellt.
  • So gescheit bist Du eigentlich gar nicht. Situationen beurteilen, von früheren Einsätzen wissen, was jetzt zu tun ist, darin ist Dir jeder Ältere überlegen. Erfahrung ist das, und die geht Dir ab. Da kannst Du lernen. Da mußt Du lernen.
  • Frage einen Älteren einmal etwas. Bescheiden. Höflich. Er wird sich denken: „Solche Rowdies sind die Jungen gar nicht.“ Und er wird Dir mit Vaterstolz (laß ihm dieses wunderschöne Gefühl!) das Gerät erklären und noch manchen praktischen Kniff dazu zeigen.
  • Laß ihn einmal von Einsätzen erzählen. Du wirst sehen, so rückständig und fad sind sie gar nicht, die Alten.
  • Halte Ordnung, erfülle Aufträge genau. Bald werden die Älteren sagen: „Auf den kann man sich verlassen, der wird gut.“ Und Du wirst nicht mehr der Letzte sein. Man wird Dich ernst nehmen. Das kann man aber nur, wenn Du wirklich ernst zu nehmen bist. Kindisch und unzuverlässig sein und zugleich angesehen sein gibt es nicht, nicht in der Feuerwehrjugend, noch weniger bei den Erwachsenen.
  • Was tut eigentlich Ihr Jungen, damit es besser wird mit der Kameradschaft, damit mehr „los“ ist? Fällt Euch auch nichts Besseres ein? Wartet doch nicht, bis Ihr „geschoben“ werdet!

Jugendproblem! Wenn die Frage der 15- bis 18jährigen nicht gelöst wird, führt die Arbeit der Feuerwehrjugend immer wieder ins Leere.

Schneider

menschlich ... 5

Schindet Eure Funktionäre nicht zu Tode!

„Der Herr Oberbrandrat ist wieder einmal nicht da“, murmelt einer spitz aus dem dritten Glied nach vorn. Die Übung beginnt, er fehlt wirklich – schon wieder. Erst kürzlich meinte er ungehalten, der derzeitige Übungsbesuch sei ein Skandal, und es müsse wieder mehr Ordnung her.

„Soll er doch vor seiner eigenen Tür kehren und uns in Ruhe lassen. Oder ist er sich schon zu gut zum Üben?“, heißt es dann, Unmut kommt auf, der Stachel sitzt, und einer spinnt sicher das Thema nach der Übung weiter. Auf die leise, feine Tour.

Zehn Überlegungen möchte ich dazu anstellen:

  1. Auch ein Oberbrandrat (und jeder andere Funktionär und Sachbearbeiter) kommt aus der Wehr, kommt „von unten herauf“. Er soll den Kontakt zur Mannschaft nicht verlieren, er soll sich nicht zu gut sein zum Üben und sich auch als Funktionär noch schmutzig machen, wie jeder andere auch. Daß die Mannschaft das will und auch dafür sorgt, ist gesund.
  2. Was man von anderen verlangt, soll man selbst auch durchführen. Das wirkt und macht glaubwürdig. Ein guter Grundsatz. Die Mannschaft soll das ruhig einfordern.
  3. Nur: Geht der Herr Oberbrandrat wirklich spazieren, während die Kameraden schwitzen? Oder ist er ohnehin in Feuerwehrangelegenheiten unterwegs, kann also gar nicht da sein, wenn er nicht seine Pflicht als Abschnitts- oder Bezirkskommandant versäumen will? Man soll sich zuerst erkundigen, bevor man schimpft und böses Blut macht. Sonst ist das Ehrabschneidung und unkameradschaftlich. Untergrabung des guten Rufes.
  4. Wenn einer sich breitschlagen läßt und eine Funktionärsstelle annimmt, dann bedeutet das Sorgen und meist weitgehenden Verzicht auf Freizeit, Familienleben und Hobby, je höher er steigt und je mehr Fachwissen er hat, desto mehr. Er arbeitet auf Bezirksebene, er arbeitet in Arbeitsausschüssen des Landesfeuerwehrverbandes mit, wovon die eigene Feuerwehr oft kaum weiß, da der Funktionär mit seinen Ämtern ja kaum „hausieren“ geht. Rechnet man seine Feuerwehrarbeiten zusammen und addiert sie zu Berufs- und Familienverpflichtungen, erkennt man, daß er bereits restlos überlastet ist. Jener, der spitz über die Abwesenheit des Herrn Oberbrandrates gemurmelt hat, arbeitet kaum so viele Stunden wie der bekrittelte Funktionär. „Dann hätt’ er halt nicht Funktionär werden sollen“ ist wohl zu billig.
  5. Funktionär werden ist nicht nur Privatsache des einzelnen Mannes. Es gehört vor der Wahl (die man ja meist voraussieht) mit der eigenen Feuerwehr klar ausgesprochen, ob sie bereit ist, den Funktionär zu tragen, ob sie also sagt: „Unsere Wehr weiß die Ehr’ zu schätzen, wir entlasten Dich von vielen kleinen Dingen. Verlaß Dich, wir machen das schon“. Einen aber in ein Amt hineinhetzen und zugleich jeden kleinen Dienst in der eigenen Feuerwehr – den auch andere, gar nicht so sehr belastete Kameraden tun könnten – zu fordern, ist unrecht. Genau das hält er nicht aus, genau das überfordert ihn.
  6. Die Kleinarbeit für den zu Funktionärspflichten aufgestiegenen Kommandanten zu machen, ohne den entsprechenden Dienstgrad zu haben, erfordert Entsagung, ist aber ein wichtiger Kameradschaftsdienst.
  7. Wenn sich ein Funktionär in der eigenen Wehr, im Unterabschnitt und im Abschnitt um jede Kleinigkeit kümmern muß, so kann er nicht führen, kann nicht wichtige Behördenkontakte wahrnehmen, kann nicht Abschnitt und Bezirk voranbringen, kann nicht beim Landesfeuerwehrverband mitarbeiten. Das ist in der Feuerwehr nicht anders wie in jedem Betrieb. Der Generaldirektor läßt sich seine Briefe nicht deshalb schreiben, weil er dazu zu „fein“ ist, sondern weil er für andere Aufgaben frei sein muß. Wehe, wenn er sie nicht wahrnimmt. Wenn der große Betrieb nicht funktioniert, bekommt das auch „der Kleine“ zu spüren. Und er schimpft als erster.
  8. Delegieren ist unumgänglich. Dazu gehören zwei. Der Funktionär muß dazu bereit sein und muß genau überlegen, was er unbedingt selbst machen muß und wo er delegieren kann, und die Dinge funktionieren doch.
  9. Die Kameraden auf den verschiedensten Ebenen – eigene Wehr, Unterabschnitt. Abschnitt, Bezirk – müssen bereit sein, übertragene Arbeiten so auszuführen, daß sie wirklich geschehen und der geplagte Funktionär nicht überall nachstoßen muß.
  10. „Bitte, bleib, wir helfen Dir. Schone Dich halt.“ Den Funktionär, der „genug“ hat und sich nicht mehr wählen lassen will, bestürmt man von allen Seiten, und man meint es ehrlich. Nur: Der gleiche, der zum Sich-Schonen auffordert, ist unerbittlich und leicht beleidigt, wenn der Funktionär nicht zu seinem Fest oder zum Begräbnis seines verdienten Feuerwehrmannes kommt. Wenn er zudem erfährt, daß der Funktionär an diesem Nachmittag tatsächlich daheim war oder gar mit seiner Frau einkaufen war, ist es völlig aus. Daß er sechs Abende der Woche ohnehin für die Feuerwehr unterwegs war, zählt nicht. Wenn Bezirks- oder Abschnittskommandanten für ein Wochenende nicht weniger als sieben Einladungen zu Feuerwehrveranstaltungen haben – und jeder Veranstalter rechnet sicher mit dem Kommen des Funktionärs -, dann stimmt etwas nicht. Auswählen? Dann sind die anderen verschnupft. Zu allen gehen? Das hält kein Roß aus. Also zu gar keiner Veranstaltung gehen? Das kann und will man auch wieder nicht, weil man ja durchaus guten Willen hat. Das alles zehrt an den Nerven. Und was am meisten belastet: Man arbeitet bis zum Umfallen, und dann kommen die kleinen Meckereien ohne jede Einsicht in den Pflichtenkreis des Funktionärs, ohne Bereitschaft, ihm zu helfen.

Also: Schindet Eure Funktionäre nicht zu Tode!

Schneider

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Die Wahlen stehen vor der Tür (1. Teil)

Im Jänner 1981 geht’s los, und bis zum April werden Kommandanten und andere Funktionäre neu gewählt, wieder gewählt, nicht mehr gewählt.

Hoffentlich werden keine „Wahlkämpfe“ ausgetragen, aber immerhin: es wird diskutiert, es werden Namen genannt und gegeneinander abgewogen. Die gegenwärtige Garnitur wird kritisch unter die Lupe genommen. Bleiben wir bei ihr? Sollen wir Veränderungen vornehmen? Dabei gilt es, ernste Überlegungen anzustellen.

Ein gutes Kommando ist für eine Feuerwehr weithin entscheidend. Sich diesbezüglich in Vorwahlzeiten ernste Gedanken zu machen ist nicht gleich Revoluzzertum, Neuerungssucht und Raunzerei, sondern Pflicht jedes Mitgliedes der Wehr.

Ist unser Kommandant zu alt? Die Frage der Jahre ist gar nicht so wichtig. Sondern: Ist er geistig noch aktiv und agil? Geht es in der Wehr noch voran, oder läßt der von allen geschätzte Kommandant eigentlich seit Jahren alles „schleifen“? Läßt er wenigstens andere ernstzunehmende, vernünftige Leute arbeiten, oder behindert er sie? Hat sich ein kleiner Kreis um ihn gebildet, der nicht zu durchbrechen ist? Wenn hier ernste Bedenken bestehen, muß wahrscheinlich der zunächst wehtuende Schnitt einer Abwahl getan werden. Daß der Kommandant selbst bereit ist, weiterhin zu bleiben, darf nicht entscheidend sein. Er selbst merkt oft nicht, daß er nicht mehr dynamisch ist und sich – oft gar nicht bewußt – notwendigen Entwicklungen entgegenstellt. „Selbst merkt man’s nicht, aber die anderen“, heißt es zu Recht über das Altwerden. Einem verdienten Mann zu sagen, daß es Zeit zum Abtreten ist, erfordert viel Takt... Manchmal muß man auch einem verdienten Mann wehtun.

Ist ein Nachfolger da? Den bisherigen Kommandanten abzuwählen ist sinnlos, wenn sich kaum ein guter Nachfolger anbietet. Freilich entwickeln relativ unbekannte junge Leute manchmal, wenn sie in Funktionen gewählt werden, ungeahnte Kräfte und Fähigkeiten.

Ist der Kommandant müde geworden? Der derzeitige Kommandant ist noch nicht alt. Macht er seine Sache gut? Hat er die meisten Männer hinter sich? Bringt er die wichtigen Anliegen der Feuerwehr voran? Oder läßt er vieles liegen und betreibt wichtige Projekte nur mit halbem Herzen? Oder hat sich seine private Situation verändert, ist er etwa beruflich oder familiär stärker beschäftigt und daher immer in Zeitdruck, was bei der letzten Wahl noch nicht der Fall war? Oder ist es zu Spannungen gekommen, und der Reibereien ist kein Ende? Fühlt er vielleicht selbst die Überlastung und wäre über einen Kommandowechsel gar nicht so unglücklich?

Bald 65 – Wahlperiode noch beginnen? Nicht wenige Kommandanten dienen gern bis 65. Sind sie dazu bereit, wird man sie nur dann abwählen, wenn in den verbleibenden zwei Jahren ernste Behinderungen der Arbeit zu erwarten sind. Ist die Wehr sonst gesund, verträgt sie eine Zeitlang auch einen weniger energischen Kommandanten. In einer ganzen Wahlperiode kann der Kräfteverfall einen alternden Menschen wesentlich verändern, ein oder zwei Jahre spielen keine so große Rolle.

Auch Altersweisheit, Klugheit und gute Menschenkenntnis sind einzukalkulieren. Die Wahlperiode kann ohne weiteres begonnen werden, wenn die Arbeit nachrückender Kräfte nicht blockiert wird.

Mitschleppen aus reinem Mitleid auf einem Platz, an den er offensichtlich nicht (mehr) gehört, ist falsch. Bisweilen wird über Funktionäre geklagt. Nicht selten sind jene schuld, die sie (immer wieder) in den Sattel gehoben haben, obwohl sie wußten, daß sie die Aufgabe nicht (mehr) meistern. Bisweilen werden dann einst tüchtige Männer in den letzten Jahren zu Jammergestalten. Das sollte man ihnen ersparen.

Menschlichkeit in Ehren. Aber die Feuerwehr muß Menschen retten und einsatzfähig sein. Ihr nicht geeignete Führer zu geben ist nicht Menschlichkeit, sondern Unmenschlichkeit, auch den überforderten Funktionären gegenüber.

Ein fünftes Amt? Ist er (oder ein möglicher Nachfolger) ein Ämtersammler um jeden Preis? Manche leisten in mehreren Organisationen zugleich Erhebliches: Feuerwehr, Jägerschaft, Kameradschaftsbund, Genossenschaft, Partei, Lagerhaus usw. Manchen wächst aber dann doch die Arbeit über den Kopf. Das schadet den Organisationen und den Familien. „Das kannst Du schon noch dazunehmen“, ist zuweilen die bequeme Ausrede für Leute, die dem anderen bedenkenlos noch ein fünftes Amt hinaufhängen, nur um selbst verschont zu bleiben. Manchen muß man in seinem eigenen Interesse vor dem fünften Amt bewahren, auch wenn er selbst recht bereit wäre...

Jemand bewirbt sich – ist er ein Streber? Wer Kommandant werden will, ist ein Streber, ein Vereinsmeier, ein Emporkömmling, einer, der das bisherige Kommando rücksichtslos „heben“ möchte. Das kann stimmen. Achtung dann. Aber: es ist durchaus möglich, daß jemand bereit ist, sich für einige Jahre der Feuerwehr zur Verfügung zu stellen, weil ihm an der Sache liegt, weil er Ideen hat und meint, etwas schaffen zu können. Er hat mehrere Jahre zugeschaut und hat durchaus ein kluges Konzept. Einen solchen Mann soll man nicht gleich der Streberei verdächtigen. Ihn nicht zu wählen, weil man dem alten Kommandanten, der nicht mehr viel tut, nicht wehtun will, wäre nicht recht. Vielleicht setzt eine Gruppe junger Kameraden ihre Hoffnungen auf ihn. Wird er nicht gewählt, verliert sie alle Hoffnung, und auch er resigniert bis zur nächsten Wahl: eine Hoffnung auf Erneuerung ist vertan. Einer nimmt ein Amt nur unter Druck der gesamten Wehr an, ein anderer redet ehrlich, und man kennt sich aus. Der letztere ist nicht immer der schlechtere Kandidat.

Ein Roter, ein Schwarzer, ein Blauer...? Die Parteizugehörigkeit soll bei Wahlerwägungen der Feuerwehr die allerletzte Rolle spielen, auch wenn manche Gemeindeväter gerne einen Mann der eigenen Partei als Kommandanten sähen. Wenn es in einer Feuerwehr anfängt, nach der Partei und nicht nach den größeren Fähigkeiten zu gehen, werden über kurz oder lang die möglichen Führungskräfte aus dem anderen politischen Lager vergrämt und bleiben aus. Einen solchen Kräfte- und Substanzverlust kann niemand verantworten. Durchaus gegen die Interessen der öffentlichen Sicherheit ist es auch, wenn Parteifunktionäre die Feuerwehrfunktionäre unter der Hand wissen lassen, dieser oder jener mit dem „verkehrten“ Parteibuch komme in dieser Gegend als Abschnittsfeuerwehrkommandant doch wohl nicht in Frage... Jeder Feuerwehrmann, welcher parteipolitischen Gesinnung auch immer, sollte solche Versuche parteipolitischer Einflußnahme auf das Feuerwehrwesen auch von eigenen Parteifreunden empört zurückweisen.

Schneider

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Die Wahlen stehen vor der Tür (2. Teil)

Stadtrat – Kommandant? Es kann für die Feuerwehr günstig sein, wenn der Bürgermeister, ein Stadtrat oder ein Gemeinderat Kommandant wird. Vielleicht verhilft er der Feuerwehr zu einem besseren Budget. Es gibt aber auch Kommandanten, die dann im Gemeinderat aus lauter Angst, zu einseitig die Feuerwehrinteressen zu vertreten, für sie gar nichts tun. Die Wehr soll aber auch nicht zuviel verlangen. Ein Bürgermeister muß für alle da sein, auch wenn er Feuerwehrkommandant ist. Er kann da leicht zerrieben werden, auch durch übertriebene Erwartungen der Feuerwehr.

Muß der Kommandant reich sein? „Wer die beste Jause zahlt, wird Kommandant.“ Viele tüchtige Männer waren praktisch von Führungspositionen ausgeschlossen, weil sie schon rein finanziell die Erwartungen der Männer nicht erfüllen konnten. Das ist heute weithin anders. Wo soziales und wirtschaftliches Ansehen bei der Kommandantenwahl immer noch eine Rolle spielt, handelt es sich um rückständige Feuerwehren. Daß ein „Zuag’raster“ und ein Nichtgrundbesitzer nicht Kommandant wird, und sei er noch so tüchtig, soll irgendwo in Niederösterreich noch vorkommen. Aufrechte Männer wehren sich gegen solche Überbleibsel aus vergangenen Zeiten.

Einen Jungen wählen? Einen wählen, der noch „ausholzt“ und die Älteren kränkt, ist sehr zu überlegen. Aber altgediente Herren, die seit Jahren nichts mehr tun, keine Lehrgänge besuchen, sich allem Neuen verschließen („Das haben wir früher auch nicht gebraucht, das sind Fadessen des Landesfeuerwehrkommandos“), dürfen durch jünger Leute ersetzt werden. Ein bestimmtes Maß an Einsatzerfahrung muß ein Kommandant aber sicher haben. Manche meinen, bei Wehren mit wenigen Einsätzen sei die Fähigkeit zu organisieren wichtiger. Das stimmt nur zum Teil. Schon mancher ehemalige Kommandant hat erlebt, wie die Wehr unter einem jungen Kommando aufgeblüht ist. Es spricht für einen Ehrenkommandanten, wenn er sich über diesen Aufschwung freut und nicht neidisch dem Nachfolger Schwierigkeiten macht, die Mannschaft sich an seiner Brust ausweinen läßt und sie dann gegen den „Neuen“ aufhetzt.

Ein Energischer oder ein Angenehmer? Feuerwehrkommandanten können im Dienst nicht immer zu allem ja und amen sagen. Sie müssen fallweise auch nein sagen und einen Kameraden zurechtweisen können.

Energische, aber gerechte und zielstrebige Kommandanten sind sicher wertvoller als weiche, die alles durchgehen lassen. Jemanden zu wählen, bei dem man „leichte“ und „ruhige“ Zeiten hat, ist nicht Zeichen großen Verantwortungsbewußtseins. Ob ich einen Kandidaten persönlich mag oder nicht, darf nicht entscheidend sein. Wenn er der bessere ist, muß ich ihn wählen, auch wenn ich mich dann sehr bemühen muß, mit ihm auszukommen. Ihm aus persönlicher Antipathie dann das Leben schwer zu machen, wäre unfair. Er soll auf meine korrekte Treue rechnen können.

Der Stellvertreter. Das gesamte Kommando soll arbeitsfähig sein. Wählt nicht Stellvertreter, die mit Sicherheit „nichts brechen“, wie man im Waldviertel sagt, das heißt, die nicht viel tun und kaum eigene Ideen haben. Auf dem Kommandanten soll nicht alle Arbeit liegen bleiben, er soll wichtige Bereiche, etwa die Ausbildung, dem Stellvertreter übertragen. Der Stellvertreter soll mit dem Kommandanten gut zusammenarbeiten, ihre Charaktere können sich ergänzen, sie sollen menschlich halbwegs harmonieren. Dem Kommandanten einen reinen Aufpasser vor die Nase zu setzen ist sinnlos, dann soll man ihn gleich gar nicht wählen. Das schließt nicht aus, daß man etwa ein Gleichgewicht zwischen Alt und Jung herstellt (junger Kommandant, älterer, besonnener, erfahrener, bei den Älteren beliebter Stellvertreter oder umgekehrt). Sich abzeichnende spätere Führungskräfte können sich als Kommandantenstellvertreter einige Jahre bewähren und in die Problematik eingeführt werden. Manche Feuerwehr steht einer Gruppe Jüngerer, die Neuerungen planen, durchaus mit Wohlwollen gegenüber, sie will ihnen aber noch nicht die ganze „Macht“ geben. Auch hier kann die Lösung ein junger Kommandantstellvertreter sein, der lernt, die gesamte Problematik der Wehr zu sehen. Sonst nützen sich Idealismus und Bereitschaft zur Verantwortung vor der Zeit ab.

Kommandanten fallen nicht vom Himmel. Ein kluges Kommando schaut schon während der Funktionsperiode nach Führungskräften von morgen aus, baut Junge langsam auf und prüft, ob hinter dem Eifer Ausdauer, Klugheit und Kompromißbereitschaft stecken. Feuerwehrjugendführer, Gruppenkommandant, Zeugwart und Atemschutzwart sind Funktionen, in denen viel gelernt wird. Schlimm, wenn der Kommandant durch Jahrzehnte alles selbst macht, niemand hineinläßt und nichts delegiert. Tritt er ab, ist niemand da, der zu führen gelernt hat.

Kann der Kommandant fachlich etwas? Ein kluger Kommandant, der alle möglichen Kommandantennachfolger zum Zugskommandantenlehrgang schickt. Wenn kaum ein möglicher Nachfolger diese Lehrgangsvoraussetzung hat, ist das kein Zeichen weitschauender Ausbildungsplanung. Es soll auch vorkommen, daß Kommandanten Lehrgangswillige nicht nach Tulln (Nö. Landesfeuerwehrschule) fahren lassen, damit sie ihnen „nicht zu gescheit werden“. Und selbst haben sie vor 25 Jahren den „Zweierlehrgang“ gemacht, haben die „Schule“ seither nicht gesehen und haben von neuen Entwicklungen keine Ahnung. Andererseits: ein kluger Kommandant sieht sich seine Leute an, bevor er sie nach Tulln schickt. Nicht jeder, der alle nur möglichen Lehrgänge im Feuerwehrpaß vermerkt hat, bringt etwas, nicht jeder Kommandant, der einen Jungen nicht gleich auf jeden Lehrgang seines Herzens fahren läßt, behindert die Ausbildung der Männer von morgen.

Der Leiter des Verwaltungsdienstes. Feuerwehrführung ist auch ein Verwaltungsproblem. Ein guter Leiter des Verwaltungsdienstes kann manches in Ordnung halten, auch gegen einen notorisch schlamperten Kommandanten, der sonst sehr tüchtig ist. Gegen einen, der sich nichts sagen läßt, ist freilich auch er machtlos. Man soll auch einen nicht in ein Amt hineinhetzen, das ihn mit Sicherheit überfordern wird.

Höherer Funktionär. Mancher ist ein guter Kommandant einer kleineren Wehr, bei großräumigen Aufgaben wäre er restlos überfordert. Vor allem: hat einer Zeit genug für eine höhere Funktion? Oft ist ja der Jammer, daß die tüchtigen Leute beruflich bereits restlos ausgelastet sind. Nur der Dienstgrad und die Ehr’, und die zeitraubende Detailarbeit bleibt dann liegen – dazu ist die Feuerwehr zu schade und zu wichtig. Ein Amt anzustreben und anzunehmen, nur damit man im Bezirk angesehen ist, sollte doch wohl unterlassen werden. Selbsteinschätzung in Ehren. Aber nicht jeder hat sie. Auch die Wähler müssen ihre Meinung haben.

Mit Würde ... Bei Wahlen und in Vorwahlzeiten soll es mit Würde zugehen. Sich für eine Sache zur Verfügung stellen, ja, Konzepte und Ideen entwickeln, ja. Um Stimmen betteln, nein. Und nach der Wahl wird sofort gearbeitet. Keiner, der „durchgefallen“ ist, spielt den Beleidigten, keiner zieht sich zurück oder fährt nur mehr mit halber Kraft. Das würde beweisen, daß er wirklich nicht der richtige Mann gewesen wäre.

Schneider

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Hier Florian Amstetten. Einsatzmeldung...

„Hier Florian Amstetten. Einsatzmeldung. Verkehrsunfall Weißes Kreuz, Personen eingeklemmt. Ich wiederhole...“

Sonntag, 12.57 Uhr. Die Alarmmeldung scheucht die Feuerwehrmänner aus dem geruhsamen Nachmittagsbeginn, das „Personen eingeklemmt“ elektrisiert zusätzlich. Vielleicht kann man mit Schnelligkeit noch etwas gewinnen, vielleicht rettet ein bißchen Risiko ein Leben.

12.59 Uhr: Das Vorausfahrzeug schiebt seine Schnauze aus der Fahrzeughalle. Rund 6 km zum Einsatzort. Die Zeit beginnt sich zu ziehen, das Fahrzeug scheint auf der Straße zu kleben. Keiner, der vor uns fährt, macht freiwillig Platz. Gleichgültigkeit gegenüber der Not anderer? Kämpfen die 120 Phon des Folgetonhorns vergebens gegen die 30-Watt-Stereoanlagen in den PKW?

Außerhalb der Stadt der Befehl: „Fahren Sie eine Kreuzung weiter!“ Weiter. Die Geschwindigkeit merkt man erst, wenn man ein Fenster öffnet.

Weißes Kreuz. Mehrere Autos ordnen sich ein, biegen ab. Als ob hinter ihnen kein Folgetonhorn zu hören wäre.

Einsatzstelle. Viele Autos. Viele Menschen. „Hier Voraus Amstetten. Sind am Einsatzort eingelangt.“ Wir werden herangewunken. Das übliche Bild. Auf der Fahrt haben wir uns auf das vorbereitet, was wir hier sehen müssen. Einen Schock beim Anblick können wir nicht brauchen, wir müssen zupacken. Heute sind Kinder da. Drei, vier, eines von ihnen ist noch im Wrack.

Die lieben Mitmenschen haben diesmal nicht nur neugierig hingeschaut, einige haben wichtige Erste Hilfe geleistet. Die Fahrzeuglenkerin ist tot, im Fond des Fahrzeugs ein Kind, die Beine unter dem Sitz eingeklemmt. Es lebt, kann die Mutter Gott sei Dank nicht sehen.

Jetzt treffen laufend Rettungsfahrzeuge ein, der Notarzt bestätigt den Tod der Frau, der erste Entschluß, das Kind zu bergen, war also richtig.

Jetzt sind genug autorisierte Helfer da, die im Anfangsstadium helfenden Zivilisten können bedankt werden.

Wohin man auch greift, man wird blutig. Die ersten Rot-Kreuz-Fahrzeuge fahren ab. Nach Abtrennung der Sitzlehne und Aufheben der vorderen Sitzfläche kann das Kind aus dem Fahrzeug gehoben und dem Notarzt übergeben werden. Jetzt ist mehr Zeit für die Tote, die Frau. Tote brauchen kein Wettrennen um Sekunden mehr.

Behutsame, zugleich grausame Routine: Die Tote wird aus dem Fahrzeug genommen, wird zugedeckt. Die Geräte werden eingeräumt, das Vorausfahrzeug wird in Richtung Feuerwehrhaus gestellt, bleibt aber noch da, denn der Kampf mit den Gaffern, den Voyeuren des Todes, beginnt.

Die Tote ist zugedeckt, nichts ist zu sehen, aber das Ganze ist so schön, und die Menschen bleiben stehen, bleiben stehen; sie, die Raser, haben auf einmal Zeit zu warten. Ab und zu gibt’s Ärger, vor allem dann, wenn Leute glauben, mit ihrer Spende für die Feuerwehr auch den Eintritt für eine solche „Veranstaltung“ bezahlt zu haben. Dann nimmt vielleicht ein ganz junger Feuerwehrkamerad eine Decke und legt sie behutsam über die Tote. Damit sich die gaffenden Blicke nicht durch die verhüllende Plane in die Tote bohren können. Dreht sich um und wartet weiter.

14.45 Uhr: Die Unfallsfahrzeuge sind abgeschleppt. Nur mehr einzelne Glassplitter, Spuren von Öl und Wasser sind zu sehen. Die Autos rasen wieder über die Stelle, an der vor zwei Stunden einer über das Schicksal von anderen entschieden hat.

OLm Karl Knappe, Amstetten

menschlich ... 9

 

Wir lernen für das „Goldene“

Das „Goldene“ lockt. „Eigentlich sollte ich...“, sagst Du. „Eigentlich solltest Du...“, sagt der Kommandant. Dann sagst Du ja. Möglichst früh, nachdem Du festgestellt hast, daß es eigentlich bei gutem Willen „drin sein“ müßte.

  • Keine Zeit? Bei guter Zeiteinteilung kann man oft noch Erstaunliches unterbringen, wenn man sich etwa gleich hinsetzt und nicht vorher durch die Zeitung das unangenehme Lernen hinausschiebt.
  • Gemeinsam lernen bringt Vorteile. Macht schon früh feste Termine aus (z.B. jeden Montag und Donnerstag um 17 Uhr) und weicht nur im äußersten Notfall von ihnen ab. Sagt nicht, daß Ihr noch viel Zeit habt. Allein schiebt man das Lernen gern hinaus, der Termin zwingt. Trödeln und Schlampigsein beschämt vor den Mitlernenden. Die Angst davor ist oft ein wirksameres Lernmotiv als der herandrohende Termin. Gewinnt einen Mann, der das „Goldene“ schon erworben hat. Er soll der „Chef“ sein und den Lernfortschritt überprüfen. Auf die gemütliche Tour geht’s kaum.
  • Miteinander arbeiten ist vor allem gut für den Löschwasserentnahmestellenplan (innerhalb der eigenen Wehr), für den Brandbericht, für die Löschwasserförderung auf weite Strecken, für das Zielspritzen und für das Exerzieren. Beim Brandbericht kann man das eigene Produkt dem Nachbarn geben, der dann prüft, ob logische oder taktische Unmöglichkeiten vorhanden sind.
  • Das gemeinsame Lernen der Fragen ist problematisch, besser eignet sich dazu wohl die Lernkartei, oder die Gattin und das Töchterl sind zu Deinem Vorteil lästig. Das Abfragen beim gemeinsamen Vorbereiten dient nicht dem Lernen, sondern nur dazu, Deinen Wissensstand sechs, vier oder zwei Wochen vor dem Termin zu überprüfen und mehr Druck hinter Dein Lernen daheim zu bringen.
  • In der letzten Phase geht es wohl nur mehr um noch mehr Sicherheit und Routine. Je mehr sie vorhanden sind, desto ruhiger wirst Du beim Bewerb sein.
  • Fang nicht zu lernen an, wenn Du unter keinen Umständen ertragen kannst, das Bewerbsziel nicht zu erreichen. Keine Niederlage einstecken zu können, ist aber eigentlich ein Charakterfehler. Wer trotz ernster Arbeit einmal durchfällt, ist mehr wert als jener, der sich von vornherein von allen Belastungen und Prüfungen drückt. „Wer arbeitet, macht Fehler, wer nicht arbeitet, macht keine Fehler...“. Auch angesehene Feuerwehrfunktionäre sind schon beim „Goldenen“ durchgefallen. Ihr moralischer Wert hat darin bestanden, daß sie bescheiden ein zweites Mal gekommen sind.
  • "Laschieren“ ist mies. Schon mancher, der meinte, das FLA in Gold (oder das FuLA und das WLA) so nebenbei zu machen, kam mit rotem Kopf heim. Es gibt solche Großsprechertypen. Solides Arbeiten ist immer noch das beste.
  • „Ich bin das Lernen nicht gewöhnt.“ Stimmt vielleicht; dem Maturanten gegenüber hast Du aber vielleicht den Vorteil, daß Du ein unverbrauchteres Hirn hast und Dir viele Dinge praktischer vorstellen kannst. Lerne also nicht stur und ohne mitzudenken die Antworten auswendig. Vieles ergibt sich selbstverständlich, wenn man die Frage logisch und mit Verstand überdenkt. Denken erspart manches Lernen.
  • Die Bewerter sind Menschen. Daß sie korrekt sind, willst Du selbst, denn ein Leistungsabzeichen, das Du nicht nur durch (eigenes!) Können erreicht hast, macht Dir selbst keine Freude. Wörtlich, wie sie im Büchl stehen, verlangt niemand die Antworten von Dir, aber der Sinn, die Sache muß genau stimmen.
  • Trotz allen Fleißes wirst Du aufgeregt sein und „schillern“. Das ist unvermeidlich, kann aber durch sicheres Beherrschen der Materie gemindert werden. Vielleicht verstehst Du jetzt besser, mit welchen Gefühlen Dein Sohn zur Schularbeit geht... Der Bewerb ist schwer, daran ist nicht zu deuteln. Wenn er Mühe macht, ist es nur recht und ist nicht auf Dein Unvermögen zurückzuführen.
  • Tritt nur im äußersten Notfall zurück. Lege lieber früher einen Zahn zu. Sich eine größere Sache auf einen längeren Zeitraum einzuteilen und auf sie hinzuarbeiten, ist Zeichen eines ernstzunehmenden, reifen Menschen. Mancher, der es im (vor)letzten Augenblick mit der Angst zu tun bekommt, hätte bestehen können, wenn er planmäßiger gearbeitet oder nicht in der Endphase unnötigerweise die Nerven verloren hätte.
  • Es winkt der Lohn. Das „Goldene“ tragen zu dürfen, ist eine schöne Sache. Und wenn’s heuer schief geht – das nächste Jahr funktioniert es, wenn auch das Heimkommen ohne Abzeichen hart ist. Es hat Dich sicher schon Härteres getroffen. Oder nicht?

