Schneiders Serie „Knigge für Feuerwehrmänner“

Schneiders Serie "Knigge für Feuerwehrmänner"

Dr. Hans Schneider veröffentlichte als Chefredakteur in „brand aus“, Zeitschrift der Niederösterreichischen Feuerwehren, in den Jahren von 1977 bis 1979 nachstehende Serie (Wiedergabe in der damaligen Rechtschreibung).

 

Handb. Serien „brand aus“

 Seite Nr.  Jahr   Nr.  Seite  Titel
 1 1 1977 10 430 Knigge für Feuerwehrmänner I
 3 2 1977 11 494 Knigge für Feuerwehrmänner II
 4 3 1977 12 544 Knigge für Feuerwehrmänner III,
 Der Feuerwehrball
 6 4 1978 1 26 Knigge für Feuerwehrmänner IV,
 Die Mitgliederversammlung
 8 5 1978 2 64 Knigge für Feuerwehrmänner V,
 
Wir gehen sammeln
 9 6 1978 3 96 Knigge für Feuerwehrmänner VI,
 
Gottesdienst für die Feuerwehr
 11 7 1978 4 128 Knigge für Feuerwehrmänner VII,
 Wir fahren zu Leistungsbewerben (1)
 13 8 1978 5 170 Knigge für Feuerwehrmänner VIII,
 
 Wir fahren zu Leistungsbewerben (2)
 15 9 1978 11 410 Knigge für Feuerwehrmänner IX,
 Wir fahren in die Landesfeuerwehrschule
 17 10 1979 1 26 Knigge für Feuerwehrmänner X,
 Ein Feuerwehrmann kommt selten zur Übung – was tun?
 19 11 1979 4 150 Knigge für Feuerwehrmänner XI, „Schriftkram“

 

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Ablage unter: Schneiders Serie „Knigge f. Feuerwehrmänner“

 

Handbuch zur Feuerwehrgeschichte - -Ausgabe: April 2005/2

Ablage unter: Einführung i. d. Fw-Geschichte

Handbuch zur Feuerwehrgeschichte - Ausgabe: Mai 2000

Knigge für Feuerwehrmänner I

Ein gewisser Hofrat Knigge hat ein „Benimmbuch“ geschrieben: Wie benehme ich mich richtig, wie stoße ich bei meinen Mitmenschen nicht an? Es gibt nun einmal gewisse Regeln, die einzuhalten sind, wenn mehrere Menschen zusammenleben.

Auch in der Feuerwehr gibt es solche Regeln. Wenn man ein bißchen herumkommt, erlebt man da seine Wunder. „Die Feuerwehrmänner sind schlampig.“ „Die Feuerwehrmänner können sich nicht benehmen.“ „Die Feuerwehrmänner kommen daher wie die...“, heißt es.

„BRAND AUS“ beginnt diesmal einen „Knigge für Feuerwehrmänner.“

Lassen Sie diese Serie auch Ihre Frau lesen. Sie läßt Sie ja aus dem Haus gehen, kann mit sanften Tönen auf den einen oder anderen Formfehler aufmerksam machen.

Seien Sie nicht böse, wenn Sie ein Kamerad auf einen Fehler aufmerksam macht: „Du, ich habe doch in „BRAND AUS“ gelesen...“. Das kann Ihnen jetzt passieren.

 

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Fangen wir also an mit der

Dienstbekleidung.

Das ist, laienhaft ausgedrückt, die Feuerwehruniform mit dem braunen Rock. Was man bei Einsatz und Übung trägt, heißt Branddienstuniform.

Was gehört zur Dienstbekleidung?

  1. Feuerwehrhelm oder Dienstmütze
  2. Dienstbluse
  3. Schwarze Hose
  4. Graue (weiße) Handschuhe
  5. Leibriemen
  6. Dienstmantel
  7. Schwarze Schuhe.

 

1. Feuerwehrhelm und Dienstmütze
– alles zu seiner Zeit!

Den Feuerwehrhelm trägt man zur Dienstbekleidung nur, wenn man in geschlossener Formation aufmarschiert oder zu einer Ehrenwache eingeteilt ist.

Wird zur Dienstbekleidung der Helm getragen, gehört immer der Leibriemen dazu. Zur Dienstmütze darf man den Leibriemen tragen, wenn man in geschlossener Formation auftritt, man kann aber auch mit Dienstmütze ohne Leibriemen in geschlossener Formation marschieren. Von diesem Ausnahmefall abgesehen, trägt man zur Dienstmütze nie den Leibriemen. Ich habe sogar schon Feuerwehrmänner mit Dienstmütze und Leibriemen tanzen gesehen. Furchtbar.

Die Dienstmütze trägt man immer dann, wenn man nicht den Helm trägt. Also in Dienstbekleidung niemals ohne Dienstmütze durch die Straßen gehen, beisammen stehen, auch wenn es noch so heiß ist. Dienstmütze nicht ins Genick schieben. Das schaut beim Mechanikerlehrling in der Werkstatt „klass“ aus, beim Feuerwehrmann eher peinlich.

Die Dienstmütze hat begrenzte Lebensdauer. Wenn der Schirm schon mehrere Wellen hat oder der Stoff arg „geschossen“ ist, sollte man vielleicht doch einmal an eine neue Mütze denken.

Darauf sehen, daß die Mützenkokarde (das Runde, das vorne auf der Mütze getragen wird), richtig sitzt: die rot-weiß-roten Streifen waagrecht, nicht schief.

2. Die Dienstbluse – Aushängeschild für die Wehr

O weh! Was man da alles zu sehen bekommt! Also bitte: Sie soll sauber sein, man sollte nicht die halbe Speiskarte auf ihr sehen. Einen Rock putzen lassen kostet kein Vermögen. Die Feuerwehr muß man mit den Kosten wirklich nicht belasten. Sich halt von der Frau überprüfen lassen, bevor man zur Veranstaltung geht.

Ein wenig „sitzen“ soll der Uniformrock schon. Ein Schneider kann da für wenig Geld Wunder wirken. Herunterhängen muß die Dienstbluse wirklich nicht. Wenn sie nicht allzu sehr „geschossen“ ist, macht es auch nichts. So viel ist uns die Feuerwehr (und unser äußeres Aussehen) sicher wert. Mit einem Justament („Recht soll ich ausschauen, warum kauft uns der Kommandant keine neuen Uniformen?“) ist es sicher nicht getan. Mancher greift da auch stillschweigend in die eigene Tasche.

Eine ganz wichtige Regel: Die Dienstbluse trägt man zugeknöpft. Nie soll einer mit offener Dienstbluse daherkommen. Wenn man aber etwa bei extremer Hitze beisammen sitzt, kann der Kommandant das Ausziehen der Dienstbluse erlauben. Über das Benehmen bei Bällen ein anderes Mal.

Auch mit dem Blusenaufschlag (Dienstgradspiegel) ist es manchmal ein Jammer. Gedrehte Goldschnüre, gold- und silbergestickte Sternrosetten, vor allem aber Goldbrokatfelder (ab ABI) werden eben mit der Zeit unansehnlich, dunkeln stark nach. Das schaut wirklich nicht schön aus. Neue kosten kein Vermögen. Auch höhere Funktionäre sollten ihren Kameraden hier ein gutes Beispiel geben. Bitte! Vielleicht zum Christkindl wünschen? Alle Uniformbekleidungsfirmen liefern diese Dinge prompt.

Und die Ordensspangen. Bitte grundsätzliche Regel: Auf der Dienstbluse wird die kleine Ordensspange getragen. Nur wenn bei besonders festlichen Anlässen ausdrücklich große Ordensspange verlangt wird, darf man die Medaillen aus der Schublade holen. In diese Situation kommt aber der normale Feuerwehrmann kaum.

Aber da hängen manchmal Auszeichnungen und Medaillen auf der Dienstbluse, wo sie vor –zig Jahren der Überreicher hingehängt hat, sogar die Sicherheitsnadel sieht man von weitem. Bitte, nicht so! Wenn ein 75jähriger Kamerad sich nicht mehr von seinen Medaillen trennen will, wird man ihm keine Schwierigkeiten machen, aber bei „Mittelalter“ und Jugend ist das einfach falsch und schaut ein wenig nach Schützenverein aus (nichts gegen einen gut organisierten Schützenverein!).

Zur braunen Dienstbluse gehört unbedingt eine schwarze Krawatte, nie eine andersfärbige oder eine schwarze mit Punkterln. Das schaut unmöglich und auch ein wenig lächerlich aus. Das Geld für eine schwarze Krawatte hat jeder von uns, damit muß man nicht unbedingt dem Kommandanten kommen. Morgen kann ja eine liebe Tante sterben ... Nicht zu vergessen: Schwarze Krawatten mit dem Korpsabzeichen der Feuerwehr sind nicht nur geschmacklos, sondern ausdrücklich verboten. Nicht böse sein, wenn Euch der Bezirkskommandant bei der nächsten Veranstaltung wegen Unkorrektheit in der Krawattenfrage unsanft beanstandet. Er hat recht!

Und bitte zur Dienstbluse bei festlichen Anlässen ein weißes Hemd! Das graue Sommerhemd kann man bei eher gewöhnlichen Anlässen nehmen, das ganz helle taubengraublaue schon bei einem etwas feierlicheren Anlaß. Es gibt da Stufen, die der Geschmack eingeben soll. Völlig unmöglich aber ist zur Dienstbluse ein blaues, grünes, rotes, gelbes oder gar ein gemustertes Hemd. Das ist eine ganz grobe Schlamperei und hat ein bißchen mit – na ja: ... – zu tun.

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Damit genug für diesmal. Im nächsten „BRAND AUS“ über schwarze Hose, Handschuhe, Leibriemen, Dienstmantel und Schuhe.

Ich fürchte (oder besser gesagt: ich hoffe), daß nun mancher seine Dienstuniform aus dem Kasten nimmt, sie inspiziert und zu seiner Frau sagt: „Du, so kann ich doch nicht weggehen, die Kameraden kritisieren mich sonst.“ Und die Frau wird sagen: „Siehst Du, was ich Dir immer gesagt habe!“ Und vielleicht seufzt mancher Kommandant: Er muß sich selbst neue Blusenaufschläge kaufen, und seine Leute kommen daher und sagen, man müsse im nächsten Voranschlag denn doch wieder einmal Geld für die Bekleidung vorsehen. Er wird aber auch energisch darauf sehen, daß seine Leute nicht ohne Dienstmütze, auf keinen Fall aber mit offener Dienstbluse daherkommen und dem Ruf seiner Wehr schaden. Wenn alle diese „Unannehmlichkeiten“ eintreffen, freut sich „BRAND AUS“.

Schneider

Knigge für Feuerwehrmänner II

Wie „BRAND AUS“ hört, ist der „Knigge für Feuerwehrmänner“ in den Wehren gut angekommen. Gattinnen und Kommandanten haben mit Wohlgefallen gelesen, was sie „eh“ schon immer an Selbstverständlichkeiten gesagt hatten, die aber eben doch einmal offen gesagt werden müssen. Nun wartet man in den Wehren, wie die Serie weitergeht. Manch einer hat wohl auch bei diesem Heft gleich nach dem „Knigge“ gesucht. (Er wird sich übrigens noch durch einige Hefte hinziehen.)

 

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3. Die schwarze Hose

Vor allem soll sie passen. Mit der Länge ist es manchmal ein Kreuz: Wenn ich für jede „Pfeiferlhose“, die in Niederösterreich getragen wird, zehn Schilling bekäme... Dann das Problem der Fußweite. Als ich meine erste Feuerwehrhose bekam, waren gerade die engen Hosenbeine in Mode. Heute ist diese Hose nicht mehr anzuschauen – eine richtige „Röhrlhose“.

Ich kenne einen Wiener Uniformerzeuger: „Wenn die Männer vernünftig wären und eine Mittellinie einhielten, gäbe es das Problem nicht. Aber in Zeiten, da breite Hosenbeine modern sind, können die Hosenbeine nicht weit genug sein, und wenn einer sie in „engen“ Zeiten bekommt, muß sie nach dem letzten Schrei sein. Eine Mittelbreite der Hosenbeine von 26 cm: Solche Hosen kann man ohne weiteres in „engen“ und „breiten“ Modezeiten tragen. Was nur tun mit den „Röhrlhosen“? Aufheben, bis wieder enge Hosen modern werden? Diese Zeiten kommen sicher, nur soll man noch einige Jahre warten und mit der komischen Hose gehen? Also in Zukunft eine Mittellösung!

Daß die Hose sauber sein soll – mein Gott, eigentlich selbstverständlich. Und daß man nicht merken soll, daß sie schlampig im Kasten gehangen ist. Irgendwann ist eine Feuerwehrhose einfach am Ende. Manche Stoffe „schießen“ mit der Zeit. Wenn man das von weitem sieht, bleibt eben nichts anderes übrig, als sich um eine neue Hose umzusehen. Das Problem ist aber eher, daß wir die Sachen nicht austragen und daß sie unmodern werden, bevor das Material ausgedient hat. Das ist bei der Uniform ähnlich wie bei den Fahrzeugen. Daß die Hose wirklich schwarz sein soll und Zivilhosen furchtbar ausschauen (man sieht das noch immer hie und da!), braucht nicht erwähnt zu werden, daß sie den roten Seitenstreifen (Passepoil) haben müssen, ebenso wenig.

4. Graue (weiße) Handschuhe

Hier gibt es unergründliche Geheimnisse. Wann trägt man als Funktionär die Rauhlederhandschuhe, wann nicht? Wann salutiert man mit, wann ohne diese Handschuhe? Exakte Vorschriften gibt es hier nicht. Wenn ich auf einer Ehrentribüne mit Handschuhen salutiere, tun sämtliche Funktionäre neben mir sicher das Gegenteil. Und umgekehrt. Am besten richtet man sich hier nach dem höchsten anwesenden Funktionär. – Sicher passen die Rauhlederhandschuhe nicht zum Europaanzug, zur Branddienstuniform.

Die weißen Handschuhe sind eine ähnlich relative Sache.

Bei den meisten Feuerwehren trägt der Ehrenzug bereits Handschuhe, auch bei Begräbnissen kommen Ehrenzug und Sargträger meist mit weißen Zwirnhandschuhen. Hier ist nach örtlichen Gepflogenheiten vorzugehen. Wenn Zwirnhandschuhe in einer Wehr nicht üblich sind, kann man ihr das Nichtverwenden der weißen Zwirnhandschuhe nicht als Formfehler ankreiden. Aber schön sind sie schon, die weißen Zwirnhandschuhe ...