Schneider

menschlich ... 10

 

Feuerwehrjugendführer werden Kommandanten

Mehrmals in den letzten Wochen in Niederösterreich geschehen: Der Feuerwehrjugendführer wurde zum Feuerwehrkommandanten gewählt, gegen den bisherigen Kommandanten. Die eben erst aus der Feuerwehrjugend Gekommenen und die übrigen 16- bis 20jährigen waren hinter ihm gestanden.

Verblüffung, Unbehagen, böse Worte. Wieso haben 15jährige aktives Stimmrecht? Sie können nicht beurteilen, was der Wehr guttut, sie haben nicht den nötigen Weitblick, sie sollen erst wählen, wenn sie selbst ebenfalls gewählt werden können, also nicht vor 18. Die Jungen, die „halberten Buam“, sollen erst einmal leisten, was wir Brandmeister schon geleistet haben. Da könnte doch eine Gruppe ganz Junger die Feuerwehr „in die Luft sprengen“.

Tatsächlich sind einige (oder mehrere) Feuerwehren (fast) „in die Luft gesprengt“ worden, der Feuerwehrjugendführer war plötzlich Kommandant oder verfehlte das Ziel seiner Anhänger nur knapp. Ist da eine ungesunde Entwicklung sichtbar geworden?

Dazu einige Überlegungen.

  • Vielleicht war das Verhältnis Kommandant – Jugendliche gestört. Wieweit wurden die Jugendlichen ernstgenommen, wieweit kümmerte sich der Kommandant wirklich um sie? Das Wort von den „bleden Buam“ kann man in Feuerwehren öfter hören, als gut ist. Es muß nicht immer vom Kommandanten selber kommen, aber vielleicht von seinen Freunden, und der Kommandant ist nicht energisch genug dagegen eingeschritten.
  • Hat es der Kommandant verstanden, sich als Mittelpunkt, als geistiger Motor und als Vorbild seiner Feuerwehr zu präsentieren; war er das wirklich? Oder war er ein eher müder Mann?
  • Unter dem Jugendführer, in der Feuerwehrjugendgruppe, war immer etwas „los“, bei den Gruppentreffen wurde hart, aber mit klaren Zielen gearbeitet, zugleich gab’s eine Hetz. Und dann auf einmal nur wenige Übungen (waren es überhaupt sechs pro Jahr?), es wurde fad, es gab nichts mehr zu tun. Vielleicht hofften manche Jugendliche, unter dem Jugendführer als Kommandanten würde wieder etwas los sein, vielleicht haben sie von der Feuerwehr als Gemeinschaft auch mehr erwartet, als diese geben kann (eine Jugendgruppe und eine Erwachsenengemeinschaft sehen durchaus anders aus), vielleicht haben die Jugendlichen (zu Recht?) gehofft, der Jugendführer würde als Kommandant in die vermeintlich oder wirklich etwas müde und bequeme Feuerwehr etwas Bewegung bringen.
  • Jugendliche haben ihr Freizeitproblem, je mehr Freizeit und freie Wochenenden sie haben, desto mehr fällt uns in der Feuerwehr dieses ihr Freizeitproblem auf den Kopf. Vielleicht haben die Jugendlichen gehofft, unter dem Jugendführer als Kommandant gebe es ein paar sinnvolle Abende in der Woche mehr, wie damals in der Feuerwehrjugend. Die Feuerwehr hat vielleicht verschlafen, daß Jugendliche beschäftigt werden müssen. „Wir sind kein Freizeitclub, wir haben nicht menschliche, sondern rein feuerwehrfachliche Ziele.“ Man kann das durchaus sagen, aber die wirkliche Situation der Jugendlichen wird es uns nicht so leicht machen. Man kann nur mit ganzen Menschen arbeiten, nur den Feuerwehrteil eines Menschen zu fordern, geht halt nicht, das geht leicht schief, vor allem bei Jugendlichen.
  • Der Erwachsene hat seinen Freundeskreis, seine Familie, seinen Beruf, er möchte die Feuerwehr mit möglichst wenig Zeitaufwand erledigen. Beim Jugendlichen ist es oft genau umgekehrt. Vielleicht sind gerade (auch) deshalb so viele Jugendliche in der Landes-Feuerwehrschule zu finden. Sie haben Zeit, der Erwachsene nimmt sie sich nur zögernd.
  • Die Jugendlichen lernen in der Feuerwehrschule alles mögliche, sie sehen ihren Kommandanten vielleicht kritischer, als er sich selbst sieht: vielleicht eher schwach in der Organisation, problematisch als Einsatzleiter (statt bei der Einsatzleitstelle zu stehen und den Einsatz zu organisieren, rennt er mit dem Strahlrohr herum und verfehlt so seine Aufgabe als Einsatzleiter total), allzusehr bremsend, allzu sehr abwägend, bis am Ende nichts oder wenig geschieht – das alles sehen Jugendliche. Vor allem: das Argument, man könne doch so einen verdienten Kommandanten nicht durch Abwahl kränken, gilt für Jugendliche nicht. Nur weil er früher gut war? Jetzt muß er gut sein, das andere interessiert nicht. Ist das so schlecht?
  • Ist die „Panne“ bei der Wahl völlig aus heiterem Himmel gekommen? Es muß doch schon früher gebrodelt haben. Hat die bisherige Führung das gespürt oder es glatt verschlafen? Hat sie sich mit den konkreten Vorschlägen der Jungen auseinandergesetzt, eventuell die eigene Position überprüft, oder war sie sich zu gut, die eigenen Gründe und Argumente unter die Leute zu bringen und um Überzeugungen zu kämpfen? Unruhe an der Basis nicht zu sehen, ist kein Zeichen von Führungsstärke.
  • Nochmals zum Freizeitproblem. Gebt den Jugendlichen etwas zu tun, etwas Sinnvolles. Macht Euch Gedanken über wirklich sinnvolle Übungen! Schickt die Jungen zu Leistungsbewerben, da sind sie monatelang ausgelastet. Und wenn ihnen ein Mann fehlt, stellt Euch selbst hin und schwitzt mit ihnen. Schickt sie zu Lehrgängen! Aber dann entsteht vielleicht das Problem, daß sie dann wirklich alles mögliche wissen, was Ihr vor 20 Jahren oder gar nicht gelernt habt. Damit sie Euch nicht über den Kopf wachsen, übt nicht nur die Löschgruppe des Leistungsbewerbs, sondern wandelt sie ab, entwickelt vom Löschfahrzeug aus! Aber dann entsteht wieder das Problem, daß auch manche „alte Hasen“ da nicht mehr sicher sind, und es wird doch eher nach Schema F geübt.
  • Feuerwehrjugendführer haben – das sollte man nicht übersehen – in der Feuerwehr meist einen langen und harten Lernprozeß hinter sich. Sie stehen ständig im „Zweifrontenkrieg“: die Jugend in Ordnung halten (eine ungemein schwierige Aufgabe) und zugleich unter den kritischen Augen der älteren Generation stehen, die gern und schnell zur Kritik an den „Buam“ bereit ist und die Schuld unbekümmert dem Jugendführer in die Schuhe schiebt. Er muß Geld auftreiben und verhandeln können. Da lernt er manches, er lernt aber auch zu wissen, daß es nicht gut ist, wenn für die Feuerwehrjugend immer wieder bares Unverständnis da ist. Feuerwehrjugendführer zu sein ist zweifellos eine ausgezeichnete Schule für kommende Führungskräfte.
  • Wenn sich in der Feuerwehr ein „Block“ der Jungen bildet, läuft oft etwas falsch. Ist ein junger Kandidat gut, wird er auch Ältere auf seine Seite bringen, ist der ältere Kommandant wirklich gut und eine – durchaus aktive – Vaterfigur, wird nicht die gesamte junge Generation von ihm abfallen.
  • Der Druck „von unten“, von der Jugend her, wird zunehmend stärker. Nur fachlich und menschlich qualifizierte Feuerwehrkommandanten werden sich halten, Streitereien, Tauziehen, parteipolitisches Taktieren sind Jugendlichen zuwider. Sie ziehen Konsequenzen, indem sie gehen oder indem sie hoffen, der Jugendführer könne auch die Probleme der (jungen) Erwachsenen lösen. Eine Abwahl hat immer einen Grund. Man muß ihn finden. Mit dem Entzug des Wahlrechts löst man nichts und beseitigt keine Ursachen.
    Der größte Fehler wäre es, wenn sich die ältere Generation nach der Kampfwahl eines jüngeren Kommandos zurückzöge. Verbittert, beleidigt. „Die werden schon sehen...“. Eine Feuerwehr braucht die Erfahrung und die Besonnenheit der älteren Generation, ob als Leitende oder als Mitarbeitende ist nicht entscheidend. Aber da sein soll die ältere Generation. Die Uniform zurückzugeben ist für ernste Männer doch meist ein zweifelhafter Weg. Wenn man die Feuerwehr nämlich liebt.

Feine Sache. Problem geklärt. Alles klar. Ja? Doch nicht so ganz.

Es kann in mancher Feuerwehr gelaufen sein, wie oben geschildert. Aber es kann auch völlig anders gewesen sein.

Deshalb die umgekehrte Frage: Kann der Jugendführer auch eine ganze Feuerwehr führen? Können 15jährige Aufgaben und Verantwortung eines Feuerwehrkommandanten in ihrer ganzen Schwere und in ihrer Verflechtung sehen und werten? Jugendliche können ein phantastisches Gespür für das Richtige haben, aber sie können auch völlig danebentreten. Ein Rädelsführer kann bei ihnen viel erreichen, manchmal fehlt 17jährigen wirklich die Besonnenheit, die Unabhängigkeit vom Urteil der anderen. Der Kommandant oder der Kommandantstellvertreter – müssen sie wirklich so schlecht sein, wie oben geschildert? Kann nicht jeder, der auf Ordnung sieht und nichts durchgehen läßt, auch bei Jugendlichen unbeliebt werden, und sie rächen sich, indem sie ihn abwählen?

Und der, der alles durchgehen läßt, nur um beliebt zu sein und wiedergewählt zu werden, bleibt, gar nicht so sehr zum Nutzen der Feuerwehr. Ältere und Jugendliche – alle sind sie Menschen und haben ihre Fehler. Es ist ja nicht so, daß Junge nur gut und idealistisch und Ältere nur bequem und verholzt sind.

Auch Jugendliche machen es sich manchmal lieber bequemer, nicht nur Erwachsene.

Wer zeigt Jugendlichen heute klar ihre Grenzen? Wer sagt ihnen ruhig, freundlich, aber bestimmt und mit Überlegung nein? Längst nicht alle Lehrer, längst nicht alle Eltern, auch nicht alle Feuerwehrjugendführer. Und wenn dann einer nein sagt (auch ohne das „blede Buam“), ist das für die Jugendlichen ein so „empörendes“, nie gekanntes Erlebnis, daß dieser Mann „abgeschossen“ werden muß.

Eine Gruppe in der Gruppe, die nicht nach links und rechts schaut und stur nur ihre eigenen Interessen und Ziele kennt, ist nie gut. Sie neigt dazu, Selbstzweck zu werden, sich Privilegien zu sichern und sich nicht mehr um die anderen zu kümmern, nur weil sie gewohnt ist zu siegen und ihre Detailziele durchzusetzen. Das kann eine Jugendgruppe, eine berühmte Bewerbsgruppe oder ein Sonderdienst sein. Sie nicht zu sehr in ein Getto-Dasein kommen zu lassen, sie immer wieder in die Gesamtmannschaft einzubinden, ihr keine Ausnahmen und Privilegien zuzugestehen, sie zu keinen Stars werden zu lassen, ist wichtige Aufgabe. Vielleicht muß man hier schon bei ersten Ansätzen dreinfahren und sich abzeichnende Götter auf den Boden zurückholen. Und man darf sich nicht erpressen lassen, wenn man überzeugt ist, daß man recht hat. Man kann nicht immer Konflikten ausweichen, sonst wachsen sie einem über den Kopf.

Ein Denkzettel bei einer Wahl ist immer problematisch: manch einer hat nach der Stimmabgabe bereut: „So weit wollte ich eigentlich nicht gehen, das habe ich nicht gewollt.“

Durch eine Wahl kann frischer Wind in eine Feuerwehr kommen, es kann aber auch Porzellan zerschlagen werden, und genau die falschen Leute werden geschont oder abgewählt.

Manche Kommandoänderungen waren jetzt vorauszusehen, manche waren berechtigt, manche werden von Außenstehenden mit bedenklichem Kopfschütteln kommentiert. Es ist nur zu wünschen, daß jeder neugewählte Kommandant genug Standfestigkeit und Idealismus hat und das weiterbringt, was sein Vorgänger vielleicht nicht (oder vielleicht angesichts der gegebenen Umstände ohnehin recht gut) geschafft hat. Jene, die ihn auf den Schild gehoben haben, werden zeigen müssen, daß sie hart arbeiten und ausdauernd sind. Manch einer wird dann abfallen, und noch jeder neue Kommandant hat Leute, die ihn gewählt haben, hart zurechtweisen müssen. Auch Jugendliche.

Daß ein Junger (auch ein Feuerwehrjugendführer) Kommandant wird, ist weder schlecht noch gut. Jugend hat ihre Vorteile und hat ihre Nachteile. Letztlich kommt es auf den einzelnen Menschen an.

Ein Kommandantenwechsel kann also viele Gründe haben, jede Situation ist anders. Bei den Wahlen dieses Jahres sind viele menschliche Probleme aufgetreten. Das ist natürlich. Wir neigen in der Feuerwehr eher dazu, uns auf die viele technische Arbeit zu stürzen und Konflikte zu verdrängen: In Wahlzeiten brechen sie dann auf und sollen auch ausgetragen und durchgestanden werden.

Es gibt also genug menschliche Probleme in der Feuerwehr. Eines davon ist das aktive Wahlrecht von 15jährigen. Für die Serie „menschlich ...“ werden die Themen wohl nicht ausgehen. Wer weiß weitere?

Schneider

 

menschlich ... 11

 

In Ehren abtreten

Zahlreiche Feuerwehrkommandanten, Kommandantenstellvertreter und höhere Funktionäre sind bei den letzten Wahlen abgetreten. Mit einem Seufzer der Erleichterung, mit Traurigkeit und Wehmut, mit Bitterkeit – je nachdem. Über die feuerwehrfachliche Notwendigkeit und Sinnhaftigkeit dieser Ablöse reden wir hier nicht, sondern über die zahlreichen menschlichen Probleme, die sich stellen und ebenso gelöst werden sollen wie die technischen.

  • Der Kommandant hat ehrlich gearbeitet, jedenfalls mehr, als so mancher Feuerwehrmann. Das soll man nicht vergessen und ihm den sicher sauer verdienten Ehrendienstgrad verleihen, wenn er die Funktion mindestens fünf Jahre innegehabt hat (Dienstordnung § 9 Abs.2 lit.b). Man soll nachher keine Vergeltungsaktionen starten und nicht alte Rechnungen begleichen. Gegenteiliges Handeln in besonders schweren Fällen soll man sich sehr genau überlegen. Auch jetzt sehr energische junge Kommandanten werden einmal alt und müssen von der Feuerwehr Abschied nehmen... Den Dienstgrad oder gar die Knöpfe von der Uniform entfernen zu müssen, kann mancher kaum oder gar nicht verkraften.
  • Ein herzliches Dankeschön und eventuell eine Feier hat sich wohl jeder verdient. Ein übermäßiges Auf-die-Tränendrüse-Drücken ist in der Feuerwehr ohnehin nicht üblich.
  • Eines muß der Ausgeschiedene auf jeden Fall: die Wahlentscheidung seiner Mannschaft akzeptieren. Wenn er der Feuerwehr nur schmollt und sich bitter beklagt, hat er sicher nicht nur recht. Auch Feuerwehrkommandanten – abgetretene wie aktive – sollen Demokraten sein. Enttäuschungen kann man einmal äußern, je öfter und länger man seinen Grimm jedem, der es hören oder nicht hören will, erzählt, desto unangenehmer wird das für die Zuhörer, die ja großteils nichts dafür können und auch nicht helfen können.
  • Der Ausgeschiedene soll ein anständiges und faires Verhältnis zum neuen Kommando finden oder gar keines. Es ist unfair, wenn der Abgetretene es zuläßt ,daß er zum Jammer- und Grabstein der Mannschaft wird, bei dem man über das neue Kommando schimpfen und gegen es Stimmung machen kann. „Ihr habt euch das Kommando gewählt, ihr müßt mit ihm leben“, ist die einzig richtige Antwort. Es gibt auch ehemalige Kommandanten, die die neue Führung gegen Klagen in Schutz nehmen und voll hinter ihr stehen. Auch das kann eine Form der Kameradschaft sein. Hinter dem Rücken der neuen Führung gegen die Feuerwehr Politik zu machen und dazu seine immer noch guten Kontakte zur Gemeinde auszunützen ist unfair.
  • Was kann der abgetretene Kommandant oder –stellvertreter in der Feuerwehr tun? Sehr viel. Verwaltungsdienste, Organisation, Aufgaben des vorbeugenden Brandschutzes, Ordnung des Archivs, Vorbereiten von Entscheidungen und Schriftstücken für den neuen Kommandanten, Fahrmeister, Zeugwart und vieles, vieles andere mehr. Wenn – ja wenn er fähig ist, von anderen Weisungen entgegenzunehmen und dies nicht als Zumutung empfindet. Wenn er das nicht kann, dann soll er lieber in die Reserve gehen und nur zu Floriani und zu den Mitgliederversammlungen kommen. Nur eine vollkommen loyale Zusammenarbeit mit dem neuen Kommando hat einen Sinn.
    Mancher ehemalige Kommandant dient treu und ehrlich als Brandmeister. Möglich ist also eine Zusammenarbeit in „untergeordneter“ Position.
  • Der Ehemalige soll immer mehr zur Überzeugung kommen, daß es auch ohne ihn geht. Das ist gar nicht so leicht zu lernen, wenn er jahrelang die Hand an allen Hebeln gehabt hat. Er gebe Ratschläge nur dann, wenn man sie von ihm erbittet, und er zwinge sie dem Neuen nicht auf. Zu meinen, man müsse das neue Kommando in alles und in jede Kleinigkeit einführen, überall warnen und aufmerksam machen, kann leicht schiefgehen. Die Grenze zwischen nützlichem Rat und aufdringlichem Besserwissen ist nicht leicht zu ziehen, der Betroffene merkt sie meist selbst am wenigsten. Das hindert nicht, daß ein Ehemaliger nach einigen Monaten des Zuschauens unter vier Augen ernst mit dem Nachfolger spricht, und überlegt seine Meinung und seine Ängste kundtut. Damit muß er es aber bewenden lassen. Es ist nicht auszuschließen, daß der Nachfolger einen durchaus möglichen, wenn auch anderen Stil pflegt als der Vorgänger. Nicht sehr viele Abgetretene haben die Freiheit und Objektivität des Urteils, dies klar zu erkennen.
  • Einer, der ständig dasteht und nicht aufhören kann, der immer wieder den neuen Stil beklagt und kritisiert, wird irgendwann der gesamten Mannschaft auf die Nerven gehen, die sich ja mit dem neuen Kommando arrangiert und mit ihm leben muß. Junge können dann recht hart werden und beweisen dem Ehemaligen auf unsanfte Weise, daß sie erwachsen sind und sich durchaus ihre eigenen Gedanken machen. Ich kam zu einem Feuerwehreinsatz zurecht. Nachher sagte ein Kamerad: „Schauen Sie sich den EBI Gruber an! Er war ein hervorragender Kommandant, aber bei jedem Einsatz steht er mit seinen 68 Jahren da und meint, daß nur er allein das Funkgerät bedienen kann. Wir können gar nicht verhindern, daß er langsam zum Gespött der Jungen wird und sie sich ihren Platz am Funkgerät erkämpfen – nicht immer mit ganz fairen Mitteln.“ Das gleiche gilt auch von manchem alterfahrenen Maschinisten, der bis zum 65. Geburtstag meint, nur er könne die TS bedienen...
  • Wenn sich der Abgetretene und der neue Kommandant menschlich überhaupt nicht verstehen, dann soll man die beiden nicht zusammenzwingen, wodurch höchstens an sich vermeidbare Konflikte ausbrechen. Ein korrektes Verhältnis auf Distanz ist durchaus möglich und ist ständiger Reiberei vorzuziehen.
  • Das neue Kommando soll wissen, daß bei dem eben Ausgeschiedenen eine große Leere entsteht. Es sollte möglichst verhindern, daß er im Feuerwehrhaus von heute auf morgen absolut nichts mehr zu tun hat. Es soll für Übergänge sorgen, ihn über die ersten Entscheidungen informieren, seine Meinung erfragen, obwohl es das nicht müßte. Dabei fällt dem neuen Kommandanten kein Stein aus der Krone. Bald wird sich das Verhältnis einspielen in Form einer neuen Mitarbeit, die von selbst wichtige Information bringt, oder in einem langsamen Sich-Zurückziehen des ehemaligen Kommandanten, weil er automatisch langsam aus der Feuerwehr hinauswächst. Ob er andere Interessen oder Hobbies hat, spielt dabei eine große Rolle. Trotz allem Übergang muß aber eine klare Linie gezogen werden: Kommandant ist und bleibt der Neue, nicht der Ehemalige.
  • Wenn ein ehemaliger Feuerwehrkommandant sich über alles freut, was in der Feuerwehr unter dem neuen Kommando vorgeht, wenn er seine (vielleicht gar nicht unberechtigte) Kritik in Grenzen hält, wird er bis in seine letzten Tage geehrt werden.
  • Das Problem hat viel mit der Hofübergabe auf einem Bauernhof zu tun. Wo der Altbauer in der Ausnahm’ mit den Jungen friedlich zusammenlebt, ist dies meist das Ergebnis von Takt und Gespür auf beiden Seiten.
    Die Feuerwehr redet viel und gern von Kameradschaft. Sie sollte imstande sein, diese zutiefst menschlichen Probleme im eigenen Haus menschlich und damit kameradschaftlich zu lösen.

Schneider

 

menschlich ... 12

 

Mut? Leichtsinn? Schlamperei?

Jeder Einsatz ist gefährlich, bei jedem kann etwas passieren. „Wenn wir nur mehr an die Gefahr denken, dann bleiben wir lieber gleich zu Hause.“

Was ist Selbstlosigkeit? Was ist Mut? Was ist Vorsicht? Was ist Leichtsinn?

Dieses Problem ist nicht ganz lösbar. Und dennoch eine zutiefst „menschliche“ Frage. Genau für diese Serie. Einige Überlegungen – aus verschiedensten Blickwinkeln.

  • „ Solche Einsätze haben wir schon zu Dutzenden gefahren. Das haben wir im Griff.“ Und dann wird man unvorsichtig, und fast wäre ein Finger abgewesen.
  • Technischer Einsatz. Lkw-Bergung. Keine Gefahr im Verzug. Die Höchstbelastung des Seils und des anderen Materials ist überschritten. Aber ja, wird schon gehen. Ho ruck! Man will nicht aufhören und probiert weiter, auch auf das unnötige Risiko hin. Man will heimkommen. Man will nicht noch einmal anfangen und alles anders aufbauen. Man hat die Zuschauer im Nacken, die mit weisen Kommentaren nur darauf warten, daß die Feuerwehr aufgibt. Man will lieber die Nachbarfeuerwehr nicht holen – aus Gründen der Lokalkonkurrenz, der jahrzehntealten. Ein Kranfahrzeug auf der eisigkalten, gefrorenen Straße holen, um Mitternacht? So lange warten? So viele Gründe können mitspielen, daß man allen Mut (oder alle Unvernunft) zusammennimmt und es wider besseres Wissen dennoch versucht. Ehrgeiz, „Ehrgefühl“...
  • Harmloses Beisammensitzen bei ein paar Achterln. Alarm. Wer setzt sich an das Volant des TLF? Ist der Fahrer über der Promillegrenze? Ach, was. Geht schon. Ich vertrage doch was.
  • Die drei Achterl. Atemschutzgeräteträger zum Einsatz! Umfassende seelische und körperliche Belastung unter der Vollmaske? Momentane Paniksituation, der ich wegen des Alkoholgenusses nicht gewachsen sein könnte? Mir macht das nichts.
  • Ein Eingeklemmter. Da denkt man nicht an die eigene Sicherheit. Mit ein wenig mehr Ruhe könnte man das eigene Risiko stark vermindern. Helfenwollen oder leidenschaftliches Verbissensein in die Aufgabe? Unter Ausschaltung des Denkens? Auf den Eingeklemmten warten Frau und Kinder. Auf dich auch. Du setzt dein Leben ein, aber nur soweit es unbedingt notwendig ist und soweit nicht durch Überlegungen und fachliches Können der gleiche Erfolg erreichbar wäre.
  • Alarm. Jeder rennt, Sekunden sind kostbar. In diesen ersten Sekunden und Minuten sind manche Hemmungsmechanismen ausgeschaltet, die ruhig abwägende Besonnenheit auch ernster Männer bleibt nicht selten im Nachtkastl. Die Folgen: Ausfahrten mit zuwenig Mannschaft, statt lieber zu warten, bis genug Männer da sind und man sinnvoll arbeiten kann. Falsche Fahrzeuge, die man bei diesem speziellen Einsatz nicht brauchen kann, jeder möchte um jeden Preis an ein Volant, es wird mit „allem G’schäft“, mit allen nur verfügbaren Fahrzeugen ausgefahren, auch wenn es gar nicht notwendig ist, mancher Übereifrige muß unbedingt ein Volant in den Händen haben, der routinierte Lkw-Berufsfahrer sitzt hinten, der gar nicht so Versierte am Lenkrad, der, der selten zu den Übungen kommt und sich nur wenig auskennt, will die wichtigsten Posten besetzen. Weil man in diesen Sekunden zuwenig hingehört hat: Was ist wirklich los? Was brauchen wir wirklich? Ist dramatische Eile überhaupt notwendig? Mancher ist direkt blaß, wenn er in das Feuerwehrhaus kommt. Nur fort. Selbst sonst besonnene Männer müssen angebrüllt werden, bis sie Befehle befolgen und nicht auf die falschen Fahrzeuge aufsteigen. Vertrauen, aber auch eiserne Disziplin und letztlich fragloser Gehorsam dem Kommandanten gegenüber müssen auch außerhalb des Einsatzes vorhanden sein und eingeübt werden, damit dieser Gehorsam auch im Ernstfall, auch in diesen ersten fünf Minuten der Kopflosigkeit und der prickelnden Dramatik da ist und auch den eifrigsten, den begeistertsten, aber nervlich ausflippenden Mann im Geschirr vernünftigen Handelns hält.
  • Brandeinsatz. Der Einsatzleiter ist nicht zu sehen. Erkundung auf eigene Faust. Bevor der Einsatzleiter einen Feuerwehrmann irgendwo hineinschickt, erwägt er viel genauer, ob das Hineingehen zu verantworten ist, weil es nicht um sein eigenes, sondern um das Leben eines anderen (des Kameraden) geht. Dieser Filter, der der eigenen, nur einen selbst betreffenden Entscheidung zwischen- und vorgelegt wird, kann lebensrettend sein. Manchmal weiß der Einsatzleiter schon um Gefahren, die der eben erst Gekommene nicht kennt. Persönlicher Mut kann im Endeffekt Disziplinlosigkeit sein.
  • Eine Winterschulung über Pkw-Unfälle. Keine Zeit – Ländermatch. Und genau an diesem Abend wäre gezeigt worden, wie man sich bei einem Pkw-Unfall verhält. Dann kommt der Ernstfall. Du kannst nicht helfen. Du machst etwas falsch, weißt den einfachen Handgriff nicht. Weil dir damals das Ländermatch wichtiger war.
  • Lehrgänge, Schulungen. Was brauche ich das? Und dann führe ich das große Wort, obwohl ich fachlich überfordert bin. Dann befehle ich als Einsatzleiter, weil ich mich vor den Kameraden nicht blamieren will.
  • Einsatz im Zusammenhang mit gefährlichen Stoffen. Irgend etwas riecht komisch, Dunstnebel steigen auf. „Nicht herangehen.“ „Nichts angreifen.“ „Nur mit Schutzanzügen herangehen.“ Aber geh! Auf einmal niest er, auf einmal juckt ihn etwas. Wird nicht gleich tragisch sein. Die Folgen können jahrelang spürbar sein. Nur weil er damals den Helden gespielt hat. Naiv. Protzig. Es kommt auf das gleiche heraus.
  • Es muß schnell gehen. Trotzdem sich in der Hand haben, trotzdem denken, prüfen, berechnen, dann arbeiten. Sich nicht von der Hektik mitreißen lassen.

Freiwillige Feuerwehr – mutwillige Feuerwehr. Stimmt der leise Vorwurf manchmal? Weil wir zuwenig können, weil wir zu naiv und leichtgläubig sind, weil wir am falschen Platz heldenhaft sein wollen, aus lauter gutem Willen zu helfen, aus lauter Begeisterung?

Es gibt Situationen, in denen man in Sekundenschnelle ganz privat entscheiden muß: es kann dich treffen, wenn du jetzt hineingehst und den Eingeschlossenen befreist. Gehst du oder gehst du nicht? Diese Entscheidung kann niemand abnehmen. Aber Risiko auf sich nehmen, das bei ruhiger Überlegung, bei mehr Fachwissen vermeidbar wäre, ohne daß der Eingeschlossene verbrennt?

Irgendwann ist jeder allein. Nur bitter, wenn etwas passiert, das nicht notwendig gewesen wäre. Leichtsinn hat viele Formen.

Schneider

menschlich ... 13

 

Siegerverkündung – besser überlegen!

Sie dauert in nicht wenigen Abschnitten und Bezirken immer noch furchtbar lange. Die Folgen: Angst der Männer vor ihr und nicht Freude auf sie, Abnehmen der Disziplin, je länger die Sache dauert, fades Gefühl der anwesenden Bevölkerung, das sich dann auf die Feuerwehr überhaupt, auch außerhalb solcher Veranstaltungen, überträgt.

Manches sollte überlegt werden. Was hier gesagt wird, ist in manchen Bezirken bereits mit bestem Erfolg verwirklicht.

  • Wie wird begrüßt? Sollte man einigerorts nicht die Begrüßungslisten etwas zusammenstreichen? Sollte man nicht vor allem mehrere Personen unter nur einen Applaus zusammenziehen? Etwa so: wir begrüßen den Herrn Volksschuldirektor, den Vorstand des Verschönerungsvereins und den Direktor der örtlichen Volksbank. Applaus. Der Applaus in der Formation wird von Begrüßtem zu Begrüßtem immer schütterer, bis er so deutlich den Charakter der gelangweilten reinen Höflichkeit annimmt, daß es schon peinlich wirkt.
  • Wer redet seitens der Feuerwehr? Nicht selten sprechen gleich drei Redner: der örtlich zuständige Kommandant, dann der Abschnitts-, zuletzt der Bezirksfeuerwehrkommandant. Und alle drei danken oft den selben Personen (Bürgermeister, Gemeinde, Bewerbsleiter, Bewertergruppe aus xy, den Helfern, die den Bewerb so schön vorbereitet haben). Warum sprechen sie sich nicht untereinander ab? Oft sagt dann jeder der drei Feuerwehrredner einige grundsätzliche Gedanken über die Feuerwehr. Grundsätzliche Gedanken mal drei werden aber unerträglich. Kann nicht der Höchstanwesende der Feuerwehr Begrüßung, Dank und Grundsätzliches übernehmen? Einmal genügt. Wirklich.
  • Welche Zivilisten reden? Es gibt tatsächlich Bezirke, in denen grundsätzlich nur Bezirkshauptmann oder Bürgermeister im Namen aller anwesenden Beamten, Politiker, Abgeordneten, Lagerhaus-, Hauptschul- und Sparkassendirektoren spricht. Es wird unerträglich, wenn ab dem dritten Redner jeder folgende beteuert, jener, der es kurz mache, sei der beliebteste, wenn dann der sich bald vom Rednerpult Empfehlende den stärksten Applaus bekommt, nicht weil er Wichtiges, Neues interessant gebracht, sondern weil er sich bald wieder verabschiedet hat. Alles freut sich, daß so viele illustre Ehrengäste der Feuerwehr die Ehre geben, aber daß jeder auch noch mit den mehr oder weniger gleichen Worten die Schönheit und die Wichtigkeit des Feuerwehrwesens betont, den Männern dankt und sie bittet, auch in Zukunft unter ihrem so tüchtigen Kommandanten und unter Leitung des allseits so geschätzten Herrn Bezirkskommandanten, und so weiter und so weiter...
  • Können nicht die Kommandanten der Siegergruppen – wie beim Landesfeuerwehrleistungsbewerb – gleich in einem eigenen Block, nach Rang eingeteilt, einmarschieren, müssen alle 39 Gruppen der Klasse Bronze A genannt werden, oder genügt die öffentliche Nennung der ersten fünf oder sieben Gruppen? Die übrigen erhalten ihre Urkunden hinter dem Marschblock.
  • Auch die 50jährigen, 40jährigen und 25jährigen könnten gemeinsam im eigenen Block einmarschieren, ebenso jene, die ein Ehrenzeichen des Bundes- oder Landesfeuerwehrverbandes bekommen. Daß man den Bezirkshauptmann, der die Florianiplakette bekommt, nicht in den Marschblock hineinzwängt, ist klar. Bis zu Ehrende endlich aus der letzten Ecke des riesigen Sportplatzes herangekommen sind, dauert es oft lähmend lang.
  • Wird nicht in Siegerverkündungen viel zuviel hineingestopft? Ehrungen, Auszeichnungen, Fahrzeugsegnungen, Statistikberichte (Bezirksfeuerwehrtag), 100-Jahr-Jubiläen mit Geschichte der gastgebenden Feuerwehr und rühmlicher Hervorhebung der Patin und des Ehrenkommandanten Huber, den außer im Dorf kein Mensch kennt. Das Land verleiht, die Feuerwehr verleiht... und die 20jährigen jungen Männer stehen und stehen..., und die 50jährigen auch.
  • Die perfekte Lösung ist noch nicht gefunden, der zu nehmenden Rücksichten sind viele, der Empfindlichkeiten innerhalb der Feuerwehr und unter den Honoratioren sind ebenso viele oder noch mehr, aber die Zahl jener Bezirksfeuerwehrkommandanten, die den gordischen Knoten durchhauen und die Siegerverkündung rücksichtslos – auch um den Preis eines (meist sehr kurzen) Krachs – entrümpeln, wächst. Meist beginnt es damit, daß die Siegerverkündung vom Bezirksfeuerwehrkommando eisern zu einer reinen Bezirksangelegenheit erklärt wird, bei der die örtlichen Funktionäre und Honoratioren nur vom Bezirksfeuerwehrkommandanten begrüßt und bedankt werden, aber im übrigen von der Gestaltung der Feier ausgeschaltet bleiben.

Derzeit schwankt die Dauer einer Siegerverkündung vom Aufgestelltsein der Feuerwehren bis zum Abmarsch zur Defilierung zwischen 20 und 75 Minuten.

Da stimmt doch was nicht. Und dabei hat das Landesfeuerwehrkommando mit der Siegerverkündung beim Landesleistungsbewerb ein so gutes Beispiel gegeben. Sie dauert höchsten 55 Minuten, aber einschließlich Vorbeimarsch.

Schneider

menschlich ... 14

Kinder

Ich habe ein Kind daheim. Und ich bin bei der Feuerwehr. Wenn ich zu einem Einsatz fahre, bei dem Kinder betroffen sind, werde ich immer behutsamer, vorsichtiger, ernster, wacher. Ich kann mir da nicht helfen.

Ich werde einen Einsatz nie vergessen, an dem eigentlich gar nichts „Dramatisches“ dran war.

Im Hof einer Wohnhausanlage steht eine Schaukel für Kinder. Zwei Formrohre sind parallel zusammengefügt, zwischen ihnen einige Zentimeter Abstand. Die Formrohre sind an zwei Punkten aufgehängt, an beiden Enden kann je ein Kind sitzen. Miteinander setzen sie die Formrohre in schaukelnde Bewegung.

Wir werden zu diesem Kinderspielplatz gerufen. Blaulicht. So schnell es im dichten Verkehr geht. Wir fahren langsam und vorsichtig in den Hof ein, damit wir nicht Kinder und Eltern erschrecken, Auch bei der Fahrt zu einem Krankenhauseinsatz schalten wir schon in der Nähe Folgetonhorn und Rundumkennleuchte aus, um nicht Kranke unnötig zu ängstigen. Es um jeden Preis dramatisch zu machen, Bremsen quietschen und Sand aufwirbeln lassen, wenn es nicht um Sekunden geht – kindisch.

Die Mutter führt uns zu der Schaukel. Ein vierjähriges Mäderl ist mit einem Fuß zwischen die beiden Formrohre geraten und kann ihn nicht mehr herausziehen. Eine ganz mutige Spielgefährtin macht sich ein bißchen wichtig: „Ich hab’ ihr eh gesagt, sie soll da nicht hineinsteigen...“

Das Mäderl ist noch ganz erschrocken: Die vielen Leute, das Nicht-heraus-Können, das Hilflossein. Der Blick, mit dem sie den fremden Feuerwehrmann anschaut, zwischen Weinen und tapferem Hinunterschlucken. Unser Kind kann genauso schauen.

„Wir helfen dir schon. Laß den Fuß nur ganz ruhig. Schau, jetzt holen wir ein Gerät. Damit helfen wir dir, und du kannst wieder heraus. Wie heißt du denn?“ Mit dem Zuhören und Antworten wird das Kind ruhig, und zugleich ist es abgelenkt.

Die Umstehenden sind neugierig, was die Feuerwehr tun wird. Sie haben so viel Vertrauen. Sie sind ohne uns hilflos. Keiner, der weise Ratschläge gibt. Die Mutti nickt dem Kind beruhigend zu.

Wir nehmen das Hydro-Aggregat aus dem Vorausfahrzeug. „Hoffentlich springt es an“, denke ich. Ein wenig eitel sind wir schon und möchten nicht unbedingt vor neugierigen Blicken Schwierigkeiten mit dem Anspringen haben.

Der Spreizer wird in Stellung gebracht. Das Kind schaut uns zu. „Brauchst keine Angst haben. Jetzt setzen wir diese beiden Spitzen zwischen die Formrohre. So. Schau! Und wenn ich auf diesen Knopf drücke, gehen die beiden Spitzen ganz langsam auseinander, und du kannst mit dem Fuß wieder heraussteigen. Das tut gar nicht weh. Wirst sehen.“ Gebannt, immer noch nicht wissend, ob es weinen soll oder nicht, schaut uns das Mäderl an. Wir arbeiten ganz, ganz vorsichtig, ganz behutsam. Zentimeter um Zentimeter.

„So, jetzt probieren wir einmal, ob es schon geht.“ Trotz der vielen Zuschauer bin ich mit dem Kind jetzt ganz allein. Ich nehme das Fußerl. „Siehst du, besser ist es schon, aber wir drücken die Formrohre noch ein bisserl weiter auseinander. Halt dich nur an!“ Dann ist das Fußerl heraußen.

Ich übergebe das Kind der Mutter. Es umfaßt die Schenkel der Frau, drückt ihr Gesicht in das Kleid. „Ist ja schon gut“, höre ich hinter mir; ich habe mich von der Szene, die mich so gar nichts angeht, abgewendet und habe begonnen, die Geräte zusammenzuräumen.

Dann kommen Mutter und Kind auf mich zu. „Danke, Herr Feuerwehrmann“, sagt die Kleine. „Ist schon recht. Und gar nicht geweint hast du.“

Irgendwer will uns ein Trinkgeld geben. „Nein, danke schön, dazu sind wir ja da. Und wenn Sie uns wieder brauchen, dann rufen Sie uns nur.“ Wir fahren schnell weg, wir wollen die Szene nicht auskosten.

Feuerwehr! Wenn das alles nur Technik und Kraft und Härte und „Männlichkeit“ wäre – ich würde austreten. Weil ich Angst habe vor einer „Männlichkeit“, die vor einem Kind nicht ganz behutsam wird.

Ein Feuerwehrmann aus Niederösterreich

menschlich ... 15

 

Öffentliche Rüge wegen Schuhwerks in „brand aus“ – war das übertrieben?

Der Landesfeuerwehrrat hat die Namen jener Feuerwehren, deren Bewerbsgruppen in Turn- oder Segeltuchschuhen nach Retz zum Bewerb oder zur Siegerverkündung kamen, in „brand aus“ nennen lassen und im Wiederholungsfall mit der Sperrung gedroht („brand aus“ 9/1981, Seite 290).

Eine nö. Lokalzeitung schreibt dazu: „Einen Kameraden in aller Öffentlichkeit an den Pranger zu stellen, kenne ich nicht einmal aus meiner Bundesheerzeit, sondern nur vom Hörensagen aus der Zeit des ‚alten Barras’.“

Auch einzelnen Feuerwehrmännern war die Veröffentlichung der Feuerwehren nicht recht, mancherorts sind darüber Diskussionen entstanden.

Folgendes müßte wohl bedacht werden:

  • Die Bekleidungsvorschriften für den Feuerwehrleistungsbewerb sind eindeutig. In den gültigen Bestimmungen für den Bewerb um das Feuerwehrleistungsabzeichen (FLA) in Bronze und Silber, 3.Auflage 1972, Punkt 2,42, Seite 16, heißt es:
    „Die Gruppen treten in einheitlicher Einsatzbekleidung an: Schutzanzug, Helm, Feuerwehrgurt mit Birnkarabiner, Stiefel oder feste Straßenschuhe. Das Anlegen von Tennis-, Turn- oder anderen Sportschuhen widerspricht der Branddienstausrüstung eines Feuerwehrmannes und ist daher untersagt.“
    Deutlicher geht’s nicht. Trotzdem und trotz verschiedentlicher Warnungen kamen doch einige Bewerbsgruppen in der verbotenen Fußbekleidung.
  • Das Nichtbeachten von Vorschriften kann bei Einsatzorganisationen tödlich sein. Wer heute in Turnschuhen zum Leistungsbewerb kommt, fährt morgen in Sandalen zum Einsatz und landet möglicherweise im Krankenhaus. Nur wer mit eigenen Augen gesehen hat, wie Feuerwehrmänner sich bei einem Scheunenbrand rostige Nägel durch die Herrgottssandalen hindurch in die Füße gerammt haben, so daß sie oben wieder herausstanden, weiß, was los ist.
  • Daß für Leistungsbewerbe monatelang geübt wird, ist zu loben, entbindet aber nicht von der Verpflichtung, die Bewerbsbestimmungen einzuhalten. Wer sich bei einem Fußballmatch gegen die Vorschriften vergeht, bekommt die Gelbe Karte gezeigt, so daß alle Zuschauer es sehen können. Warum also bei der Feuerwehr den „guten Ruf“ dessen schonen, der für jeden sichtbar die Bestimmungen übertreten hat? Es wurde nichts anderes getan, als öffentlich festgestellt, was öffentlich begangen wurde.
  • Feuerwehrmänner, die bei einer großen Parade mit Feuerwehrhelm und mit Turnschuhen an Tausenden Zuschauern und Ehrengästen vorbeimarschieren, setzen die Feuerwehr nicht nur bei einigen „Militaristen“, sondern auch bei der ganzen Bevölkerung der Lächerlichkeit und dem Belächeltwerden aus. Schlampige Adjustierung wird von den Zuschauern, auch von hohen und höchsten Ehrengästen, bemerkt, und sie sagen ihre Meinung dem Landesfeuerwehrkommandanten und andern hohen Funktionären brühwarm ins Gesicht.
  • Warum sollen sich Tausende richtig adjustierte Feuerwehrmänner über einige Außenseiter ärgern und sich für sie schämen? In einem Zug, in dem solche Dinge passieren, mitzumarschieren, ist Tausenden nö. Feuerwehrmännern peinlich. Warum sollen sie ständig provoziert werden? Wenn wir als marschierende Formation vor die Öffentlichkeit treten, muß das funktionieren, sonst lassen wir es bleiben. Wer verargt es der Feuerwehr, daß sie im eigenen Haus auch aus Gründen der Selbstachtung für Ordnung sorgt?
    Diese - durchaus gesamtösterreichische – Haltung wird sogar international honoriert. Erst kürzlich schrieb die angesehene deutsche Feuerwehrfachzeitschrift „Brandschutz“ über Böblingen (VII. Internationale Feuerwehrwettkämpfe 1981): „’Paradenote ausgezeichnet’ haben ohne Zweifel die Österreicher verdient! Ob in Uniform oder im Einsatzanzug, boten sie stets ein gutes, geschlossenes Bild.“ Warum sollen wir das ändern? Wir können und wollen uns nicht damit abfinden, daß offene Uniformblusen und offene Krawatten (und Turnschuhe bei Paraden!) schick sein sollen.
  • Wenn sich ältere Feuerwehrsemester über die scharfe Maßnahme wundern: Unrichtiges Benehmen einer Bewerbsgruppe schädigt die gesamte betreffende Feuerwehr in ihrem Ruf, denn eine Bewerbsgruppe fährt nicht als Privatverein zu Leistungsbewerben, sondern wird offiziell von der Feuerwehr entsandt, die für ihre Disziplin voll verantwortlich ist. Kommando und ältere Feuerwehrmänner sollen die Bestimmungen genau kennen und die jungen Bewerbsgruppen entsprechend kontrollieren. Erst weil das offensichtlich im örtlichen Bereich verabsäumt worden ist, mußte es zu den energischen Schritten des Landesfeuerwehrrates kommen. Oder konnte die Einhaltung der Bestimmungen in den einzelnen Feuerwehren nicht durchgesetzt werden? Das wäre Führungsschwäche.
  • Heute eine Ordnungslosigkeit hier, morgen eine andere dort. Die Feuerwehr geht zugrunde, wenn ihre Weisungen im örtlichen, im Bezirks- und im Landesbereich nicht befolgt werden. Ein ständiges Zurückweichen, die ständige Scheu, es auf das Entweder-Oder ankommen zu lassen, ist vielleicht heute modern; für die Feuerwehr ist es eine Überlebensfrage, daß dieser „moderne“ Geist bei ihr nicht einreißt. Es muß Grenzen geben, deren Überschreiten nicht ständig ungestraft hingenommen wird. Wer dann „begütigend“ interveniert, stellt sich schützend vor Disziplinlose und erweist weder diesen noch dem Feuerwehrwesen einen Dienst.

Die Feuerwehr hat den Mut, in dieser Hinsicht unmodern zu sein und unnachgiebig Ordnung und Leistung zu verlangen. Wenn sie hier anfängt, sich zu beugen, Konzessionen zu machen, wird man morgen fragen, ob wir überhaupt noch Dienstgrade oder Uniformen brauchen, ob es nicht mit weniger Leistung, Präzision, Anstrengung, ob es nicht ohne Führung auch geht. Das wäre Aufweichung und das Ende jeder Einsatzkraft.

Solange die Feuerwehr etwas verlangt, wird sie Menschen anziehen, die bereit sind, etwas zu leisten und sich im Interesse der Sache auch unterzuordnen. Unsicherheit der Führung wäre für die Feuerwehr eine Katastrophe. Es gibt heute (hoffentlich nur) einzelne Feuerwehrkommandanten, die sich bei der Mannschaft, vor allem bei der jungen, nicht mehr durchsetzen können, weil sie immer wieder nachgeben und nie auf Biegen oder Brechen eingeschritten sind.

*

Nächstes Jahr wird mit Sicherheit keine Bewerbsgruppe mit Turn- oder Segeltuchschuhen zum Bewerb oder zur Siegerverkündung kommen. Das sollte erreicht werden. Mit Klarheit und Eindeutigkeit. Wenn in einzelnen Feuerwehren über die Veröffentlichung der Feuerwehrnamen gesprochen wurde – umso besser. Einsichtige Feuerwehrmänner werden verstehen, daß mit dieser harten Maßnahme auch dem Feuerwehrgeist in den einzelnen Feuerwehren ein Dienst erwiesen worden ist. Daß die Feuerwehr klare Linien hat und auf Ordnung sieht, wird ihr bei der Bevölkerung letztlich nur neue Sympathien bringen.

So ist es bei der harten Maßnahme des Landesfeuerwehrrates um mehr gegangen als um eine gewisse wünschenswerte Einheitlichkeit der Adjustierung. Hier den Anfängen nicht zu wehren, könnte Folgen haben. Auch das Benehmen einzelner Bewerbsgruppen nach dem Antreten in Retz gehört hierher. Es ist gut, daß es Feuerwehren noch peinlich ist, im Zusammenhang mit disziplinlosen Bewerbsgruppen genannt zu werden.

Schneider

menschlich ... 16

 

Neu anfangen

Weihnachten ist vorbei, wir haben ein wenig langsamer getreten, aber der Silvestertag hat uns unerbittlich daran erinnert, daß ein neues Jahr begonnen hat.

Neues Jahr, neuer Zeitabschnitt, Gelegenheit und Pflicht, zu planen, sich Ziele zu stecken.

Dazu einige Überlegungen.

  • In einem Zeitabschnitt, zum Beispiel bis zum Ferienbeginn, soll etwas erreicht werden. „Tun wir halt wieder weiter.“ Solche oder ähnliche Worte, bei einer Weihnachtsfeier oder bei der Mitgliederversammlung gesprochen, können eine Katastrophe für die Feuerwehr sein. Mit ihnen ertötet man jede Dynamik, man schläfert ein, erzeugt ein Gefühl der Zufriedenheit und täuscht vor, es funktioniere ohnehin alles bestens.
  • Ein langjähriges Kommando hat zweifellos sein Lehrgeld bezahlt. Es weiß, daß man nicht alles erreichen kann, es hat auch durchaus Wichtiges nicht erreicht und will nicht mehr der Gefahr erliegen, unrealistische Ziele anzustreben und letztlich selbst der Blamierte zu sein. Unerreichbar Ziele sind zweifellos ebenso schädlich wie gar keine Ziele. Nur ist das langjährige Kommando in der Gefahr, sich vor lauter schlechten Erfahrungen gar keine Ziele zu stecken und eben nur zu sagen: „Tun wir halt wieder weiter.“
  • Ein neues Kommando will etwas besser machen und ist in Gefahr, Dinge zu übertreiben, jahrelang Versäumtes in einem Aufwaschen nachholen zu wollen, Ziele hinauszuposaunen, die den Älteren, Erfahreneren, den „gebrannten Kindern“ nur ein mildes, müdes Lächeln abnötigen. Ein neues Kommando soll auf dem Boden der Möglichkeiten bleiben, aber sich auch nicht durch den Pessimismus der älteren Generation von vernünftigen und notwendigen Initiativen abhalten lassen.
  • Welche Ziele sollen wir anstreben? Vieles bietet sich von selbst an, aber auf jeden Fall sind Vorausfragen zu stellen: Welche Schwachstellen hat unsere Feuerwehr? Oder: Wo sind uns uns bekannte Feuerwehren ähnlicher Größe eindeutig voraus? Schreiben Sie die erkannten Punkte in eine Liste – sie wird lang werden und vom Feuerwehrhaus (Neubau, Renovierung, Generalreinigung, neue Kästen) über Ausrüstung bis zu Übungsdefiziten und fehlenden Alarm- und Brandschutzplänen in Firmen reichen.
  • Stellen Sie für größere Probleme mehrjährige Pläne auf.
  • Unterscheiden Sie zwischen allgemeinen und konkreten Zielen. Allgemeines Ziel etwa: Wir wollen die Funkpraxis unserer Funker heben. Dieses Ziel ist wunderschön, bringt aber in dieser Formulierung gar nichts. Es muß ein konkretes Ziel dazukommen: Wie erreichen wir dieses allgemeine Ziel? Etwa indem wir drei außertourliche Funkübungen veranstalten und uns vornehmen, daß heuer mindestens drei Männer an Funkleistungsbewerben teilnehmen. Welche Mängel haben wir bemerkt? Also wird in diesen drei Funkübungen besonders erstens, zweitens, drittens geübt. Allgemeines Ziel ohne konkretes Ziel bleibt nebulos und führt zu keinen konkreten Aktivitäten, konkrete Ziele (Funkübungen) werden selten richtig geplant, wenn sie nicht klar auf ein allgemeines Ziel (Verbesserung der Funkpraxis) hingeordnet sind.
  • So ackert man alle wichtigen Probleme der Feuerwehr durch. Wahrscheinlich muß man dann unter den an sich dringlichen Punkten die dringlichsten auswählen, die anderen soll man aber nicht vergessen, sondern längstens im kommenden Jahr in Angriff nehmen.
  • Lassen Sie sich nicht in die Rolle desjenigen treiben, der letztlich alles allein macht und überzeugt ist, daß es nur gemacht ist, wenn man es selbst macht. Teilen Sie in der Kommandositzung oder auch in der Mitgliederversammlung konkreten Leuten konkrete, überschaubare Aufgaben zu. In der Kommandositzung oder in der Mitgliederversammlung die Bitte um Erfüllung einer begrenzten Aufgabe abzulehnen, ist durchaus nicht jedermanns Sache. Wenn einer aber zusagt, dann fixieren Sie das schriftlich und setzen Sie Termine, die ebenfalls schriftlich aufscheinen und am besten auf dem Schwarzen Brett stehen. Der Übungsplan für eine längere Periode mit Terminen, Verantwortlichen und Durchführungsfristen sollte auf dem Schwarzen Brett stehen. „Hat Lm Huber übernommen, Frist 15. Jänner“ sollte in Protokollen immer wieder zu lesen sein. Ein Feuerwehrfest wird nur dann gut gehen, wenn die Ämter und die Dienstzeiten auf dem Schwarzen Brett für jedermann zu lesen stehen.
  • Die wesentlichen Punkte eines Protokolls der letzten Sitzung vorzulesen hat psychologische Vorteile. Was ist aus diesem Beschluß geworden? Hat der in der Niederschrift Genannte die Sache vorangebracht? Die Versäumnisse der Betreffenden werden dann offenbar, er muß sich entschuldigen, und das tut keiner gern. Die Angst vor der Blamage in der nächsten Sitzung (auch wenn noch so taktvoll und sanft erinnert wird) kann mehr antreiben als mancher allgemein gehaltene Appell.
  • Suchen Sie womöglich zu erreichen, daß die gesamte Feuerwehr dieses oder jenes Ziel erreichen will. Sie können dann sagen: „Nicht ich habe dieses Ziel gewollt, sondern wir alle haben uns in der Mitgliederversammlung am 14. Jänner dazu bekannt. Jetzt müssen aber alle, die damals dafür gestimmt haben, zur Sache stehen und die Konsequenzen tragen. Ich bin nur derjenige, der mit Ihnen die Beschlüsse verwirklicht, ich nehme Sie nur als Männer beim Wort.“
  • Setzen Sie Ziele, die bei gutem Willen mit Energie erreichbar sind. Zweifellos gehört ein „Antreiber“ dazu, einer, der das Ziel nicht aus den Augen verliert, der immer wieder fragt, kontrolliert, erinnert – freundlich, aber unentwegt. Ein konkretes Ziel macht aber auch Kräfte frei, die vielleicht jahrelang geschlummert haben. Manche Feuerwehr wird durch das lähmende „Machen wir halt wieder weiter“ unter ihrem eigenen Wert verkauft. Mancher entwickelt, wenn man ihm einmal eine konkrete Sache mit Verantwortung anvertraut, erstaunliche Fähigkeiten. „Das hätten wir dem Gruber gar nicht zugetraut.“ Freilich: weit öfter scheitert Delegieren daran, daß einfach keiner bereit ist, eine Aufgabe zu übernehmen – Familie, Beruf, Haus bauen, keine Zeit. Aber man kann nach dreimaligem Ablehnen des einen auf einen (vielleicht Jungen) stoßen, der bis dahin unbeachtet geblieben ist – und vielleicht ist gerade er das große Talent.
  • Lassen Sie es einmal darauf ankommen, daß etwas schiefgeht, weil der Verantwortliche die Feuerwehr hängengelassen hat. Das nachherige Donnerwetter und die Blamage bringt vielleicht für die Zukunft mehr, als wenn der Kommandant oder irgendein Gutwilliger immer wieder im letzten Moment die Fehler der Eingeteilten wettmacht oder kaschiert. Die Folge ist letztlich nur, daß der Letztverantwortliche das Gefühl bekommt, etwas geschehe nur, wenn man es selbst mache. Und das stimmt nicht.
  • „Tun wir halt wieder weiter“ ist also falsch. Eine Mitgliederversammlung am Ende des Jahres wird auf einmal interessant, wenn ein klarer Rechenschaftsbericht gegeben wird: „Wir haben uns das und das vorgenommen. Das ist zum Teil, aber nicht ganz gelungen, weil... Was tun wir im neuen Jahr mit dem halberledigten Problem?“
  • „Bei uns geht das alles nicht!“ sagt einer. Wenn all das überhaupt und in keiner Weise geht, sind nicht nur die Männer schuld, sondern auch die Führung selbst. Vielleicht ist sie selbst in der Mentalität des „Tun wir halt wieder weiter“.

Schneider

menschlich ... 17 (1)

 

 

Muß i denn, muß i denn zum Städtele hinaus

Die FF Langenzersdorf lud behinderte Menschen ein

 

11. Dezember 1981: In der Fahrzeughalle der FF Langenzersdorf warten Feuerwehrmänner. Um punkt 14.00 Uhr fahren einige Kleinbusse vor. Ihnen entsteigen rund 30 behinderte Menschen beiderlei Geschlechts zwischen 17 und 42 Jahren. Man sieht ihnen die geistige und körperliche Behinderung an. Bescheiden bilden sie um Feuerwehrkommandant HBI Trimmel und seine Kameraden einen Kreis. Er dankt für die Ehre ihres Besuches, und gleich werden die Gäste in Gruppen zu fünf zu den einzelnen Einsatzfahrzeugen geschickt. Sie dürfen sich hineinsetzen, sie dürfen die Geräte berühren, manche sogar ausprobieren. Manche verstehen sehr viel von den Erklärungen der Feuerwehrmänner, manche wenig, aber für alle ist es hochinteressant und ein großes Erlebnis. Unvergeßlich für die Gastgeber, als ein behindertes Mädchen in das Mikrofon eines Kommandofahrzeuges laut und unbeholfen hineinzusingen beginnt: „Muß i denn, muß i denn zum Städtele hinaus.“ Es freut sie so, daß es laut ist und daß die Fahrzeughalle widerhallt.

Plötzlich ertönt die Sirene. „So wirklichkeitsnah machen es die Kameraden?“ denkt der Gast aus dem Landesfeuerwehrkommando, aber es ist Einsatzernst! Bei dem großen Sturm hat sich das Blechdach der Volksschule gelöst und muß festgemacht werden. Die Behinderten verstehen zum Teil gar nicht, daß das Einsatzernst ist. Während die Männer im Einsatz sind, werden den Gästen Feuerwehrfilme vorgeführt, Beim Ertönen von Marschmusik klatschen sie begeistert und freudig erregt mit. Nach der Jause tragen einige von ihnen das Geschirr sofort hinaus und bedanken sich in einer herzlichen Weise, die einfach bewegt.

Noch etwas bewegt: Im Freien ist es eiskalt, der Sturm weht, trotzdem beginnen nun Feuerwehrmänner alles vorzuführen, was die FF Langenzersdorf herzuzeigen hat: ein Autowrack wird mit hydraulischer Schere und hydraulischem Spreizer fachgerecht „zerlegt“, das neue RF fährt mit Rundumkennleuchte aus, weiters wird Löschschaum eingesetzt, die Männer legen schweren Atemschutz an, die Löschleitung wird gelegt, der Wasserstrahl biegt sich im Sturm auf ein benachbartes Hausdach.

Ein offizielles Dankwort der Leitung, aber noch viel intensiver und rührender ist es, wie mehrere der behinderten Menschen auf die Feuerwehrmänner zugehen, ihnen die Hand schütteln, ihnen auf die Schulter klopfen, einer einem Feuerwehrmann mit schwer verständlicher Stimme zulallt: „Du bist ein guter Freund.“

Dann sind die Kleinbusse mit den behinderten Menschen wieder weg. „Wir haben schon vielen Menschen unsere Geräte vorgeführt, aber so dankbar war noch keine Besuchergruppe“, murmelt ein Kamerad und reibt sich die Hände warm.

Nachher sitzen die Feuerwehrmänner mit der Heimleitung beisammen. Vor einigen Jahren haben Eltern von minderjährigen und erwachsenen behinderten Menschen einen Verein gegründet, in vielen Tausenden Arbeitsstunden haben sie eine alte Schule instandgesetzt und ein Tagesheim geschaffen. Die Behinderten können dort arbeiten, verschiedene Firmen geben Aufträge. Abends fahren sie aber mit den Kleinbussen in ihre Familien zurück. Sie sollen nicht in eine Gettosituation hineingeraten, das Eingliedern in den normalen Arbeitsprozeß aber wäre nicht günstig, da sie aufgrund ihrer Leistungsfähigkeiten automatisch den unterstbezahlten Arbeitskräften zugeteilt werden, die ihnen ihre geistige Überlegenheit fühlen lassen, ihre Gutmütigkeit ausnützen und sie manchmal sogar auf die schiefe Bahn bringen.

Der Besuch bei der Feuerwehr diente vor allem dem Anliegen, die behinderten Menschen mit der Feuerwehr vertraut zu machen, damit sie im Einsatzfall nicht ängstlich reagieren, sondern in den Feuerwehrmännern bekannte Freunde sehen. Behinderte Menschen reagieren nämlich in Krisensituationen sehr nervös.

Lange erzählte der Vorstand des Oberrohrbacher Behindertentagesheimes, Hofrat Dr. Müllner, selbst Vater eines behinderten Sohnes, über die Arbeit seines Vereines und betonte immer wieder, wie richtig sich die Feuerwehrmänner bei diesem Besuch verhalten hätten: keine Verniedlichung, sondern Behandeln der Behinderten als erwachsene Menschen.

Die Feuerwehrmänner von Langenzersdorf werden noch lange an diesen Besuch denken. Mit sicherem Instinkt hat OBI Lehner ein wichtiges Anliegen aufgegriffen. Das Beispiel von Langenzersdorf möge bei Feuerwehren, in deren Einsatzbereich Behindertenheime liegen, Schule machen.

Schneider

menschlich ... 17 (2)

 

Den Hut d’raufhau’n

Der Leser erinnert sich: In der NS-Zeit wurden mehrere Randgemeinden rund um die Bundeshauptstadt nach Wien eingegliedert, die Freiwilligen Feuerwehren wurden aufgelöst. So geschehen auch in Oberlaa (siehe „brand aus“ 5/1980, Seite 158). Die Männer halten immer noch treu zusammen. Kürzlich starb einer von ihnen. Neun Kameraden waren beim Begräbnis, fünf konnten nicht mehr kommen, da sie schon marod waren. Es war eines der „schönsten“ Feuerwehrbegräbnisse, das ich miterlebt habe.

Jeder hatte sorgsam das Feuerwehrabzeichen an den Zivilmantel gesteckt, das ihm Präsident Kast einmal geschenkt hatte („brand aus“ 11/1980, Seite 371). Sie traten an, marschierten in etwas wackeligen Zweierreihen, zwei Kameraden trugen einen Kranz („Letzte Grüße von Deinen ehemaligen Feuerwehrkameraden“). So zogen sie vor dem Sarg einher. Hielten keine Reden, blieben mit ihrer kleinen, unscheinbaren Formation bescheiden neben der nächsten Gräberreihe stehen, legten ihren Kranz auf das Nebengrab.

Als der Gast aus dem Landesfeuerwehrkommando (er war in Feuerwehruniform gekommen, und die alten Männer rechneten es sich zur Ehre an) zum Hinabsenken des Sarges leise „Habt acht!“ kommandierte, standen sie stramm, die 70- bis 80jährigen – und verließen noch vor den anderen Trauergästen den Friedhof.

„Weh dem, der keine Heimat hat...“, heißt es in irgendeiner Ballade. Bei den Oberlaaern ist es ein wenig so. Man hat ihnen die Feuerwehrheimat genommen, aber man kann ihnen die Feuerwehr nicht aus dem Herzen herausreißen – auch nicht nach 40 Jahren.

Ich habe mir dazu meine Gedanken gemacht, und ich bin froh, daß ich meine Feuerwehruniform haben darf, daß sie mir niemand weggenommen hat, wie den Kameraden von Oberlaa (auch wenn in der Wienerstadt schon jemand, der die nö. Feuerwehruniform nicht kennt, gefragt haben soll, ob man denn bei der Heilsarmee sei).

Feuerwehr – das ist immer nur Arbeit, Mühe, Verdruß, Verzicht auf Freizeit, und manchmal würde man gern das Ganze an den Nagel hängen. Mancher geht vielleicht nach einem Auftritt weg, nach einem schiefen, unbedachten Wort des anderen, nach einem Mißverständnis. Aber wenn der einmal ein wirklicher Feuerwehrmann war, einer, der dort viel Arbeit, aber auch herrliche Stunden verlebt hat, dann bringt er die Feuerwehr nie ganz weg.

Er schimpft vielleicht über sie, aber auch in diesem Schimpfen klingt enttäuschte Liebe mit, und das Schimpfen tötet die verschüttete Anhänglichkeit nicht.

Feuerwehr bringt Arbeit, aber wir sollten nicht vergessen: ich darf auch bei der Feuerwehr sein. Sie fordert – wie jede Liebe! – nicht nur, sondern sie schenkt dem, der sich ihr wirklich verschreibt, Kameradschaft, geistige Heimat, Anschluß an Menschen. Nur daheim sein und den Garten pflegen, ohne Kontakte zu Kameraden zu haben – da fehlt vielen etwas.

Wenn einer mit dem Gedanken spielt, den „Hut d’raufzuhau’n“, möge er doch drei Dinge tun:

Erstens: Dreimal drüber schlafen. Dramatische Entschlüsse im Zorn, das ist nicht recht männlich und bringt meist auch nichts.

Zweitens: Versuchen, ob der Konflikt nicht gelöst werden kann oder ob die Situation, deretwegen ich austreten will, sich nicht schon in zwei, vier oder acht Monaten schlagartig ändern kann.

Drittens: Sich ganz nüchtern fragen: Wie wird das sein, wenn ich dort auf einmal nichts mehr zu tun habe, wenn ich dieses Haus, an dem ich selbst mitgearbeitet habe, nicht mehr betreten darf, weil ich dort im Unfrieden gegangen bin? Was wird sein, wenn dann die ehemaligen Kameraden in der Uniform in mein Haus, in meine Wohnung kommen und sammeln – für die Feuerwehr. Wenn vielleicht junge Leute mit sind, von denen ich sagen muß, daß sie eigentlich phantastische Burschen sind. Und ich muß mir vielleicht sagen, daß ich voreilig gegangen bin und daß diese Feuerwehr eigentlich lebensfähiger ist, als ich geglaubt habe.

Bei solchen Erwägungen und Vorstellungen eine dicke und absolut unempfindliche Haut zu haben, schafft nicht jeder, vor allem keiner, der einmal wirklich an der Feuerwehr gehangen ist.