5. Leibriemen

Noch einmal: Zur Dienstbluse wird der Leibriemen getragen, wenn auch der Helm getragen wird. Zur Dienstmütze den Leibriemen zu tragen, ist nur statthaft, wenn man in Formation marschiert. Besser ist es aber, Leibriemen nur mit Helm zu kombinieren. Für Veranstaltungen, bei denen in Formation aufgetreten wird, soll daher immer eine genaue Bekleidungsvorschrift gegeben werden. Bei Bezirksfeuerwehrleistungsbewerben bzw. –feuerwehrtagen wird man vielleicht eigene Züge zusammenstellen für jene, die mit Dienstmütze und Leibriemen, und für jene, die mit Dienstmütze ohne Leibriemen kommen.

Seit einigen Monaten ist nunmehr das Tragen schwarzer Textilgürtel auf der Hose erlaubt, wenn man im Sommerhemd, ohne Dienstbluse, auftritt. Das empfinden manche Kameraden als recht günstig. Natürlich kann man den schwarzen Textilgürtel auch unter der Dienstbluse tragen (um Gottes Willen nicht auf der Dienstbluse!). Besonders „vollschlanke“ Kameraden begrüßen das sehr, weil der lederne Leibriemen unter der Dienstbluse ziemlich stark „aufträgt“.

6. Dienstmantel

Der schwarze Mantel läuft langsam aus, er soll nicht mehr neu angeschafft werden. In Hinkunft sind graue Mäntel zu kaufen.

Wird der schwarze Mantel getragen, ist der oberste Knopf offen. Dabei wird aber nicht der zurückgeschlagene Reverszipfel in den Knopf eingeknöpft, sondern nur zurückgebügelt. Zum schwarzen Mantel wird kein Schal getragen, aber immer der Leibriemen.

Zum grauen Mantel wird niemals ein Leibriemen getragen. Beim grauen Mantel werden die entsprechenden Aufschiebeschlaufen getragen. Bitte darauf achten, daß diese Schlaufen der Mantelfarbe entsprechen.

Wie sind die Aufschiebeschlaufen zu tragen? So, daß die Sterne nach außen, nicht zum Hals hin, zu liegen kommen. Wenn man z. B. als Hauptbrandinspektor drei Sterne trägt, finden sich zwei dieser Sterne in einer Linie, der dritte in einer zweiten Linie. Die Linie mit zwei Sternen ist auf der Schulter außen zu tragen.

Die Farbe auf den Aufschlagkrägen des Mantelreverses muß der Farbe der Aufschläge entsprechen. Das heißt: Alle Feuerwehrmänner einschließlich der Funktionäre tragen rot, Verwaltungsdienstgrade blau, Feuerwehrkuraten violett, Feuerwehrärzte schwarz und Feuerwehrtechniker braun, Tuch bzw. Samt.

7. Schuhe und Socken

Beide sind schwarz, schwarz, schwarz! Furchtbar sieht es aus, wenn jemand mit bunten, sogar getupften und geringelten Socken zur schwarzen Diensthose daherkommt. Hier ist auch nicht eine Geldfrage im Spiel, denn schwarze Socken kann sich wirklich jeder von uns kaufen. Wieder: Morgen kann ja die liebe Tante sterben... Und schwarze Schuhe hat auch jeder von uns daheim. Sie sollen möglichst nicht durchbrochen oder gemustert sein, sondern möglichst glatt. Und geputzt, wobei natürlich nicht die Frau schuld ist, wenn noch der Kot vom letzten Mal drauf ist.

 

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„Siehst Du, was ich Dir immer gesagt habe“, wird, wie letztes Mal, wieder manche Feuerwehrfrau sagen. Darüber freut sich „BRAND AUS“.

Und nächstes Mal: „Knigge für den Feuerwehrball“.

Schneider

Knigge für Feuerwehrmänner III

Der Feuerwehrball

 

Der Fasching ist kurz, der Feuerwehrball ist längst geplant. Knigge, unser Mann für Höflichkeit, Takt und richtiges Betragen, hat sich für die Feuerwehraktivitäten der Faschingszeit so seine Gedanken gemacht. Er meint ganz lieb und sanft, was er schreibt, will niemanden verärgern, der es vielleicht anders macht.

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Plakat und Einladung

Bitte auf den Text achten, sich eventuell von „Stilkundigen“ beraten lassen. Das Plakat ein bißchen mit Geschmack anfertigen. Manche Feuerwehren sind auf das Geld wie die Geier, sie gönnen sich und ihrer Wehr nicht einmal ein schönes Plakat. Nur weil es um 10 Schilling billiger ist, wird das mieseste Papier genommen, man läßt sich von der kleinen Winkeldruckerei ein uraltes Feuerwehremblem aufschwatzen, anstatt auf dem Feuerwehrkorpsabzeichen zu bestehen.

In der Textgestaltung des Plakates bitte nicht kompliziert sein: „Einladung zu dem am... im... stattfindenden...“ ist nicht günstig. Auch in der gedruckten Einladung müssen wir nicht unbedingt die veralteten Formulierungen verwenden: „... beehrt sich, Euer Hochwohlgeboren zu dem am... geziemend einzuladen.“ Schreiben Sie einfacher, schlichter, ehrlicher.

Ballkarten verkaufen – aber wie?

Dann gehen die gutwilligen Kameraden von Haus zu Haus, von Geschäft zu Geschäft, um die Einladungen und vor allem die Ballkarten an den Mann oder an die Frau zu bringen. Man weiß schon, daß persönliche Werbung am meisten bringt. Aber da ist das Problem mit den Geschäftsleuten. Eine Bezirkshauptstadt: Bewohner von 25 Gemeinden kaufen dort ein. „Wenn unser Geld in diese Geschäfte fließt, können die Geschäftsleute auch etwas für die vielen kleinen Feuerwehren der Umgebung tun.“ Sagt man. Und dann kommt die gefürchtete Landplage. „Nicht weniger als 32 Feuerwehrabordnungen haben heuer um Ballspenden oder die Abnahme von Ballkarten gebeten, dazu kommen noch sämtliche andere Ballveranstaltungen. Wir können einfach nicht mehr.“ Und dann wird man böse auf die Feuerwehr. Nur zu Unrecht?

Knigge weiß, daß er das Problem nicht lösen kann, er meint aber, es sollte hier eine vernünftige Lösung gefunden werden. Abschnitte und Bezirke dürfen dieser Frage nicht aus dem Wege gehen – sie sollen sie „einer Lösung zuführen“, wie man im Amtsdeutsch so schön sagt.

Wen einladen?

Da hat wohl jede Feuerwehr ihre Listen. Aber auch hier gehört etwas offen ausgesprochen: Liebe Feuerwehren, schindet Eure Abschnitts- und Bezirkskommandanten in der Faschingszeit nicht zu Tode! Ich kenne Funktionäre, die bis zu 26mal zu Feuerwehrbällen gehen, nur damit niemand böse ist. „Bei den Nachbarn war er, zu uns kommt er nicht...“. Auch über dieses Problem gehört geredet. Oder wollt Ihr, daß der Abschnittskommandant sagt: „Ich gehe zu keinem einzigen Ball, dann kann niemand böse sein!“

Auch die Kommandanten tun mir leid. Von zehn Wehren kommen Abordnungen zum Ball. Der arme Kommandant muß dann zu zehn anderen Bällen gehen, sonst sind die Beleidigungen da. Er delegiert einige Veranstaltungen, aber immer noch kommen auf jeden Ballwilligen vier oder fünf Bälle. Manchmal wird das Geld nur mehr von einer Wehr zur anderen getragen. Und das soll noch eine Freude sein?

Noch etwas: Wenn ich will, daß ein Funktionär kommt, muß ich ihm eigens eine Einladung schicken. Daß er die Plakate gelesen hat, heißt nicht, daß man sein Erscheinen selbstverständlich erwarten darf.

Der Ball ist Dienst, nicht nur Vergnügen

Wichtiger Grundsatz: Der Ball ist zum Vergnügen der anderen da, für den Mann ist er in erster Linie Dienst. Das muß auch die Gattin einsehen und nicht beleidigt in der Ecke sitzen, wenn der Mann sich nicht sehr viel um sie kümmern kann. Und bitte: ob einer die Garderobe versorgt, die Ehrengäste an ihre Tische geleitet oder für das WC verantwortlich ist, ist völlig gleichgültig.

Empfangskomitee

Kameraden zum Eingang stellen, die möglichst viele Besucher kennen. Auf den Ehrentisch nicht vergessen! Nicht unbedingt Leute nebeneinander setzen, die sich im Privatleben nicht vertragen.

Sich um die Gäste kümmern, Nachbarwehren begrüßen, sich mit ihnen ein wenig unterhalten, ihnen behilflich sein, einen günstigen Platz zu finden. – Jeder will bei der Musik sitzen.

Kleidung

Braune Dienstbluse, weißes Hemd, schwarze Krawatte (ohne Korpsabzeichen der Feuerwehr!), schwarze Diensthose, schwarze Schuhe, schwarze Socken. Ja kein Leibriemen, ja keine Mütze im Ballsaal! Wo vorhanden, große Ordensspange, aber auch die kleine tut’s beim dörflichen Ball.

Die Bluse bitte geschlossen lassen, den Hemdkragen ebenso, auch wenn es sehr warm wird. Auf keinen Fall mit offenen Knöpfen daherkommen, vielleicht sogar mit offenem Hemdkragen oder offener Krawatte. Die Feuerwehr soll vorher besprechen, ob sie ab einer bestimmten Stunde das Ausziehen der Dienstbluse gestattet, so daß man im sauberen weißen Hemd oder mit dem grauen Uniformhemd (dann aber mit Schulterspangen und Dienstgradabzeichen) den Ball zu Ende gehen läßt. Bei offener Dienstbluse und herunterhängender Krawatte sollte unnachsichtlich eingeschritten werden. Das geht wirklich nicht!

Eröffnung

Sie kommt wirklich dem Kommandanten zu. Nur in Ausnahmefällen kann er sie dem Obmann des Ballkomitees übertragen. Die wichtigsten Ehrengäste zu nennen kann man sich leider nicht ersparen. Aber nicht mit sinnlos langen Gästelisten die Besucher anöden. Der Kommandant eröffnet meist mit einem Tanz. Mit wem? Bitte vorher gut überlegen.

Wo es einen Einzug oder einen Eintanz gibt, bitte um Gottes Willen nicht mit Dienstmütze und Leibriemen aufmarschieren! Wenn Handschuhe, dann weiße, auf keinen Fall aber graue.

Mit wem tanzen?

Oh, Ihr Männer! Wenn Ihr wüßtet, wie gerne Frauen tanzen! Bitte seid nicht tanzfaul bei Eurem eigenen Feuerwehrball! Es sollten direkt manche Kameraden eingeteilt sein – wenn es nicht jedem der eigene Anstand eingibt –, die sich immer wieder der Mauerblümchen annehmen.

Die Mitglieder der eigenen Wehr dürfen sich nicht nur ihrer Gattin und den paar Damen am eigenen Tisch widmen. Der Ball ist Dienst, haben wir schon gesagt. Wenn jemand mit Deiner Gattin tanzt, mußt Du auch seine Frau auffordern. Der jüngere Kamerad darf sich ruhig getrauen, mit der Frau des Kommandanten zu tanzen. Mit jungen Mädchen zu tanzen ist nett, natürlich. Aber Feuerwehrmänner sollten zu den höflichsten und wohlerzogensten Männern gehören und ...

Und wenn man eine Dame zum Tanz bittet, tut man das wirklich höflich, man verneigt sich sogar ein klein wenig, und nachher bringt man sie wieder zu ihrem Platz (bis hin!) und dankt für den Tanz.

Alkohol und anderes

Man soll nachher gern und ohne Katzenjammer an den Ball denken. Also vorher denken! Nicht unbedingt den Ball als Vorwand für alles Mögliche nehmen. Der Kommandant ist für den Stil des Balles verantwortlich, auch in dieser Richtung. Nicht wenige Feuerwehrfreundschaften sind schon durch Bälle zerbrochen. Und beim Alkohol bremsen! Wir sind beim eigenen Ball im Dienst.

Wer bleibt bis zum Ende?

Auch das gehört ausgemacht. Nicht immer muß der Kommandant mit einigen „Wurzen“ als letzter das Lokal verlassen.

 

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Beim Feuerwehrball kann der junge Mann nicht nur
Umgangsformen, sondern auch Selbstlosigkeit lernen.

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Feuerwehrsünden gegen Herrn Knigge

  • Nicht saubere braune Dienstbluse anziehen
  • Dienstbluse nicht zugeknöpft tragen
  • Im kleinen Kreis Dienstbluse ausziehen, ehe der Kommandant es erlaubt
  • Unansehnlich gewordene Blusenaufschläge (Dienstgradspiegel) nicht durch neue ersetzen
  • Originalauszeichnungen und Medaillen tragen
  • Diese sogar mit sichtbarer Sicherheitsnadel tragen
  • Nicht schwarze, sondern färbige oder gemusterte Krawatte zur Dienstbluse tragen
  • Schwarze Krawatte mit Feuerwehrkorpsabzeichen tragen
  • Ein gestreiftes oder färbiges Hemd zur Dienstbluse tragen
  • Mit offener Krawatte und offenem Hemd daherkommen.

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„Was ich Dir immer sage“, wird wieder manche Feuerwehrfrau sagen. „Du sollst beim Ball mehr mit mir tanzen.“ Und sie verschweigt, daß sich der Gatte nicht nur ihr widmen soll, sondern – nein, nicht unbedingt den anderen Frauen, aber daß er eben im Dienst ist und sie ihn nicht beschlagnahmen darf. So sind sie, die Frauen.

Schneider

Knigge für Feuerwehrmänner IV

Die Mitgliederversammlung

 

Alle Jahre wieder – feierliche Mitgliederversammlung zur Verabschiedung des Budgets, zur Entlastung des Kassenführers, für den Ausblick auf das kommende Jahr. Knigge, unser Mann für Höflichkeit, Takt und richtiges Benehmen, hat sich auch über die Mitgliederversammlung so seine Gedanken gemacht. Er meint wieder ganz lieb und sanft, was er schreibt, und will niemanden verärgern, der es anders macht.

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Sie heißt Mitgliederversammlung, nicht Jahreshauptversammlung. Das Nö. FGG ist hier sehr eindeutig. Langsam sich also den neuen Namen angewöhnen. – Wozu diese Mitgliederversammlung? Wenn wir auch kein Verein, sondern eine Körperschaft öffentlichen Rechtes sind, haben wir doch weithin demokratische Strukturen, das heißt, die Mitglieder müssen über verschiedene Agenden befinden und abstimmen (§ 38 Nö. FGG). Die Mitgliederversammlung ist aber auch menschlich wichtig: Die Kameraden haben ein Recht zu wissen, was im abgelaufenen Jahr geschehen ist, was geplant ist, ob mit dem Geld sauber gewirtschaftet worden ist.