In der Feuerwehr bleiben, auch wenn man unter ihr leidet, auch wenn noch so furchtbar vieles nicht ideal ist: Das ist für viele Feuerwehrmänner besser, als im ersten Zorn die Türe zuzuschlagen. Aus der Feuerwehr auszutreten, ist etwas, das den meisten Männern weh tut, ob sie es sofort spüren oder erst nach einigen Wochen oder Monaten. Das mögen auch Frauen und Bräute bedenken, die den Ihren aus der Feuerwehr draußen haben wollen.

Die alten Oberlaaer Feuerwehrmänner sind ein erschütterndes Beispiel dafür, daß man die Feuerwehr nicht aus sich herausbringt. Sie würden sofort wieder eintreten, wenn man sie ließe. Und andere erwägen, den „Hut d’raufzuhau’n“. Sie sollten zuerst bei den Oberlaaern nachfragen.

Schneider

menschlich ... 18

 

Kleinigkeiten...

Einst hatte die Feuerwehr von XY einen ausgezeichneten Ruf, jetzt ist nicht viel los mit ihr. Was ist geschehen?

Gar nicht viel. Nur Kleinigkeiten. Diese aber waren tödlich.

  • Geräte werden ausgeborgt, und niemand weiß davon. Sie fehlen tagelang im Einsatzfahrzeug. Niemand stellt den Mann zur Rede.
  • Der Mann läßt nach dem Einsatz seine Einsatzbekleidung irgendwo liegen. Er wird nicht zur Ordnung gerufen.
  • Die Einsatzbereitschaft wird nach dem Einsatz nicht sofort hergestellt. Zuerst genehmigen wir uns einen Trunk.
  • Papierln liegen auf der Erde. Niemand bückt sich.
  • Ein Mann verspricht, sicher zu einer bestimmten Arbeit zu kommen. Er kommt nicht. Die Feuerwehr läßt es sich gefallen.
  • Der für die Anmeldung zum Funkleistungsbewerb Zuständige vergißt auf die rechtzeitige Anmeldung seiner Kandidaten. Es wird geschwiegen.
  • Termine, die der Leiter des Verwaltungsdienstes in Evidenz haben sollte, müßte, werden übersehen oder dem Kommandanten nicht mitgeteilt.
  • Im KLF liegen die Zigarettenstummel, der Aschenbecher ist übervoll. Es gibt keinen Krach.
  • Der Einsatzleiter muß fünfmal gemahnt werden, bis er seine Angaben für den Brandbericht hergibt. Der Verwalter läuft ihm nach, bis es ihm zu blöd wird. Es gibt trotzdem keinen Krach.
  • Die großen Wortemacher dürfen große Worte machen und werden nicht zur Arbeit gezwungen.
  • Der in der Feuerwehr so wichtige Pedant, der hinter dem Detail her ist, Papierln zusammenklaubt, Stiefel an die richtige Stelle stellt, neue Batterien für die Taschenlampen kauft, läuft sich zu Tode, er wird nicht unterstützt. Langsam verzweifelt er und lässt die Dinge laufen.
  • Der Übungsbesuch nimmt langsam ab, es wird nichts dagegen unternommen, weder gegen die Säumigen noch gegen den Übungsleiter, der die Übung schlecht vorbereitet hat und sich nichts hat einfallen lassen.
  • „Wozu brauchen wir das?“ „Bei uns schaffe nur ich an.“ „Was die in der Landesfeuerwehrschule sagen, ist bei uns uninteressant.“ Der eifrige und ernste Neuling, der von einem Lehrgang kommt, staunt: „Aber bitte...“ „Kommandant bin einstweilen noch ich, einverstanden?“
  • Das überall gerühmte Hauptergebnis einer Übung ist: „Die sollen nur schauen, wie schnell wir mit dem vollen G’schäft da sind.“ Qualität, richtige Arbeit, Überlegungen?
  • Feuerpolizeiliche Beschau? Nur der Kommandant geht, andere kommen nicht dran, auch nicht Tüchtige, durchaus Bereite, Interessierte.
  • Tüchtige, Interessierte, die aber nicht zu einer bestimmten, seit Jahren zusammengeschweißten Gruppe gehören, die keinen hineinläßt, die nicht bei allem mittun, werden kaltgestellt. Sie fragen so unangenehm, meinen gar, es müßte doch eigentlich in der Feuerwehr manches anders gehen, als es seit Jahrzehnten gemacht worden ist. Kommen mit Theorien aus Tulln, von denen man selbst nichts versteht.
  • Gegen Neues wird die „Erfahrung“ gestellt, gegen Nichtakzeptieren der Schlamperei und gegen Nichtmittun bei unsachlicher, primitiver Argumentation wird das bequeme „Argument“ mangelnder Kameradschaft des Fragers eingesetzt.
  • Man hält sich solche unangenehme Leute gern vom Leib und drückt ihnen grundsätzlich und jedes Mal einen Kübel und einen Fetzen in die Hand und schaut selbst zu, weil man ja alteingesessen ist und zum inneren Kreis gehört.
  • Der Kommandant läßt den Schriftverkehr nicht aus der Hand, obwohl er sich nicht auskennt und die Dinge immer wieder durcheinanderbringt. Peinliche Anfragen vom Landesfeuerwehrkommando und von der Gemeinde, Termine werden verschlampt, der Verwalter will für dieses Chaos, das ihm bei seinem Dienstgeber sofort Entlassung einbrächte, nicht mehr gradstehen und legt sein Amt zurück. Verwunderung bei der Gemeinde, Spießigkeiten bei Verhandlungen. Auf einmal ist die Feuerwehr kein ruhiger, ernster Gesprächspartner, man nimmt sie nicht ernst, will mit gewissen Leuten eigentlich nicht mehr verhandeln.
  • Gutwillige, Präzise, Ernste, die keine Stütze finden, geben es langsam auf und gehen. Eine ganze Liste an sich guter Leute, die einmal bei der Feuerwehr waren und gegangen sind. Sie könnten noch da sein. Die gewisse Clique hält eisern zusammen, aber die Blutauffrischung bleibt aus, ein Maturant oder Handelsschüler hält sich bei solcher Gleichmacherei nicht, wird eher hinter einen Schreibtisch verbannt und bei Einsätzen nicht ernst genommen.
  • Wenn man genau hinsieht, fahren eigentlich nur sechs bis sieben Männer die Einsätze – für eine größere Feuerwehr eine Katastrophe, auch wenn es immer noch für die täglichen Routineeinsätze reicht. Aber die vielen Fahrzeuge sind gar nicht mehr mit wirklich qualifizierten Männern besetzbar. Für einen Großeinsatz mit eingespielter Einsatzleitung und Einsatzleitstelle reicht es nicht mehr. Man merkt es nur nicht – bis zum Tag X, wo alles durcheinanderläuft und die Feuerwehren aus der Umgebung sich wundern.
  • Nochmals die Gutwilligen: vielleicht haben sie sich zu sehr auf den Kommandanten ausgeredet. „Ich bin ja nicht Kommandant.“ Um selbst Ruhe zu haben, haben sie auch nicht den Versuch gemacht, mit anderen Gutwilligen Ordnung zu machen, Bezirksfeuerwehrkommando und Landesfeuerwehrkommando zu alarmieren.

Am Anfang Kleinigkeiten, die überall einmal passieren können. Über die der Kommandant immer wieder hinwegsieht, gegen die nicht energisch Krach geschlagen wird. Langsam wird aus manchen Unregelmäßigkeiten ein „Recht“, und der Kommandant kann sie nicht mehr abstellen, die Guten sind weg, auf die kleine Clique ist er daher angewiesen und muß Angst haben, daß auch sie austritt.

Kleinigkeiten – aber die Feuerwehr ist dabei draufgegangen.

Schneider

 

menschlich ... 19

 

Wir sind keine „Schani“

Die nö. Freiwilligen Feuerwehren werden heuer zu „Traum“einsatzzahlen kommen: Was sich an Unwettereinsätzen in fast allen Bezirken während der Sommermonate getan hat, haben wir schon lange nicht mehr erlebt. Die Männer schufteten, pumpten Keller aus, sicherten Straßen, beseitigten Schlamm und Geröll, sicherten Dächer, kamen halbe und ganze Tage nicht aus dem nassen Zeug.

Vier Erlebnisse der Feuerwehrmänner einer größeren nö. Stadt zwischen dem 17. und 19. August 1982 sollen den „brand aus“-Lesern nicht vorenthalten werden.

Fall 1: Ein Bewohner eines Hauses, dessen Keller auszupumpen die Feuerwehr gekommen ist, verweigert glatt den Stromanschluß für die Tauchpumpe. „Warum soll ich allein den Strom für die anderen Parteien zahlen?“ Den Feuerwehrmännern platzt der Kragen: „Wenn wir nicht binnen fünf Minuten Strom bekommen, fahren wir weiter. Es warten noch Dutzende Keller...“. Nach drei Minuten baumelte aus dem zweiten Stock ein Verlängerungskabel herunter.

Fall 2: Gleiches Anliegen. Ein Feuerwehrmann läutet an einer Wohnungstür. Niemand öffnet.

Drinnen hört (und sieht) man das Guckerl sich bewegen. Die Leute sind daheim, machen nicht auf, um nicht „ihren Strom“ hergeben zu müssen, und schauen dann, breit im Fenster „liegend“, der Feuerwehr beim Arbeiten zu.

Fall 3: Die Feuerwehr pumpt irgendwo aus. Da kommt der zuständige Arbeiter: „Ich schalte jetzt aus. Weil ich habe jetzt Mittagspause und gehe essen.“

Fall 4: Keller auspumpen. Einige Zentimeter Wasser bleiben natürlich stehen, weil die Pumpe sie nicht mehr erfaßt und kein Schacht zum Hineinhängen der Tauchpumpe vorhanden ist. Jemand fordert die Feuerwehrmänner glatt auf, auch dieses letzte Wasser mit Ausreibfetzen in die Kübel zu wringen und wegzuschaffen.

*

Andere Leute waren wieder sehr liebenswürdig. Das wiegt aber nicht das Gefühl allergrößten Unbehagens auf. Je größer der Ort, desto anonymer wird die Feuerwehr, desto mehr mag man einfach nicht zur Kenntnis nehmen, daß hier Freiwillige arbeiten, die nicht bezahlt werden, auf deren Hilfe man keinen „Anspruch“ hat, die man menschlich mißbraucht, wenn man nicht selbst tut, was man selbst tun kann. Gerade in großen Orten gerät die Feuerwehr immer mehr in die menschliche und gesellschaftliche Isolation.

Man ist nicht bereit, über höhere Steuer oder durch Spenden sich die Leistung der Feuerwehr zu „kaufen“, aber ebenso wenig, selbst Hand anzulegen.

Das ist Wohlstandsverwahrlosung reinsten Wassers. Keiner will Wähler vergrämen, jeder beschwichtigt jeden, der fordert, und gibt nach. Soziale Gegenleistung? „Ich zahle ja meine Steuern. Laßt’s mich in Ruh’!“ Wenn man schon den Kindern und den Jugendlichen kaum noch nein zu sagen wagt („Die anderen Kinder bekommen es ja auch“), wie sollen dann nicht Bürger heranwachsen, die nur fordern und zu keiner Gegenleistung bereit sind? Wenn das noch ärger wird, gehen wir menschlich in unseren Dörfern, Märkten und Städten zugrunde. Wir Feuerwehrmänner stemmen uns gegen diesen Trend aus Überzeugung, aus unserer – wie es Sepp Kast (Landesfeuerwehrkommandant) formuliert hat – „Weltanschauung“ des Helfens.

Aber leicht ist das manchmal nicht. Wir sind auch aus Fleisch und Blut und haben keine Freude daran, schäbig ausgenützt zu werden, denn auch wir haben unser Ehrgefühl.

Nein, nein, wir ziehen schon die Uniform nicht aus und tun ohnehin weiter. Aber anerkennende, recht allgemeine Worte der Bürgermeister sind uns manchmal etwas zu wenig. Sollten nicht Bürgermeister bei Feuerwehr- und anderen Veranstaltungen neben allgemeinen Lobesworten für die Feuerwehren der Bevölkerung in dieser Richtung die Leviten lesen – ehrlich, beinhart, auch wenn irgend jemand einmal böse ist und ob „dieser Zumutung“ schimpft. Mit solchen Reden wäre der Feuerwehr sehr geholfen.

PS: Stromgebühren für den Anschluß einer Tauchpumpe pro Stunde Laufzeit: zwischen 1 und 5 Schilling.

Schneider

menschlich ... 20

 

Säuberungsaktionen

Der Bürgermeister ersucht die Feuerwehr, im Ort eine Säuberungsaktion durchzuführen. Die Fremdenverkehrssaison, die überlasteten Gemeindearbeiter, alte rostige Eisschränke und Autowracks, aber auch Bierflaschen und Milchpackungen auf den Wanderwegen. Wenn die Feuerwehr so gut wäre...

Bei der Mitgliederversammlung sind die Männer keineswegs einig. „Wir tun so viel für die Gemeinde und die Bewohnerschaft, warum nicht auch das?“, meinen einige, von Feuerwehrkindesbeinen bereit, ja zu sagen, wenn der Bürgermeister ruft. Andere hingegen: „Jetzt reicht’s uns aber. Die ‚Weh’ der Gemeinde sind wir wirklich noch nicht. Und dann schauen die Leute aus den Fenstern und sehen gemütlich und genüßlich zu, wie wir Papierln aufklauben, am Samstagvormittag auch noch dazu.“

Einige grundsätzliche und praktische Erwägungen.

Klar ist: Die Feuerwehr ist für den Dienst an der Öffentlichkeit da und ist auch bereit dazu. Sie hat technische Geräte, die anderen Organisationen nicht zur Verfügung stehen.

Ferner klar: Eine Gesamtsäuberungsaktion mit bezahlten Arbeitsstunden kann die Gemeinde nicht zahlen.

Aber die Papierln... Da sträubt sich einiges.

Eine halbwegs lebendige Gemeinde wird zu einer solchen Aktion die gesamte Bevölkerung aufrufen: Die Schulkinder, die Lehrer, die Vereine, die Kirche, und natürlich auch die Feuerwehr. Als Teil der Gesamtgemeinde wird die Feuerwehr fraglos mittun, vor allem dort, wo sie ihre Geräte sinnvoll einsetzen kann, in Gottes Namen auch beim Papierlklauben. Aber wirklich nur, wenn alle anderen auch mittun und wenn der Bürgermeister und die Gemeinderäte mit gutem Beispiel vorangehen und selbst den Sack in die Hand nehmen. Wenn etwa das Gebiet in Sektoren geteilt wird und jede Organisation einen Teil übernimmt.

Das verlangt Erziehungsarbeit an der gesamten Gemeinde und ein richtiggehendes Gemeindebewußtsein. Sich diese Arbeit ersparen und gleich auf die friedfertige und bewährte Feuerwehr allein zurückgreifen – das bitte nicht. Mit den lobenden Worten und der von der Gemeinde bezahlten Jause ist diese Arbeit nicht abzugelten, auch nicht symbolisch, weil ein Unrecht dahintersteckt. So versteht man, daß sich manche Feuerwehrmänner weigern.

Man soll die „Gutheit“ der Feuerwehrmänner nicht ausnützen. Sie leiden ohnehin in zunehmendem Maße unter dem Gefühl, von der Bürgerschaft ausgenützt und „gebraucht“ zu werden, als ob der Bürger durch sein Steuerzahlen ja ein Recht auf den Einsatz der Freiwilligen habe. Dieses Recht hat er genau nicht, dazu zahlt er zuwenig Steuer für die Sicherheit und „zahlt“ auch nicht den Dienst der Freiwilligen.

Schon im Interesse des Selbstverständnisses der Feuerwehr: Säuberungsaktionen als Teil einer Aktion der gesamten Bevölkerung – ja, als Ersatz für die anderen, die dann bequem im Fenster liegend den Papierln sammelnden Männern zusehen – bitte nicht.

In einem ernsten Gespräch wird der Bürgermeister samt den Gemeinderäten diesen Standpunkt der Feuerwehr verstehen. Nur aus dem Motiv „Wir müssen mit der Gemeinde leben“ nachgeben – das sollte die Feuerwehr nicht tun.

Schneider

menschlich ... 21

 

Fahrzeugkontrolle

Der NÖ Landesfeuerwehrverband hat kürzlich 130 verbandseigene Einsatzfahrzeuge überprüft, die bei Feuerwehren stationiert sind. Er hat sie seinerzeit diesen Feuerwehren gratis und franko zur Verfügung gestellt, sie sind eine Leihgabe. Andere Feuerwehren müssen viele Feste veranstalten, bis sie sich diese Fahrzeuge leisten können.

Die Prüfer haben ihre Wunder erlebt.

Wohlgemerkt und ausdrücklich anerkannt: Manche (eher viele) Fahrzeuge, vom Kranfahrzeug bis zum Kommandofahrzeug und zur fahrbaren Funkleitstelle, waren tadellos in Ordnung. Leider längst nicht alle.

Unter anderem fand man auch folgendes:

- Fahrzeuge nicht gereinigt

- abgebrochene Hammerstiele

- dreckige Fetzen in Laden und Ecken

- Leinen zerrissen oder auf wüstem Knäuel und keineswegs vorschriftsmäßig versorgt und „aufgeschossen“

- Geräte und Werkzeuge der Pflichtausrüstung fehlten. „Ah, da hat sich wieder wer was ausgeborgt und es nicht zurückgegeben.“ „Das haben wir einstweilen in das TLF getan, weil es dort gefehlt hat.“

- Kettengehänge waren verrostet

- Fahrtenbücher zum Teil schlampig oder gar nicht geführt (ein Fall: letzte Eintragung 1976)

- Geräte einfach auf die Atemschutzgeräte draufgeworfen

- Reservereifen schlecht befestigt. Bei der Bremsprobe „verlor“ ein Fahrzeug einen Reservereifen

- Fahrzeuge waren für 13,30 Uhr eingeteilt und standen um 09.00 Uhr da. „Das hat mir der Kommandant gar nicht gesagt.“

- Manche Männer, die die Fahrzeuge vorführten, wußten nicht einmal, daß dieses oder jenes Gerät laut Beladeplan im Fahrzeug sein müßte und tatsächlich auch vorhanden war.

- Andere Geräte lagen irgendwo, nur nicht dort, wo die Halterungen sind und wo man sie auf einen Griff herausnehmen können soll.

- Auch bei der behördlichen Überprüfung gab es mitunter Anstände: Auflaufbremsen waren nicht in Ordnung, Reifen abgefahren, Bremslichter funktionierten nicht, Scheinwerfer waren falsch eingestellt... Und dabei haben wir immer geglaubt, in jeder Feuerwehr seien Männer, die von den technischen Dingen wirklich etwas verstehen... Man könnte sich (sollte sich dringend) darüber einige Gedanken machen.

- Die Einsatzbereitschaft des Fahrzeuges ist durch solche Wartung wesentlich herabgesetzt. „Pflichtausrüstung“ heißt so, nicht, weil sich jemand diese Liste einbildet, sondern weil diese Geräte und Werkzeuge für die Einsätze, auf die das Fahrzeug zugeschnitten ist, dringend gebraucht werden.

- Ort und Lagerung einzelner Geräte gerade an dieser Stelle haben ihren Sinn. Im Ernstfall herumzusuchen beginnen und Werkzeug aus irgendeinem Knäuel heraussuchen ist Wahnsinn.

- Fachkundige Zivilisten, die ein ungepflegtes, verkommenes Feuerwehrfahrzeug sehen, werden unwirsch – und mit Recht. Sie haben ein Recht, daß mit ihren Spenden- und Steuergeldern sorgsam umgegangen wird.

- Es ist einfach ein Akt der Höflichkeit und der guten Kinderstube: Wenn man etwas Geborgtes vorführen und kontrollieren lassen soll, dann reinigt man es außen und innen bis in die letzte Ecke und Lade, wenn das nicht ohnehin immer selbstverständlich ist.

Man nimmt die Beladepläne her (die man seinerzeit bekommen hat und auf denen man die Übernahme der Geräte und Werkzeuge mit Unterschrift bestätigt hat) und sieht nach, ob das gesamte Eigentum des Verleihenden ohnehin vorhanden ist.

- Man sieht auf dem Einberufungsbefehl nach, was alles mitzunehmen ist. U.a. „vergaßen“ zahlreiche Fahrer einfach die Beladepläne, obwohl deren Mitnahme im Einberufungsschreiben ausdrücklich gefordert war; „Übergabepapiere – haben wir nicht!“ „Hat mir der Fahrmeister nicht mitgegeben!“ „Haben wir in der Eile nicht gefunden!“ „Ah so, die hätte ich auch mitbringen sollen?“

- Auf Leihgaben muß man besonders sorgsam Acht geben. Das bringen wir daheim schon unseren Kindern bei. So überlastet mit Einsätzen und Übungen können wir gar nicht sein, daß wir unsere Fahrzeuge nicht mehr pflegen und grundlegende Gebote der Höflichkeit außer acht lassen.

Nochmals: Viele Feuerwehren haben sich an diese selbstverständlichen Regeln gehalten und ihre Fahrzeuge vorgeführt, wie es sich gehört. Den anderen darf ein deutliches Wort gesagt werden. Hier werden Haltungen sichtbar, die nicht weiter einreißen dürfen. Wie geht in manchen Feuerwehren die jährliche Inspizierung durch die Abschnittsfeuerwehrkommandanten vor sich? Daß so etwas nie bemerkt wird?

Schneider

menschlich ... 22

 

Das Unbehagen der Verwalter / Das Unbehagen mit den Verwaltern

Wir brauchen die Leiter des Verwaltungsdienstes und ihre Stellvertreter bzw. Gehilfen. Ohne Verwaltung kein auch nur halbwegs funktionierender Feuerwehrdienst. In nicht wenigen Fällen ist das Verhältnis Kommandant – Verwalter – Mannschaft problemlos. In nicht wenigen Fällen ist es problemgeladen, mit Unmut, mit offenen oder heimlichen Spannungen beladen, die sich bisweilen in bösen Worten, in Verbitterung und Machtkämpfen entladen.

Ein Problem des Zusammenlebens. Weil Menschen verschiedener Art zusammenleben müssen.

Möglichkeiten, warum im Verhältnis Mißtöne entstehen, können die Mannschaften, der Kommandant und der Verwalter selbst bieten. Das Schwergewicht verschiebt sich von Fall zu Fall.

- Die meisten unserer Männer kommen aus handwerklichen jedenfalls manuellen Berufen, sie fangen sich mit der Schreibtischarbeit, mit der „Tüftlerei“, dem „Schreibkram“, der „Federfuchserei“ nichts an, sie können das nicht und sehen sich überfordert. Der Verwalter ist ihnen auf diesem Gebiet überlegen. Wenn er das auch nur ein bißchen zeigt, werden die Männer und Burschen borstig und bockig, schon um das eigene Selbstbewußtsein zu wahren, denn wenn man die Leistung des anderen auf einem Gebiet, in dem man selbst schwach ist, ein wenig verkleinert, steht man selbst tüchtiger da.

- Vor allem jüngere Leute wollen in den Einsatz. Dazu kommen sie in die Feuerwehr. Das ist spannend, prickelnd, praktisch, dabei macht man sich schmutzig, beweist sich und anderen, daß man tüchtig ist, etwas leistet und mit seinen schwieligen Händen und verschwitzt das Recht auf das Beisammensitzen nach dem Einsatz erworben hat. Mann ist, wer körperlich etwas leistet, seine Kraft und seinen praktischen Sinn einsetzt. Dieses Männerbild wird in der Feuerwehr durchaus gefördert, die Feuerwehr braucht ja Eigenschaften dieser Art und will sie für ihre Ziele einsetzen. Dabei wird freilich manchmal vergessen, daß andere Eigenschaften für einen „anständigen Einsatz“ ebenso wichtig sind: Organisieren, die Übersicht bewahren, die Auswirkungen der eigenen Anordnungen abschätzen, und dazu noch: Alles, was man dann beim Einsatz braucht, muß da sein, vorher aber angeschafft, verrechnet, gewartet, gelagert – eine Hundsarbeit. Auch der Maurer mauert wunderschön, bedenkt aber nicht, daß der Ziegel und das „Mäuter“ „organisiert“, angeschafft, hertransportiert werden müssen usw.

- Der Schreibtisch bietet Erfolgserlebnisse wie jene des Mannes am Strahlrohr und im technischen Fahrzeug nicht oder nur selten – zumindest in den Augen der Jungen und der Angehörigen manueller Berufe. Folge: Kaum einer der Jungen will in die Verwaltung.

- Wer will aber – schon aus Gründen der Selbstachtung und des Angesehenseins – auf Posten sein, die nicht beliebt sind, die mit wenig Respekt „besetzt“ sind? Die Folge: Der Verwalter fühlt sich wenig bedankt, wenig geschätzt, vielleicht leise belächelt, als notwendiges Übel akzeptiert. Man wird aber leicht gereizt, wenn er allzu viel mitreden will. Er soll bei seinem Schreibkram bleiben. Für die Praxis, für den Einsatz, für das „Männergeschäft“ des Einsatzes, der Maschinen, Fahrzeuge, Strahlrohre, für das Heben schwerer Lasten ist er ja doch nicht zu brauchen.

- Dagegen wehrt sich der Verwalter. Er beweist dann vielleicht mehr als notwendig (und in Reaktion auf oft mehr gefühlte als ausgesprochene Wertungen des Handwerklichen), daß sie ihn ja doch brauchen, wird vielleicht ebenso taktlos, genau wie jene, die ihn sozusagen nicht zu den wirklichen Männern zählen, die man brauchen kann, die etwas leisten, die zählen, und ihn das spüren lassen – gedankenlos zumeist.

- Er ist natürlich auch kritisch und sieht auf Ordnung, er erkennt besser als mancher Mann am Strahlrohr und im technischen Fahrzeug Zusammenhänge und macht mit diesem Wissen manchen einfachen Mann unsicher. Er hat ein oft sehr bestimmtes, meist auch fundiertes Urteil über Mängel in der Feuerwehr und sagt es auch – liebenswürdig bis recht kritisch. Damit kann er aber auch in Konflikte mit dem Kommandanten geraten. Nicht selten ist der Verwalter ein Feuerwehrmann, der die Tätigkeit des Chefs in ihrem Wert oder Unwert sehr genau sieht. Der Kommandant weiß, daß er in Verwaltungsdingen eher nicht so beschlagen ist: er überläßt sie gern dem Verwalter, läßt sich aber in seiner Führung nicht immer gern kritisieren. Dadurch wird leicht eine energische „Abgrenzung“ zwischen den Aufgaben provoziert – nur zum Schaden des Feuerwehrwesens: „Du machst deinen Schreibkram, für die Führung bin ich verantwortlich.“ Komplexe auf der einen Seite, Nicht-durchdringen-Können mit – oft – richtigen Ansichten auf der anderen Seite. Nicht immer nur, weil er im Praktisch-Handwerklichen etwas „patschert“ ist, sondern weil man ihn nicht so genau in den täglichen Ablauf und in das Einsatz- und Übungsgeschehen hineinschauen lassen will, hält man ihn vom Einsatz eher fern und läßt ihm nur den Schreibtisch. Aus dieser Grundeinstellung heraus vernachlässigt man schon in seiner Jugend seine praktische Ausbildung zum Feuerwehrmann, man ist froh, daß man jemanden mit etwas höherer Schulbildung bekommen hat, hält ihn von der praktischen Ausbildung und vom Einsatz fern und gibt ihm gar nicht die Chance zu beweisen, daß er für den Angriffstrupp genauso gut zu brauchen ist wie für den Schreibtisch, und man entdeckt dann auch nicht, daß er dem Einsatzleiter gerade mit seinen besonderen Begabungen in der dramatischen Situation des Einsatzes ungemein viel abnehmen kann: Einsatztagebuch, Einweisung von Kräften, Alarmierung von Ersatzkräften, Organisierung des Nachschubs – Verpflegung, Betriebsmittel usw.

- Aber ein guter Verwalter sollte wirklich etwas von Technik verstehen, manch einer interessiert sich grundsätzlich nicht für die Technik und ist beim Schreibkram selig. Dabei ist es durchaus wichtig, daß er sehr wohl einen Überblick über die Feuerwehrtechnik und über die Fahrzeuge hat. Zu Unrecht wehren sich manche Kommandanten dagegen, daß laut § 13 Abs.2 der Dienstordnung der Zeugmeister dem Leiter des Verwaltungsdienstes unterstellt ist – ganz natürlich, weil der Verwalter ja Termine kontrollieren, Bestandteile nachschaffen lassen, Rechnungen zahlen soll, also für alles zuständig ist, was mit Nachschub zusammenhängt.

- Kaum jemand sieht, daß der Leiter des Verwaltungsdienstes seinen Dienst – u.a. meist Hunderte Buchungen im Jahr! – und viele Rennereien nicht zur Zeit der Übungen macht, sondern daß er an einem Abend oder Samstagnachmittag in der Feuerwehrkanzlei oder daheim sitzt, wo sich mit Sicherheit kein Aktiver im Feuerwehrhaus blicken läßt.

Wir klagen immer wieder, daß zuwenig „Studierte“ und Büromenschen zur Feuerwehr stoßen. Vielleicht liegt es auch ein wenig daran, daß die Verwaltungstätigkeiten mit zu wenig „Image“ versehen sind. Eine gewisse Angst, die Verwalter könnten „zu groß“ werden, steckt auch in der Tatsache, daß in den Feuerwehren die Verwaltungsdienstgrade entsprechend jenen der Kommandantenstellvertreter gestaltet sind, bei den Leitern der Verwaltungsdienste von Bezirks- und Abschnittsfeuerwehrkommandanten und bei großen Feuerwehren waren sie aber weit darunter. Daß die Dienstgrade des höheren Verwaltungsdienstes nun etwas angehoben wurden, zeigt, daß der Verwaltungsdienst in seinem Wert besser erkannt und auch von den Dienstgraden her anerkannt wird.

Mannschaft – Kommandant – Leiter des Verwaltungsdienstes – ein „menschliches“ Problem, das in jeder Feuerwehr anders aussieht, das aber kluge Kommandanten und kluge Leiter des Verwaltungsdienstes lösen können.

Schneider

menschlich ... 23

 

Feuerwehrkommandanten

Die 30. Florianimesse in der Wiener Rauchfangkehrerkirche am 4. Mai 1983 stand unter dem Motto „Feuerwehrkommandant – Vorgesetzter, Vorbild, Kamerad“. Landesfeuerwehrkurat Engelbert Salzmann und einige anwesende Feuerwehrkommandanten brachten eine Fülle von Gedanken zu diesem Thema, die nicht verloren gehen sollen. Einzelne dieser Gedanken hat der „menschlich...“-Verfasser noch weitergesponnen und legt sie Kommandanten, aber auch deren Untergebenen in Form unsystematischer Gedankensplitter vor.

*

Ein Feuerwehrmann kann an seinem Kommandanten durch vieles schuldig werden:

- durch zuwenig Unterstützung

- ihn hängen lassen

- nicht von selbst ihm Hilfe anbieten

- sich zu Arbeiten bitten lassen

- eine Arbeit übernehmen und den Termin nicht einhalten

- ihn hinter seinem Rücken kritisieren und schlecht machen

- ihm Kritik und Bedenken nicht ehrlich ins Gesicht sagen, höflich, unter Lieferung der entsprechenden sachlichen Argumente und von durchdachten Vorschlägen, wie man es zielführender machen könnte

- ihm die Kritik sofort massiv vor versammelter Mannschaft zu sagen und nicht vorher im sachlichen Gespräch unter vier Augen. Der einfache Feuerwehrmann hat ein Recht darauf, nicht bloßgestellt zu werden, der Kommandant hat das gleiche Recht

- ihm Bedenken nicht sagen und ihn „hineinrennen“ lassen

- „Soll er zeigen, was er kann. Er wird sich schon den Schädel einrennen“

- geheim, hinter seinem Rücken, gegen ihn agieren.

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Ein Feuerwehrkommandant sollte (müßte)

- die Zaghaften, aber Soliden zu den richtigen, für sie geeigneten Arbeitsgebieten bringen

- den Mann, der sich verbohrt oder in innere Gefahr gerät, still auf die Seite nehmen und ihm zureden

- Konflikte zwischen einzelnen Feuerwehrmännern oder Gruppen nicht schwelen lassen, sondern bereinigen

- loben können

- sich mit der Leistung einzelner Kameraden herzlich mitfreuen können

- diese Leistungen (Arbeiten, Ideen, Gedankenblitze) auch vor den anderen loben und nicht für sich in Anspruch nehmen

- wirklich pünktlich sein und nicht durch eigene Unpünktlichkeit freiwillige Stunden seiner Kameraden verplempern

- sich Zeit nehmen, sich die Berichte seiner Warte bzw. Sachbearbeiter aufmerksam anzuhören und auf deren Sorgen und Probleme einzugehen. „Laß mich in Ruhe mit dem Zeug“ und „Du machst das ohnehin gut“ ist für die meisten Mitarbeiter zuwenig Interesse, Lob und Ansporn

- es sich gut überlegen, den ohnehin schon überlasteten Gutwilligen noch mehr Arbeit aufzubürden, weil diese ja ohnehin nicht nein sagen können. Wenig Ausgelastete zum Arbeiten zu bringen ist schwieriger

- das Selbstbewußtsein der Ehegattinnen seiner Kameraden aufmöbeln, indem er ihre Gatten lobt

- nicht als richtig und wichtig erkannte Maßnahmen unterlassen, nur um wiedergewählt zu werden

- nicht glauben, alles allein machen zu können. „Nur wenn ich es mache, geschieht es so wie ich es will und die anderen sind zu nichts fähig“

- es ertragen, daß ein Sachbearbeiter eine Sache anders anpackt als er, wenn sie nur gut geschieht

- von allem wissen, sich informieren lassen, alles kontrollieren, Übersicht haben, aber nicht gleich wütend sein, wenn in der Feuerwehr einmal ohne sein Wissen eine Maus piepst

- eine Eselsgeduld haben, aber auch einmal einen Mordszorn bekommen können. Vieles oder gar alles schlucken, ist nicht immer Diplomatie, Geduld und Ausgleichen, sondern manchmal auch Schwäche und Scheu oder Unfähigkeit, bestimmte Situationen zu bereinigen

- nicht allzu sehr verwundert sein und nicht Welten einstürzen sehen, wenn Männer, die sich zuerst um alles mögliche annehmen, auf einmal unverläßlich werden und sich unter allen möglichen Vorwänden langsam „empfehlen“. Wenn er damit nicht rechnet, ist er naiv.