Den Rechnungsabschluß fertigstellen und die Überprüfung der Kassa und der Belege durch die Rechnungsprüfer rechtzeitig veranlassen. Wer das Jahr über auf saubere Kassenführung geachtet hat, braucht sich keine Sorgen zu machen.

Den Voranschlag erstellen. Überlegen, was realistisch ist, mit welchen Geldern der Gemeinde und des Landes man rechnen kann, was man selbst durch verschiedene Aktionen (Ball, Altpapieraktion usw.) hereinbringen wird. Was ist wirklich notwendig, was kann warten?

Darüber schon vorher mit den Kameraden beraten, überlegen, auch eine Meinungsbildung ermöglichen. Das Kommando (Kommandant, Kommandant-Stellvertreter und Leiter des Verwaltungsdienstes) soll nicht ganz einsame Beschlüsse fassen. Andererseits sollen die Männer auch Vertrauen in die von ihnen gewählte Führung haben. Das Kommando ist meist auch sachlich am besten informiert, es soll seine Meinung aber auch begründen können.

Hier gibt es starke örtliche Verschiedenheiten. In der einen Wehr weiß man, daß das Kommando ohnehin alles gut macht, und gibt sein Vertrauen, in der anderen muß man bei allen Entscheidungen einer sehr kritischen Stellungnahme der Kameraden gewärtig sein. Ein gutes Mittelmaß ist richtig. Alle Denkarbeit auf das Kommando abzuwälzen ist ebenso schlecht wie ein übermäßiges Mißtrauen gegen jede Entscheidung der Führung.

Bericht des Kommandanten.

Möglichst kurz und doch informativ. Die wichtigsten Ereignisse des Vorjahres zusammenfassen, vielleicht ein „Erinnern Sie sich noch, am 25. Februar war jener schwere Einsatz, bei dem...“ einflechten. Es können ruhig auch die Probleme der Wehr anklingen, man kann sagen, daß man mit einem Problem noch nicht fertig ist und weiter nach einer Lösung suchen muß. Daß die Übungsteilnahme noch besser werden soll usw. Nur jubelnde Erfolgsmeldungen nehmen uns weder die Ehrengäste ab, noch glauben es die eigenen Kameraden, die es ja besser wissen. Das heißt nicht, daß man vor den Ehrengästen die kleine Schmutzwäsche, die es überall gibt, waschen muß. Es beeindruckt immer, wenn Männer nicht nur loben, sondern zu einer nüchternen Situationsanalyse fähig sind.

Einladung

Sie rechtzeitig aussenden. Jeder hat auch andere Termine. Alle Mitglieder sind einzuladen. Ja nicht auf die Kameraden der Reservemannschaft und auf die Feuerwehrjugend vergessen. Sie haben ein Recht auf die Teilnahme. Nicht auf den Herrn Bürgermeister und eventuell den Feuerwehrreferenten der Gemeinde vergessen.

Wer von den Feuerwehrfunktionären eingeladen wird, hängt stark von den örtlichen Gegebenheiten ab. Auf jeden Fall der Unterabschnittskommandant. Die vorgesetzten Funktionäre haben Aufsichtspflicht über die Feuerwehr. Bei dieser hochoffiziellen Mitgliederversammlung können sie diese wahrnehmen.

Nicht vergessen: Tagesordnung angeben, ebenso die Uniformierungsvorschrift: Dienstbekleidung (braune Dienstbluse, schwarze Hose, weißes oder graues Hemd, kein Leibriemen).

 

a) Eröffnung, Begrüßung, Feststellung der Beschlußfähigkeit, Totengedenken

b) Verlesung des Protokolls der letzten Mitgliederversammlung

c) Bericht über den Rechnungsabschluß

d) Bericht der Kassenprüfer, Entlastung des Kassenführers

e) Bericht des Kommandanten (Tätigkeitsbericht)

f) Beschlußfassung über den Voranschlag

g) Wahlen (zumindest Kassenprüfer)

h) Allfälliges.

Vorversammlung? Bei vielen Feuerwehren werden die Mitglieder schon eine Stunde vorher einberufen. Man kann dann untereinander manches besprechen und abklären (auch Finanzielles und unangenehm Menschliches), was man nicht unbedingt vor die Ehrengäste und den Bürgermeister bringen will.

Wenn die Ehrengäste den Raum betreten, erheben sich die bereits geschlossen anwesenden Mitglieder der eigenen Wehr. Auf keinen Fall sollen die Ehrengäste auf die Gastgeber oder einige von ihnen warten müssen.

Die Ehrengäste sollten auf ihrem Platz eine Tagesordnung und eventuell die wichtigsten Zahlen des Rechnungsabschlusses und des zu beschließenden Budgets vorfinden.

Begrüßung

Eine verzwickte Sache, auch bei größeren Festen. Wer kommt zuerst: Grundregel bei der Reihenfolge (mit Abwandlungen): 1. Politiker, 2. Beamte, 3. Honoratioren benachbarter Organisationen, 4. Feuerwehrfunktionäre. Innerhalb der Gruppen natürlich wieder in der richtigen Reihenfolge.

Bericht über den Rechnungsabschluß

Die wesentlichen Zahlen. Niemand wird sie sich merken. Vor allem: Haben wir den Haushaltsrahmen eingehalten? Wenn nein, warum nicht, und warum ist das zu rechtfertigen. Sicher nicht einfach das Kassabuch vorlesen und verkünden, daß man am 24. März für Benzin 327,80 Schilling ausgegeben hat und am 28. März 30 Schilling für Briefmarken. Eher: Die Finanzen sind gesichert, angespannt, es laufen noch viele, nur wenige oder gar keine Kredite. Der Mann will wissen, wie es wirklich aussieht; die Anführung der Benzinrechnungen hilft ihm dabei nichts.

Bericht des Kommandanten

Bitte ruhig sprechen. Es erwartet niemand, daß er ein blendender Redner ist, aber was er sagt, soll Hand und Fuß haben. Man soll spüren, daß er sich Gedanken gemacht, das Für und Wider abgewogen hat. Nicht wörtlich aufschreiben, aber kurze Notizen über die wichtigsten Punkte machen. Auch überlegen, wem gedankt werden muß, die Dankesworte aber in mäßigen Grenzen halten, sonst wird es fad. Wenn Probleme mit der Gemeinde vorhanden sind, ehrlich sagen, daß man für das, was geschehen konnte, dankt, wenn man auch nicht verschweigen wolle, daß für diesen oder jenen Wunsch der Feuerwehr noch keine Lösung gefunden worden sei. Das ist ehrlich und muß nicht in einer Form gesagt werden, daß der Bürgermeister beleidigt ist. Es darf ruhig zum Ausdruck kommen, daß beide, Kommandant und Bürgermeister, öffentliche Interessen zu wahren haben.

Vorschau auf das kommende Jahr

Dazu soll der Kommandant etwas unter „Allfälliges“ sagen, wenn nicht schon anläßlich der Budgetdebatte über große Ausgaben berichtet werden mußte und sich eine Diskussion angeschlossen hat. Auch sagen, welche Probleme immer noch offen sind.

Der Bürgermeister

Nicht vergessen, ihm Gelegenheit zu geben, Dankesworte an euch zu richten. Er weiß, was er an seiner Feuerwehr hat. Und wenn er bedauert, den Herzenswunsch der Wehr nach einem TLF 4000 im kommenden Jahr bei bestem Willen nicht erfüllen zu können, dann glaubt ihm das.

Auch die eigenen Kameraden dürfen dem Kommandanten, dem Kommando danken. Sie sind nachlässig, wenn sie es nicht tun. Vielleicht kann ein älterer Kamerad das in netter Weise tun. Immerhin: daß sich meine Tätigkeit in der Feuerwehr auf ein erträgliches Maß beschränkt, verdanke ich dem Kommandanten, der sich „zerreißt“. Die kleine Auszeichnung vergönnen ihm die Kameraden dann. Er hat für sie genug Ärger auf sich genommen.

Und noch etwas: auch ein Kommandant darf Fehler machen. Eine schlechte Wehr, die sich sofort und genüßlich auf eine Blöße stürzt, die sich der Kommandant einmal gibt. Einmal wurde unter Kameraden furchtbar über einen Kommandanten – in dessen Abwesenheit natürlich – geschimpft. „Gar keine Fehler soll er haben?“ sagte da ein älterer, kluger Kamerad. Das heißt: Er hat viele gute Eigenschaften, da darf er auch Fehler haben. Mit dieser Grundeinstellung an den Kommandanten herangehen!

Abschluß und das Nachher

Überlegen, was jetzt mit den Buben der Feuerwehrjugend geschieht, wie lange sie bleiben.

Sollte die Sitzung etwas „länger“ dauern, vergeßt den alten Grundsatz nicht: Längstens eine Stunde nachdem der Kommandant das Lokal verlassen hat, geht auch der letzte Uniformierte.

 

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„Nett war es diesmal“, wird der Gatte beim (nicht zu späten) Heimkommen seiner Frau sagen. „Was ich dir immer sage“, wird die ob der frühen Heimkunft sanft Gestimmte antworten, „manchmal sind sie ja ganz nett, die Feuerwehrleute, und du brauchst dich nicht immer gleich ärgern, wenn etwas schief geht“, lobt sie auf einmal unerwartet seine Kameraden. So sind sie, die Frauen.

Schneider

Knigge für Feuerwehrmänner V

Wir gehen sammeln

 

Alle Jahre wieder...gehen Feuerwehrmänner von Haus zu Haus. Sie sammeln für das neue Tanklöschfahrzeug, sie laden zum Feuerwehrball oder zum Sommerfest ein, sie vertreiben Lose. Sie sind ein Aushängeschild für ihre Feuerwehren.

Knigge, unser Mann für Höflichkeit, Takt und richtiges Benehmen, hat sich auch darüber so seine Gedanken gemacht. Er meint – schon wieder – ganz lieb und sanft, was er schreibt, und will niemanden verärgern, der es anders macht, er meint aber auch, daß es über manches, das er sagt, eigentlich nichts zu diskutieren gibt.

 

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Wir brauchen das Geld. Wir wissen das, die Leute, zu denen wir kommen, wissen das auch. Wir haben unsere Methoden, um zu Geld zu kommen – für die Öffentlichkeit. Und wir entlasten das Gemeindebudget durch unser Sammeln. Sonst müßten die lieben Nachbarn, zu denen wir gehen, noch mehr Steuern zahlen. Das wissen wir, das wollen wir eindeutig festhalten, uns gegenüber, aber auch den anderen gegenüber. Wir gehen nicht zum Vergnügen, sondern für die Öffentlichkeit.

Knigge versteht manches gereizte, bittere Wort, wenn man in einer Prachtvilla umsonst angeklopft hat. Trotzdem: Wer unsere Anliegen unterstützt, tut es freiwillig, wir müssen unsere Bitte und unser Danke sagen.

Viele Methoden

Die Wehr braucht ein TLF 4000. Die Gemeinde kann nur einen bestimmten Betrag zahlen, gibt uns aber die Möglichkeit, eine Haussammlung durchzuführen. Nicht auf das Anmelden bei der Gemeinde vergessen. – Dann wird auf die Sammlung aufmerksam gemacht: in den Lokalzeitungen, durch eine Postwurfsendung, in der aber bitte genau zu lesen ist, warum wir das Fahrzeug brauchen und warum die Gemeinde nicht so kann, wie sie möchte. Man soll immer ihren guten Willen voraussetzen und nie böse Worte gegen sie gebrauchen, vor allem nicht im Gasthaus oder beim Sammelbesuch, auch wenn sie uns seit Jahren hängenläßt und einmal den Kindergarten, dann die Kläranlage vorzieht. Es wirkt immer nobel, wenn man dann sagt, daß die Gemeinde so viele Aufgaben habe, daß... wir eben selbst ein wenig zusammenhelfen müßten. Böse Worte, unter die Leute gebracht, kommen einmal unweigerlich einem Gemeinderat zu Ohren, und der Verdruß ist fertig.

Wir laden zum Ball. Manche haben die Ballkarten mit, andere überreichen nur die Einladung, die Karte muß man an der Kasse kaufen, manch einer läßt aber schon bei der Einladungsüberbringung etwas „springen“.

Wer geht in die Häuser?

Meist gibt es keine Schwierigkeiten, kaum einer schließt sich aus. Es ist ja „unser“ Geld. Wenn einer es wirklich nicht über sich bringt sammeln zu gehen, dann sagt nicht gleich hinter seinem Rücken, daß er ein schlechter Kamerad ist. Es gibt hier bei einzelnen Menschen Barrieren, die sie einfach nicht überspringen können.

Meist ist das Gebiet in Sprengel eingeteilt, es gehen jedes Mal die gleichen Kameraden. Sie kennen ihre Kundschaft bereits, man braucht nicht erst Kontaktgespräche zu führen, knüpft gleich an, wo man letztes Mal aufgehört hat.

Unerbittlich aus dem „Verkehr“ ziehen, wer sich einmal danebenbenommen hat, wer sich beim angebotenen Stamperl nicht zurückgehalten hat.

Am besten zwei Männer schicken. Die Kameraden des Reservestandes machen das oft gern: sie haben schon Zeit, machen gern auch ein kleines Plauscherl. Das heißt aber nicht, daß man die ganze Arbeit auf die „Alten“ abwälzt.

„Guten Abend!“

Nun gehen unsere Kameraden also los. Treffen manche nicht daheim. „Alte Hasen“ wissen langsam die Lebensgewohnheiten ihrer Kundschaft, gehen dann, wenn sie wissen, daß der Mann nicht Spätschicht hat. Manche Häuser müssen sie sich für den Samstag aufheben. Nicht kommen, wenn man mit Sicherheit weiß, daß man lästig fällt.

„Guten Abend!“ Ein netter, freundlicher Gruß erleichtert das Geschäft sehr, die sauber geputzte Uniform, das saubere Hemd, der vorher gewaschene Kopf, so daß nicht Schuppen auf der Dienstbluse sichtbar werden, ebenfalls.

Im Dorf kennt jeder jeden, man trifft sich also auch nachbarschaftlich. Mancher lädt zum Eintreten ein, mancher erledigt das Geschäft zwischen Wohnungstür und –angel. Das muß man dem Wohnungsbesitzer überlassen. Freilich kann man ein allzu ausladendes und einladendes Gespräch mit Niedersetzen, Auftischen usw. selbst abkürzen: „Gnädige Frau, wir müssen heute noch zu zwanzig anderen Haushalten gehen“. Das muß jede/r verstehen. Aber auch nicht schon beim Anklopfen an die große Liste denken, die man heute noch vor sich hat. Wichtigster Grundsatz bei jedem Verkaufsgespräch (und auch das Sammeln und Ballkartenaustragen ist ein solches): ich bin jetzt ganz für diesen Menschen da, stelle mich auf ihn ein.

Ein wenig Menschenkenntnis: Wenn ich sehe, daß einer beschäftigt ist, und jetzt komme ich auch noch daher, werde ich nicht unbedingt ein langes freundschaftliches Gespräch anfangen und alles mögliche über unsere Feuerwehrnöte von mir geben. Vor allem, wenn der Gute gerade Gäste hat oder ich unvermutet in einen Ehekrach oder in ein elterliches Donnerwetter hineingeraten bin.

„Sympathiewerbung“

Meist ergibt sich ein kleines Gespräch. Schon aus Höflichkeit fragt der „Kunde“ manches über die Feuerwehr. Welche Geräte sind da? Habt Ihr genug Nachwuchs? Was würdet Ihr denn brauchen? Gibt es bei den heutigen Baustoffen immer noch Brände? Um freundliche Auskunft wird kein Kamerad verlegen sein. Er weiß ja um die Sorgen der Wehr. Er wird aufklären, daß die technischen Einsätze immer zahlreicher werden, ganz leise und geschickt einflechten, daß jeder morgen in seinem PKW eingeklemmt sein kann und daß dann die Männer im Helm kommen und jeden herausholen; daß die Hausbrände in den Siedlungen nicht aufhören und daß man erst vor kurzem den Brand beim xy gelöscht hat, was ja in jedem Haus morgen passieren kann. Immer einflechten, daß man nicht für die anderen kommt, sondern daß der Schilling, den der Herr Smetatschek heute spendet, ihm morgen das Leben retten kann. Aber eher nicht ihn direkt als mögliches Unfallopfer von morgen ansprechen.

Vielleicht kann man auch noch um Verständnis bitten, wenn man am Sonntagmorgen mit Folgeton die Leute aufweckt, „aber der Tod wartet halt nicht“, kann man hinzufügen und dem guten Mann ein bißchen schlechtes Gewissen machen, daß er im warmen Bett liegt, während andere ...

Nicht allzu rühmende, dramatische Worte, wie gut wir sind, wie viele Einsätze wir wieder hinter uns haben. Es eher als selbstverständlich hinstellen. Ganz schlicht sagen: „Jemand muß es ja tun“, „Das ist ja selbstverständlich“ und „Wir tun es gern für unsere Nachbarn“.

Das Stamperl ...

Den Sammel- und Ballkartenverkaufstrip planen und einteilen. Wissen, daß man noch 20 Häuser vor sich hat. 20mal ein kleines Stamperl sind 20 Stamperln. „Aber eins geht doch!“ Eben nicht. Vielleicht kann man auch dosieren. Alte Hasen wissen schon: Bei Familie Baum kann ich ablehnen, der alte Herr Wondrak wäre ernstlich böse. Wenn wir mit einer „Fahne“ aufkreuzen, die wir uns durchaus im Dienst der guten Sache erworben haben, wirkt das übel. Man kann sich auch damit herausreden, daß man heute noch Autofahren müsse oder in Einsatzbereitschaft stehe.

Informationsblatt

Nicht ungeschickt ist es, wenn man etwas daläßt: Ein abgezogenes Informationsblatt etwa, mit einem Jahresbericht: Wie viele Einsätze, welcher Gerätepark, Planung für das kommende Jahr, besondere Probleme, was geschieht mit den Spenden? All das kann in netter, freundlicher Form zusammengeschrieben sein. Auch die Telefonnummer, unter der die heimische Feuerwehr erreichbar ist, daß der Feuerwehrruf 122 eben in die nächste Stadt geht und daß es nicht sehr sinnvoll ist, wenn die Feuerwehr von dort zu einem Zimmerbrand ausfährt, wenn 50 Meter neben dem Haus die Ortsfeuerwehr beheimatet ist. All das kann sich der Mann in aller Ruhe nach „Zeit im Bild“ durchlesen.

Was geben die Leute?

Es ist ein „alter Hut“, daß die Einheimischen, die man persönlich gut kennt, mehr geben, daß alte Leute spendenfreudiger sind als junge. Neu Zugezogene, die noch wenig Kontakt zur neuen Gemeinde haben, sind schwieriger. Information über die Feuerwehr kann erstes Interesse für den neuen Wohnort wecken. Besitzer von Zweitwohnungen haben manchmal wenig Verständnis, wollen oft gar keine Kontakte. „Wir schützen auch Ihr schönes Haus“, kann man dann ganz nett und freundlich einflechten.

Und vor allem: auch wenn es keinen netten Empfang, keine große Spende gibt, freundlich bleiben. „Vielleicht das nächste Mal. Auf Wiedersehen!“, und freundlich winken. „Wir kommen aber trotzdem, wenn Sie uns einmal brauchen“ ist schon ein wenig boshaft, man kann das aber doch sagen. Der Ton macht die Musik. Wie daheim.

 

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„Habt Ihr was eingenommen?“ wird die holde Gattin den müde Heimkommenden fragen. Und wenn er dann erzählt hat und noch hinzufügt, daß es, so viele Haushalte er auch gesehen hat, doch in der heimatlichen Wohnküche am gemütlichsten ist, wird sie anerkennend murmeln, es sei doch recht erfreulich, daß die Feuerwehr manchmal auch ehe- und familienfreundlich sei, was sie gar nicht geglaubt hätte. So sind sie, die Frauen.

Schneider

Knigge für Feuerwehrmänner VI

Gottesdienst für die Feuerwehr

 

Alle Jahre wieder – Florianigottesdienst, Feldmesse bei Leistungsbewerben und Feuerwehrtagen, heilige Messe für verstorbene Kameraden und Honoratioren. Die Feuerwehr rückt zum Gottesdienst aus. Ein Parkett, das uns an sich nicht liegt, auf dem wir uns aber richtig bewegen wollen.

Knigge, unser Mann für Höflichkeit, Takt und richtiges Benehmen, hat sich auch darüber so seine Gedanken gemacht. Er meint vorsichtig, aber auch deutlich, was er sagt. Er hat dabei den Vorteil, ein „Statut über die Feuerwehrseelsorge“ zu verwenden, das vor der Unterzeichnung steht und dessen Inhalt in Form eines Gelben Heftes veröffentlicht werden wird.

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Alle oder keiner?

Am Anfang steht die Toleranz, könnte man sagen. Wir haben Kameraden, die gläubige Menschen sind und solche, die nicht religiös sind. Beide Gruppen sind uns gleich lieb und sollen durchaus ihre Heimat in der Feuerwehr haben. „Feuerwehrangehörige sind berechtigt, in Uniform an religiösen Veranstaltungen teilzunehmen, sie dürfen jedoch hiezu nicht gezwungen werden. Sie sind aber verpflichtet, die religiösen Überzeugungen aller Feuerwehrangehörigen zu achten.“ So heißt es in dem Entwurf.

Genau hier das Problem. Beispiel Florianimesse: Meist nimmt die Feuerwehr geschlossen teil, jene, die an sich nicht in die Kirche gehen, sehen die Messe als Veranstaltung der Wehr an, haben keine Probleme und sind ebenfalls dabei. Es kann auch Wehren geben, bei denen nur die religiösen Männer an der Messe teilnehmen und die anderen erst zum anschließenden offiziellen Akt kommen. Glücklich wird man darüber nicht sein, weil die Feuerwehr eben eine Gemeinschaft ist, die möglichst geschlossen auftreten soll. Man wird aber auch nicht einen Mann zur Teilnahme zwingen, der aus ernsten Gründen nicht „kann“. Völlig unmöglich und unser unwürdig ist es aber, wenn während eines Gottesdienstes, an dem die Feuerwehr teilnimmt, 15 uniformierte Feuerwehrmänner vor der Kirchentür herumstehen, rauchen und sich unterhalten, vielleicht sogar ins Wirtshaus gehen. Das verstehen vor allem die religiösen Zivilisten nicht, die den Gottesdienst besuchen.

Mit dem Pfarrer planen!

Für katholische Gottesdienste ist an sich der Ortspfarrer zuständig. Mit ihm muß auf jeden Fall Fühlung aufgenommen werden. Wenn man einen befreundeten Priester oder einen Feuerwehrkuraten (auch den Landesfeuerwehrkuraten) bitten will, muß der Ortspfarrer dazu seine Einwilligung geben. Man wird das dezent besprechen. Nicht selten regen sogar die Ortspfarrer an, doch einen Kuraten einzuladen, andere behalten sich Messen und Weihen, die in ihrem Pfarrgebiet stattfinden, selbst vor. Hier gibt es persönlichen Stil, der zu respektieren ist. Beide, Pfarrer und Feuerwehrkommandant, entwickeln hier manchmal erstaunliches diplomatisches Geschick, auch darin, daß sie nicht nachher ausposaunen, wie schwer es war, bis der jeweils andere endlich nachgegeben hat. Ein Mann schweigt darüber!

Auch die Bewilligung einer Feldmesse obliegt dem Ortspfarrer. Eigentlich nur mehr bei einzelnen Ortspfarrern gibt es hier Schwierigkeiten, indem sie meinen, die Kirche sei ohnehin groß genug für die Feuerwehr. Meist wird aber mit guten Worten manches zu erreichen sein, vor allem wenn der Pfarrer weiß, daß die Feuerwehr den Gottesdienst ernst nimmt und ihn würdig gestaltet. Auf ein Kräftemessen zwischen Pfarrhof und Feuerwehr soll man es sicher nicht ankommen lassen. Auch mancher Pfarrer kann aus seiner Haut nicht heraus ...

Wenn der Gottesdienst für den Abschnitt oder den Bezirk gehalten wird, obliegen die Verhandlungen mit dem Pfarrhof dem Abschnitts- oder Bezirkskommando, der Ortskommandant ist auf jeden Fall beizuziehen. In nicht wenigen Fällen beauftragt der Bezirkskommandant den Ortskommandanten mit der gesamten Meßvorbereitung.

Es ist gut, mit dem Pfarrer den Gottesdienstablauf genau zu besprechen. Musik? Lieder? Liest ein Feuerwehrmann die Lesung? Welche Fürbitten? Hat man selbst Anliegen, die man bei der Messe erwähnt haben möchte? Dürfen Feuerwehrmänner die Fürbitten vortragen? Ein Kommandant kann sich ruhig mit seinen Männern darüber unterhalten, welche Fürbitten man bei der 100-Jahr-Feier vorbringen will. Stellt die Feuerwehr Ministranten? Wer schult sie ein? Wer bereitet den Altar vor? Kann ein Parallelgottesdienst in der Pfarrkirche ausfallen, damit alle Menschen zur festlichen Feuerwehrmesse kommen? Sind Kommunionhelfer sinnvoll, damit die Kommunionspendung nicht zu lange dauert? Haben wir vielleicht selbst einen in unseren Reihen, der das in Uniform macht?

Man kann manche Zurückhaltung des Herrn Pfarrers gegen Feuerwehrgottesdienste abbauen, indem man sich dort wie ein normaler Christ verhält. Mancher, der sonntags mit Frau und Kindern in die Messe geht, singt dort mit, geht vielleicht auch zur Kommunion. Wenn er in der Feuerwehrformation steht, singt er nicht um die Burg mit, noch getraut er sich – trotz Einladung -, aus der Reihe zu treten und zur Kommunion zu gehen. Einige Feuerwehrkuraten haben da eine sehr gut bewährte Methode entwickelt: Sie gehen durch die Reihen der angetretenen Männer, wer kommunizieren will, hebt nur leicht die Hand. – Auch gehen manche Priester schon quer über den Platz der Feldmesse, und wer kommunizieren will, hebt die Hand, braucht also nicht feierlich nach vorne zu gehen. Das ist bewährt, das kann man dem Pfarrer vorschlagen. Wichtige Faustregel für alle Gottesdienstverhandlungen mit dem Pfarrer: Uns ist es ernst mit dieser Messe, wir wollen sie nicht nur, weil es halt alte Tradition ist. Da schmilzt manches Eis.

Einzug – Helm ab!

Betritt die Formation die Kirche, gibt der Kommandant des Zuges das Kommando „Ohne –Tritt!“. Damit ist die geschlossene Formation aufgelöst, und die Männer benehmen sich wie die übrigen Kirchenbesucher, sie bleiben aber in Reih und Glied oder nehmen in den freigehaltenen Bänken Platz, je nachdem, wie es vorher ausgemacht wurde. Helm bzw. Mütze wird abgenommen, der Helm unter dem linken Arm gehalten, die Spinne nach oben, das Wappen zum Hochaltar gerichtet.

Fahnen-, Fackel-, Kranz- oder Sargträger lassen Helm bzw. Mütze auf, solange sie nicht beide Hände frei haben. Sobald dies der Fall ist, treten sie zu den übrigen Kameraden bzw. setzen sich nieder. Wenn sie nach Beendigung des Gottesdienstes ihre Funktion wieder aufnehmen, setzen sie Helm bzw. Mütze wieder auf.

Wohin stellen?

So, daß sie den Blick der Gläubigen zum Altar möglichst nicht behindern. Das möge mit dem Pfarrer ausgemacht werden, der aber sicher verstehen wird, daß die Feuerwehr z. B. bei der Florianimesse geschlossen und für die Gemeinde sichtbar auftreten will. Stehen die Männer in geschlossener Reihe im Mittelgang, knien sie zur Wandlung nicht nieder, obwohl die Formation als aufgelöst gilt.

„Mitfeiern“ – was ist das?

Wer gläubig ist, wird das Gottesdienstgeschehen ruhig und ernst verfolgen, wird auch mitsingen und mitbeten. Vielleicht kann man den Männern sogar einen Liedertext in die Hand drücken. Wer nicht gläubig ist, wird in Ruhe und Würde die Zeit zubringen und nicht auffallen. Es ist Zeichen von schlechter Kinderstube, wenn man seine konfessionelle Freizügigkeit dadurch zeigt, daß man gelangweilt hin- und herschaut, mit dem Nachbarn tratscht und auch sonst zeigt, wie uninteressant einem das Ganze ist. Immerhin – manche Kameraden nehmen die Messe ernst und man soll sie nicht ärgern – aus Kameradschaftlichkeit schon nicht. Und in jedem Gottesdienst wird der eine oder andere Satz gesprochen, den sich auch der Nichtreligiöse hinter die Ohren schreiben kann. Und wenn eine Feuerwehr bei ihrer Florianimesse einen Friedensgruß macht (der Priester gibt einem Mann die Hand und sagt „Der Friede sei mit Dir!“, und der Mann antwortet: „Er sei auch mit Dir“ gibt seinem Nachbarn den Gruß ebenso weiter, und dieser geht bis in die letzte Reihe), dann ist das eine Geste, die auch der Nichtreligiöse vollziehen kann.