*

Ein Feuerwehrkommandant kann sein Amt nur dann ausfüllen,

- wenn seine Frau und seine Kinder mitspielen und selbst ein wenig vom Feuerwehrideal durchdrungen sind

- wenn er sich nicht dauernd und auf Dauer körperlich und seelisch überfordert

- wenn er notwendiges Ausspannen, ärztliche Untersuchungen, und die Lösung von häuslichen Problemen nicht wegen der Feuerwehr ständig hinaus- und vor sich herschiebt

- wenn er sich über die, die ihm helfen, mehr freut als er sich über jene ärgert, die ihn im Stich lassen und große Worte machen

- wenn er noch Zeit hat, seiner Frau Blumen zu kaufen und zu merken, daß sie ein neues Kleid anhat

- wenn er die schriftlichen Arbeiten den Leiter des Verwaltungsdienstes machen läßt, wenn er selbst sie nicht machen kann oder will; er verliert dadurch keineswegs an Autorität

- wenn er nicht ständig mit dem Bürgermeister und den Gemeindebediensteten im Clinch liegt und nicht mit dem Abschnitts- und Bezirkskommandanten Dauerfehden unterhält

- wenn er zutiefst überzeugt ist, daß seine Feuerwehr nicht eine eigene Republik ist

- wenn er nicht unsäglich schlampig ist

- wenn er es aushält, daß andere tüchtiger sind als er, und wenn es ihm gelingt, deren Mitarbeit zu gewinnen

- wenn er seine Leute nicht gegenseitig ausspielt

- wenn er weiß, daß die Autorität nicht in erster Linie durch die Tatsache der Wahl, sondern durch Können, Tüchtigkeit, Fähigkeit und menschliche Fairneß begründet wird

- wenn er überzeugt ist, daß er in Massivkonfrontation mit dem Bürgermeister fast immer der zweite sein wird

- wenn er weiß, daß junge Feuerwehrmänner eine Vaterfigur brauchen und daß er für sie eine solche sein muß

- wenn er der Gefahr der Überheblichkeit, die mit jedem Amt verbunden ist, entgehen kann

- wenn er weiß, daß Kommandantsein eine harte Sache ist, wenn er sich in die Sache hineinkniet und sich nicht jeden Tag als Märtyrer und ganz besonders großes Opferlamm vorkommt.

Schneider

menschlich ... 24

 

Was man alles erlebt

Die Bediensteten des Landesfeuerwehrkommandos, fast alle selbst Mitglieder von Freiwilligen Feuerwehren, manche sogar Kommandanten, saßen nach einem halben Jahr Ära Erwin Nowak mit dem neuen Landesfeuerwehrkommandanten beisammen. Natürlich ging es auch bei Brötchen und Soletti wieder um Feuerwehr.

Der „brand aus“-Redakteur kann es sich nicht verkneifen, einige der erzählten Episoden niederzuschreiben, zum Schmunzeln und zum Nachdenken, genau richtig für die Urlaubszeit. „menschlich“ – das hat bei der Feuerwehr viele Seiten.

*

„Mein Gebiß ist mir in die Klomuschel gefallen“, ruft eine alte Frau um 23.30 Uhr einen Bezirksfeuerwehrkommandanten an, „können Sie mir helfen?“ Der Bezirksfeuerwehrkommandant beschließt, seinem (wirklich örtlich zuständigen) Abschnittsfeuerwehrkommandanten etwas anzutun. „Sicher kann da die Feuerwehr helfen, aber es ist die Feuerwehr A-Dorf zuständig“, sagt der Bezirkskommandant und gibt vorsorglich auch noch die Telefonnummer des Brandrates bekannt. Am nächsten Tag hat der OBR seinem BR alles gestanden.

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Die Feuerwehr wird gerufen. „Bitte sperren Sie mir mein Haustor auf, ich habe den Schlüssel daheim vergessen.“ Die Feuerwehr zieht die Gendarmerie zu, der Feuerwehrmann werkt an dem Schloß. „Geht’s, laßt’s mich das machen, ich versteh’ was davon“, sagt ein Passant, „ich bin zwei Jahre wegen so was gesessen.“

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Wieder Öffnen einer Wohnungstür durch die Feuerwehr für den Wohnungsbesitzer. Der Feuerwehrmann kapiert vorher, daß der Hausfreund bei der Frau ist. Er bittet den Wohnungsbesitzer, ihm aus dem Einsatzfahrzeug noch ein Gerät zu holen, das er braucht. Während der Mann hinuntergeht, kann die Wohnung „geräumt“ werden. Die Spenden aus diesem Haushalt nimmt die Feuerwehr an. Diskretion Ehrensache.

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Großbrand. Alle TLF mit Wasserwerfern sollen gegen 22.30 Uhr dringend alarmiert werden. Telefonisch. Eine halbe Stunde braucht es, bis sieben Feuerwehren alarmiert sind. Bei der für die achte Feuerwehr angegebenen Telefonnummer meldet sich eine alte Frau. Der alarmierende Feuerwehrmann sagt sein Sprücherl. „Von der Feuerwehr san S’? Halt Deine eigene Großmutter für an’ Narren!“ Und legt auf.

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Größerer Einsatz. Eine Feuerwehr soll Teile einer Relaisleitung legen. Sie kuppelt – tadellos, wie bei der Bewerbsübung. Gelernt ist gelernt. Dann soll sie die Anschlußstelle ankuppeln. Geht nicht, denn sie hat brav, wie bei der Bewerbsübung, auch den Saugknopf angekuppelt...

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Hilfeleistung bei einer anderen Feuerwehr. Der Fahrzeugkommandant meldet sich bei der Einsatzleitung, die Mannschaft stellt einstweilen die TS heraus, damit es dann schneller geht, setzt sich wieder ins Fahrzeug und gibt das Bild einer musterhaften Ordnung. „Wir werden auf der anderen Seite eingesetzt“, bringt der Fahrzeugkommandant die Meldung. Sofort wird losgebraust, und dann wundern sich die Männer, daß sie ohne TS ankommen.

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Fronleichnamsprozession. Die Feuerwehrmänner ziehen wacker und mehr oder weniger frommen Sinnes mit. Da schreit vom ersten Stock eine Frau. „Helft’s mir, bei mir brennt’s.“ Wirklich. Eine im Fenster stehende Kerze hat sich durch die Wärme umgebogen, ist ins Zimmer zurückgefallen und hat den Teppich entzündet. Es war höchste Zeit.

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Das ist kein Feuerwehr„latein“. Ein Feuerwehrmann läßt das Strahlrohr fallen. Dieses macht eine jähe Bewegung und fährt dem Kommandanten zufällig in das Hosenbein. Beim Bauch spritz ihm das Wasser heraus.

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Ernster Einsatz. Eine kleine Feuerwehr kommt zu Hilfe. „Wer zuerst Wasser im dritten Stock hat, bekommt von der langsameren Feuerwehr eine Kiste Bier.“ Wie geschmiert wird die Löschleitung von einer Feuerwehr durch das Stiegenhaus gelegt. Ein Mann der anderen Feuerwehr geht mit einer Rettungsleine in den dritten Stock und zieht mit aller Gemütsruhe die Löschleitung an der Außenwand des Hauses hoch. Man hat gelacht und das Bier mit der spendenden Feuerwehr gemeinsam getrunken.

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Der Feuerwehrkommandant sitzt im Gasthaus (das darf er). Da fährt die Feuerwehr aus der Stadt vorbei. Wieso alarmieren die uns nicht? „Bei der Telefonnummer, die Ihr im Alarmierungsplan angegeben habt, hat sich niemand gemeldet.“ Das war die Telefonnummer des Gastwirtes, bei dem der Kommandant eben saß. „Ja, geläutet hat das Telefon schon vor zehn Minuten, aber ich habe nicht abgehoben, weil ich gedacht habe: Das wird wieder eine Gattin sein, die mich auffordert, ihren Mann nach Hause zu schicken. Und da habe ich nicht abgehoben“.

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Telefonische Brandmeldestelle – Gemeindekanzlei. Brandmeldung. Die Kanzleikraft springt auf, fährt mit dem Fahrrad zu den einzelnen Feuerwehrmännern, die sie kennt, und ruft sie zum Dienst. Vor dem Gemeindehaus ist ein Brandmelder. „A so, hätte ich das Fensterl einschlagen dürfen?“

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Noch so etwas. Frau schlägt Scheibe ein, drückt auf Knopf – und geht Feuer schauen. Die Feuerwehr weiß nicht, wohin sie fahren soll.

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Katastrophenseminar für feuerwehrfremde Personen. Sie müssen auch mit Sprechfunk arbeiten. Einer spricht in den Lautsprecher und hält das Mikrophon eifrig ans Ohr.

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Eine Feuerwehr bekommt ihre ersten Funkgeräte. „Pumpe x-Dorf von Kommandant x-Dorf kommen!“ Ein Mann, der gerade in der Fahrzeughalle ist, ist hilflos. Noch einmal der gleiche Funkspruch. Da ist der Gute verzweifelt. „Immer sagt der ‚kommen’, aber er sagt nicht, wohin.“

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In Niederösterreich gibt es laut Fahrzeug- und Materialstatistik der Feuerwehren viel mehr Handfunkgeräte, als tatsächlich ausgegeben wurden. Bisweilen werden auch Fahrzeugfunkgeräte als Handfunkgeräte angegeben. Warum? Weil man ja zum Funken etwas in die Hand nehmen muß.

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Fotoapparat und Feuerwehr. Der „brand aus“-Redakteur fotografiert Feuerwehrhäuser, wenn er wandernder Weise durch Niederösterreich zieht. Er stellt den Kollegen interessante Häuser in Aussicht. Liefert aber die Bilder nicht. Er hatte keinen Film eingelegt. Ähnliches passierte, als ein fotografierender Feuerwehrmann den glänzenden Feuerwehrball einer sehr bekannten Feuerwehr im Foto festhalten sollte.

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Verwaltungslehrgang in Tulln. Der Vortragende bespricht die Adjustierungsvorschriften. Während er über korrekte Kleidung spricht, wird so mancher Knopf zugemacht, Binder werden fester gezogen.

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Brand im eigenen Ort. Die Nachbarfeuerwehr fährt durch, die eigene Feuerwehr ist ahnungslos. Bei der Sirenenauslösung über Funk in der Bezirkszentrale war der Nachbarknopf gedrückt worden.

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Verrauchte Wohnung. Ein Feuerwehrmann hängt vorsorglich die Glastür aus und stellt sie auf die Seite. Dann sieht man gar nichts mehr. Der nachfolgende AS-Geräteträger ertastet die Glastür, schlägt sie ein und ertastet gleich dahinter eine Mauer. „Hörst, die haben die Tür zugemauert.“

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Irgendwo wird mit einem Schneidgerät gearbeitet. Ein eifriger Feuerwehrmann glaubt, das sei die Sirene der Nachbarfeuerwehr, und drückt auf den Auslöseknopf der eigenen Sirene. Einige Nachbarfeuerwehren hören die Sirene und drücken auf den Auslöseknopf. Schließlich sind acht Feuerwehren alarmiert. Es hebt das große Funken an, um zu erfahren, wo es brennt.

Schneider

menschlich ... 25 (1)

 

Das lange Sündenregister eines Feuerwehrkommandanten

Ein Gefährliche Stoffe-Einsatz war etwas schiefgegangen. Manches war passiert, nicht weil ein Feuerwehrkommandant kein perfekter Chemiker sein kann, sondern weil die Feuerwehr nicht bedacht hatte, daß auch in ihrem Bereich ein Gefährliche Stoffe-Einsatz ausbrechen könnte. Reumütig klopften sich der Feuerwehrkommandant und seine Kameraden auf die Brust. Ihr „Sündenregister“ sah ungefähr so aus:

  1. Wir haben nicht zwei Kameraden zum Gefährliche Stoffe-Lehrgang nach Tulln geschickt, damit irgend jemand in unserer Feuerwehr etwas von diesen Dingen versteht. Das Gelbe Heft Nr.7 (Gefährliche Stoffe) gibt es in unserer Feuerwehr nicht.
  2. Unsere Feuerwehr hat nie in den örtlichen Betrieben erhoben, welche gefährliche Stoffe in welchen Mengen in welchen Gebäuden gelagert sind.
  3. Wir haben uns nicht darum gekümmert, wo die Techniker und Chemiker und die Arbeiter, die mit den Stoffen arbeiten, sonntags und nachts erreichbar sind.
  4. Wir haben keine Ahnung, wo man bei uns Staubkalk und größere Mengen Bindemittel auftreiben kann.
  5. Wir haben nicht einmal die Telefonnummern der wichtigsten Fachleute und Behörden auf einer Liste beisammen und haben angefangen, sie aus dem Telefonbuch zusammenzusuchen.
  6. Erst nach viel Herumtelefonieren wußten wir, wo Pulveranhänger, ULF, TLF, AS-Geräte, Schutzanzüge, Explosimeter abrufbar waren.
  7. Daß die Telefonnummer der Vergiftungszentrale 0222/434343 lautet, hat bei uns kein Mensch gewußt.
  8. E-Werk, Wasserwerk, Gaswerk – deren Erreichbarkeit sonntags und nachts war uns ein spanisches Dorf.

menschlich ... 25 (2)

 

Die da oben / Die da draußen

In jeder Organisation gibt es Gruppen, die die Arbeit vor Ort verrichten, und Führungsstellen, die die Arbeit der einzelnen Gruppen leiten und koordinieren. Dabei kommt es notwendigerweise zu Spannungen und Reibereien: „Was glauben denn die da oben?“ „Was haben denn die da draußen wieder zusammengemurkst!“ Das trifft die Feuerwehr ebenso wie alle Vereine, Kirchen und sonstigen Organisationen.

Über dieses menschliche Problem soll im folgenden menschlich, also ehrlich, offen und doch behutsam gesprochen werden. Niemand ist persönlich gemeint, mancher mag nachdenklich werden ...

  • Ohne die emsige, nach bestem Wissen und Gewissen durchgeführte Arbeit in den einzelnen Feuerwehren könnte auch der Landesfeuerwehrverband nicht existieren. Was hier in der Freizeit, weithin unbedankt, geleistet wird, verdient Staunen und Anerkennung.
  • Natürlich unterlaufen auch Fehler, weil sich die Männer nur nebenberuflich mit der Feuerwehr beschäftigen und man von ihnen vor allem auf dem Führungs- und Verwaltungssektor Dinge verlangt, die über ihre Berufsausbildung weit hinausgehen.
  • Manchmal werden aber auch aus Schlamperei, aus Vergeßlichkeit, aus Unordnung und Nichtachtgeben Termine versäumt, wichtige Daten nicht weitergegeben, Vordrucke nur halb ausgefüllt.
  • Das gibt Verdruß. Der Bedienstete im Landesfeuerwehrkommando oder der Leiter des Verwaltungsdienstes beim Abschnitts- oder Bezirksfeuerwehrkommando muß nachfragen, suchen, verliert Zeit, die er für wichtigere Arbeiten brauchen würde. „Was haben denn die wieder zusammengemurkst!“
  • Es kommt eine Rückfrage vom Landesfeuerwehrkommando. „Das haben wir doch eingeschickt. Da sieht man, wie die da oben fuhrwerken.“ Vielleicht hat die Zentralstelle etwas vergessen, vielleicht aber auch die Feuerwehr draußen! Daß dies der Fall sein könnte, fällt manchem gar nicht ein.
  • „Ich beschwere mich beim Landesfeuerwehrkommandanten“, kommt es erbost aus dem Telefonhörer. „Bitte, ich verbinde Sie sofort, bleiben Sie am Apparat!“ „Nein, nein, so habe ich das nicht gemeint.“ Der Bedienstete, der gute Arbeit verrichten will, kommt sich gedemütigt und mißbraucht vor.
  • Hunderte Begebenheiten des Schimpfens nach oben bzw. unten könnte man anführen. Etwa diese: Sagt ein Gruppenkommandant: „Unser Kommandant tut gar nichts für die Ausbildung.“ Und veranstaltet selbst mit seiner Gruppe keine eigenen Übungen. Oder: Nach allen Internationalen Feuerwehrwettkämpfen wird von einigen Verbänden die Erstellung neuer Wettkampfbestimmungen gefordert. Der Akt erledigt sich meist dadurch, daß der betreffende Verband aufgefordert wird, ein Konzept vorzulegen. Dieses trifft nie ein. Oder: Eine Feuerwehr hat binnen vier Tagen nicht Antwort auf eine Anfrage bezüglich einer Versicherungsangelegenheit, bei der es um viel Geld geht. Daß hier rückgefragt werden muß, daß der Sachbearbeiter auch 30 andere Anträge auf dem Schreibtisch liegen hat, daß er vielleicht auf Dienstreise oder gar auf Urlaub sein könnte... „Die werden ja von uns bezahlt.“ Oder: Eine Feuerwehr hat ein neues Fahrzeug oder Gerät entwickelt und garantiert den Stein der Weisen gefunden. Nach drei Wochen noch keine Rückäußerung des Landesfeuerwehrkommandos. „Schlafen die da drinnen?“ Daß die Erfindung in mehreren Ausschüssen geprüft wird, daß bundeseinheitliche Richtlinien eingesehen werden müssen, daß dieser und dieser Ausschuß erst wieder in drei Monaten tagt... Aber: „Die schlafen da drinnen.“
  • Oder: Anfragen bezüglich Feuerfunk werden derzeit nicht immer schnellstens erledigt. „Was ist das für ein Verein da drinnen?“ Daß der Sachbearbeiter bei der Funkumstellung selbst mit auf Montage ist und dadurch einen ganzen Mann erspart, weiß die Feuerwehr draußen nicht, aber sie schimpft.
  • Jeder Feuerwehr ist ihr Problem wichtig, natürlich. Aber es gibt 1800 Feuerwehren, und vielleicht ist das Problem einer anderen Feuerwehr momentan wirklich noch wichtiger.
  • Sachverständige für vorbeugenden Brandschutz verlangen bei Bauverhandlungen bestimmte Maßnahmen gemäß bundeseinheitlichen Richtlinien. „Das brauchen wir hier nicht“, brummt der örtlich zuständige Feuerwehrkommandant und blamiert damit seinen eigenen Verband (meist ohne selbst recht zu haben). „Was verstehen denn die am grünen Tisch?“
  • „Wir sind wir, und wir lassen uns vom Landesfeuerwehrverband nichts dreinreden, und wir werden uns schon durchsetzen.“ Wenn dann aber etwas schief geht, ist der Landesfeuerwehrverband gut genug, die Sache auszubügeln.
  • „Dieser Schreib- und Papierkram!“ Der Mann draußen weiß nicht, daß etwa das Amt der Landesregierung als Ausbezahler von Förderungsbeträgen genaue Statistiken und Verwendungsnachweise verlangt.
  • Ein Funktionär schimpft, weil er Ablichtungen von Erledigungen für Feuerwehren seines Bereiches, die ihm doch egal sind, bekommt; der andere schimpft, weil das Landesfeuerwehrkommando mit „seinen“ Feuerwehren Erledigungen trifft, von denen er als Bezirksgewaltiger nichts erfährt.
  • „Ein Wahnsinn! Streichen wir dieses Formular! Es ist eine Ausgeburt von Beamtenideen.“ „Das hat diese und diese Auswirkung.“ „Ah so, das habe ich nicht gewußt.“ Aber geschimpft hat er.
  • Mit nebulosen Vorschlägen ist niemandem geholfen. Vereinfachungswillige mögen sagen: „Dieses Formular könnte um die Hälfte gekürzt werden, und es müßte so aussehen.“ Dann redet man darüber.
  • Auch die jeweils anderen, „die da oben“ bzw. „die da draußen“, sind Menschen mit gutem Willen, gute und präzise Arbeit zu leisten. Das ist von einfachen Feuerwehren und Feuerwehrmännern vorauszusetzen, ebenso sehr aber auch von Funktionären und von Bediensteten, die hauptberuflich Feuerwehrarbeit leisten. Beide sind zu respektieren.
  • Auch Funktionäre und Hauptberufliche haben eine persönliche Ehre und einen Intimbereich, den der Freiwillige nicht antasten darf. Ihnen liegt an der Feuerwehr mindestens ebensoviel wie den Freiwilligen draußen. Auch sie verstehen etwas vom Feuerwehrwesen und sind nicht nur Verwaltungsmenschen, sondern in ihrer Freizeit meist Mitarbeiter oder Kommandanten von Feuerwehren und keine bloßen Theoretiker. Die Mitglieder des Landesfeuerwehrrates oder eines Arbeitsausschusses wissen schon auch, was eine kleine Feuerwehr braucht. Das böse Wort: „Die Firma XY hat den Auftrag für diese Geräte bekommen. Da hat wieder der Funktionär X oder der Bedienstete Y daran verdient“ ist eine empörende Ehrabschneidung und Verdächtigung. „Bei euch arbeitet ja nur der Kopierapparat“ ist wohl kaum Anerkennung und Aufmunterung für Männer und Frauen, die gute, kompetente und konstruktive Arbeit leisten wollen und denen die Feuerwehr genauso am Herzen liegt wie dem Mann draußen.
  • Freiwillige, die ihre Freizeit für die Feuerwehr opfern, haben leicht und schnell den Verdacht, daß allzu viel Geld für die Bezahlung hauptberuflicher Kräfte ausgegeben wird. Wirtschaftstreibende (Kaufleute, Unternehmer) meinen sehr leicht, daß das Geld, das sie durch harte unternehmerische Leistung erworben und geschaffen haben, durch Beamte vertan wird. Nur selten billigen sie diesen Initiative, Dynamik, Ideen und Fähigkeiten zur Führung zu.
  • Der Leiter eines Sekretariats, der ständig mit der Sachproblematik beschäftigt ist, weiß in manchen Fragen natürlich besser Bescheid als der Funktionär. Das schafft bei diesem leicht Mißtrauen und Unbehagen. Das gleiche Problem haben auch die Raiffeisenorganisationen, der Konsum und andere, die einerseits Fachleute brauchen, aber in der Angst leben, die Vorgänge nicht mehr durchschauen zu können und Hauptberuflichen ausgeliefert zu sein. Aber auch auf der niederen Ebene gibt es dieses Problem. Mancher Feuerwehrkommandant fürchtet eher, daß einer seiner Leute langsam zu einem Experten wird und vielleicht „gescheiter“ werden könnte als er selbst; mancher Bürgermeister fürchtet nichts so sehr, als daß sein Gemeindesekretär mit seinem großen Sachwissen im Gemeinderat säße.
  • Große Organisationen haben ihre Führungsnotwendigkeiten, die man auf Ortsebene nicht immer klar sieht. Die Führung muß prüfen, ob eine Entscheidung nicht Folgewirkungen hat. „Da hättet ihr aber nicht so stur sein müssen.“ Was man der einen Feuerwehr zugesteht, darauf hat auch die andere ein Recht: „Bei denen ist es gegangen, bei uns nicht.“
    Ein Verband, der von Ausnahmen und Augenzudrücken lebt, geht bald zugrunde. Ein Budget muß einfach eingehalten werden, auch wenn die Anliegen der Feuerwehren und der Sonderdienste noch so berechtigt sind. Jedem ist sein Problem am wichtigsten, der Landesfeuerwehrverband muß die Probleme aller im Auge haben und einen Mittelweg suchen. Wer immer ein Auge zudrückt, führt nicht und richtet seine Feuerwehr zugrunde. Das gilt auch für die Bezirks- und Landesebene.
  • „Die da oben“ sollen sich nicht gescheiter dünken als „die da draußen“, aber „die da draußen“ sollen die höheren Funktionäre und die Führungsstellen nicht als ihre Kulis betrachten.
  • „Die da oben“ und „die da draußen“ – das ist für uns Feuerwehrmänner einfach ein Problem der Kameradschaft, von der wir alle so oft und so gern reden, die aber auch in der Feuerwehr eine schwere Sache ist.

Schneider

menschlich ... 26

 

Selbstbewußtsein

Ich war bei der Mitgliederversammlung einer Freiwilligen Feuerwehr eingeladen. Im Verlaufe des Abends kamen mir verschiedene Gedanken. Der Rahmen war feierlich, der Bürgermeister und der Gemeinderat waren anwesend.

In fast feierlicher Weise begrüßte der Kommandant die Ehrengäste, stellte die korrekt erfolgte Einladung fest und konstatierte die Beschlußfähigkeit. Er ließ das lange Protokoll der letzten Sitzung verlesen, bat um den Finanzbericht und um den Bericht der Kassenprüfer und ließ dem Leiter des Verwaltungsdienstes die Entlastung erteilen. Er sprach dann selbst lang, legte Rechenschaft ab, zählte die Aktivitäten der Feuerwehr auf, gab die Pläne des Kommandos für das nächste Jahr bekannt. Dann erteilte er dem Bürgermeister das Wort, der dankte und zur finanziellen Situation der Gemeinde Stellung nahm. Nach Beantwortung einiger Fragen schloß der Kommandant die Mitgliederversammlung.

Was mich nachdenklich stimmte? Der Kommandant ließ sich Zeit. Er ließ nichts von den Elementen einer geregelten Sitzung aus, er nahm das Zeremoniell ernst, er gab dieser Versammlung den Charakter einer wichtigen Handlung. Das Verlesen des letzten Protokolls zeigte den Willen der Feuerwehr, zu ihren Entscheidungen zu stehen und das, was man vor einem Jahr getan hat, auch heute noch ernst zu nehmen.

Feuerwehr ist eine Organisation, die nicht vom Bürgermeister abhängt, nicht von einer politischen Partei und nicht von der Regierung. Aus freien Stücken tun sich Menschen zum Schutz des Ortes zusammen. Sie selbst beraten und beschließen, sie sind nicht Vollzugsorgane, sondern selbst Beschließende. Sie können von niemandem gezwungen werden.

Diese Unabhängigkeit sollten wir alle als hohes Gut empfinden und schätzen. Sicher, auch unsere Freiwilligkeit auferlegt uns ein großes Maß an Pflichten, an „Muß“. Aber es ist ein Unterschied, ob man aus freien Stücken frei gewählte Pflicht auf sich nimmt, oder ob jemand sagen kann: „Sie haben...“ Unsere „Vereins“-Strukturen sind nicht etwas, das man mitleidig belächeln kann, das ja nicht so wichtig ist, sie sind nicht Vereinsmeierei, sondern drücken unsere Unabhängigkeit aus. Wir sollten diese Elemente selbst ernst nehmen und unsere Versammlungen mit aller Sorgfalt und mit allem Ernst vollziehen. Wir sollten uns von jedermann energisch verbitten, über Versammlungen, Wahlen, Protokollbücher, Kameradschaftsabende und dergleichen zu lächeln.

Wir sollten auch unseren jungen Kameraden die Wichtigkeit und die Kostbarkeit demokratischer Freiheit am Beispiel unserer Versammlungen und unserer Wahlen aufzeigen. Je ernster wir Erwachsenen bei der Sache sind, je würdiger wir unsere Mitgliederversammlungen durchführen, desto eher werden unsere jungen Kameraden unsere Organisationsform ernst nehmen und sie als gut und demokratischer Menschen würdig empfinden, desto weniger werden sie anfällig sein gegen radikale Gruppen. Wir beschmutzen selbst unser Nest und unterhöhlen unsere eigenen Fundamente, wenn wir unsere Versammlungen schnell und formlos erledigen.

Vielleicht seufzt mancher manchesmal: „Wir zerreden die Dinge. Wir bräuchten einen starken Mann, einen, der anschafft.“ Daß sich jeder Funktionär und jeder Kommandant der Wahl stellen muß, zwingt ihn, das Vertrauen der Männer zu gewinnen. Es ist besser, aufgrund einer Wahl, aufgrund von durch Stimmzettel gezeigtes Vertrauen zu befehlen, als infolge amtlichen Auftrages. Das Bewußtsein, „daß wir ja nicht müssen“, sollte uns auch der Gemeinde und der Bevölkerung gegenüber zu mehr Selbstbewußtsein verhelfen. Wir müssen nicht in überschwänglichen Worten danken, wenn die Gemeinde nach fünf vergeblichen Versuchen der Feuerwehr endlich ein neues Fahrzeug bewilligt, wir dürfen den Bürgermeister und auch die Bevölkerung auf ihre Pflicht hinweisen, den Brand- und den Katastrophenschutz sicherzustellen. Verhandlungen mit der Gemeinde sollen Verhandlungen von Partnern sein, nicht daß der Bürgermeister ohne weitere Diskussion zuteilt oder nicht zuteilt, und die Feuerwehr steht demütig mit der Mütze in der Hand da und sagt für alles nur danke schön.

Aus unserem berechtigten Selbstbewußtsein heraus sollten wir sehr empfindlich reagieren, wenn unbedachte Worte fallen, etwa „Was will denn die Feuerwehr schon wieder?“, oder „Ihr könnte nie genug bekommen“, oder „Eine Drehleiter? Nicht einmal denken!“. Die Feuerwehr hat nicht bittstellig zu werden, sie hat aufmerksam zu machen, sie hat das Anliegen der Sicherheit der Bürger zu vertreten, auch öffentlich.

In manchen Dankreden von Feuerwehrkommandanten und –funktionären an Bürgermeister vermißt man Selbstbewußtsein und Stolz.

Man kann Mitgliederversammlungen geschickt und ungeschickt ablaufen lassen, man kann (und soll) überlegen, ob es nicht besser ist, einen gerafften Finanzbericht zu geben und nicht einfach das Kassabuch zu verlesen, aber man soll seine eigene Verfassung und damit sich selbst als Organisation ernst nehmen.

Viele Feuerwehrmänner würden im Feuerwehrwesen gern wählen, würden in ihren Entscheidungen gern wirklich frei sein. Wir haben jeden Tag neu zu beweisen, daß das Feuerwehrwesen auch funktioniert, wenn es nicht von staatlicher Seite gelenkt wird, wenn die wichtigen Entscheidungen nicht in einem Amtshaus, sondern in der Feuerwehr selbst fallen.

Schneider

menschlich ... 27

 

Intervenieren

Ein Fest bei der Feuerwehr. Ein Abgeordneter, gar ein Landesrat oder der Landeshauptmann selbst kommt. Fühlt sich wohl. Und dann nimmt ihn der Bürgermeister, der Feuerwehrkommandant beiseite. „Wir haben da eingereicht ... ein Fahrzeug. Eigentlich haben wir ja keinen Anspruch ..., aber ...“

Der Ehrengast verspricht, sein Bestes zu tun. Schließlich ist er Abgeordneter, ist für das Wohl seines Wahlkreises da. Seine Tüchtigkeit (und Wiederwählbarkeit) wird an seiner Tüchtigkeit im Intervenieren gemessen. Und wenn er nichts anderes erreicht, als daß die Eingabe schneller erledigt wird.

Das kommt jedes Jahr Dutzende Male vor. Einige Überlegungen dazu.

Fall 1: Man will mehr, als einem zusteht

Der Abgeordnete interveniert also. Erkundigt sich, wie die Sache steht. Der Akt wird geholt. „Laut Bestimmung...steht dieser Feuerwehr das Fahrzeug nicht zu.“ Soll der Abgeordnete den Sachbearbeiter im Landesfeuerwehrkommando dazu verleiten, ein Auge zuzudrücken, also seine Dienstobliegenheiten nicht zu erfüllen? Soll er selbst gegen die Bestimmungen arbeiten, die er als Abgeordneter beschlossen hat? Wenn jemand ein Fahrzeug bekommt, das ihm nicht zusteht, wird ein anderer übergangen, dem es sehr wohl zusteht. Will das der Feuerwehrkommandant, der den Abgeordneten angeredet hat? Ja oder nein? Die Sache wird für alle peinlich, auch für den fragenden Abgeordneten.

Fall 2: Wann kommt die Ankaufsgenehmigung?

„Wir haben den Antrag schon sooo lange eingeschickt, wann kommt endlich die Ankaufsgenehmigung?“ Der Sachbearbeiter legt den Akt vor. So lange ist das doch noch gar nicht her. Außerdem fehlen wichtige Unterlagen. Daß ein Förderungsansuchen seinen Weg nehmen muß, den der Sachbearbeiter nicht beeinflussen kann versteht der Intervenierende meist nicht. Protokollieren, nachrechnen, vergleichen mit den Angaben im Amtskalender (Einwohner, Häuseranzahl...), zu Abt. VI/9, zurück zum Sachbearbeiter, in den Landesfeuerwehrrat, noch einmal zu VI/9 usw. Jedes Ansuchen wird nach dem Einlaufdatum weiterbehandelt. Was soll der Sachbearbeiter tun? Ansuchen, die früher gekommen sind, zurückstellen, nur weil dieser Kommandant oder dieser Bürgermeister einen Abgeordneten kennt? Das wäre ungerecht. Wenn man selbst zurückstehen muß zugunsten eines anderen, der einen Abgeordneten hat, schimpft man. Mit Recht. Aber selbst interveniert man und will sich Vorteile verschaffen.