Wer in der Kirche nicht Platz findet...

Jenen Einheiten, die wegen Raummangels den Gottesdienst außerhalb der Kirche mitfeiern müssen, wird das Kommando „Helm ab!“ bzw. „Mütze ab!“ gegeben, sie bleiben aber in Reih und Glied stehen, außer sie gehen zur Kommunion. Der Kommandant des Zuges nimmt ebenfalls Helm bzw. Mütze ab und leistet keine Ehrenbezeugung. Die Männer dürfen das Kreuzzeichen machen, jedoch keine Kniebeuge; 30 verwackelte Männerkniebeugen nebeneinander schauen einfach furchtbar aus, dann lieber gar keine, haben die Priester, die sich hier Gedanken gemacht haben, gemeint. Kirchensammlungen werden bei diesen vor der Kirche mitfeiernden Einheiten nicht veranstaltet.

Daß man dem Priester nachher danke sagt und ihn zum anschließenden Festakt oder/und zum gemütlichen Beisammensein einlädt, ist selbstverständlich.

 

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„Es schadet Euch nicht, wenn Ihr einmal auch ein wenig ernst und nachdenklich seid“, wird die holde Gattin nach der Heimkunft des Mannes – nicht gleich nach der Messe, sondern viel später – sagen. „Eure Einsätze sind so gefährlich, daß wir ohnehin immer mit Angst und Zittern zu Hause sitzen. Und dann das Beten nur uns zu überlassen, ist ungerecht. Ganz im Sinne der Partnerschaft.“ So sind sie, die Frauen.

Schneider

Knigge für Feuerwehrmänner VII

Wir fahren zu Leistungsbewerben (1)

 

Der Frühling ist da, die Feuerwehrmänner hält es nicht mehr daheim. Sie werden flügge und fahren zu Leistungsbewerben. Knigge hat selbst mit einer Gruppe seiner heißgeliebten eigenen Feuerwehr bei Leistungsbewerben geschwitzt und 1972 in Wilhelmsburg das „Silberne“ gemacht. Er weiß, was los ist und hat vor allem seinen damaligen eigenen Kommandanten in Erinnerung, der seine Gruppe in eiserner Zucht hielt. Und die Vierzig- und Zwanzigjährigen fanden den Stil feuerwehrgemäß und sagten nachher: „Schön war’s“.

So hat er, unser Mann für Höflichkeit, Takt und gutes Benehmen, sich so seine Gedanken über die Feuerwehrleistungsbewerbe gemacht und meint, mit seinen Ansichten nicht unmodern zu sein.

 

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Knigge auch für den Veranstalter

Wenn der Teilnehmer sich ordnungsgemäß verhalten soll, muß auch der Veranstalter Ordnung halten und richtig planen. Gute und verständliche Ausschilderung, klare Ausschreibungen, bei denen sich die Gruppe wirklich auskennt, Vorhandensein aller Serviceleistungen, auch von guten WC in vernünftiger Entfernung, ist selbstverständlich. Wenn eine Bewerbsgruppe das Gefühl hat, in einen Ablauf zu geraten, den die Veranstalter fest in der Hand haben, dann wird sie eher widerspruchslos den Weisungen gehorchen und sich auch gut aufgehoben fühlen.

Bewerter und Gruppe – nur Kameraden!

Es gibt bei Feuerwehrleistungsbewerben nur Kameraden, nicht „die oben“ und „die unten“. Bewerbsgruppen und Bewerter sollen sich nicht in eine Feindstellung bringen lassen. Das meint Knigge so:

Die Bewerbsgruppe muß wissen: Bewerbsleitung, Bewerter und Organisationshelfer haben viel Zeit geopfert und wollen ihre Sache richtig machen. Sie haben kein Interesse und auch keine besondere Freude daran, eine Bewerbsgruppe „hineinzulegen“, es ihr „zu zeigen“ oder auf ihr „zu sitzen“ und „kleinlich“ zu sein. Knigge liebt am meisten jene Bewerter, die die Gruppe ruhig, sachlich, eher unpersönlich und Abstand haltend behandeln. Die Bewerbsgruppe muß wissen, daß die Bewerter ihre Pflicht verletzen, wenn sie ein Auge „zudrücken“ und einen an sich eindeutigen Drall zu einem Gerade-noch-nicht-Drall umwerten. Die Gruppe selbst ist meist weniger zur Objektivität fähig und bereit, sie kann sich darauf verlassen, daß die Bewerter ihre Sache richtig machen. Ein Leistungsbewerb ist eben eine strenge, objektive Sache, bei der der Spruch „Was es wiegt, das hat es“, eisern anzuwenden ist. Der Bewerter kann und darf nicht mitberücksichtigen, wie viel die Gruppe doch daheim geübt hat und daß der Wassertruppmann niemals bei einer Übung einen Schlauchträger liegengelassen hat. Die Gruppe selbst würde empfindlich reagieren, wenn die Bestimmungen bei einer anderen Gruppe auch nur um ein wenig weiter ausgelegt würden. Gerade weil die Bewerter sich nicht nachsagen lassen dürfen, mit ihnen sei zu handeln und sie „übersehen“ hie und da etwas, sind sie aufmerksam wie die Luchse. Wenn man den gleichen Vorgang (z. B. das Kuppeln) zum 50. Mal bewertet hat, fällt einem auch die kleinste Unregelmäßigkeit auf. Haarsträubende Fehler immer wieder mitansehen zu müssen, führt zu Recht zur Einsicht, Können müsse Können bleiben, und die Leistungsbewerbe dürften nicht durch Schlamperei einzelner Gruppen verwässert werden.

99,5 Prozent guten Willens

Die Bewerter müssen wissen (und wissen es auch), daß die Gruppen wenigstens zu 99,5 Prozent guten Willens sind, daß sie fleißig geübt haben und zu Leistung und Ordnung bereit sind. Sie sind aufgeregt und wissen ihr „Schicksal“ in der Hand der Bewerter. Sicher wollen sie gute Punktezahlen erreichen, sie sind aber nicht darauf aus, die Bewerter hineinzulegen, vor allem sind sie nicht mit der grimmigen Entschlossenheit gekommen, sich „von denen“ absolut nichts gefallen zu lassen, die Bewerter bei der geringsten Kleinigkeit der Unobjektivität zu verdächtigen und beinhart zu intervenieren.

Diese grundsätzlich positive Einstellung der Gruppe muß freilich trainiert werden wie der Löschangriff selbst. Feuerwehrkommandant und Gruppenkommandant müssen der Bewerbsgruppe von Anfang an klarmachen, daß Leistungsbewerbe keine „Hetz“ sind, sondern eine ernste, harte Sache, bei der es auf Leistung und Können ankommt, bei der Solidarität und Kameradschaft mit allen 500 oder 10.000 dort anwesenden Feuerwehrmännern großgeschrieben wird, wo das große Erlebnis sicher nicht „das Theater“ ist, das man zu haben hofft, sondern das absolute Eingetauchtsein in den wohlgeformten Block der Männer. Nicht nur Annehmlichkeiten, Vergnügen und Beisammensitzen warten, sondern auch Regen, Hitze, Wartezeiten, Müdesein und vielleicht sogar das Heimkommen, ohne das Bewerbsziel erreicht zu haben. Wer als Feuerwehr- oder Gruppenkommandant seiner Gruppe das nicht klarmachen kann, soll mit den Vorbereitungen lieber gar nicht anfangen. Wenn dieser Geist aber in einer Gruppe herrscht, werden die Erwartung, etwas zu „erleben“, die Bereitschaft, über die Stränge zu schlagen, und der Wille, „sich nichts gefallen zu lassen“, gar nicht erst wachsen und brechen am Bewerbstag nicht so leicht aus und durch.

Kleidung: zweckentsprechend

Man fährt zu einer Feuerwehrveranstaltung, nicht zu einem Vergnügen. Selbstverständlich Einsatzbekleidung. Alle Bewerber tragen sie, man ist dadurch miteinander verbunden. Das leidige Schuhproblem: immer wieder muß die Bewerbsleitung gegen zu leichte Schuhe einschreiten. Hohe Schuhe sind einfach am besten, man hat auch besseren Stand in ihnen und überknöchelt sich nicht so leicht.

Ohne die Ortsbezeichnung am linken Oberarm wird heuer keine Bewerbsgruppe mehr zugelassen. Das Geld für diese Anschaffung hat jede Wehr, auch die kleinste und ärmste. Knigge findet es wunderschön, anhand dieser Ortsstreifen zu wissen, woher der einzelne Mann kommt; vor allem bei Landesleistungsbewerben kommt ihm dabei die ganze Weite der Feuerwehrbewegung zum Bewußtsein. Daß der Mann durch den Ortsnamenstreifen auch zum offiziellen Aushängeschild für seine eigene Feuerwehr wird, ist gut. Er ist weder Privatmann (sondern Feuerwehrmann), noch soll er sich hinter der Masse der Feuerwehrmänner verstecken können. Wer sich unrichtig benimmt, schadet nicht nur der Feuerwehr im allgemeinen, sondern seiner eigenen Wehr und seinem Dorf und seiner Stadt. Er steht sozusagen in der Auslage – wie immer übrigens als Feuerwehrmann. Funktionäre und Feuerwehrstreife können sich „Ausgelassener“ mit besonderer Liebe annehmen und wissen sogleich, welcher Feuerwehr sie das Schuldkonto des Bürscherls anzulasten haben.

Die Dienstmütze nimmt man mit, man muß am Bewerbsort nicht immer den Helm tragen. Im heißen PKW oder im LLF wird man die Einsatzbluse sicher ausziehen, ist man aber am Parkplatz angelangt, reißt man sich zusammen und zieht sie wieder an. Auch wenn es heiß ist. Mit dem Ruderleiberl durch die Bewerbsstadt zu promenieren ist einfach unschön. Feuerwehrmänner sind nicht aus Zucker. Hunderte Zivilisten schauen uns zu ...

Das graue Uniformhemd (mit den Aufschiebeschlaufen) zur Einsatzhose zu tragen ist natürlich (außerhalb des eigentlichen Bewerbs und der Siegerverkündung) möglich und sieht durchaus nett aus. Rasend vor Wut wird Knigge, wenn er auf einem Feuerwehrmannskopf einen Strohhut erspäht, wenn gar eine ganze Bewerbsgruppe in dieser Aufmachung durch den Bewerbsort zieht. Ein Feuerwehrkommandant, der nicht sicher weiß, daß das bei seiner (seinen) Gruppe(n) nicht geschieht, soll seine Leute nicht wegfahren lassen. Er muß die Folgen für solche Disziplinlosigkeit mittragen, auch wenn er gar nicht mitgefahren ist.

Bunte, gestreifte oder getupfte Hemden sind während der Bewerbstage unpassend, wenn man die Bluse irgendwann ausziehen will. – Auch davon hält Knigge nichts, daß ein Kommandant das Mitnehmen von Zivilkleidern rät, dann könne der Mann tun, was ihm beliebe, es treffe nicht die Feuerwehr. Bei den Bewerben gehören wir alle zusammen und verdrücken uns nicht moralisch, indem wir uns „verkleiden“.

Auch das: Der Wunderschütze hat bei der Schießbude zwei papierene Kitschrosen geschossen. Er soll sie seiner Liebsten mitbringen, aber sie nicht mit stolzgeschwellter Brust wie ein Almstier auf der Uniform durch den Bewerbsort tragen.

Einen Kamm mitzunehmen ist nicht verboten: Nach dem Schwitzen beim Bewerb darf man sich nach dem Abnehmen des Helms ruhig frisieren und strebt so frisch und sauber dem Gasthaus zu, wo das wohlverdiente Bier bereitsteht. Auch dort muß das Kraftleiberl nicht sichtbar werden, auch wenn es so wunderschön den Ort aufgemalt hat, der den Helden hervorgebracht hat.

 

Nächstes Mal weiter über die Leistungsbewerbe.

 

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„Hat der Knigge denn Anlaß, solche Sachen zu schreiben?“, fragt die holde Gattin ihren Mann, nachdem sie – gleich nach den „Leiden der Feuerwehrfrauen“ – den „Knigge“ gelesen hat. „Manchmal sind halt Burschen dabei, die glauben, sie müßten der Welt einen Haxn ausreißen, wenn sie bei den Leistungsbewerben sind. Wir Erwachsenen sind ohnehin dagegen.“ „Dann wehrt Euch halt“, antwortet die Holde. „Ich bin dagegen, daß man sich, wenn man einmal aus dem Dorf fort ist, anders benimmt als zu Hause. Ihr solltet immer so sein, als wären wir in der Nähe. Wenn Ihr schon selbst nicht wißt, was sich gehört.“ Diese versteckte Anspielung und Mahnung für alle Fälle hat sich der Mann sicher nicht verdient. Aber so sind sie, die Frauen, sie denken gleich an alles Mögliche.

Schneider

Knigge für Feuerwehrmänner VIII

Wir fahren zu Leistungsbewerben (2)

 

Knigge, unser Mann für Höflichkeit, Takt und gutes Benehmen, freut sich. Von vielen Seiten hört er, daß seine Gedanken in den Feuerwehren „unter die Haut“ gehen. „Der Knigge weiß wirklich, was draußen los ist. Unsere Leute getrauen sich nicht mehr mit geringelten Socken daherzukommen, einzelne haben sich sogar auf eigene Kosten eine neue Dienstbluse angeschafft, die Verhandlungen mit dem Herrn Pfarrer wegen der Florianimesse sind heuer wesentlich unkomplizierter vor sich gegangen, die Männer haben den Kommandanten beim Ball nicht im Stich gelassen.

Der Knigge sagt Unangenehmes so nett, daß man ihm nicht feind sein kann. Und recht hat er.“

Manche Themen hat Knigge noch im Sinn, manche Vorschläge erhofft er sich von den Feuerwehren.

 

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Nun weiter mit den Leistungsbewerben. Erste und wichtigste Höflichkeitsregel: vorher genau lesen, was in „brand aus“ oder in der Bewerbsausschreibung steht. Die Formulare sind so einfach abgefaßt, daß auch der Mann, der sonst mit Schriftlichem nicht viel zu tun hat, sich auskennen kann. Auch das Nenngeld vorher bezahlt zu haben, gehört zur Höflichkeit, wer es vergessen hat, ist unhöflich und soll sich entschuldigen.

Sich den Weisungen fügen!

Die Gruppe versammelt sich daheim so, daß einer noch um den Feuerwehrpaß oder um andere Schuhe heimlaufen kann. Letzte Kontrolle: Adjustierung? Name der Wehr auf dem linken Oberarm der Einsatzbluse? Dann fährt man weg, begleitet von den Mahnungen und guten Wünschen der Kameraden, Gattinnen, Bräute, Freundinnen. So zeitgerecht, daß auch verstopfte Zufahrtsstraßen und herabgelassene Bahnschranken keine Katastrophe auslösen. Die Tanklöschfahrzeuge läßt man bitte daheim, die Bewerbsleitung sieht solche Fahrzeuge nicht gern bei den Leistungsbewerben! Nähert man sich dem Bewerbsort, kann man den Kameraden in den anderen Fahrzeugen zuwinken. Das erzeugt fröhliche und kameradschaftliche Atmosphäre.

Am Bewerbsort sind Hinweisschilder angebracht. Sie haben einen Sinn und wurden gut durchdacht. Wenn einem ein Parkplatz zugewiesen wird, stellt man das Fahrzeug dort ab und nicht am Straßenrand gleich neben der Durchzugsstraße, weil es dort bequemer ist und man 50 Meter weniger gehen muß. Hier kommt eine Grundhaltung zum Vorschein: Ich füge mich, oder ich denke: „Ach was, ich tue ja doch, was für mich persönlich geschickter ist.“ Ein Gruppenkommandant, der hier gegen Weisungen handelt, darf sich nicht wundern, wenn er dann seine Burschen nicht in der Hand hat.

Die Gruppe geht geschlossen und vorschriftsmäßig adjustiert (Helm nicht vergessen!) zur Festkanzlei, der Gruppenkommandant geht hinein. Die geforderten Unterlagen hat er wirklich in Ordnung und gibt klar und nett Auskunft. Wenn einer gescheit zu diskutieren anfängt, ob er verpflichtet sei, das oder jenes zu bezahlen und wo denn das schwarz auf weiß geschrieben stehe, ist das nicht witzig, sondern nur geschmacklos. Wozu denn? – Es ist nicht verboten, sondern Zeichen guter Kinderstube, wenn der Gruppenkommandant nach dem Empfang des vielen Papiers danke sagt.

Kameraden können anderen Gruppen bei der „Arbeit“ zusehen, aber bitte als Zuseher, das heißt, sie überschreiten Absperrungen nicht. Diese gelten auch für Uniformierte.

Sich geduldig durchschleusen lassen

Dann zum Berechnungsausschuß A. Bitte nicht wie ein Bienenschwarm, sondern in Einerreihen. Es funktioniert nur, wenn alles nach einem – wohlüberlegten – Willen geht. Der Gruppenkommandant übergibt die Teilnehmerlisten B (die nun wirklich stimmen!), die Feuerwehrpässe der Kameraden überreicht er aufgeschlagen (auf der Seite mit dem Paßfoto)und in der Reihenfolge, die in der Teilnehmerliste gegeben ist. Wenn der Mann, der die Feuerwehrpässe kontrolliert, nicht sichtlich begeistert und beeindruckt ist, daß die Bewerbsgruppe aus Oberuntersdorf endlich da ist, soll das nicht stören. Wenn einer seit 5 Uhr früh Dienst macht und den 366. Feuerwehrpaß kontrolliert, geht vieles schon mechanisch; das hat nichts mit „von oben herab“ zu tun.

Das Melden an den Hauptbewerter... Das Salutieren kann man üben! Wer irgendwann einmal in eine Kaserne hineingerochen hat, weiß, wie man das macht. Man muß nicht übertrieben „zackig“ sein, aber daß man seinen Körper in Zucht hat, ist – Höflichkeit. Gerade Körperhaltung, klares Sprechen, eindeutiges Führen der rechten Hand zum Helmrand, durchgestreckte rechte Hand, nicht „knieweich“, unsicher, „bucklert“. Bitte trainiert das daheim und erspart vor allem den jüngeren Kameraden die Blamage.

Dann der Löschangriff und die Bewertung. Wenn der Gruppenkommandant mit dem Hauptbewerter kontrollieren geht, stehen die anderen Kameraden schweigend an ihren Posten und fangen noch nicht an, sich zu unterhalten ...

Dann noch der Staffellauf und die große Mühe ist zu Ende, der erste Preis gesichert (oder auch nicht).

Endlich sich gehen lassen?

Nicht dem Kameraden, der etwas falsch gemacht hat und der Gruppe Schlechtpunkte eingebracht hat, Vorwürfe machen. Das ist unkameradschaftlich, jedem anderen hätte es auch passieren können. Auch nicht über den Bewerter herziehen, der den Fehler der Gruppe bemerkt hat. Und nicht jetzt, da die Spannung weicht, alle Hemmungen fahren lassen. Nach dem Staffellauf sind wir noch immer nett adjustiert. Daß man den Helm abnimmt, ist klar, niemand hat etwas dagegen, auch nicht dagegen, daß man sich jetzt um ein (wohlverdientes) Bier umsieht.

Dann spaziert man durch den Bewerbsort. Immer noch nett adjustiert. Bitte eines nicht: Die Flasche steht auf dem Gasthaustisch, sie wird nicht in der Hand durch den Bewerbsort getragen, damit sie gleich zur Hand ist, wenn...

Das Quartier ...

Man bekommt ein Gemeinschaftsquartier zugewiesen. Man kommt spät heim. Und wird extrem unkameradschaftlich. Viele Kameraden wollen schlafen, andere sind gerade jetzt in der besten Stimmung und wecken die anderen auf. Oder: die eine Gruppe hält ihre Schlafplätze sauber und in Ordnung, eine andere hat ihre Socken und verschwitzten Leiberln auf dem Bett liegen. Oder: die einen hamstern Decken, die anderen bekommen keine mehr. Die einen verlassen das Quartier aufgeräumt, die anderen ... All das sind nicht Fragen militärischer Sturheit, sondern schlicht und einfach der guten (oder schlechten) Kinderstube.

Grüßen ...

Sicher, man kann nicht die Hand ständig an der Dienstmütze haben. Aber wenn der Herr Landesfeuerwehrkommandant, ein Bezirks- oder Abschnittsfeuerwehrkommandant vorbeigeht, kann man wirklich die rechte (durchgestreckte) Hand an den Dienstmützenrand legen und den zu Grüßenden ansehen. Der Herr Landeskommandant wird nichts sagen, wenn der Mann mit weichen Knieen vorbeigeht, mit dem Zeigefinger unsicher an die Dienstmütze tippt und vielleicht – höchstes der Gefühle – ein unsicheres „Gu’n Morg’n“ murmelt, aber daß er sich über diese Art nicht freut, mein Gott, das darf man ihm nicht verargen. Auch darüber sollte man bei einer der Übungen für den Bewerb reden.

Abends ...

Abends kann es ruhig lustig zugehen. Der Kommandant soll aber schon während des Tages still und leise beobachten, das wievielte Krügel sein neunzehnjähriger Angriffstruppführer schon intus hat. Es summiert sich nämlich. Einer soll ruhig der Verantwortliche und der Vorgesetzte sein, vom Feuerwehrkommandanten als solcher eingesetzt. Er soll nicht feig nachgeben, sondern seinen Willen und seine Weisungen auf Biegen oder Brechen durchsetzen, wenn es nötig ist. Sonst ist er als Gruppenkommandant ungeeignet. Neun absolut Gleichberechtigte bei Leistungsbewerben, davon hält Knigge nichts. Wer seine demokratischen Grundrechte in Gefahr sieht, wenn er die Weisungen seines Gruppenkommandanten befolgt, soll daheim bleiben.

Und dann unterhält man sich, lacht herzlich, klatscht, singt mit den Kameraden mit und – hält sich bei den Witzen zurück. Auch andere Menschen sollen daneben sitzen können, ohne daß es ihnen peinlich wird. Die „Saugoschen“ ist nicht Zeichen endgültig erwachter Männlichkeit des Neunzehnjährigen, sondern peinliche Entgleisung des Halbwüchsigen, leider auch manchmal des erwachsenen Familienvaters. Gegen die „untere Lade“ aufzutreten ist nicht Spaßverderberei, sondern Zeichen wirklicher Zivilcourage. Das meint Knigge. Punktum.

Am Morgen vor der Siegerverkündung ...

Man ist müde von einer kurzen bzw. langen Nacht – meinetwegen. Aber dann wäscht man sich und kommt frisch und nett daher ...

Die Feldmesse ist eindrucksvoll und gut gestaltet. Knigge macht sich verwundert seine Gedanken darüber, daß auch daheim sicher praktizierende Katholiken erst gegen halb neun schauen, wie sie zu einem Frühstück kommen, während die Bevölkerung an ihnen vorbei zur Feldmesse geht. Punktum.

Siegerverkündung – erhebend oder?

Pünktlich beim Aufstellungsplatz zu sein ist Höflichkeit, auch wenn man dann warten muß. Knigge hat gesehen: Gruppen stellen sich irgendwo hin, weil es ihnen „zu blöd“ ist, ihre Nummer zu suchen (dann wundern sie sich, daß sie ihre Kuverts nicht bekommen, die ja nach Gruppennummern geordnet sind). Gruppen schwindeln sich noch schnell in die bereits marschierenden Blöcke, laufen quer über den bereits gefüllten Bewerbsplatz ...

Und das Marschieren! Bitte, übt es daheim auf dem Sportplatz! Die jungen Kameraden mögen lernen, wie man nicht mit „knieweichem“ Schritt daherkommt, wie man wirklich mit dem „links zwei drei vier“ tut und nicht genau gegen den Tritt marschiert. Das korrekte Marschieren ist nicht die ganze Welt, aber schön ist es doch. Auch hier Kameradschaft: Kameraden, die an einem ordentlichen Marschblock Freude haben, schämen sich für Gruppen, die schlampig daherkommen. Hunderte Ehrengäste sehen zu.

Männer bei der Siegerverkündung

Wieder Kinderstube: Ich kann während der halben Stunde der Reden und der Pokalüberreichung halbwegs ruhig stehen, muß nicht die Einteilung verlassen, mich gar niedersetzen, Manche fühlen sich ungemein männlich, sportlich, und haben ihren Körper nicht einmal so weit in Zucht, daß sie diese halbe Stunde durchhalten. Wieder: Knigge hält es für einen Akt der Zivilcourage, wenn in der Einteilung Stehende energisch gegen diese ganz kleine Minderheit protestieren und nach der Feuerwehr fragen, die solche Typen hervorbringt.

Bei der Ehrentribüne angekommen, bitte wirklich rechts schauen! Man kann dann auch wirklich den Herrn Landeshauptmann oder den Herrn Landesrat, den Herrn Landesfeuerwehrkommandanten, vielleicht sogar einen Bundesminister sehen. Und diese können den Männern ins Gesicht sehen.

Bitte nach der Ehrentribüne weitermarschieren, nicht gleich die Ordnung auflösen und in die Papierkuverts hineinschauen! Die nachfolgenden Gruppen können nicht weitermarschieren, und es entsteht eine riesige Stauung, die immer ärger wird.

Die große Siegesfeier ...

„Wenn es nachher zwei Unfälle gibt, interessieren mich die schönsten Landesbewerbe nicht“, sagte LBD Kast zu Knigge, als er diesen Beitrag las. „Schreiben Sie ja etwas über die Disziplin im Straßenverkehr!“ Was Knigge hiemit aus Überzeugung tut. Jedes Jahr ist der Landeskommandant den ganzen Nachmittag über nervös und fürchtet jede Minute, die Hiobsbotschaft eines Verkehrsunfalles von Kameraden beim Heimfahren zu hören. Kommentar überflüssig! Daheim wartet man auf Euch!

Unterwegs wird man sich ein Mittagessen vergönnen, aber die eigentliche „Siegesfeier“ ist doch am schönsten daheim. Als Knigge selbst sein „Silbernes“ erwarb, fuhr seine Gruppe heim, die Kameraden wuschen sich und kamen abends – mit ihren Frauen, sofern sie schon welche hatten – im Gasthaus zusammen, und alle Kameraden hörten zu, was die Männer mit den noch so neu glitzernden Leistungsabzeichen zu berichten wußten.

 

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„Du, bei solchen großen Leistungsbewerben möchte ich einmal dabei sein. Könnten wir nicht einen Ausflug dorthin machen?“ wird die holde Gattin dem heimkehrenden Mann das „brand aus“ entgegenhalten, nachdem sie selbst längst den „Knigge“ gelesen hat. Er soll sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen, ihr einmal zu zeigen, was sich in der Feuerwehr abspielt und wie schön es bei den Kameraden ist. Und wenn die heimlich ja doch vorhandene Neugier befriedigt ist, wird sie ihn ein wenig um seinen Verein beneiden, wenn sie auch weiter sagen wird: „Du mit Deiner Feuerwehr!“ So sind sie, die Frauen.

Schneider

Knigge für Feuerwehrmänner IX

Wir fahren in die Landesfeuerwehrschule

 

7168 niederösterreichische Feuerwehrmänner haben 1977 an Lehrgängen in der Landesfeuerwehrschule Tulln teilgenommen. Eifrige, nette junge und ältere Männer, alle von bestem Willen beseelt. „Sie sind nett, unsere Teilnehmer, nur manchmal ein wenig gedankenlos“, zerbrach man sich in Tulln den Kopf, wie man ebendieser Gedankenlosigkeit der durchaus eifrigen, netten... (siehe oben) zu Leibe rücken könnte. „Könnten Sie nicht einmal im Knigge...?“ Was Knigge, unser Mann für Höflichkeit, Takt und gutes Benehmen, hiemit gerne tut, auch er wissend, daß die Lehrgangsteilnehmer an sich nette eifrige... usw.

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Einfach was man daheim gelernt hat ...

 

Lieber Lehrgangsteilnehmer! Du kannst Dich in Tulln einfach nicht danebenbenehmen, wenn Du dort so bist wie bei Deiner Mutter oder bei Deiner Frau. Was Deiner Mutter unnötige Arbeit macht und worüber Deine Frau mit Recht sauer reagieren würde, ist mit Sicherheit in der „Schule“ falsch und ärgert andere.

Wenn Du mit der Entschlossenheit nach Tulln fährst, Dich endlich einmal gehenzulassen, weil Eltern und Frau ihren klagenden oder heftig-energischen Einfluß nicht ausüben können („Dort kennt mich ja niemand“), heißt das, daß Du daheim nur deswegen ein netter Kerl bist, weil sich dort die anderen gegen Deine Paschaallüren zur Wehr setzen. Und das setzt Knigge bei einem Feuerwehrmann eigentlich nicht voraus.

Zugegeben, vieles passiert aus reiner Gedankenlosigkeit, ohne jeden bösen Willen, aber es macht der Mutter und der Gattin deshalb nicht weniger Arbeit. Auch Gedankenlosigkeit ist Lieblosigkeit.