Fall 3: Es stimmt nicht alles

Da wird ein wenig gemogelt. Bestellung nicht vor Erteilung der Ankaufsgenehmigung? Fälschen wir halt ein wenig das Datum. Oder wir lassen uns Scheinrechnungen geben. Die Firma muß uns das machen, sie macht ja schließlich das Geschäft. Soll der Sachbearbeiter sich für dumm verkaufen lassen? Soll er unkorrekt sein?

Ist unser Staat, ist unser Feuerwehrwesen wirklich derart verfilzt, daß ohne Intervenieren, ohne einen guten Bekannten, einen Abgeordneten, einen Parteisekretär, nichts zu erreichen ist? Wer intervenieren läßt, unterstellt dem Sachbearbeiter im Landesfeuerwehrkommando, daß er nicht anständig arbeitet, oder er will ihn zu Unregelmäßigkeiten zwingen.

Vertrauen wir doch – wenigstens im Feuerwehrwesen – darauf, daß ein Ansuchen seinen korrekten Weg nimmt, auch wenn kein Abgeordneter „anschiebt“ und sich dezent erkundigt. Ein Förderungsansuchen hat mit einem Abgeordneten absolut nichts zu tun. Wenn wir unsere politischen Mandatare in Dinge hineinziehen, die sie nichts angehen, dann schieben wir ihnen eine Bedeutung zu, die sie nicht haben, dann helfen wir selbst mit, daß ohne ihr Anschieben, ohne das richtige Parteibuch nichts zu erreichen ist.

Manch einer brüstet sich auch, daß er einen Abgeordneten oder einen hohen Feuerwehrfunktionär kennt. „Ich mach dir das schon, ich kenne...“ Und dann versucht ein ganz Kleiner, ein bißchen ganz große Politik zu machen. Wenn einmal jemand die Intervention des Landesfeuerwehrkommandos erbittet, weil er für seine Festschrift ein Vorwort des Landesrates will, dann liegt doch etwas im argen. Ein Brief, ein Anruf, und man bekommt, was man will.

Wenn jemand glaubt, sein Akt wird ungebührlich lang nicht erledigt, dann komme er oder er schreibe und rede ehrlich, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Das war bisher unter Feuerwehrmännern üblich.

Befreit euch selbst, die Mandatare und das Landesfeuerwehrkommando von dieser widerlichen Plage des Intervenierens!

Schneider

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Gemma Feuer schaun!

Bei zwei größeren Bränden in der vergangenen Woche hat sich wieder einmal deutlich gezeigt, wie unvernünftig und sensationslüstern der Mensch sein kann. Autofahrer stellen irgendwo, ohne auf den Durchzugsverkehr zu achten, ihre Pkw auf der Straße ab.

Neugierige würden am liebsten in das brennende Objekt eindringen.

Das „Schönste“ an einem Brand allerdings dürfte noch brennendes oder verbranntes Vieh sein, denn an diesem Anblick können sich viele gar nicht sattsehen.

Hochaktuell ist auch die Kritik an den Feuerwehrmännern, die leider gratis und auf eigene Gefahr den Betroffenen helfen. Denn genau bei diesen Männern wird krampfhaft das Negative gesucht. Vielleicht wäre ein Feuerwehreinsatz wirklich mehr wert, wenn er bezahlt werden müßte. Daher einige Richtlinien für die berufsmäßigen Feuerschauer:

  1. Fahre noch vor der Feuerwehr zum Einsatzort!
  2. Stelle dein Fahrzeug am besten in die Zufahrt zum Einsatzobjekt!
  3. Behindere nach Möglichkeit die Einsatzkräfte!
  4. Halte dich am besten im Gefahrenbereich auf! Der Schaden ist noch nicht groß genug.
  5. Lache die Feuerwehrmänner aus, wenn sie beim Viehaustreiben in den Dreck fallen, sie kommen dann viel lieber zu dir, wenn du in Not bist.
  6. Tröste die Betroffenen, indem du ihnen sagst, daß es gut ist, daß es die alten „Hudern“ erwischt hat. Das baut jeden auf.
  7. Bringe auf jeden Fall deine Kinder und Enkelkinder mit, sie lernen bei solchen Anlässen viel früher, schadenfroh zu sein. Auch deine Großmutter vergiß nicht, sie hat sonst am nächsten Tag nichts zu erzählen.
  8. Ganz wichtig ist das Zertreten von Wiesen und Feldern, der Geschädigte braucht sie nicht mehr.

Bei Einhalten dieser Regeln garantiert Ihnen der Verfasser beste Unterhaltung bei einer Katastrophe. Also, beim nächsten Brand: „Gemma Feuer schaun!“

Von Heinz Martincsevics in:
Amstettner Zeitung (NÖN) 35/1984

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Jung und alt in der Feuerwehr

Was wird aus der Jugendlichengeneration in unseren Feuerwehren?

1. Teil

 

Brandrat Dr. Hans Schneider hat über dieses Thema bei der Kommandantentagung des Bezirkes Mödling am 1. Dezember 1981, bei der Kommandanteninformationstagung des Burgenländischen Landesfeuerwehrverbandes am 15. Jänner 1983 und beim Salzburger Landesfeuerwehrtag am 5. November 1983 in Hallein gesprochen.

Jung und alt in der Feuerwehr – was interessiert uns das? Wir sind keine Erzieher, wir wollen Praktisches leisten. Aber die größten Schwierigkeiten, die größten Probleme bringen in der Feuerwehr nicht das Geld, nicht die Fahrzeuge, nicht die organisatorischen Probleme, nicht die Bürgermeister, sondern die Menschen.

Ist bei den Menschen Sand im Getriebe, nützen die teuersten Geräte und Fahrzeuge nichts. Auch im Interesse eines funktionierenden und schlagkräftigen Feuerwehrwesens müssen wir der Menschenführung mehr Augenmerk als bisher zuwenden, vor allem der Führung der Feuerwehrjugend und der jungen Erwachsenen.

Jugendliche – sind wir Enttäuschte?

Jeder Feuerwehrkommandant spürt das Problem der jungen Generation am eigenen Leib. Jeder ist schon mit seinem guten Willen und in der Bereitschaft, junge Leute zu verstehen und ihnen entgegenzukommen, enttäuscht worden. Nachgeben bringt nichts, energisches Handeln vertreibt die Jugendlichen. Das ist die ganze tragische Litanei, die uns Sorgen macht:

- Jugendliche sind unpünktlich

- unverläßlich

- unfreundlich

- laut, frech

- schlampig

- haben keinen Respekt vor uns

- ziehen keine Aufgaben durch

- sind müde, schwammig, uninteressiert

- sind, wenn das Moped und das Mädchen locken, überhaupt nicht mehr zu brauchen.

Feuerwehrkommandant zwischen zwei Generationen

Viele Feuerwehrkommandanten und viele Brandmeister und Löschmeister resignieren und fragen besorgt: „Und diese Jugendlichen sollen einmal in der Feuerwehr tonangebend werden?“

Der Konflikt bleibt in kaum einer Feuerwehr aus. Ältere raten zu energischem Auftreten, meinen die Feuerwehr durch Jugendliche mit langen Haaren entehrt, haben Abscheu vor Jugendlichen, die nicht einmal anständig marschieren können. Das Dilemma mancher Feuerwehrkommandanten: Verteidige ich die Jugendlichen, werden die Älteren eifersüchtig: „Wenn du meinst, daß du die Feuerwehr mit diesen schlaksigen Leuten weiterbringen kannst, dann brauchst du uns ja wohl nicht mehr.“ Schlage ich mich auf die Seite der Älteren, bleiben die Jüngeren aus.

Das Problem ist uralt

Schon beim Deutschen Feuerwehrtag 1913 in Leipzig klangen ähnliche Sorgen an. Dies kann uns pessimistisch und optimistisch zugleich stimmen.

Was erwarten wir von den Jugendlichen?

Wenn ich in der Feuerwehr etwas weiterbringen soll – auch auf organisatorischem oder technischem Gebiet - muß ich das vorhandene Material ansehen und daraus meine Konsequenzen für das Ziel ziehen.

Was erwarten wir von unseren Leuten? Wir erwarten fertige Menschen, auf die man sich verlassen kann, die brauchbar sind, die etwas können, die man deshalb ernst nehmen kann. Also ernste, präzise Menschen, denen man Aufgaben anvertrauen kann. Genau das aber sind junge Erwachsene aus ihrem Wesen heraus nicht. Sie sind in fast jeder Beziehung unfertig. Verlangen wir charakterlich und fachlich die Leistung von fertigen Erwachsenen, überfordern wir die Jugendlichen. Verlangen wir unbedingt Unterordnung und Gehorsam, weil sie eben noch nicht erwachsen sind, treffen wir ihren entwicklungsbedingten Drang nach Freiheit, nach Selbständigsein, nach „jemand sein“.

Geduld, Nachsicht – zweierlei Maß

Das Problem der Geduld und der Nachsicht stellt sich für den Feuerwehrkommandanten bei der jungen wie bei der älteren Generation. Verlangt man von den Erwachsenen etwas energischer Leistung und Qualität, sind sie leicht beleidigt. Wir müssen unsere alteingesessenen Mitglieder „kascholieren“ und mit Glacéhandschuhen anfassen, damit sie uns nicht davonlaufen, wir müssen viel Rücksicht auf ihre Eigenheiten und auf ihre (angeblichen oder wirklichen) Verdienste in früheren Jahren nehmen, wir müssen Abstriche machen, manches übersehen. Nicht jeder Feuerwehrkommandant ist aber bereit, ein ähnliches Maß an Geduld, an Hinunterschlucken, an Anpassung auch bei Jugendlichen aufzubringen, bei ihrer Behandlung von ihrem Wesen auszugehen.

Wer ist der Jugendliche?

Er ist ein unfertiger Mensch. Er ist eben nicht erfahren, er kann noch relativ wenig, es geht ihm viel Wissen ab, man kann ihn nicht überall hinstellen. Zugleich – und dieses Zugleich macht das ganze Problem aus – fängt er an, ein Mensch mit Selbstbewußtsein zu sein. Er erlebt zum ersten Mal, daß er durch seinen eigenen Willen nein sagen kann, etwas erreichen kann. Er hat sein erstes Geld verdient, es hat ihm irgendwann ein Erwachsener auf die Schulter geschlagen und gesagt: „Du bist ein Bursch. Du kannst etwas.“ Das ist ein großes Erlebnis. Er ist kein Kind mehr und will ein Mann sein. Zugleich wird ihm aber immer gezeigt, daß er noch zuwenig kann. Man stellt ihn auf die Seite. „Das verstehst du noch nicht, da mußt du noch warten.“

Er hat wenig Gelegenheit, Selbstbewußtsein zu bekommen, etwas zu leisten, auf Gebieten, die ihn selbst interessieren.

Situation – eingepfercht

Der Jugendliche ist in ein relativ festes Joch gespannt. Viele Eltern wollen nicht wahrhaben, daß er jetzt vielleicht schon abends einmal länger ausgehen kann. Die würgende Sorge der Eltern „Wo treibt er sich denn herum?“ versteht er nicht und empfindet sie als Behinderung, ihre ängstliche Sorge, daß er ja doch noch nicht auf eigenen Füßen stehen kann, kommt ihm nicht in den Sinn. Er hat Probleme daheim, in der Schule, am Lehrplatz. Er kann noch nicht konzentriert genug arbeiten, er wird gedemütigt, er hat Probleme mit Geld. Er möchte sich ein Bier kaufen und lässig eine Zigarette rauchen, nur um zu zeigen, daß er ja kein Kind mehr ist. Er sucht sein Selbstbewußtsein.

Selbstbewußtsein von Erwachsenen und von Jugendlichen

Wir Erwachsenen beziehen unser Selbstbewußtsein aus dem Wissen, daß wir schon etwas geleistet haben, daß wir angesehen sind. Wir sind vom Lob anderer nicht so stark abhängig, weil wir innerlich von unserem Wert überzeugt sind. Dem Jugendlichen fehlen sozusagen noch die Überzeugung und die Bestätigung seines Wertes durch andere. Werden ihm diese Beachtung und diese Selbstbestätigung nicht aufgrund von Leistung oder Zuneigung von anderen gewährt, sucht er sie vor sich selbst und vor den anderen Menschen zu erzwingen: lautes Benehmen, auffällige Kleidung, schnelles Moped- und Autofahren, Lederjacken, betont lässiges Gehaben, „ich habe auch schon eine Freundin“, Tollkühnheit. Für Jugendliche ist das Leben viel schneller, viel dynamischer, viel lauter als für uns (Autorasen, laute Disco), unsere Mahnungen, doch langsamer zu fahren, versteht er nicht. Er ist uns fremd, wir sind ihm fremd.

Der Jugendliche fühlt sich im Rudel Gleichaltriger geborgen, verstanden, sicher; allein ist er unsicher.

Übergang von der Feuerwehrjugend zur Aktivmannschaft

Das plötzliche Hineinwerfen von 15- bis 18jährigen in eine Männergruppe ist entwicklungspsychologisch falsch, auch deshalb, weil eben Jugendliche keine fertigen, reifen Männer sind, sosehr sie dies auch sein wollen.

Bei der Feuerwehrjugend ist der Übergang noch schwieriger. Die Jugendfeuerwehrmänner waren intensive Arbeit gewöhnt, jetzt wird nur mehr jeden Monat geübt; früher „ist der Schmäh g’rennt“, jetzt geht es sehr humorlos zu; früher konnte man Fehler machen, jetzt wird man deswegen von den Erwachsenen schief angesehen und nicht ernst genommen; früher hat man eine Rolle gespielt und daraus Selbstwertgefühl bekommen, jetzt sind immer die anderen die Gescheiteren.

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Jung und alt in der Feuerwehr

Was wird aus der Jugendlichengeneration in unseren Feuerwehren?

2. Teil

 

Die entwicklungspsychologisch einzig richtige Lösung für dieses Problem ist die eigene Ausbildungsgruppe, in der die Gemeinschaft der Feuerwehrjugend noch einige Zeit weiterläuft, wo aber schon ernstere Aufgaben gestellt werden.

Selbstbewußtsein durch Können

Der Jugendliche hat nichts davon, gelobt zu werden. Er will wissen, daß er Lob verdient, er braucht die Überzeugung, daß er wirklich etwas kann, daß er Erfolg hat. Das so nötige Selbstbewußtsein und die Berechtigung, von seiten der Erwachsenen gelobt zu werden, kann nur durch Können kommen, das der Jugendliche erwirbt. Wir müssen ihm also möglichst schnell möglichst viel Wissen und Können vermitteln. Dann kommen das Selbstbewußtsein und das Selbstwertgefühl ganz von selbst. Wenn die Feuerwehr dem unsicheren Jugendlichen dieses Bewußtsein (das wir Erwachsenen ja auch brauchen) vermittelt, wird sie sein Vertrauen und seine Zuneigung haben, weil sie etwas vermittelt, nach dem er sich sehnt und das ihm kaum sonst jemand gibt: gebraucht werden, tüchtig sein, brauchbar sein, ernstgenommen werden.

Dies setzt aber voraus, daß wir für die Ausbildung der Jugendlichen die besten Chargen einsetzen und daß wir dieses Problem der Nachwuchsschulung ganz ernst nehmen. Ohne Ausbildungsgruppe geht das nicht.

Väterlicher eifriger Ausbilder

Das kann ruhig ein älterer Mann sein, der aber Jugendliche gern hat und bereit ist, sie öfter als die Erwachsenen zusammenzurufen und intensiv mit ihnen zu arbeiten.

Jugendliche lernen im Wettbewerb, wenn sie in zwei Gruppen geteilt werden und Wissen wettbewerbsmäßig abgefragt wird, wesentlich schneller. Der Ehrgeiz erwacht. „Welche Gruppe weiß die Antwort schneller?“ Ein geschickter Sporttrainer kann seine Jugendlichen mit einer Schokoladetafel als Preis zu Höchstleistungen und zu höchster Begeisterung anspornen. Dies sollte die Feuerwehr ausnützen.

Ein Zwei- bis Dreijahresprogramm wäre zu erstellen. Ein Gerät nach dem anderen wird erklärt, in die Hand genommen, nächstes Mal wird wiederholt, was heute gelernt worden ist („Wer weiß noch, wo dieses Gerät im TLF liegt? Wer holt es?“) Hier wird Leistung verlangt und gern erbracht, hier kann viel gelobt werden, hier können kleine Aufgaben gestellt werden, hier kann man Fehler machen, ohne argwöhnisch angesehen zu werden und sich blamiert zu fühlen, hier kann Jugendlichen auf die Schulter geklopft werden: „Auf Dich kann ich mich verlassen. Du weißt das schon. Das hätte ich nicht gedacht...“

Machen Sie die Übungen spannend! Verwenden Sie den Funk! Räumen Sie gemeinsam zusammen, schwitzen Sie mit den Jugendlichen! Und sitzen Sie dann mit ihnen – auch bei einem Bier. Es ist für einen Jugendlichen ein entscheidendes Erlebnis, daß nach der Übung ein Erwachsener beiseite rückt und sagt: „Komm, setz Dich her da!“

Fahren Sie mit dieser Jugendgruppe gemeinsam zum Landesfeuerwehrleistungsbewerb, zelten Sie mit ihr, lassen Sie den „Schmäh rennen“! So wird das Rudeldasein der Feuerwehrjugend und des Jugendalters fortgesetzt, solange es die Jugendlichen brauchen. Solche Gemeinschaftserlebnisse schweißen zusammen, und es entsteht im Unterbewußtsein die Assoziation: „Bei der Feuerwehr ist es interessant.“ Jugendliche, die nicht als Einzelgänger in die Erwachsenengruppen hineingeworfen werden, können miteinander reif werden. Mit der Zeit – eben wenn es Zeit ist – wachsen sie von selbst in die Männergruppen hinein.

Anerkennung und Leistung

Der Jugendliche hat letztlich nichts davon, wenn wir um sein Vertrauen buhlen. Das Selbstbewußtsein kommt nur aus dem Wissen, daß er wirklich etwas kann und jemand ist. Geben Sie Aufträge, loben Sie, sagen Sie auch Fehler! „Ich verlasse mich auf Dich.“ „Du kannst das sicher. Ich weiß es.“ Lassen Sie ihn Fehler machen! Und sagen Sie: „Komm her, ich zeig Dir das.“ „Ich hab das früher auch nicht gekonnt, bis es mir der Löschmeister Maier gezeigt hat.“

Klima für Jugendlich

Jugendliche in der Familie und in der Feuerwehr zu haben, ist mühsam. Sie reizen uns, sie brauchen unsere Zeit. Ist das Klima in Ihrer Feuerwehr jugendbereit? Oder ist es in bezug auf die Jugendlichen eher gereizt, bissig, ironisch? Manche – an sich gute – Brandmeister können der Tod der Jugendarbeit sein. Sie sollen wie die Geier hinter jedem Papierl her sein und sparen, aber sie können das übertreiben.

Die Mentalität, den Jugendlichen als „blöden Buam“ zu sehen, steckt in manchem Erwachsenen. Mancher Jugendliche hat Angst, um neue Arbeitshandschuhe zu bitten, weil er angeschnauzt wird. „Ihr habt zu parieren...“ Oder ein Brandmeister wartet direkt auf Unordnung, um den Jugendlichen beweisen zu können, wie schlampig, unmöglich und unfähig sie sind. „Das wird einmal eine schöne Feuerwehr...“

Besonders gefährlich sind hier Väter, die selbst mit ihren Söhnen und Töchtern Konflikte haben und sich daheim nicht durchsetzen können. Sie versuchen, in der Feuerwehr Erfolgserlebnisse als Erzieher zu haben – am falschen Platz. Aus unbewältigter Familiensituation entstehen leicht Aggressionen gegen Jugendliche.

Schluß folgt mit Nr.32)

Schneider

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Wie hält der Feuerwehrmann die Belastung aus?

In der Bundesrepublik Deutschland stehen bereits Pfarrer für die Betreuung der Polizisten und der Berufsfeuerwehrmänner zur Verfügung. Man erkennt also, daß die seelische Belastung von Polizei und Feuerwehr groß ist und die schweren Erlebnisse nicht von selbst und selbstverständlich verkraftet werden.

Gewöhnungseffekt

Zweifellos gibt es einen gewissen Gewöhnungseffekt. Je öfter ein Feuerwehrmann bei einem Verkehrsunfall mit Verletzten konfrontiert ist, desto ruhiger wird er. Das kann man aber nicht allgemein sagen. Mancher ist hier nüchterner, härter, mancher ist feinfühliger. Das heißt aber wieder nicht, daß die „harten Burschen“, jene, die eher rauhbeinig sind, so leicht Blut sehen und Schmerzen mitansehen können.

Ähnlichkeiten mit Arzt und Operationsschwester?

Es gibt zweifellos Ähnlichkeiten zwischen Feuerwehrmann und Arzt. Der Verstand sagt einem, daß man dem Verletzten am ehesten hilft, wenn man ruhig, sachlich, zielführend arbeitet, auch wenn man ihm wehtun muß. Nichts tun oder nur halb anfassen aus Mitleid hilft letztlich nicht.

Der Arzt kann nicht bei jedem Kranken sein ganzes Gefühl einsetzen; er muß das Gefühl irgendwie abschalten, nüchtern, sachlich handeln. Sonst hält er seinen Beruf nicht aus. Er muß ja auch als Privatmensch leben. Trotzdem darf er nicht zum reinen Mechaniker des menschlichen Körpers werden, der notleidende Mensch darf ihm nicht letztlich gleichgültig sein. Ähnlich ist es beim Feuerwehrmann.

Im Ernstfall erstaunlich ruhig?

Immer wieder erzählen Feuerwehrmänner, daß sie im unmittelbaren Einsatzernst ruhig sind, vor dem Blutüberströmten keine Angst und kein Grauen empfinden und erstaunlich sachlich arbeiten. Daß es ihnen nicht ekelt. Jene, die gut ausgebildet sind und Einsatzpraxis haben, sind meist ruhiger als jene, die nur alle heiligen Zeiten zu einem Einsatz mit Verletzten kommen. Aber auch „Neulinge“ können erstaunlich richtig reagieren und ruhig Blut bewahren.

Ein Mensch...

Kein Feuerwehrmann fragt, ob der Verunfallte sich sein Elend selbst zuzuschreiben hat. Eine eindeutige „Fahne“ des Verletzten ändert seinen Willen zu helfen in keiner Weise. Ein Mensch, dem geholfen werden muß. Ein fremder Mensch? Noch nie gesehen, aber ein Mensch. Basta.

Der Feuerwehrmann spricht nie in seinem Leben aus, warum er da hilft, sich abfriert, Erbrochenes riecht, Blut auf den eigenen Ärmel tropfen sieht. Er könnte es auch nicht ausdrücken. Es hält ihn eine „seelische Keuschheit“. Zu sagen: „Man kann doch den armen Teufel nicht liegen lassen“, oder „Der hat ja auch eine Frau und Kinder daheim“, oder „Christus hat gesagt: ‚Was ihr dem geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan’“ – das zu sagen würde ihm hochtrabend, geschmacklos erscheinen. Und doch sind das genau die Wurzeln, warum Feuerwehrmänner hinausfahren und - eben bei der Feuerwehr sind. Keine Frage. Man macht das eben.

Nachher

Während des Einsatzes, während der Rettung, wo jede Minute wichtig ist, hat man auch gar keine Zeit für hochfeierliche Gedanken. Man arbeitet. Dann räumt man zusammen. Rückt ein. Zieht die Einsatzbekleidung aus. Wäscht sich vielleicht. Erst wenn man die Zivilkleidung wieder anzieht, anhat, kommt ein leichter Umschwung. Erst dann merkt mancher, daß er todmüde ist.

Und erst ganz langsam kommen die Bilder aus dem Unterbewußtsein herauf. Das Gesicht. Der Schuh, der neben der Lenksäule herausgeschaut hat und dessen Schnürriemen er gelöst hat, und der blau gewordene Fuß... Und wie der Verletzte bei dieser oder jener Berührung aufgeschrien hat. Der Feuerwehrmann zuckt mit den Schultern, beißt vielleicht die Zähne zusammen. „Schrecklich!“ murmelt er vor sich hin. Aber er sagt das kaum vor den Kameraden, vor der Frau, vor den Kindern, vor der Braut. Da schweigt er lieber. Es ist sein Privatbereich, sein – Intimbereich.

Mit den Kameraden...

Manchmal sitzen die Männer nach einem solchen Einsatz beisammen. Das Seelische wird kaum besprochen. Man überlegt, ob man es technisch anders, ob man es geschickter, schneller hätte machen können. Ob man dieses oder jenes Gerät nicht doch anschaffen sollte. Dann geht jeder bald. Mit sich eigentlich allein. Die Kameradschaft hilft da kaum. Irgendwo ist jeder Mensch allein, mitten unter Kameraden.

Meine Frau...

Mancher kann seine Frau dann lieben, mancher kann es nicht. Mancher ist dankbar, wenn die Frau dann zu Hause ist, und er kann etwas erzählen und sich ein wenig abreagieren, muß nicht alles mit sich herumtragen. Sie braucht gar nichts reden. Auch das schafft Ehe.

Andere wollen dann niemanden sehen. Legen sich gleich nieder. Oder gehen in die Werkstatt. Empfinden neugierig oder teilnehmend Fragende als lästig und taktlos. „Laß mich doch jetzt in Ruh’!“ Vielleicht kommt es in ein paar Tagen. Vielleicht gar nicht. Eine gute Ehefrau weiß, was ihr Mann nach einem grausigen Einsatz braucht.

Kameradschaft hilft da kaum?

Das haben wir einige Zeilen weiter oben gesagt. Irgendwie vergißt man aber nicht, daß der andere Feuerwehrkamerad den Spreizer an der richtigen Stelle angesetzt hat. Daß man mitsammen den blutüberschmierten Menschen auf die Krankentrage gelegt hat. Daß der andere genauso aus dem warmen Bett aufgestanden und ins Feuerwehrhaus gerannt ist. Das macht dann doch Kameradschaft.

Kameradschaft? Was ist das? Man kann das nicht ausdrücken. Man weiß es nur, wenn man nebeneinander gestanden ist, geschwitzt, gearbeitet, gebangt, gefroren hat.

Besser so, als vor dem Fernseher

Von der seelischen Belastung beim technischen Einsatz spricht eigentlich niemand. Wir wissen nicht, was da ins Unterbewußtsein hinuntergeht. Aber manche Frau liebt ihren Mann gerade deshalb, weil er in einer solchen Situation aus unerklärlichem Antrieb ins Feuerwehrhaus rennt und nicht vor dem Fernsehapparat sitzen bleiben kann.

Frauen von Feuerwehrmännern tragen die ganze seelische Belastung ihrer Männer mit. Hie und da einmal hat die Feuerwehr eine Ehe auf dem Gewissen. Viel mehr Ehen macht die Feuerwehr fester, tragfähiger, belastbarer.

Schneider

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Jung und alt in der Feuerwehr

Was wird aus der Jugendlichengeneration in unseren Feuerwehren?

3. Teil (Ende)

 

Die Konkurrenz der Jungen

40- bis 50jährige empfinden die nachrückende Generation immer mehr als Konkurrenz – auch im Leben überhaupt. Bei der Feuerwehrjugend kommt das größere theoretische Wissen der Jugendlichen hinzu. Manches Mauermachen gegenüber Jugendlichen kommt aus Angst um die eigene Stellung in der Feuerwehr. Männer, die selbst nicht mehr zu Lehrgängen fahren wollen, finden die Ideen, welche die Jungen aus der „Schule“ mitbringen, als gefährlich, denn sie unterminieren ihren fachlichen Ruf in der Feuerwehr.

In diesem Konflikt, der ein Konflikt der Generationen ist, muß der Kommandant vermitteln oder auch einmal hart durchgreifen, vielleicht sogar einmal einen liebgewordenen Brandmeister zurechtweisen oder gar opfern.

„Lieber Löschmeister Huber, der meint das doch gar nicht so. Natürlich brauchen wir Ordnung. Aber sagen Sie das dem Buben unter vier Augen. Der Jugendliche muß einmal Dampf ablassen und sich ein wenig großmachen. In zwei Jahren ist er der vernünftigste Mensch der Welt. Du warst als Jugendlicher nicht anders.“

„Der Löschmeister Huber meint das nicht so, der will halt auf Ordnung sehen. Hilf ihm einmal, biete deine Dienste an, und sein Herz wird schmelzen.“

Was ist wirklich los?

Wenn böse, gereizte Grundstimmungen da sind, sollte der Kommandant präzise fragen: „Was war los?“ Er sollte allgemeine Angriffe „Diese Jugendlichen...“ nicht gelten lassen. Wenn Einzelfakten aufgezählt werden müssen, bleibt oft wenig Konkretes über, für das es sich nicht auszahlt, einen Streit aufkommen zu lassen. Es kann oft nachgewiesen werden, daß Dramatik, Lautstärke und Verbitterung in keinem Verhältnis zum Vorgefallenen stehen. Dies ist Jungen wie Alten klarzumachen und nachzuweisen. Das braucht Mut, den nicht jeder Kommandant hat. Objektivität ist hier wichtig. Wenn Jugendliche wissen, daß der Kommandant bei Konflikten auf jeden Fall den Älteren Recht gibt, werden sie bald nicht mehr da sein.

Kommandant – ein halber Vater!

Der Jugendliche ist eingesperrt und hat seine Sorgen. Versuchen Sie, einmal mit ihm allein zu sein, ihn vor der Übung kommen zu lassen. „Bitte, kannst du mir helfen?“ Einmal nicht im Rudel. Sie werden staunen, wie zutraulich er auf einmal wird. Bewundern Sie sein modisches Sakko, auch wenn Sie selbst ein solches nie tragen würden. Und wenn Sie dann nebenbei fragen, wie es ihm geht, weil er in letzter Zeit so bedrückt wirkt, wird er plötzlich spüren, daß Sie ihn mögen, und auf einmal können Sie sein Vertrauter werden, der einzige, dem er seine heimlichen Sorgen anvertraut: Er hat einem Freund ohne Zeugen 500 Schilling geborgt, die ihm dieser nun nicht mehr zurückgibt. Der Vater läßt ihn nicht länger als bis 21 Uhr fortbleiben, der Lehrherr demütigt ihn vor den Kollegen im Betrieb, und er kann sich nicht wehren. Das Mädchen, das er gern hat, ist ihm von jemand anderem ausgespannt worden. Auf einmal ist der Feuerwehrkommandant oder der Löschmeister Gruber der einzige, zu dem er einen Draht hat und der ihm weiterhelfen kann, und aus dem renommierenden, protzigen, gröhlenden, mopedrasenden Jugendlichen, der allen Erwachsenen unheimlich ist, wird ein hilfloser unsicherer Bub, der plötzlich ja doch einen Vater braucht.

Wenn Jugendlichen in dieser Situation geholfen wird, dann wird ihnen in entscheidenden Jahren eine Heimat geboten, die sie in dieser Entwicklungsstufe nirgends haben, sie werden sich ein Leben lang in der Feuerwehr wohl fühlen, und wir werden sie nicht mehr verlieren.

Stolz sein auf die Feuerwehr!

Der Jugendliche steht in der scharfen Kontrolle seiner Kollegen im Beruf und in der Disco. Wenn seine Feuerwehr ein nicht ernst zu nehmender Klub ist, wird er sich seiner Zugehörigkeit zu ihr schämen, er wird sie nicht eifrig und mit Überzeugung verteidigen, sondern er wird sie verlassen, nur damit er nicht mit ihr identifiziert wird. Ist er aber von der Feuerwehr überzeugt, wird er sie auch gegenüber Freunden verteidigen und wird aus der Mitgliedschaft Selbstvertrauen gewinnen.

Lassen Sie ihn sein Mädchen mitbringen! Verhelfen Sie ihm hier zur Sicherheit, machen Sie auch das Mädchen, vielleicht die künftige Frau des jungen Kameraden, in der Wehr heimisch! Wenn sie die Menschen dort kennt und sich wohl fühlt, wird sie später viel weniger Schwierigkeiten machen und vielleicht eine wichtige Mitarbeiterin werden.

Freizeitproblem

Das Freizeitproblem der Jugendlichen wird immer größer. Sie fahren mit dem Rad oder mit dem Moped, ohne zu wissen, was sie anfangen sollen, rund um das Feuerwehrhaus. Wenn dort einmal in der Woche Betrieb ist, wenn dort gearbeitet und nachher beisammengesessen wird, wird der Jugendliche da sein. Heimat! Oder fahren Sie mit den Jugendlichen hinaus und machen Sie eine spannende Funkübung! Feuerwehrhaus – ein Ort, in dem sich die Jugend trifft! Oder gehen Sie einmal miteinander schwimmen, betreiben Sie Sport! Fordern Sie die Jugend!

Wenn Sie die jungen Leute nur dann brauchen, wenn es um Übung oder Arbeit geht, und sonst sind Ihnen diese Menschen egal, werden diese sich mit Recht ein wenig ausgenützt fühlen. Zuneigung entsteht nur, wenn der ganze Mensch und nicht nur seine Arbeitskraft interessiert.

Haben Sie ein waches Auge auf den jungen Menschen! Wie geht es ihm in der Lehre? Wie kommt er mit seinen Eltern aus? Wenn wir den ganzen jungen Menschen mögen, wenn wir ihn fordern und ihm durch Leistung Selbstvertrauen schenken, werden wir ihn haben, dann wird er fähig werden, auch harte Lebenssituationen zu bewältigen, und er wird nicht versuchen, solchen Situationen durch Drogen auszuweichen.

Wenn die Feuerwehren diese harten und letztlich schönen Aufgaben der Menschenführung erkennen und auch bewältigen, dann braucht uns um die junge Generation von heute und um das Feuerwehrwesen von morgen nicht bange zu sein.

Schneider

menschlich ... 33

 

Schnelligkeit – immer das Um und Auf?

Sirenengeheul. Das Piepserl „springt an“ – Alarm für uns Feuerwehrmänner. Unsere Hilfe wird benötigt. Ab diesem Zeitpunkt kennen wir nur ein Ziel: So rasch als möglich ins Feuerwehrhaus. Dort geht die Hetzerei weiter. Umziehen, hinein ins Einsatzfahrzeug und mit Vollgas zum Einsatzort. Ist diese Raserei immer gerechtfertigt? Und: Sind wir uns der Gefahren bewußt, denen wir uns und andere aussetzen?

Gleich zu Beginn: Bei jedem Verkehrsunfall wird ausschließlich der Lenker zur Verantwortung gezogen. Er „bleibt über“. Vor Gericht ist ein Feuerwehreinsatz keine Entschuldigung, maximal ein Milderungsgrund. Das sollte uns zu denken geben.

Einsatzhektik

Seien wir ehrlich! Spielen wir einen Einsatz durch: Bei Alarm brausen nicht wenige von uns mit den Privatfahrzeugen in einer Art „Einsatzhektik“ los, oft mit überhöhtem Tempo, hupend, blinkend und Verkehrszeichen mißachtend. Mit quietschenden Reifen stoppt man beim Feuerwehrhaus.

Stop! Unterbrechen wir an dieser Stelle den Einsatzablauf!

Meist weiß man bei der Fahrt zum Feuerwehrhaus noch nicht, um welche Art von Einsatz es sich handelt (alles mögliche, bis zur Menschenrettung), die riskante Fahrweise ist also verständlich.

Jeder muß für sich wissen, wieviel er sich zutrauen kann. Sicher sitzt man bei schnellerer Fahrweise konzentrierter am Steuer, damit sinkt die Unfallgefahr. Trotzdem, Hände weg vor zuviel Übereifer!

Lassen wir den Einsatzfilm weiterlaufen: Rasch uniformieren und ab ins Einsatzfahrzeug. Das Einsatzfahrzeug wird gestartet, mit Mannschaft besetzt, das Blaulicht wird eingeschaltet. Dann geht’s mit durchgetretenem Gaspedal Richtung Einsatzort.

Stop! Erfährt man im Feuerwehrhaus, daß es sich um einen simplen Einsatz handelt, ist es sinnlos, mit Vollgas und „Tatü – Tatü“ loszurasen. Schon gar nicht, wenn bekannt ist, daß es auf einige Minuten auf oder ab nicht ankommt.

Rundumkennleuchte

Natürlich soll man das Blaulicht einschalten (und bei Bedarf das Folgetonhorn betätigen), auch weil es dem eigenen Schutz dient und laut Gesetz zur Kennzeichnung eines Fahrzeuges im Einsatz vorgeschrieben ist. Nur der falsche Übereifer ist zu verurteilen. Jeder Einsatzfahrer für sich muß von Fall zu Fall entscheiden und die richtige Dosierung finden.

Verschreckte Autofahrer

Wenn es bei einem Einsatz auf jede Sekunde ankommt, dann muß das Lenken eines Feuerwehrfahrzeuges gelernt sein. Fahren kann bald einer. Man muß aber im Feuerwehreinsatz Situationen voraussehen (und dann meistern können), die im alltäglichen Straßenverkehr nicht vorkommen, denn oft werden Autofahrer durch das Signal der Einsatzfahrzeuge verschreckt und reagieren falsch: Sie bremsen plötzlich ab oder scheren aus.

Ein Beispiel

Wir bleiben von Verkehrsunfällen nicht verschont. Vor einigen Monaten prallte in Niederösterreich ein TLF gegen einen Pkw. Es gab drei Verletzte und erheblichen Sachschaden.. Der Lenker des TLF war zu einem Autobrand unterwegs. Er überquerte ohne (!) anzuhalten eine Kreuzung bei Rotlicht. Viele von uns werden sagen: „Das hätte ich nie gemacht.“ Wir sollten den Unfall nicht verurteilen, er müßte uns vielmehr zum Nachdenken anregen. Was ist in dem Fahrer wohl vorgegangen?

- War er übereifrig?

- Hat er nicht gesehen, daß die Ampel Rot zeigt?

- Dachte er sich, das geht sich schon aus?

- Wie hätte dieser Unfall verhindert werden können?

Fahrzeugkommandant

Wenn es kritisch wird, müßte sich der Fahrzeugkommandant einschalten, ob Führerscheinbesitzer oder nicht. Wenn er merkt, daß der Lenker zuviel des Guten will und auf „Teufel komm raus“ zu fahren beginnt, kann er durch Anreden wie: “Langsamer, nur kein Risiko, das zahlt sich nicht aus“ den Übereifer abschwächen. Das hat mit „dreinreden“ und „alles besser wissen“ nichts zu tun. Der Fahrzeugkommandant sollte auf keinen Fall der sein, der den Lenker zum unüberlegten, schnelleren Fahren antreibt.

Unser Ruf

Wir dürfen nicht vergessen: Ein Verkehrsunfall während einer Einsatzfahrt verbessert den Ruf der Feuerwehr nicht. Die Presse hat kein Mitgefühl mit dem freiwilligen Helfer, der Tag und Nacht für die Bevölkerung einsatzbereit ist, dabei aber – gar nicht mit Absicht – einen Unfall verursacht. „Feuerwehr war zu schnell!“ – ein „Fressen“ für sensationslüsterne Redakteure. Zu berichten, wie oft durch solche „schnelle“ Einsätze Menschen und Sachwerte gerettet werden konnten, ist nicht so interessant. „Das wird nicht so gern gelesen.“

„Ich hab’s ja immer gesagt“

Geht alles gut, ist der schnelle Einsatz selbstverständlich. Da hätte die Feuerwehr ruhig noch ein bisserl mehr aufs Tempo drücken können. Passiert aber etwas, dann geht’s los: „Hab’ schon immer g’sagt, die fahr’n wie die Irren. Das hab’ ich kommen g’sehen, da hat ja einmal was passieren müssen.“ Diese Redereien sind zum Aus-der-Haut-Fahren. Was nützt das? Damit müssen wir leben.

„Und die Moral aus der Geschicht’...“

- Wir als freiwillige Feuerwehrmänner werden immer unser Bestes geben. Dazu zählt auch die Schnelligkeit.

- Jeder muß seine Fahrweise verantworten können.

- Mit Blaulicht und Folgetonhorn fahren ist kein „Freie-Fahrt-Schein“.

- Wir haben im Straßenverkehr meist Vorrang, sollten diesen aber nicht immer beinhart ausnützen.

- Bevor wir ein zu großes Risiko eingehen, sollten wir an unsere Mitfahrer denken. Auch unsere Familien sind froh, wenn wir wieder gesund nach Hause kommen.

Kritisch betrachtet: Wir können schnell, sehr schnell sein. Das wissen wir. Doch was nützt das, wenn wir dabei in einen Unfall verwickelt werden? Nichts, denn dann kommen wir sicher zu spät. Schnell ist gut, sicher ist besser. In diesem Sinne – gute Fahrt!

Löschmeister der Verwaltung Gernot Heigl,
Wiener Neudorf

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Wird es uns zuviel?

Die Feuerwehr-Hauptlehrgänge sind neu gestaltet worden. Die Arbeitsgruppe „Ausbildung“ hat sich ernsthaft und sorgfältig bemüht, die bisherigen Materialien möglichst zu straffen, es mußten aber auch neue Gebiete eingeführt werden, die bisher nicht oder nur am Rande gelehrt wurden.

Feuerwehrausbildung muß in Österreich und in Niederösterreich damit rechnen, daß sie von Freiwilligen besucht wird, die durch ihren Beruf – vor allem in unserer wirtschaftlich schwierigen Zeit – immer mehr in Anspruch genommen werden. Das ist die eine Seite.

Die andere Seite ist aber die: Es wäre vom NÖ Landesfeuerwehrverband unverantwortlich, Feuerwehrmänner in führende Positionen zu wählen oder zu entsenden, ohne ihnen das nötige Rüstzeug mitzugeben und zu versuchen, in wenigen Tagen eine Ausbildung zu vermitteln, für die eigentlich viel mehr Zeit nötig wäre. Nichts ist für den Feuerwehrfunktionär und den Feuerwehrkommandanten demütigender und für das Feuerwehrwesen beschämender als ein Funktionär, der sein Handwerk nicht versteht: „Davon habe ich nie etwas gehört.“

Es ist für den NÖ Landesfeuerwehrverband eine ernste Gewissensfrage, ob er auf den Ruf „Führt nicht wieder neue Lehrgänge ein, macht die bestehenden nicht länger!“ mit weniger Ausbildungsangebot und weniger Ausbildungspflicht antworten soll.

Nicht überall wird die Notwendigkeit der Umgestaltung der Lehrgänge verstanden. Vielleicht hat mancher Feuerwehrkommandant noch nicht am eigenen Leib verspürt, daß ihm für die gute Erfüllung seiner Aufgaben manche Information abgeht. Wer einsieht, daß er dies und das braucht, wird auch die erforderliche Zeit finden. Nur der, der von der Notwendigkeit dieser Lehrgänge nicht überzeugt ist, wird gegen ihre Einführung sein.

Es unterliegt keinem Zweifel, daß gute Ausbildung und Einübung in die Kommandantentätigkeiten die Arbeit erleichtern und Probleme lösen helfen, die sonst viel schwieriger zu lösen wären und für deren Lösung man sonst viel mehr Zeit aufwenden müßte. Die Zeit, die man – kniet man sich in die Sache hinein – auf Lehrgängen zubringt, lohnt sich und amortisiert sich im täglichen Feuerwehrdienst.

Für Aufgaben der Menschenführung geschult zu sein, erspart manchen Ärger, der an der Person zehrt, und motiviert den Untergebenen, dem Feuerwehrkommandanten Aufgaben abzunehmen. Die Kunst des Delegierens, des Übertragens von Aufgaben, ist eine - Kunst. Nicht immer sind geeignete Männer vorhanden, sehr oft aber lassen sie sich finden, wenn man – eben die Kunst der Menschenführung und des Delegierens beherrscht. Und genau dies lernt man in den Führungslehrgängen.

Ein nicht geringer Teil der Überlastung mancher Feuerwehrfunktionäre kommt daher, daß sie zusätzlich noch etwa Abschnitts- oder Bezirkssachbearbeiter sind, im FUB-Dienst tätig sind und andere über die Feuerwehr hinausgreifende Tätigkeiten ausüben.

Das Problem ist immer gleich: Wer zu etwas geeignet ist und sich „einspannen“ läßt, der wird auch im Feuerwehrdienst bald überall beliebt, aber auch überall angefordert sein. Ob nicht noch Führungsreserven in unseren Feuerwehren stecken?

Vielleicht müssen wir auch noch eines lernen:

Feuerwehrdienst kann man nicht so nebenbei machen, man muß sich mit ihm beschäftigen, man muß etwas (viel) lesen, der Feuerwehrdienst muß einen immer wieder verfolgen. Vielleicht muß sich mancher auch überlegen, ob er neben der Feuerwehr noch bei den Jägern und bei weiteren drei Vereinen und natürlich auch in der Gemeinde mitmachen kann. Dann wird es zweifellos zuviel. Eine Sache gut und fundiert – das lastet einen Mann, der einen schweren Beruf hat, zweifellos aus.

Eines ist sicher: Mit weniger Ausbildung wird dieses eminent „menschliche“ Problem sicher nicht gelöst, seine Lösung eher erschwert. Man sage ehrlich und konkret, welches Kapitel in unseren Feuerwehr-Hauptlehrgängen der künftige Feuerwehrkommandant oder der Gruppenkommandant wirklich nicht braucht. Man wird kaum eines finden.

Innere Bereitschaft zur Qualitätsarbeit in den Führungspositionen der Feuerwehr, Bemühung, Mitarbeiter zu finden, Abwerfen des Ballastes von Karteileichen und von Leuten, die nichts tun – das wird den Feuerwehrdienst überschaubar und vollziehbar bleiben lassen.

Als 1970 das NÖ FFG eingesetzt wurde und an die Kommandanten ernstere Anforderungen gestellt wurden, kandidierten manche bei der nächsten Wahl nicht mehr, weil sie nicht mehr umlernen wollten. Wir haben damals die sich abzeichnende Chargen- und Funktionärskrise überstanden, und die Lehrgangsvoraussetzungen waren wenige Jahre später Selbstverständlichkeit. Vielleicht stehen wir wieder vor einer solchen Entwicklung.

Schneider

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Mit Qualität und Herz

Ich habe in letzter Zeit mehrere Feuerwehrfeste besucht und habe mir dabei Gedanken gemacht.

23. und 24. April 1985: Hagenbrunn. Schon um 14.00 Uhr hatte eine ausgezeichnete Einsatzübung stattgefunden (Scheunenbrand, Explosion in einem Müllfahrzeug, Retten eines eingeklemmten Pkw-Fahrers), abends empfing die Feuerwehr in einer ausgeräumten Fahrzeughalle. Alles war für den Heurigen hergerichtet (Geld braucht man natürlich), aber es war alles festlich. Der Kommandant sprach von den schweren Bränden 1876 und von den Tagen im Jahre 1945, die Feuerwehr hatte ihre Partnerfeuerwehr aus Slowenien eingeladen, der Bürgermeister sprach von der Wertschätzung, die die Feuerwehr in dem Ort genieße, eine schöne Festschrift wurde verteilt, die Ehrengäste erhielten Erinnerungsmedaillen, Bezirksfeuerwehrkommandant OBR Josef Els wurde mit der Ehrenmitgliedschaft („eine der besten Feuerwehren unseres Bezirkes“) bedacht. Die Glückwünsche der slowenischen Kameraden klangen echt und herzlich, der neue Präsident der NÖ Landwirtschaftskammer, Schwarzböck (selbst Hagenbrunner), konnte als Urenkel des Gründerkommandanten sprechen. Mit Einbruch der Dunkelheit zog man mit Fackeln zum Kriegerdenkmal und gedachte der Toten.

Die Kinder, die mit Begeisterung ihre Fackeln trugen, vergessen das Erlebnis wohl nicht. Anschließend ging’s lustig her in der Festhalle, ebenso am folgenden Tag nach der feierlichen Dankmesse.

Eine Woche später, am 4. Mai 1985, in Bisamberg. 100 Jahre Feuerwehr. Monatelang hatte man geplant und nichts dem Zufall überlassen. Man zog in geschlossener Formation zur Pfarrkirche hinauf, der Kirchenchor sang zu Ehren der Feuerwehr eine Mozartmesse, der Pfarrer hielt eine ausgezeichnete Ansprache, die Feuerwehrjugend und die jungen Feuerwehrmänner umgaben den Geistlichen. Eine sehr überlegte Totenehrung. Eine Art Zeremoniär sorgte dezent für ruhige Abwicklung und wies Plätze an. Ein an sich einfacher Saal war zum Festsaal geworden, gefüllt mit Menschen. Ausgezeichnete Idee, die Feuerwehr unter Applaus feierlich in den Saal einmarschieren zu lassen.

Auch hier großer Respekt vor der Feuerwehr als wichtiger Einrichtung der Gemeinde und des Gemeindebewusstseins, Ehrungen, auch für altgediente Kameraden und für Frauen (Urkunde und Blumen, eine der Geehrten war die Gattin des Kommandanten, genannt „Frau Chefin“), Worte des Landesfeuerwehrkommandanten. Die liebenswürdige Verlegenheit des Kommandanten, als ihm der Ehrenring der Marktgemeinde überreicht wurde. Und dann eine ausgezeichnet gemachte Dia-Schau (drei Projektionsapparate zugleich) mit sorgfältig verarbeitetem Text. Endlich taten sich die Türen auf und binnen fünf Minuten war der Saal in einen Speisesaal verwandelt, jeder der Hunderten Gäste (die Bevölkerung war wirklich gekommen!) konnte sich, stehend plaudernd, an Schmalz- und Wurstbroten und einem Glaserl Wein laben (keine Festtafel für einige Auserwählte). Am nächsten Tag ging’s im ausgeräumten Feuerwehrhaus beim (meist überfüllten) Heurigen hoch her. Die Feldküche dampfte, die bedienenden Männer und Frauen trugen rote Schürzen mit dem Aufdruck „Feuerwehr Bisamberg“, ein Zeichenwettbewerb der Volksschule begeisterte Kinder, Eltern und Omas. „Wir haben uns alle einige Tage Urlaub genommen“, gestanden die Männer. Ein Fest mit Generalstabsarbeit, und doch wirkte alles locker, charmant, gar nicht „offiziell“. Ein Fest, formvollendet, mit hohem Geschmack.

Und das dritte Fest, 5. Mai 1985. Florianitag in der ganz kleinen Feuerwehr Thern (7 – Bezirk Hollabrunn). Ein kleines Dorf, stark von der Abwanderung bedroht. Ein Terrakotta-Florian aus dem Jahr 1919 war restauriert worden und wurde neu gesegnet. Herrlicher Tag, die Bevölkerung zog in Bittprozession von der Pfarrkirche in den kleinen Ort Unterthern. Unter Linden die sehr hübsche Statue, davor der Volksaltar. Die Feuerwehrmänner hatten in Einsatzbekleidung und Feuerwehrhelm links und rechts vom Volksaltar Aufstellung genommen, tadellos adjustiert, die Krägen der grauen Diensthemden ausgeschlagen. Einfach, ordentlich. Die Messe mit der Bauernkapelle, Dankesworte des Ortsvorstehers. Da eine Ortsumfahrung existiert, hatte man einfach die Ortsdurchfahrt abgesperrt und die Bänke auf der Straße, vor der Florianistatue, aufgestellt. Eine Festansprache, die auch des vorbeugenden Brandschutzes und er Notwendigkeit, zu üben, nicht vergaß, leitete zu einer Einsatzübung über, zu der die Männer direkt von der Feldmesse abrückten. Ein Ereignis für alle Anwesenden, natürlich auch für die Kinder, aber auch für die Mütter und Mädchen. Einfach, mit den Möglichkeiten einer ganz kleinen Feuerwehr. Hinter einem Stadel hatte schon die ganze Zeit ein alter Waschkessel geraucht („Löscht ja nicht den Wurschtkessel!“), und nach Ende der Übung saßen die Einwohner bei Würsteln und einem Viertel beisammen, mitten auf der Straße. Und zum Mittagessen war man wieder daheim.

*

Alle drei Feste haben mir ausnehmend gefallen. Darf ich sagen warum?

- Jede Feuerwehr hat ihren eigenen Stil entwickelt.

- Jede Feuerwehr hat auf den Charakter des eigenen Ortes Rücksicht genommen.

- Jede Feuerwehr hat lang und viel geplant und hat sich etwas überlegt.

- Jede Feuerwehr wollte eine gute Visitenkarte abgeben.

- Keine Feuerwehr hat unerlaubt schlampig improvisiert („Es wird schon gehen“), man spürte überall überlegten Gestaltungswillen.

- Jede Feuerwehr nahm ihr Fest ernst und betrachtete es als offizielle Angelegenheit.

Aus jeder der Veranstaltungen sprach ein gesundes Selbstbewußtsein, an jeder Veranstaltung nahmen die Spitzen der Gemeinde teil und betonten, man könne die Feuerwehr aus dem Leben der Ortschaft nicht wegdenken, die Feuerwehr sei wichtig und sei jung wie am ersten Tag. Beglückend fast, daß in allen diesen Orten kein Nachwuchsmangel herrscht, die Jugendlichen also nicht zu faul und zu gleichgültig sind, zur Feuerwehr zu gehen.

Unsere Feuerwehrfeste haben eine wichtige Funktion. Nicht nur, daß sie auch Geld bringen. In erster Linie zeigen sie, wie sehr das Feuerwehrwesen letztlich in der Bevölkerung verankert ist. Die Feuerwehr „traut“ sich mit Selbstbewußtsein an die Öffentlichkeit, und sie entwickelt bei der Anfertigung dieser offiziellen „Visitenkarten“ erstaunlichen Geschmack und Sinn für das Mögliche: Sie schöpft ihre Möglichkeiten aus, und sie versucht nicht, über diese hinauszugehen. Und überall tut die Bevölkerung mit und zeigt, daß sie mit ihrer Feuerwehr zu feiern bereit ist.

Feuerwehr – eine wichtige Einrichtung des Ortes. Unsere Feste sind notwendig, sie bringen uns aber auch selbst ein gesundes Selbstbewußtsein. Man kann sie freilich nicht schlampig improvisieren. Sie verlangen Witz und organisatorisches Können, aber auch Herz und Liebenswürdigkeit. Daß sich Jugendliche so in ein Dorfgeschehen integrieren lassen, ist erfreulich: Was da 18jährige geübt, organisiert, Bierkisten geschleppt, Brötchen gerichtet, sich in korrekte und saubere Uniformen gezwängt haben! Feuerwehr als Erzieher, als „moralische Anstalt“.

Feste – eine Visitenkarte nicht für Techniker und Vereinsmeier, sondern für eine Organisation, die etwas darstellt.

Schneider

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Das „Danke“ und die „Goschn“

25. Mai 1985. Eine Bewerbsgruppe der FF St. Pölten-Stadt ist mit einem Einsatzfahrzeug unterwegs zum Übungsplatz. Kuppeln üben. Feinputz für den Löschangriff. Die Bewerbe stehen vor der Tür.

Die Kameraden kommen gerade zurecht zu einem Verkehrsunfall. Pkw gegen Moped. Die schwerverletzte Mopedlenkerin liegt blutüberströmt auf der Straße. Die Kameraden springen aus dem Fahrzeug, bringen die Frau in Bauchseitenlage. Dann trifft die Polizei ein, ein Rettungsfahrzeug bringt die Verletzte in das Krankenhaus. Die Kameraden fahren zur Übung weiter.

Es hat viele Augenzeugen gegeben, trotzdem schwirrt wenige Stunden später in der Stadt das Gerücht, die Feuerwehr hätte die Frau zusammengefahren.

Am nächsten Tag kommt Herr X. in das Dienstzimmer der Feuerwehr. Stellt sich als Gatte der verletzten Frau vor. Er dankt für die schnelle Hilfeleistung durch die Feuerwehr. Er ist bereits von mehreren Seiten gefragt worden, was denn die Feuerwehr da angestellt hat. Der Gatte hatte eindeutig richtiggestellt. Und daß seine Frau möglicherweise der Feuerwehr das Leben verdankt.

Er schenkt der Feuerwehr einen Koffer mit Werkzeug. Denn er ist Vertreter in der Werkzeugbranche.

Er hat richtiggestellt. Er ist eigens zur Feuerwehr gekommen. Hat Danke gesagt. Zuerst Verdächtigungen aus der Gerüchteküche. Und gleich darauf Noblesse. Manchmal graust einem vor den Menschen. Und dann möchte man die Menschen wieder umhalsen. Gute und schlechte menschliche Reaktionen liegen so knapp nebeneinander.

Zu helfen, gleichgültig, ob man ein Danke hört oder „eine Goschn angehängt bekommt“ – das ist gar nicht so leicht.

Wir Feuerwehrmänner sollten das können.

Schneider

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Wie die kleinen Kinder

Eine Freiwillige Feuerwehr beteiligt sich als uniformierte Formation am Begräbnis eines wichtigen Förderers oder eines Kameraden. Der Trauerzug begibt sich in die Kirche, die Feuerwehr aber schwenkt seitlich ab, formiert sich erst nach der Totenmesse wieder und reiht sich in den Leichenzug ein, der eben die Kirche verläßt. Während der Messe stehen die Uniformierten vor der Kirche, rauchen und unterhalten sich, einige gehen ins Gasthaus auf ein Achterl (oder ein Vierterl).

Oder Fronleichnam. Die Feuerwehr beteiligt sich korporativ. Von Altar zu Altar wird der Zug der Feuerwehr kürzer, da drückt sich einer in eine Nebengasse, dort wittert einer ein Gasthaus.

Dazu einige Überlegungen.

In der Feuerwehr werden die politischen und religiösen Überzeugungen der Feuerwehrangehörigen respektiert. Niemand soll zu Handlungen gezwungen oder genötigt werden, die seiner Überzeugung nicht entsprechen. Das ist durchaus ernst zu nehmen.

Bisweilen rückt die Feuerwehr gemeinsam zu religiösen Veranstaltungen (Fronleichnam) oder zu Veranstaltungen mit religiösen Teilen (Begräbnisse, Erntedankfest) aus.

Rückt sie aus, so bedeutet das nicht automatisch, daß sich die einzelnen Feuerwehrmänner mit der Religion und ihren Zielsetzungen identifizieren. Die Kirche soll auch nicht jeden Feuerwehrmann, der in Uniform im Rahmen seiner Korporation eine Kirche betritt, zum gläubigen Menschen ernennen. „Die Feuerwehr“ und nicht unbedingt der einzelne geht in die Kirche.

Feuerwehrmänner, die (wirklich) aus Gewissensgründen unter keinen Umständen eine Kirche betreten und an keiner religiösen Veranstaltung teilnehmen, mögen das der Feuerwehr melden. Man wird sie nicht dienstlich nötigen oder gar zwingen.

Wie ist das bei geschlossener Teilnahme von Feuerwehrformationen an Begräbnissen? Die Angehörigen und Freunde des Toten beteiligen sich an den Feierlichkeiten und respektieren die Form des Begräbnisses, die der Verstorbene oder seine Angehörigen gewünscht haben.

Einen Verwandten oder Freund, der während der Totenmesse zigarettenrauchend und plaudernd vor der Kirche herumsteht, wird man für geschmacklos und unhöflich halten. Entweder man kommt und nimmt an der ganzen Veranstaltung teil, oder man kommt besser nicht. Alles andere ist peinlich. Genau das gilt auch für eine teilnehmende Feuerwehrformation. Feuerwehren, die sich wie eingangs geschildert verhalten, bringen die Feuerwehr als Ganzes in Verruf.

Fragt man bei solchen Männern (meist durchaus ehrenwerte Männer) herum, werden praktisch nie Gewissensgründe geltend gemacht. Die Gefragten lächeln leicht verlegen – sie ersparen sich halt gern die religiöse Handlung. Gerade dieses verlegene Lächeln bringt erwachsene Männer auf das Niveau von Schulkindern, die schwänzen und sich drücken, wenn es leicht geht. Und es ist ihnen lieber, wenn die Frau und die Kinder von der Sache nichts erfahren und wenn diese ihnen keine diesbezüglichen Fragen stellen. Dies aber ist wieder ein untrügliches Zeichen dafür, daß diese Männer bei der Sache kein gutes Gewissen haben. Zugleich würden sie ihren eigenen Kindern „solche Sachen“ keineswegs durchgehen lassen.

In nicht wenigen Gemeinden wird über diesen Zustand gesprochen. Und es wird dann nicht gut über die Feuerwehr gesprochen. Mit Recht. Ernste Männer sollten sich nicht selbst in die Situation bringen, nur mit einem verlegenen Lächeln „antworten“ zu können. In jeder Feuerwehr sollte es einen gewissen Stil geben, und alle (seien sie 18 oder 50 Jahre alt) sollten zurechtgewiesen werden, die bei einem offiziellen Zug (z. B. Begräbnis) die Kirche schwänzen – wie die kleinen Kinder.

Schneider

 

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Wahlen

In den ersten vier Monaten des Jahres 1986 finden die Wahlen der Funktionäre der einzelnen Feuerwehren und der Funktionäre des NÖ Landesfeuerwehrverbandes statt. Es wird überlegt, es wird geworben. Manche Funktionäre überlegen, ob sie wieder kandidieren sollen, andere scheiden mit Sicherheit aus.

Viel, sehr viel könnte man „menschlich...“ zu diesem Thema sagen. Niemand möge sich beleidigt fühlen über das, was zum Thema hier gesagt wird, es möge aber auch niemand böse darüber sein, daß nicht gesagt wird: „Anwesende (Leser) sind natürlich ausgenommen.“

  • „Ich habe das im kleinen Finger. Ich habe die Erfahrung. Ich weiß, wie man das macht.“ Aber: Der Mensch wird auch müde, er verliert an Spannkraft. Die Familie oder der Beruf fordern ihn mehr. Als Neugewählter hat einer Initiativen entwickelt, hat manches durchgesetzt. Er hat aber Enttäuschungen erlebt, er ist skeptisch geworden. „Das geht bei uns nicht.“ Wiegt langjährige Erfahrung diese Nachteile immer auf?
  • „Wir haben im Bezirk (im Abschnitt, in der Feuerwehr) niemand anderen. Mach weiter!“ Stimmt das in jedem Fall? Oder hört man das selbst nicht ungern? Hat der tüchtige Kommandant es versäumt, einen Nachfolger aufzubauen? Seit 120 Jahren müssen neue Funktionäre gewählt werden, und immer wieder finden sich tüchtige Leute. Ist das jetzt anders?
  • „Ich tu mir das nicht an. Wir haben ohnehin einige Männer, die nicht ungern Kommandant werden.“ Das stimmt vielleicht. Aber da kommen einige Kameraden und bitten einen anderen Mann, das Amt anzunehmen, wenn die Wahl auf ihn fallen sollte. Natürlich kann man sagen: „Laßt mich in Ruhe!“ Aber irgendwann wird sich ein ehrlicher, aufrechter Mann mit Gewissen im stillen Kämmerlein und im Gespräch mit seiner Frau auch ehrlich fragen müssen: „Wer sind die Leute, die sich bewerben? Würden sie es ebenso gut machen wie ich? Wäre ich, bei aller nüchternen Selbsteinschätzung, der bessere Mann? Habe ich wirklich weniger Zeit als andere? Weise ich, wenn es um Belastungen geht, immer von mir weg und auf die anderen? Oder kommt irgendwann der Zeitpunkt, wo ich ehrlich sagen muß: ‚Wenn du jetzt nein sagst und die Sache auf andere abschiebst, läufst du vor der Verantwortung davon. Und du verlierst das Recht, Kritik zu üben, weil du selbst nicht bereit bist, die Ärmel aufzustrecken und anzunehmen.’“
  • Ob nicht mancher diesmal sagen sollte: „Ich stelle ein paar Jahre meines Lebens der Öffentlichkeit zur Verfügung. Ich habe nicht das Recht, ein ganzes Leben lang um punkt 3 Uhr heimzugehen, nur meinen Privathobbies zu frönen und zu sagen: Mich geht das nichts an.“
  • Ist der der richtige Kandidat für das Amt des Feuerwehrkommandanten, der zwei Jahre vorher schon keine harten Entscheidungen mehr trifft, nur damit er sicher wieder gewählt wird?
  • Müßte in der Feuerwehr dringend manches geändert werden? Ist anzunehmen, daß der bisherige Kommandant nach der Wahl nachholt, was in der letzten Zeit verabsäumt worden ist? Oder muß man rechnen, daß es nach der Wahl weitergeht wie bisher? Darf man sich eine ernste Wahldiskussion ersparen, nur um den (früher – auch jetzt noch?) verdienten Kommandanten nicht zu kränken oder weil man Angst hat, ein neuer Kommandant könnte manchen eingerissenen Schlendrian abstellen (der einen vielleicht auch selbst betrifft)?
  • Ist mancher nur deshalb Kommandant, weil er mit sich daheim nichts anfangen könnte? Braucht mancher die Funktion, um sein sonst eher schwach entwickeltes Selbstbewußtsein mit einer öffentlichen Stellung aufzupolieren?
  • „Ich stelle mich nicht. Ich sehe doch, man hat von diesem Amt nur Verdruß und keinen Dank.“ Ist das immer Grund genug, sich zu versagen?
  • Ist es falsch, ist es unzumutbar, sich einzugestehen, daß man einem Amt nicht oder nicht mehr gewachsen ist? Daß man mit den neuen Entwicklungen nicht mehr Schritt halten kann, daß man nicht mehr die Zeit, das Interesse und die Energie hat, ein Fachbuch zu lesen, auf einen Lehrgang zu fahren?
  • Ist die Dreifachbelastung Beruf – Kommandantenamt – Familie für manchen untragbar geworden? Wird das vermutlich in den nächsten Jahren zur Katastrophe führen – im Beruf und/oder in der Feuerwehr und/oder in der Familie und/oder bezüglich der Gesundheit? Wäre eine Wahl der geeignete Zeitpunkt, ungelöste aber anstehende Probleme zu lösen und Notwendigkeiten ins Auge zu sehen? Sollte man über solche Fragen mit seiner Frau ein ernstes Gespräch führen? Hat sie bei einer solchen Entscheidung nicht ein ernstes, nicht nur beratendes, sondern auch wirklich mitentscheidendes Wort mitzureden? Sie hat die Folgen solcher Entscheidungen mitzutragen und darf nicht ausgeschaltet werden.
  • Ein Kommandant sagt: „Nein, danke, ich kann nicht mehr, es hat ja doch keinen Sinn.“ Daß der Mann resigniert, kann auch Schuld seiner Feuerwehr sein. Die Männer haben ihn einfach allein gelassen, sie haben in unsachlicher Weise intrigiert, sie haben alles besser gewußt, ohne selbst einen Handgriff zu tun. Sie haben nie offen und ehrlich mit ihm gesprochen und haben nur hinterher kritisiert. Jetzt agitieren sie: „Wir brauchen einen neuen Kommandanten.“ Weil sie den bisherigen hängengelassen und so zum Scheitern gebracht haben. Und den neuen werden sie wieder allein lassen. Sie agitieren, sie wählen, sie beglückwünschen den Neuen, und haben wieder, für mehrere Jahre, ihre Pflicht getan.
  • Auch die Mannschaft selbst hat sich Gedanken zu machen – nicht nur über die Führungskräfte, sondern auch über sich selbst. Daß ein Kommandant, bitter und müde geworden, geht, daran ist kaum jemals er allein schuld.
  • Je höher die Funktion, in die einer gewählt wird, desto stärker die Doppel- und Dreifachbelastung. Ein hohes Amt in der Feuerwehr soll auf dem Vertrauen der einfachen Feuerwehrmänner aufbauen. Aber wer Unterabschnittskommandant wird, muß diese Funktion zusätzlich zur Kommandantenfunktion ausüben, wer Abschnittskommandant wird, hat den Unterabschnitt und kann sich von der eigenen Feuerwehr und vom Unterabschnitt nicht ganz dispensieren lassen. Das zehrt an den Kräften. Nicht wenige Feuerwehrmänner hetzen die besten Funktionäre in die Erschöpfung und in den Mißmut, indem sie auch vom hohen Funktionär die Anwesenheit bei jeder Übung, bei jeder Besprechung verlangen und vergessen, daß auch das höhere Amt seine Verpflichtungen und seine Termine hat. Kleine, böse Bemerkungen, die vielleicht gar nicht dramatisch ernst gemeint sind, treffen durchaus persönlich: „Ist sich der Herr Abschnittskommandant zu gut, daß er noch zu unseren Übungen kommt?“ Freut sich eine Feuerwehr, wenn einer ihrer Männer in höhere Ämter gewählt wird, dann soll sie sich vorher genau überlegen, wieweit sie bereit ist, den Kameraden nicht nur nach der Wahl, in feierlicher Rede, sondern in der langen Zeit der Funktionsperiode wirklich freizuspielen. Tut das eine Feuerwehr nicht, so zermürbt sie – oft im Unverstand – ihre besten Männer.
  • „Wahl? Unser Kommandant macht seine Sache gut, er hat unser Vertrauen, wir helfen ihm. Er wird wiedergewählt. Kein Problem.“ Erfreulich, wenn es so ist. Und bei den meisten Feuerwehren und in den meisten Abschnitten und Bezirken ist es wohl auch so.
  • Es wird immer belastender, Kommandant und höherer Funktionär zu sein. Wir sollten unsere Führungskräfte nicht verheizen. Das würde an die Substanz gehen. Und es mögen doch bitte bei den Wahldiskussionen nicht jene das große Wort führen, die selber keinen Finger rühren.
  • Wahlzeiten sind Zeiten der Wahrheit. Oder Zeiten der Unehrlichkeit, der Halbwahrheiten, der Intrigen, der großen Versprechungen?