 

Genug. Nun der lange Sündenkatalog ...

  1. Wenn Du etwas ruiniert hast oder einen Defekt bemerkst, melde ihn auf keinen Fall der Verwaltung im ersten Stock. Die sollen selbst draufkommen, auch wenn sie Dir sicher keinerlei Vorwürfe machen würden. Daß der folgende Kamerad das Nachsehen hat, kann Dir gleichgültig sein.
  2. Die Zimmer und Kästen haben feinnervige Schlösser. Sperre sie nicht mit den gleichen feinen und behutsamen Händen auf, mit denen Du Dein Mädchen oder Deine Frau streichelst, sondern zeige an ihnen die ganze Gewalt Deiner Männerpranken. Neue Schlüssel können „die“ ohnehin kaufen, wozu ist denn das Geld der Feuerschutzsteuer da?
  3. Die Blumen werden zwar vom Personal gegossen, man weiß aber in Tulln nicht, wie gut es den Pflanzen tut, wenn Du ein wenig mit Bier- oder Colaresten nachhilfst. Blumen sind gegen Alkohol nicht so widerstandsfähig wie Du und gehen ein? Lächerlich!
  4. Du weißt zwar, daß Papierkörbe brandgefährliche Gegenstände werden, wenn Du glühende Zigaretten oder schlampig abgetötete Zigarettenstummel in sie wirfst, aber warum soll es gerade bei Dir einen Brand geben? Wenn ganz Österreich über einen Brand aus Leichtsinn in der Landesfeuerwehrschule lacht – man kann nie genug tun, damit die Feuerwehr in der Zeitung steht.
  5. Wenn Ihr im Gelände oder auf der Übungswiese gearbeitet habt, brauchst Du die Profilsohlen Deiner Stiefel oder Schuhe bei Betreten des Hauses nicht abputzen. Wenn die feuchten Erdbrocken auf dem Gang vor dem Speisesaal zertreten werden, knirscht es recht heimelig. „Abgeschleckte“, glänzende Fußböden sind etwas Unnatürliches. Rauh, aber herzlich soll es in der Landesfeuerwehrschule zugehen, nicht wie in einem Mädchenpensionat.
  6. Zahnstocher und Zündhölzer eignen sich ausgezeichnet dazu, in Maggiflascherln, Salzfässer und Brotstücke gesteckt zu werden. Auch auf dem Fußboden nehmen sie sich gut aus.
  7. Fenster sollst Du vor allem in der kalten Jahreszeit möglichst den ganzen Tag über offen lassen. Sie nach dem Lüften zu schließen, ist sinnlos. Die „Schule“ weiß ohnehin nicht, was sie mit dem vielen Geld tun soll. Daheim sparst Du ja ohnehin das ganze Jahr.
  8. Im Speisesaal „vergiß“ am besten, daß Tablett, Brotkorb und Geschirr wieder zur Theke zurückgetragen werden müssen, oder verlasse Dich, daß der andere es schon machen wird. Die Frauen haben ohnehin nicht genug zu tun. Du mußt ihnen immer wieder zeigen, daß sie ohne Dich keinen Arbeitsplatz hätten. Das „Herunterklezeln“ der Sitzplatznummern an den Speisesaaltischen beweist, was für ein geschickter Bursch Du bist. Die Gläser trag ja nicht zurück zum Kantinenbord, die Damen sollen sie sich selbst holen. Das gleiche gilt von den Leerflaschen, die nur jene in die Leergebinde am Gang stellen, die sich bei der Schulleitung „einweimberln“ wollen. Daheim mußt Du die Flaschen ohnehin das ganze Jahr wegräumen. Man will sich schließlich in der „Schule“ auch erholen. Übrigens: Der Uri Geller hat überirdische Kräfte beim Verbiegen von Gabeln und Messern vorgetäuscht. Du kannst zeigen, daß Du genug Kraft hast, sie mit Deinen Manderfäusten zu biegen.
  9. Wenn Du in die „Schule“ kommst und wartest, wirf Deine Zigarettenreste möglichst auf den Boden. Die vielen Aschenbecher sollst Du schonend behandeln, man soll schließlich an den Zigarettenresten auf dem Fußboden sehen, daß Männer im Haus sind.
  10. In den Pausen oder während des Wartens bist Du verständlicherweise müde. Ruhe Dich an die Wände gelehnt aus und stelle eine Schuhsohle an eine möglichst frischgestrichene Wand. Das entspannt. Die Spuren lockern die Eintönigkeit der Mauer. Auch die Hände sollen an die Wände, aber vor allem in ungewaschenem und fettem Zustand, sonst sieht man nämlich nicht monatelang die Spuren Deiner männlichen Pranken.
  11. Wenn Du künstlerisch begabt bist, zeichne nur die Toiletten voll. Die Kameraden werden beeindruckt sein, und Gäste werden staunen, was für musische Leute wir doch in der Feuerwehr haben. Ab und zu darfst Du ruhig auf die Spülung vergessen, daheim mußt Du ohnehin immer hinunterlassen. Wenn Du den Klobesen nicht benützt, werden ihn die Frauen jeden Monat abstauben.
  12. Nach Lehrgangsende laß bitte alle Fenster offen. Den Ausbildern macht es ungemein Spaß, durch das ganze Haus zu gehen und die Fenster zu schließen. Sie warten nach jedem Lehrgang mit Spannung, was in den Hosentaschen der Leiheinsatzbekleidung und in den Kästen alles vergessen wurde. Sie tun nichts lieber, als solche Dinge nachzuschicken und in die Bekleidungskammer hinunterzutragen, was an Stiefeln, Einsatzbekleidungen usw. in den Zimmern oder auf der Kleiderablage vor dem Speisesaal zurückbleibt.
  13. Beim Waschen spare mit dem Wasser! Vor allem bringe Deine Füße nicht mit dem Naß in Berührung, das die Feuerwehr für wichtigere Dinge braucht. Daheim schickt Dich die Mutter oder Frau nach Lehrgangsende ohnehin sofort in das Badezimmer. Wozu also die Zeit in Tulln vergeuden?
  14. Beim Essen erweise Dich als möglichst heikel und zeige dadurch, daß Du daheim nur teuerste Dinge ißt. Was der Landesfeuerwehrkommandant ißt, ist für Dich noch lange nicht gut genug.
  15. Wir sind uns einig, daß auf Schuhpflege großer Wert zu legen ist. In der „Schule“ bietet sich dafür das Bettzeug an, das der Teilnehmer ja nach Lehrgangsende ohnehin nicht mehr braucht.
  16. Das Bett mach nach dem Aufstehen möglichst nicht! Es können ruhig alle sehen, daß Du Dich in ihm wohlig gewälzt hast. Wenn einem Zimmergenossen das nicht paßt, kann er Dir das Bett ja machen. Wenn sich ein Gast über das unaufgeräumte Zimmer seine Gedanken macht, ist das sein Problem.
  17. Auf dem Gang vor dem Speisesaal stelle Deine Schuhe bzw. Stiefel nicht auf den Staffel innerhalb der Mauervertiefung, sondern auf den Gangboden. Das schaut kreativ und abwechslungsreich aus.
  18. Wer meint, wir bräuchten das Geld für anderes als zum Reparieren von Gedankenlosigkeitsdefekten, ist übertrieben. Hauptsache ist doch, daß es uns gutgeht und wir in Tulln eine rechte „Hetz“ haben. Andere wollen es uns schön und wohnlich machen und bemühen sich ehrlich? Erstens werden sie dafür bezahlt, zweitens richten wir die Schule ohnehin daheim aus, wenn das Service nicht erstklassig ist. Die sollen froh sein, daß wir kommen.

 

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„So arg ist es wirklich nicht. Es sind immer nur ganz wenige, denen so etwas einfällt. Die meisten sind ohnehin tadellos“, wird der holde Gatte auf die leicht bohrenden und verwunderten Fragen seiner holden Gattin antworten. Aber sie ist sich im innersten Herzen doch nicht ganz so sicher, daß der Ihre jedes Mal in der Landesfeuerwehrschule, weit „weg vom Schuß“, alles tut, was sie ihm in jahrelanger Arbeit anerzogen hat. Womit sie ihm wieder einmal unrecht tut. Aber so sind sie, die Frauen.

Schneider

Knigge für Feuerwehrmänner X

Ein Feuerwehrmann kommt selten zur Übung – was tun?

20 Prozent unserer Aktiven machen die gesamte Dreckarbeit und fahren sämtliche Einsätze. Die anderen sollte man einfach hinauswerfen. Wir sind ja kein Trachtenverein. Von der Feuerwehr verlangt man harte Arbeit und konkrete Leistungen. Wir können nicht Mitläufer mitschleppen“, hört man manchmal unmutige Äußerungen in der Feuerwehr. Soll also der Feuerwehrkommandant reinen Tisch machen, radikal die halbe Mannschaft hinauswerfen und mit den Jungen von vorne anfangen?

Knigge, unser Mann für Höflichkeit, Takt und gutes Benehmen, aber auch für Klugheit und Hausverstand, hat mit mehreren Kommandanten über das Problem gesprochen und gesehen, daß es gar nicht so einfach zu lösen ist.

 

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Der Unmut ist bisweilen groß, die Männer, die sich oft „monatelang nicht anschauen lassen“, sind zahlreich. Das mit den 20 Prozent ist Ansichtssache. Vielleicht stimmt’s, vielleicht nicht.

Was spricht allen Ernstes dafür, die Säumigen zu entlassen?

  1. Sie üben zu wenig, sind also schlecht ausgebildet, sie kennen sich bei den hochtechnisierten Fahrzeugen und Geräten nicht aus, man kann sie nirgends dazustellen. Sie sind oft ein Risikofaktor, Männer, auf die man womöglich noch aufpassen muß.
  2. Die guten Leute werden unruhig. „Wir sind ja die Dummen. Die anderen machen es sich leichter und werden vielleicht noch früher Löschmeister als wir.“ Schlechtes Beispiel verdirbt gute Sitten. Auch in der Feuerwehr.
  3. Uniform und Versicherung kosten Geld. Warum einen Mann versichern, der nie oder nur selten kommt?
  4. „Ich habe nichts von 50 Aktiven, von denen nur 20 wirklich zur Verfügung stehen!“ klagt mancher Kommandant.

„Es wird nicht so heiß gegessen ...“

Das sind zweifellos ernste Argumente. Also radikal „aufräumen“? In der Praxis ergeben sich aber Probleme, die man ebenfalls sehen, vor allem aber überlegen soll, bevor man eine „Aktion Scharf“ beginnt:

  1. Nicht selten sind die Säumigen in der Gemeinde sehr angesehen. Sie aus der Feuerwehr hinauszubefördern, kann Unannehmlichkeiten bringen, bis hinauf zum Bürgermeister. „Das können Sie doch nicht tun...!“
  2. Oder die Säumigen sind älter als der Kommandant. „Euch hat’s ja noch gar nicht gegeben, haben wir schon Dienst gemacht.“ Welcher junge Kommandant will sich das sagen lassen?
  3. Eine Entlassung ist oft unangenehm und führt nicht selten zu Verdruß und bösen Worten. Zahlt sich das aus?
  4. Wird sich die Wehr nach der „Aktion Scharf“ gereinigt erheben, oder bleibt ein Scherbenhaufen zurück, und die Guten sind gar nicht so gut und so zahlreich? Auch das gibt es.
  5. Untertags sind nur wenige Männer im Ort. Soll man von den wenigen die Säumigen hinauswerfen und hat dann vielleicht nur mehr zwei Feuerwehrmänner für den ganzen Einsatzbereich? Ist es nicht besser, weniger gut ausgebildete Männer zu haben als gar keine? Andererseits berichtet ein Kommandant: „Von den acht Leuten, die gestern den Einsatz gefahren sind, sind vier bei den Übungen selten da, die fleißigen sind meist Pendler.“
  6. Manch einer hat in jüngeren Jahren wirklich Verdienste um die Feuerwehr erworben. Jetzt sind Beruf und Familie fordernder geworden, es geht mit bestem Willen nicht mehr so wie früher. Am Samstag ist er todmüde, und dann auch noch die Übung? „Seid’s mir nicht böse, das kann ich nicht.“ Trotzdem möchte man den Mann nicht verlieren.
  7. „Ich habe das Meinige getan, jetzt sollen die anderen was tun, der und der ist auch nicht gleich entlassen worden.“
  8. Der Mann ist bei Übungen selten zu sehen, beim Sammeln hat er aber durchaus seine Fähigkeiten. Auch bei Begräbnissen und ähnlichen Ausrückungen entlastet er die anderen Aktiven.
  9. Wären die Fleißigen mit dem „Hinausschmiß“ der Säumigen einverstanden, oder hätte der Kommandant plötzlich auch die Guten gegen sich?

Andererseits: Ordnung muß sein

Gerade diese vielen Für und Wider zeigen, wie schwierig die Lösung ist und daß keine Situation der anderen gleicht. Auch die Kommandanten sind verschieden. Der eine traut sich ein hartes Durchgreifen zu und ist bereit, auch Durststrecken durchzustehen, der andere ist eher vorsichtig und hat weniger Standvermögen, ist Kritik gegenüber anfälliger, der andere hat nur sein Ziel vor Augen und setzt sich über schiefe Worte hinweg.

In schwierigen Situationen muß man eine sogenannte Güterabwägung vornehmen: Das heißt: Ich kann, wie ich auch entscheide, nicht alle Nachteile ausschließen, ich versuche, jene Lösung zu wählen, die weniger Nachteile bringt. Diese Nachteile muß ich auf mich nehmen.

Wie geht man vor?