Gute Wahlen wünscht

Schneider

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Nach den Wahlen

Wir haben gewählt. So manches ist geschehen. Mancher Kommandant, mancher Stellvertreter ist ohne viel Diskussion bestätigt worden: „Du machst das weiter.“ Vielleicht ist dieser neuerliche Vertrauensbeweis nicht überall gründlich genug überlegt worden, und man hätte eine gründlichere Wahldiskussion gewünscht.

Andernorts hat es harte Diskussionen gegeben. War die zu Ende gegangene Wahlperiode eine Periode der versäumten Gelegenheiten? Dabei hat sich die Mannschaft mancherorts (nicht überall) bei der eigenen Nase genommen und Mißerfolge nicht nur dem Kommando (dem Kommandanten) in die Schuhe geschoben, sondern erkannt, daß sie selbst das Kommando im Regen stehen gelassen hat.

*

Andere meinten, Wahl bedeute nur Auftrag an das Kommando, wieder fünf Jahre zu arbeiten. Wahl eines Kommandos der Kuli, die die Arbeit machen, damit der Rest der Feuerwehr schlafen kann bzw. nur mit Mühe weitergeschoben wird.

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Wahlzeiten, Männer sind aufgetaucht, die man seit Jahren nicht mehr in der Feuerwehr gesehen hat. Jetzt haben sie große Feuerwehrpolitik betrieben. Nach der Wahl sind sie wieder verschwunden.

*

Denkzettelwähler. Da hat der Kommandant einen Feuerwehrmann etwas energischer zur Arbeit angehalten, da hat er einem etwas zu deutlich gesagt, er solle doch nicht so unzuverlässig sein. Da sind ihm einmal die Nerven durchgegangen, und er hat einen unhöflich „angekotzt“. Oder gar: „Das schaut doch nichts gleich, wenn dir die Haare so lang aus dem Helm heraushängen.“ „Was bildet der sich eigentlich ein?“ Es geht gar nicht darum, ob der Kommandant mit seinen Vorwürfen recht hat. „Dem geben wir einen Denkzettel.“ Und auf einmal ist es passiert: 10 bis 15 Gegenstimmen. Die Mehrheit für den Kommandanten, dessen Amtl ohnehin keiner haben will, geht in Ordnung, aber dieser ist in seiner Energie, in seinem Schwung, seiner Freude, seiner Schaffenskraft angeschlagen – nicht sehr zum Vorteil der Feuerwehr. Er will „den Hut draufhauen“. „Aber das haben wir ja nicht gewollt“, beteuern die Denkzettelwähler. Aber die Scherben liegen da.

*

„Wir sind auch nur Menschen und wollen nicht angekotzt werden. Mit uns kann man menschlich reden.“ „Besteh’ doch nicht nur auf deiner Linie! Laß dich in eine ernste Diskussion ein!“ Die Leute haben eine wohlüberlegte Meinung. Du benimmst dich wie ein Direktor. „Das lassen sich die Leute auf die Dauer nicht gefallen.“ Eine faire Sachauseinandersetzung, in der beide Teile ihre Standpunkte formulieren dürfen, kommt nicht zustande. Der Kommandant „schluckt“ nicht begründete Vorwürfe. Die anderen kommen sich nicht ernst genommen vor. „Wir können das auch“, kommt plötzlich das Wort, das zur Aufstellung eines Gegenkandidaten führt. „Und so habe ich mich geplagt“, kommen nachher die bitteren Worte. Arbeit, Tüchtigkeit, aber auch ein partnerschaftlicher Führungsstil gehören zu einem guten Kommandanten.

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Lokalkämpfe, Regionalkämpfe waren hoch im Kurs. Da ist ein Funktionär ausgeschieden. „Wer ist der beste Nachfolger?“ Aber da kamen jahrzehnte-, jahrhundertealte Dorfsticheleien zum Vorschein. „Jetzt war das Kommando so lange in dem einen Ort. Jetzt müssen einmal die anderen drankommen.“ „Aber in dem Ort ist ein ausgezeichneter Mann!“ Uninteressant. „Jetzt wollen einmal wir drankommen.“ Ein möglicher Kandidat kommt aus einem eher kleinen Ort? „Das Kommando gehört in unseren Markt, in unsere Stadt.“

*

Viele sind unzufrieden. Schlamperei. Kein Zug im Kommando. „Wenn Sie überzeugt sind, daß das Kommando nicht gut ist, wählen Sie doch ein anderes! Es sind doch auch andere gute Männer da.“ Aber keiner will. Keiner hat Zeit.

Ein neues Kommando würde mit der Schlamperei aufräumen – das will man eigentlich nicht. Also wird weitergeschimpft, aber man hat seine Ruh’. Und im Dorf wird es keinen Streit geben.

*

Ein verdienter Kommandant geht in Pension. Die Neuen haben ihre Pläne, legen sich ins Zeug. Wollen manches anders machen. „Wir haben vom alten Kommando einen ganzen Pack unerledigter Dienstpost übernommen. Wir wollen das jetzt aufarbeiten.“ Es tut sich was in der Feuerwehr. Hoffentlich verstehen es die Neuen, auch die Leistung ihrer Männer anzuheben. Oder wird es bald anfangen: „Was sich die auf einmal einbilden. Dreimal im Jahr die TS herausnehmen genügt; wir kennen uns ohnehin aus. Bisher ist es auch so gegangen!“

*

Erstaunlich, wie hoch die Leidenschaften gegangen sind. Hitzköpfe, sachlich, bedächtig Argumentierende, die nur die Sache im Auge hatten. Menschen, die an ihrem Amt Freude haben und es nicht verlieren wollen. Menschen, die Freude am Dienstgrad, an der Führung, an der Verantwortung haben und die sich einsetzen, damit sie nicht entfernt werden. Lauter Motive, die zu Hochleistungen unserer Männer führen und die man nicht verteufeln soll. Aber bei aller Ehrenwertigkeit dieser Argumente soll doch wohl das Argument ausschlaggebend gewesen sein: „Wer führt unsere Feuerwehr am besten?“

*

Manche menschliche Panne ist passiert. Argumente, die wenig mit der Sache zu tun haben, sind vorgebracht worden, aber auch viel durchaus Richtiges ist gesagt und diskutiert worden. Es ist auch vorgekommen, daß Funktionäre machtlos zusehen mußten: „Hier wird aus durchsichtigen Gründen ein tüchtiger Mann ‚abgeschossen’.“

*

Und trotzdem. Trotzdem. Die Wahldiskussionen sind wichtig. Viel Unbehagen würde nicht ausgeredet werden und würde unterirdisch weiterschwären. Wir haben manchmal Sehnsucht nach einem starken Mann. Aber seien wir froh, daß wir wählen dürfen. Die Demokratie hat ihre Nachteile, aber ihr entscheidender Wert ist, daß man durch sie eine ungeliebte Regierung, ein ungeliebtes Kommando abwählen kann. Das sollten wir nie vergessen. – Freilich, zu guter Demokratie gehören reife Menschen. Dieser Reifungsprozeß unserer Feuerwehren dauert nun schon 125 Jahre. Er ist weit fortgeschritten. Ist er schon ganz abgeschlossen?

*

Wunden werden vernarben. Neue Kommanden werden zeigen dürfen, was sie können. Jetzt geht es nur mehr um die Feuerwehr und um sonst nichts. Und Beleidigtsein hilft nichts.

An die Arbeit, Kameraden!

Schneider

menschlich ... 41

-10% ich mach´ mit!

„Minus 10 Prozent“

Warum die Feuerwehr unbedingt mittun sollte

 

Die Anzahl der Verkehrsunfälle mit Personenschaden ist zwar in den letzten Jahren zurückgegangen, viele Menschen sind aber der Ansicht, diese Zahl könne weiter gesenkt werden – um 10 Prozent pro Jahr. Das ist aber, meint man, nur durch „Engagement und Mitwirkung regionaler Einheiten zu erreichen, die in ihrem Bereich wirksame Maßnahmen treffen können“.

Verkehrssicherheitskomitees

Sie wissen sicher: Die Bezirkshauptmänner und die Bürgermeister der Statutarstädte haben „Verkehrssicherheitskomitees“ gegründet und rufen Einzelpersonen und Vereinigungen zur Mitarbeit auf.

„Laßt uns doch in Ruhe damit!“?

Schon wieder ein neues Amtl für die Feuerwehr? Wenn man sie braucht, weiß man, wo sie zu finden ist?

Natürlich sollten wir mittun

Es gibt viele Gründe, warum die Feuerwehr mittun kann, soll, fast muß.

- Vorbeugender Brandschutz ist für die Feuerwehr selbstverständlich. Warum nicht auch alles, was zu einer Verminderung der technischen Hilfeleistungen nach Verkehrsunfällen führen kann?

- Ein technischer Einsatz nach Verkehrsunfällen ist doch kein Vergnügen für die Feuerwehr.

- Auch Feuerwehrmänner sind Autofahrer – im Dienst und im Privatbereich.

Wie könnte sich die Feuerwehr also an der Aktion beteiligen? Einige Ideen.

In der eigenen Feuerwehr

- Man kann in der eigenen Feuerwehr eine Grundstimmung, eine innere Haltung schaffen, die besagt, daß Rasen gar nicht interessant, sportlich, „klaß“ ist, daß quietschende Reifen, Kavaliersstarts eher befremdetes Lächeln hervorrufen als bewundert werden (außer im dramatischen Einsatzfall, wenn’s ums Leben geht). Daß einer, der so fährt, eben ein schlechter und nicht ein besonders guter Autofahrer ist und auch als solcher abgestempelt wird.

- Diskussion über das wirklich notwendige Tempo bei der Ausfahrt zum Einsatz. Nur wenn’s ums Leben geht, Tempo, das gerade noch vertretbar ist. Aber nur von wirklichen Könnern des Autofahrens. Der dramatische Einsatzfall darf nicht für 20jährige der Freibrief sein, einmal so richtig „aufzudrehen“.

- Bei vielen technischen Einsätzen spielen eine oder mehrere Minuten keine Rolle.

- Die älteren Feuerwehrmänner können die jüngeren zwingen, sich wenigstens im Feuerwehrbereich auf dem Gebiet des Schnellfahrens wieder im Rahmen der guten Sitten und der Vernunft zu bewegen.

- Das überschnelle Fahren zum Feuerwehrhaus im Einsatzfall ist oft unsinnig. Es sollte in der öffentlichen Meinung der Feuerwehr nicht allzu geschätzt sein.

- Was von Sitzungen und Übungen manchmal mit hohem Promillepegel im Pkw heimgefahren wird! Auch von Funktionären! Aber wir können ja Autofahren! Uns macht das nichts.

Privat

Jeder Feuerwehrmann sollte in seinem Lebensbereich (Beruf oder privat) immer wieder gegen das unvernünftige Schnellfahren und gegen Alkohol am Steuer Stellung nehmen:

- „Wir wissen, wohin das führt.“

- „Wer einen Schwerverletzten aus seinem Auto herausgeschnitten hat, kann Autowildlinge nur mitleidig belächeln oder zornig anfahren.“

- „Ich bin bei der Feuerwehr. Dort haben wir gelernt, besonnen zu sein. Ich habe den Charakter, langsam und besonnen zu fahren und nicht halb besoffen von der Disco oder von einem Fest mit dem eigenen Pkw heimzufahren, auch wenn die Kollegen es tun und das recht chic ausschaut.“

- „Ich habe es nicht notwendig, mir mein Selbstbewußtsein und das Kichern und die Beachtung der Mädchen durch Bravourstückln am Volant zu erringen.“

Bei „-10%

Bei Veranstaltungen der Aktion „-10%“ sollte die Feuerwehr unbedingt mittun – in ihrem eigenen Interesse.

- Ein kurzer Vortrag aus der Erfahrung der Feuerwehr – mit Einsatzfotos von Einsätzen nach Verkehrsunfällen.

- Ein Feuerwehrmann erzählt schlicht und einfach, wie das ist, wenn man zu einem Unfall kommt, gibt einige Beispiele aus der letzten Zeit.

Eindrucksvoller kann die Aktion „-10%“ gar nicht gestaltet werden.

Bei unseren Festen

Wir veranstalten Feste mit Bier, Wein, Schnapsbar – natürlich. Um Fahrzeuge für die Rettung von Menschen nach Autounfällen kaufen zu können. Und dann fahren die Leute mit dem Alkohol, den sie beim Fest „inhaliert“ haben, heim, und wir schneiden sie mit den Geräten, die wir durch diesen Alkohol erwirtschaftet haben, aus ihren Pkw-Wracks heraus.

Tun wir bei unseren Veranstaltungen alles, um das zu vermeiden? Geben wir auch denen noch Wein, die offensichtlich schon „genug“ haben, nur damit die Feuerwehr mehr verdient?

Leichter ist es, nicht hinzuschauen. Verantwortlich gehandelt wird hier aber nicht immer.

- Wie wär’s mit einem „Nach-Hause-Führ-Dienst“? Mit zwei Kleinbussen müßte das zu bewerkstelligen sein. Einige Feuerwehren tun das schon, viele andere haben sich darüber noch kaum jemals auch nur Gedanken gemacht.

- Müssen wir die Gendarmerie immer wieder in Verlegenheit bringen? „Zeigt euch bei unserem Fest nicht allzu sehr und macht keine Kontrollen, sonst trinkt niemand, und die Feuerwehr verdient zuwenig.“ Den Ruf einer ernst zu nehmenden, verantwortungsbewußten Organisation erwerben wir damit ganz gewiß nicht.

Aktion „-10%“ – wir sollten ganz intensiv mittun.

Schneider

 

menschlich ... 42

 

Wir haben auch unseren Stolz

Feuerwehrmänner bei Werbeveranstaltungen?

In letzter Zeit mehren sich die Fälle: Eine Zeitung bietet Feuerwehren Entlohnung, wenn sie beim Vertrieb mithelfen oder wenn sie neue Abonnenten keilen. Eine Agentur, die Verkaufsveranstaltungen durchführt, verspricht der Feuerwehr Geld, wenn ihre Mitglieder oder deren Gattinnen zu diesen Veranstaltungen kommen oder die Nachbarn und die Resi-Tant’ dorthin bringen. Ein Wirt kauft sich ein altes (leider von einer Feuerwehr dem Altwarentandler verscherbeltes) Feuerwehrfahrzeug und schenkt auf diesem Bier aus. Um Besucher anzulocken, verspricht er jedem, der in der Feuerwehruniform kommt, ein Freibier.

Dazu ist „menschlich...“ einiges zu sagen.

Wir Feuerwehren haben eine eigene Gabe, Geld aufzutreiben.

Wir veranstalten Feste aller Art und zeigen uns von unserer charmantesten Seite, damit die Leute kommen und sich wohl fühlen.

Wir gehen in die Häuser sammeln und schlucken nicht selten Abweisungen oder ein Abgespeistwerden mit 10 Schilling hinunter – nur wegen der geliebten Feuerwehr.

Wir basteln selbst Brathendlgriller und freuen uns wie die Kinder, wenn unsere Brathendln gelobt werden.

Wir konstruieren Wunderwerke von „Abwasch“, die wir in unseren Festzelten aufstellen und über hundert Meter mit Wasser, sogar mit Warmwasser versorgen.

Wir verhandeln mit Bierfirmen und mit Musikkapellen wie eiskalte Geschäftsleute (die wir ja an sich gar nicht sind).

Wir sind wie die Laus auf jeden Schilling.

Wir beknien unsere Frauen, damit sie uns bei den Feuerwehrfesten helfen, denn ohne sie wären wir Narren von Feuerwehrmännern aufgeschmissen.

Dann kommt uns einer einmal verkehrt und schimpft über die Feuerwehr. „Ja fix, haben wir denn das notwendig?“ kommt es stumm, leise oder auch einmal laut oder sehr laut über die Lippen – aber sonst passiert eigentlich nichts. Wir buddeln weiter, wir gehen weiter sammeln. Siehe oben.

Aber all das bewegt sich am Rande einer sehr wohl existierenden, wenn auch unsichtbaren Grenze. Nämlich dort, wo es um unsere Selbstachtung geht. Diese Grenze verläuft dort, wo wir uns einfach nur mehr mißbraucht fühlen. Dort etwa, wo sich einer am Samstag selbstverständlich gratis von uns seinen Brunnen und seinen Kanal auspumpen lassen will, um sich die Fachfirma zu ersparen, dort, wo sich einer aufregt, daß wir ihn bei Schneegestöber in der Nacht aus seinem Auto herausholen (obwohl er wußte, daß die Straße verweht ist), und wir haben gewagt, den Einsatz zu verrechnen.

Und. Und. Und.

Wenn wir aber jetzt Zeitungen vergreißeln sollen, wenn wir Keiler für Veranstaltungen sein sollen, damit jemand sein Geschäft mit Decken, mit Staubsaugern, mit Modekreationen macht, wenn man dafür auch noch Gutscheine druckt und auf diesen unser Feuerwehremblem mißbraucht und damit einen feuerwehr„amtlichen“ Anschein erweckt, dann sind die feinen Grenzen überschritten. Dann müssen wir die Gemeinde fragen, ob sie der Meinung ist, daß sich ihre Freiwilligen, die dem Gemeindesäckel Hunderttausende ersparen, auf solche Weise das Geld für die Feuerwehr verdienen sollen. Sie soll dann sagen, ob das noch innerhalb der Würde der Feuerwehr ist, oder ob es da anfängt, der Gemeinde unheimlich zu werden.

Irgendwo muß die Mentalität, die Feuerwehr werde sich ihr Geld schon irgendwo auftreiben, ein Ende haben – bei der Gemeinde, aber auch bei den Feuerwehren selbst.

Feuerwehrmänner! Wir sind uns zu gut, uns und unsere Familien mißbrauchen zu lassen. Wenn diese Firmen ehrlich zu zahlen bereit sind, werden sie bezahlte Mitarbeiter finden. Wenn sie uns anreden, so heißt das, daß sie es billig haben wollen, und das ist ein Mißbrauch Freiwilliger. Und verachtet jene unter euch, die die Feuerwehruniform anziehen, damit sie irgendwo ein Freibier bekommen.

Feuerwehren, laßt Euch nicht mißbrauchen!

Feuerwehrkommandanten! Geht mit der Bereitschaft (und mit der Gutmütigkeit) Eurer Männer vorsichtig um und überzieht sie nicht!

Wenn der Brandschutz, wenn die technischen Hilfeleistungen finanziell einmal auf diese Weise sichergestellt werden müssen, dann ist wirklich etwas faul.

Schneider

menschlich ... 43

 

Besonnene Männer sind gesucht

Einiges, das uns nicht gefällt, ist in letzter Zeit passiert. Ein junger Feuerwehrmann „borgt“ sich ein Einsatzfahrzeug aus und fährt die Böschung hinunter. Ein anderer „testet“ die Feuerwehr und zündet einen Bauernhof an, um festzustellen, wie schnell seine Kameraden zum Brandplatz kommen. Ein Feuerwehrmann telefoniert bei seiner eigenen Feuerwehr an und meldet einen Verkehrsunfall. Bei der Fahrt zum „vermeintlichen“ Einsatz verunglückt er tödlich.

Wir müssen dazu etwas sagen.

- Bei 501.874 gefahrenen Kilometern der Feuerwehren pro Jahr (NÖ-Jahreswert 1986) passiert einmal etwas – keine Frage.

- Die Feuerwehr fährt unter schwierigsten Bedingungen.

- Die Feuerwehr profitiert von der Bereitschaft der Menschen, schnell zu helfen, das schnelle Fahren gehört irgendwie zum System.

- Schnellsein drückt Lebensgefühl junger Menschen aus.

- Ohne Begeisterung ihrer Männer müßte die Feuerwehr zusperren.

- Die noch ungezügelte Begeisterung junger Männer ist ein Problem, das die Feuerwehr genauso hat wie jede Familie.

- Warum sollte die Feuerwehr von jedem Ehrgeiz verschont bleiben? Wir brauchen Ehrgeiz. Ohne Ehrgeiz würden viele, viele nicht gratis in der Feuerwehr mitarbeiten.

Alles klar. Aber was tun gegen die Auswüchse? Ehrgeiz, Schnelligkeit, Lebensgefühl unserer jungen (und älteren) Männer für die Feuerwehr „ausnützen“ (in deren Dienst stellen) und doch die menschlichen Leidenschaften „im Griff“ haben – wie?

Vielleicht so.

Eine Feuerwehr lebt auch vom Bestreben und vom Drang, die beste, die tüchtigste, die schneidigste zu sein. Ist ihr alles wurscht, wird sie leistungsmäßig bald abfallen. Aber kommt vielleicht bei diesem Drang, bei diesem Stolz ein ungesunder Fanatismus ins Spiel, der die ganze Feuerwehr erfaßt? Junge Leute atmen diesen Geist (Ungeist) ein, ohne es zu merken.

Der Wettbewerbsgedanke ist gut. Übertreiben wir ihn bisweilen? Auch bei Leistungsbewerben? Dramatisieren wir, als seien Leistungsbewerbe und ein Spitzenplatz dabei die halbe Seligkeit und zeigten erst so recht die Qualität einer Feuerwehr und jedes einzelnen Mannes?

Haben unsere jungen Leute in der Feuerwehr genug Erfolgserlebnisse? Wissen sie, daß sie bei uns, bei der Feuerwehr, Erfolg(serlebnis) haben können, aber nur durch ernste und solide Arbeit? Lassen wir sie das immer wieder spüren? Loben wir also genug – und für die richtige Sache? Übersehen wir manchmal gute Leistungen unserer jungen Männer? Kommen sie gerade zur richtigen Zeit „zum Zug“? Dann, wenn sie etwas können und gute Leistung gebracht haben? Oder müssen sie manchmal ungebührlich lang warten, weil Ältere sie nicht „zuwilassen“? Oder überschätzen sich manche junge Menschen und sehen sich zurückgesetzt, wo wirklich noch die Qualifikation fehlt?

Sind unsere jungen Burschen von den älteren Kameraden, von den Brandmeistern, von den Gruppenkommandanten, menschlich richtig und ausreichend betreut? Oder genügt es uns, wenn die Burschen zu den Übungen kommen, und wir wissen gar nicht, was in ihnen vorgeht?

Wo sind die guten Väter-Kameraden in unseren Feuerwehren? Kameradschaft ist auch Interesse am ganzen Menschen. Menschenkenntnis – das heißt, sich einen Menschen immer wieder anschauen, seine Reaktionen studieren, seine Unbeherrschtheiten, seine Unrast nicht übersehen, seine Unzufriedenheit spüren; merken, daß seine Alterskameraden ihn immer wieder zurücksetzen.

Was sollen wir denn noch alles tun in der Feuerwehr? Wir sind doch keine Menschenbewahranstalt. Wirklich nicht? Wenn wir junge Männer in die Feuerwehr holen, holen wir Menschen – mit Fähigkeiten, mit Fehlern. Wir sind oft so ahnungslos, was in unseren Kameraden vor sich geht. Das ist nicht gut.

Bei all den Dingen, die da in letzter Zeit passiert sind, kann etwas von dem, was wir da gerade erwogen haben, mit im Spiel sein.

Übungen, starke Fahrzeuge, Feste, Verwaltung – und für den Menschen bleibt zu wenig Zeit.

Besonnene Männer sind gesucht. Menschen.

Schneider

menschlich ... 44 (1)

Wozu sind diese Freiwilligen da?

Kleiner Zeitungskrieg Feuerwehr – Lokalzeitung in Guntramsdorf (14 – Bezirk Mödling). Der Redakteur hatte gemeint, die Feuerwehr sollte für die Finanzierung ihres neuen Feuerwehrhauses doch selbst mehr Initiativen setzen, etwa Feuerwehrheurige veranstalten usw., damit sie die Gemeinde finanziell nicht allzu sehr belaste. Antwortete die Feuerwehr, 45 % des Feuerwehrbudgets erarbeite sich die Feuerwehr ja schon jetzt. HBI Marx meinte, „daß es doch nicht Sinn der Sache sei, daß die freiwilligen Helfer, die durch die zeitraubende Tätigkeit ohnehin große Einbußen in ihrer Freizeit hinnehmen, noch zusätzlich belastet werden sollen“.

Apropos Papiersammlung der Feuerwehr: Ein Feuerwehrmann lud den Reporter ein, einmal im Winter, bei Minusgraden, beim Papiersammeln mitzufahren, eventuell auch kostenlos einen Traktor zur Verfügung zu stellen, „wie es viele Feuerwehrmänner monatlich tun“. Die Zeitung mußte die Einladung dankend abschlagen: Zeitmangel, Familie.

Letztendlich schlägt der Reporter vor: „Die Feuerwehr wird sich bemühen, und die Gemeinde legt den Rest darauf.“

Auch so nicht, lieber Reporterkollege! Die Pflichtenreihe liegt genau umgekehrt, und es ist jederzeit der alleinige gute Wille der Freiwilligen, dem Steuerzahler Geld zu ersparen. Die Öffentlichkeit, das heißt jeder einzelne Ortsbewohner, sollte jederzeit ein schlechtes Gewissen haben, daß er sich, weil die Freiwilligen hackln, etwas erspart. Und da wird auf einmal so etwas wie eine moralische Pflicht – nicht der Bürger, sondern der Freiwilligen – konstruiert, die Gemeindebudgets zu entlasten. Nicht die Gemeinde, nicht der Bewohner soll das schlechte Gewissen haben, sondern der Freiwillige, der ohnehin schon Hunderte Stunden übt, in den Einsatz fährt, Fahrzeuge repariert, Altpapier sammelt (siehe oben) und hinter dem Griller steht – beim Feuerwehrheurigen. Er soll gefälligst dafür sorgen, daß die Gemeindefinanzen durch seine Tätigkeit nicht belastet werden – und daß dem Bürger die Sicherheit nur ja nichts kostet. Wozu sind sie denn sonst da, diese Feiwilligen?

Schneider

menschlich ... 44 (2)

 

Meine Frau ist mit dem Geld weggegangen

Erlebnisse von Feuerwehrmännern bei Haussammlungen

 

„Grüß Gott, die Freiwillige Feuerwehr A-Dorf erlaubt sich, zum Feuerwehrball einzuladen. Wir haben Vorverkaufskarten bzw. eine Spendenliste mit.“

Nach diesem Sprüchlein konnte man aus der Haustür die Stimme einer jungen Mutti hören: „Franzl, gehst hinaus und sagst, die Mutti ist nicht zu Hause!“ Worauf ein aufgeweckter Knirps in der Tür erscheint und fröhlich verkündet, daß seine Mutti nicht zu Hause ist. Wir nehmen das dankend zur Kenntnis und schicken ihn mit einem schönen Gruß von der Feuerwehr wieder hinein. Der Bub richtet den Gruß prompt (und lautstark) der Mutti aus.

„Grüß Gott...“ – „Ich kann jetzt leider nicht aufmachen, ich bade gerade meine Kinder.“ Zu denken gibt nur, daß die Kinder mittlerweile bereits um die 16, 17 Jahre alt sind und immer just dann gebadet werden, wenn die Feuerwehr auftaucht.

Apropos Baden: „Ich sitze in der Badewanne!“ Unser Angebot, der Dame beim Rückenwaschen behilflich zu sein, wird entrüstet abgelehnt. Beim zweiten Versuch nach ca. vier Stunden sitzt sie immer noch. Ebenso am nächsten Tag.

Szenenwechsel. Wunderschönes Einfamilienhaus, Doppelgarage, zwei Autos, offener Kamin, Beruf Getränkegroßhändler. „Oje, de san scho wieda do! Ihr kommt immer nur dann, wenn Ihr was braucht! Wann machen wir einmal ein Geschäft bei der Feuerwehr-Weinkost?“ Ich verkneife mir den Vorschlag, die Verhandlungen darüber auf den Zeitpunkt eines Brandeinsatzes in diesem Haus zu verschieben. – Der Typ verlangt die Spendenliste. Auf seine Bemerkung: „Na serwas, mein Nachbar ist aber ein Sparmeister, gibt nur einen 50er her!“ keimen Hoffnung und Freude im Herzen eines kleinen, frustrierten Feuerwehrmannes. Der Besitzer bringt sich in schier grenzenloser Selbstaufgabe an den Rand der Armutsgrenze und läßt locker 15 Schilling springen.

Eine Standard-Meldung: „Meine Frau (mein Mann) ist gerade mit dem ganzen Geld fortgegangen!“

Unvorsichtige bedauern, nur einen Tausender bei der Hand zu haben. Gewitzt durch Erfahrung, haben wir für solche Fälle Kleingeld mit. Worauf sich dann meist doch noch ein Zwanziger im Börsel findet.

„Grüß Gott...“ Im Vorhaus wird das Licht aufgedreht. „Wer is’ denn?“ „Die Feuerwehr...“ „Aha!“ Licht geht wieder aus. Wenn sie nicht gestorben sind, stehen die Kameraden noch immer vor der Tür und warten.

Daß es in manchen Gegenden spukt, vermuten bereits einige Kameraden, wenn auf rätselhafte Weise mit der Betätigung der Klingel im ganzen Haus das Licht erlischt, Stimmen verstummen und Radios und Fernseher beschließen, eine Sendepause einzulegen.

Leicht nebelig, Einfamilienhaus. Hinter den hell erleuchteten Fenstern sieht man Gestalten. Ein alter Mann erscheint nach dem Klingeln in der Haustür. Hinter ihm zwei neugierige Figuren. Auf unser besagtes Sprüchlein bedauert das Gespenst, daß wir leider zu spät dran seien und niemand mehr zu Hause sei.

Ein anderer Zeitgenosse bedauert, uns nicht öffnen zu können, da seine Eingangstür eingefroren sei. Bleibt nur zu hoffen, daß es inzwischen warm geworden ist, sonst wird er wohl verhungert und verdurstet sein.

Eine nicht sehr phantasievolle ältere Dame drückt sich jedes Mal vor einer Spende, indem sie uns zu verstehen gibt, daß vor wenigen Tagen ihr geliebter Gatte verstorben sei. Das geschieht fallweise zweimal im Jahr. Die gute Frau war nie verheiratet.

Daß einem nicht nur negative Erlebnisse blühen, sei aber auch erwähnt.

So kann einem nichts Schöneres passieren, als wenn man nach mehrstündigem Aufenthalt in der frischen Winterluft aufgefordert wird, Platz zu nehmen: „Es hobts eh sicha an Hunga, mia haum no a Schnitzl üba, san eh nu woarm!“ Solche Ereignisse sind dazu geschaffen, einem den Glauben an die Menschheit zurückzugeben.

Jede Ähnlichkeit mit noch lebenden oder bereits verstorbenen Personen ist nicht erfunden und vollkommen beabsichtigt.

Ein nö. Feuerwehrmann hat seine und seiner Kameraden Erlebnisse beim Sammeln niedergeschrieben. „Bitte meinen Namen bzw. unsere Feuerwehr nicht zu erwähnen, da sich vielleicht der eine oder andere Leser aus unserem Einsatzbereich auf den Schlips getreten fühlen könnte.

Also: Name und Anschrift der Redaktion bekannt. Der Autor weiß aber auch, daß übergroße Freundlichkeit der Bevölkerung das Sammeln zu einem schwierigen Unternehmen machen kann: Daß man nach zehn Haushalten und acht Doppelgebrannten, die einem freundlich aufgezwungen werden, die Sammelaktion abbrechen muß. Hart, diese Feuerwehrarbeit!