Im folgenden einige Überlegungen, wie man das Problem angehen könnte:

  1. Nur mit dem „Eisernen Besen“ geht es nicht, ebensowenig kann man die Dinge schleifenlassen. Beides müssen sich vor allem neue Kommandanten sagen lassen.
  2. Das Problem ist vorher mit anderen zu überlegen, die möglichen Folgen sind vorher zu bedenken, nicht erst nachher, wenn der Verdruß fertig ist. Im Jähzorn und in der Erregung spricht man Entlassungen niemals aus.
  3. Der Kommandant treffe solche Entscheidungen niemals allein, sondern bestehe auf einem Beschluß des Kommandos, auch sichere er sich eventuell bei den anderen Chargen ab. Auch eine Grundsatzentscheidung der Mitgliederversammlung ist zu erwägen. Es ist nicht notwendig, daß der Kommandant eine solche Aktion allein auf seine Kappe nimmt, er soll mit „der Feuerwehr“ argumentieren, nicht mit seinem eigenen persönlichen Entschluß.
  4. Man nimmt die Mannschaftsliste und das Dienstbuch her. Wie viele Leute haben das erträgliche Maß überschritten? Wo ist das Minimum an Übungs- und Einsatzanwesenheit anzusetzen? Man versuche, möglichst für alle geltenden Grundsätze aufzustellen, was freilich nicht leicht ist.
  5. Mit jedem „Hinauswurfkandidaten“ wird ein ruhiges, ernstes Gespräch, unbedingt unter vier Augen, geführt. Gesprächsziel muß sein, den Mann wieder zu mehr Eifer in der Feuerwehr zu bringen oder zu erreichen, daß ihm selbst klar wird, daß er Konsequenzen ziehen muß – so oder so.
  6. Manch einer wird einsehen, daß er schlampig war, und wird wieder häufiger kommen. Auch dann hat die Aktion einen Sinn gehabt.
  7. Ein anderer wird ruhig erklären, daß die Belastungen in Beruf und Familie oder bei anderen Vereinen so groß geworden sind, daß er den Anforderungen der Feuerwehr, die er als durchaus gerechtfertigt ansieht, nicht mehr entsprechen kann. Er wird in Ruhe seinen Hut nehmen.
  8. Auf jeden Fall wird man einem Mann, der drei oder 15 Jahre in der Feuerwehr war, für seinen Dienst aufrichtig danken. Daß einer nie etwas getan hat, stimmt ja meist nicht.
  9. Das Kommando setze alles daran, daß einer, der in Frieden scheidet, ein Freund der Feuerwehr bleibt. Schafft um Gottes Willen nicht Verbitterte, die dann im Freundeskreis und im Gasthaus schlecht über die Feuerwehr reden. Macht dem Austretenden den Austritt nicht schwer und demütigt ihn nicht. Er ist fort und bleibt ein guter Freund. Damit fertig.
  10. Wird ein Kamerad trotz aller Behutsamkeit aggressiv, muß man das auf sich nehmen. Wo man eine solche Entwicklung des Gespräches befürchten muß, ist es vielleicht klug, das Gespräch in Gegenwart von zwei oder drei anderen Kameraden zu führen.

Krisenzeiten einkalkulieren!

Nicht jeder Fall ist gleich. Auch ist zu fragen, ob der Mann nach Überwindung einer bestimmten persönlichen Situation von selbst wieder eifriger wird, oder ob mit einem Ansteigen des Eifers nicht mehr zu rechnen ist.

Folgendes bittet Knigge zu bedenken:

  1. Der 50jährige wird eher auf Nachsicht rechnen dürfen als ein 25jähriger. Diesem wird man sagen müssen: „Um eine Ehrenposition in der Wehr zu haben, hast Du bei uns noch zu wenig gearbeitet.“ Die 20 verdienstvollen Jahre des 50jährigen wird man hingegen in die Waagschale werfen.
  2. Den bis über die Ohren verliebten und mit seiner Liebsten schwer beschäftigten 19jährigen wird man, wenn er öfter nicht kommt, nicht gleich entlassen. Meist kommt er sogar gerne wieder, wenn er glücklich im Hafen der Ehe gelandet ist und das Nest daheim nicht mehr das ein und alles bedeutet. Dann wird der Männerklub auch bei ihm wieder seine Anziehungskraft unter Beweis stellen. Bei uns war’s ja nicht anders.
  3. Der junge Mann, der ein Haus baut und ohnehin schon zuwenig schläft, ist vielleicht ebenfalls ein wenig milder zu beurteilen, auch jener, der mehrere Abendkurse besucht und vor Prüfungen steht. Freilich: Ein Mindestmaß an Diensten kann auch er leisten. Das kann man ihm ruhig sagen, und der Gutwillige wird das auch einsehen. Hoffentlich.

Die letzte Verantwortung für eine Entlassung trägt der Feuerwehrkommandant, der für sein Amt ein nicht geringes Maß an Menschenkenntnis, Menschenführung und Klugheit mitbringen muß. Kommandanten, die die Dinge schleifenlassen, aber auch solche, die meinen, sie müßten gleich im ersten Moment ihres Kommandos recht alte Bräuche – und Unarten – in der Wehr radikal beseitigen, sind schlecht beraten. Schlamperei, aber auch der „Eiserne Besen“ können Folgen haben, die jahrelang nicht zu beseitigen sind.

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„Also, was soll ich jetzt tun, hinausschmeißen oder nicht hinausschmeißen? Diese vielen Wenn und Aber!“ Richtig. Aus einer einzigen Erkenntnis entscheiden und die übrigen Argumente unter den Teppich kehren, ergibt die Entscheidung des Heißsporns, alles überlegen, abwägen und dann entscheiden, das ist der wirklich fähige Feuerwehrkommandant. Und solche gibt’s eine ganze Reihe bei uns.

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Die Diskussion wird sich daheim bei der holden Gattin fortsetzen. „Ich muß wieder fleißiger zu den Übungen gehen“, sagt er. „Dann bist Du wieder weniger zu Hause“, sagt sie. „Dann entlassen sie mich“, sagt er. „Damit nehmen sie ihm sein liebstes Hobby, und er wird daheim unausstehlich“, sagt sie sich. Beides unter einen Hut zu bringen, gelingt nicht einmal ihr. Und das heißt etwas. Aber so sind sie, die Frauen.

Schneider

 

Knigge für Feuerwehrmänner XI

„Schriftkram“

 

„Darüber müßten Sie einmal etwas schreiben, Herr Knigge“, kam ein Bediensteter des Landesfeuerwehrkommandos seufzend zu Knigge, unserem Mann für Höflichkeit, Takt und gutes Benehmen. Er zeigte irgendein Schriftstück von der FF Florianreith. Kaum leserlich, die Hälfte der Angaben fehlte, der Termin war weit überzogen. Wirklich nicht notwendig. Knigge bekam ein ganz schönes Sündenregister zusammen, das er – er will nicht immer schimpfen – ganz sanft und doch deutlich den lieben Kameraden vorhalten will.

Damit wir uns recht verstehen: Nicht jeder kann Schreibmaschine schreiben, nicht jeder kann perfekt rechtschreiben, das hat mit der Tüchtigkeit als Feuerwehrmann nichts zu tun. Aber jeder kann ein wenig Ordnung halten, auch in schriftlichen Dingen. Schlamperei oder Ordnung im Schriftverkehr läßt auf die Ordnung in der Wehr schließen.

Noch etwas. Knigge kennt keine Organisation, in der es nicht Spannungen zwischen „Oben“ und „Unten“ gibt. „Was ist denn denen da oben wieder eingefallen?“ und „Die draußen haben nicht die geringste Ahnung“. Beide wollen doch gute Arbeit leisten. Je offener die Konfliktpunkte ausgesprochen werden, desto weniger ärgert man sich über einander.

Nun das „Sündenregister“.

 

 

  1. Wenn auf einem Formular etwas von Dienstweg steht, kümmere Dich nicht darum. Es steht ja nicht ausdrücklich drauf, daß Du es an das Abschnittsfeuerwehrkommando schicken sollst. Wenn dann die eine Hälfte der Wehren das Formular an das Abschnittskommando, die andere Hälfte an das Landesfeuerwehrkommando schickt, ist ein heilloser Durcheinander fertig, und die Listen werden nie stimmen.
  2. Schreibe möglichst viele verschiedene Anliegen auf ein einziges Blatt Papier. Im Landesfeuerwehrkommando schneiden sie dann den Brief auseinander und teilen die Stückerln auf die zuständigen (verschiedenen) Sachbearbeiter auf.
    Richtig: Über jedes Anliegen ein eigenes Schriftstück.
  3. In unserer Wehr müssen wir sparen. Anständiges weißes Papier können wir uns nicht leisten. Für Schreiben an den Brandrat oder an das Landesfeuerwehrkommando genügen aus dem Rechenheft des Töchterls herausgerissene Seiten. Daß der Brief auf dem Kuchltisch entstanden ist, beweist der Fettfleck. Die sollen „drinnen“ nicht gar so „feun“ tun. In dieser Wehr sind eben Männer der Praxis daheim.
  4. Aktenzahl? Interessiert uns nicht. Die sollen sich drinnen den Schriftverkehr mit unserer Wehr heraussuchen. Wozu sitzen sie denn im Landesfeuerwehrkommando?
    Richtig: Aktenzahlen auf Schreiben des Landes- oder des Bezirksfeuerwehrkommandos gehören im Antwortschreiben wiederholt, damit der gesamte Schriftverkehr über dieses Problem nicht unter den verschiedensten Aktenzahlen im Landesfeuerwehrkommando herumgeistert und gleich gefunden wird. Das Datum, unter welchem der Brief geschrieben wurde, hilft da nicht weiter.
  5. Auf dem Abdruck der Nummernstampiglie dürfen ruhig einige Ziffern unleserlich sein. Wenn dann Feuerwehrmänner plötzlich in den Computerlisten einer anderen Wehr aufscheinen, ist auf jeden Fall das Landesfeuerwehrkommando schuld.
  6. Wenn ein Kamerad stirbt, schicke eine Veränderungsanzeige und einen Sterbefallmeldeschein ein, obwohl immer wieder davor gewarnt wird. Wenn der Computer dann die Doppelmeldung nicht annimmt und der Verstorbene in den Computerlisten bleibt, ist das Landesfeuerwehrkommando schuld.
    Richtig: Nur Sterbefallmeldeschein einsenden, nicht aber Veränderungsanzeige!
  7. Erledigungstermine übergehe ruhig. Die sind auch später noch froh, wenn sie Deine Angaben bekommen.
  8. Formulare sollen keine Arbeit machen. Schreibe hin, was Du auswendig weißt. Daten zusammenzutragen kann niemand von Dir verlangen. Wenn sie drinnen die Angaben wirklich brauchen, werden sie sich schon rühren. Förderungsbeträge und Taggelder werden nur an Konten von Gemeinden oder Feuerwehrkommanden, nicht aber auf Privatkonten des Kommandanten oder des Leiters des Verwaltungsdienstes überwiesen? Wir brauchen kein eigenes Konto, und damit basta. Ein netter Kleinkrieg entwickelt sich, bis dann die Feuerwehr doch ein Konto beim nächsten Geldinstitut, 200 m vom Feuerwehrhaus entfernt, eröffnet. Beim Geld zwicken sie einen, daß man nicht auskann. So eine Gemeinheit.
  9. Die Hilfswerkgelder zahlen wir erst ein, wenn wir selbst etwas zu bekommen haben. Auch für Unglücksfälle anderer Kameraden muß Geld da sein? Und dann „schmieren“ sie es einem von „drinnen“ noch genüßlich und sagen, daß man erst seine Schulden bezahlen muß, bevor man die Tag- oder Sterbegelder überwiesen bekommt.
    Richtig: Zahlungen leisten, sobald die Vorschreibung kommt. Dann hat man seine Ruhe, und das Landesfeuerwehrkommando braucht nicht bis zum Dezember dem Geld nachzulaufen.
  10. Formulare fordern wir gleich beim Landesfeuerwehrkommando an. Die sollen sehen, wie aktiv wir sind. Eigentlich liegen die Formulare für unsere Wehr kiloweise beim Abschnittskommandanten? Wir dachten, der braucht sie als Schmierzettel für sein Enkerl.
    Richtig: Nur jene Formulare beim Landesfeuerwehrkommando anfordern, die der Abschnittskommandant nicht hat. Draußen vergilben die Formulare. Schade ums Geld.
  11. Eine Schreibmaschine auftreiben ist lächerlich. Wenn sogar das Töchterl vom Nachbarn schon eine für die Schule hat, heißt das noch lange nicht, daß wir vielleicht einmal versuchen, mit dem Zweifingersatz auf einem solchen technischen Ungetüm ein kurzes Schreiben herunterzudrücken. Weil gegen die Technik sind wir mißtrauisch. Wir sollten endlich jemanden zum Verwaltungslehrgang schicken, der dann die ganze Schreiberei erledigt? Für solche Sachen haben wir keine Zeit.
    Kurrentschreibung ist schön und alt. Die jüngeren Bediensteten im Landesfeuerwehrkommando haben diese Schrift nicht gelernt und können sie nicht lesen?
  12. Richtiges Postporto auf die Feuerwehrdienstpost? Vor drei Jahren haben wir auch nur S 3,- draufgepickt. Das Landesfeuerwehrkommando zahlt sich krumm am Strafporto? Das muß doch drin’ sein...
  13. Anträge auf Auszeichnungen sende grundsätzlich so spät ein, daß keine Nachforschungen mehr möglich sind, und erpresse das Landesfeuerwehrkommando damit, daß die Auszeichnung bereits bei Eurer Löschfahrzeugsegnung verliehen werden soll. Dann müssen die nämlich ihre Arbeit liegen- und stehenlassen und für Euch laufen. Was, die wissen nicht, wann Euer Fest stattfindet?
    Richtig: Solche Anträge zeitgerecht einsenden! Unsere Sachbearbeiter müssen sich die Zeit einteilen, Gravuranstalt und Druckerei arbeiten rationeller und billiger, wenn sie mehrere Aufträge auf einmal bearbeiten können.
  14. Meldet zum Landesfeuerwehrleistungsbewerb ruhig Eure Bewerbsgruppe für Silber und Bronze auf einer einzigen Teilnehmerliste an. Das ist streng untersagt? Die Teilnehmerlisten der Gruppen Bronze und Silber kommen in verschiedene Ordner? „Bitte, das haben wir nicht gewuuußt!“ Aber in der Ausschreibung stand’s doch deutlich zu lesen! „Wir können doch nicht das alles lesen.“ Wenn an einem Schreiben ein Abschnitt abzutrennen und einzusenden ist, schneide zuerst den Abschnitt ab, vernichte den Ausschreibungstext, dann fülle den Abschnitt aus. Ach so, die Erklärungen waren oben zu lesen?
  15. Anmeldetermine? Das geht später auch noch. Aber den Bewerbsplan wollt Ihr rechtzeitig haben? Und ob! Wenn wir dann nicht draufstehen, sind die „drinnen“ schuld. Und dann rufen wir den Landesfeuerwehrkommandanten während des Mittagessens an, damit der Bewerbsleiter wieder einmal eine Ausnahme machen muß.
  16. Und nun das Wichtigste: Wenn irgend etwas nicht stimmt, ist auf jeden Fall das Landesfeuerwehrkommando schuld. Man wird denen telephonisch gehörig die Meinung sagen und ihnen mit einer Beschwerde beim Landesfeuerwehrkommandanten drohen. Auch schriftlich nimmt sich das energisch und tapfer aus. Man sollte prüfen, ob man nicht selbst den Bock geschossen hat? Eine Frechheit ist das, eine Zumutung. Man ist immerhin 30 Jahre bei der Feuerwehr.
    Richtig: Menschen sind wir alle, irren können wir alle. Man wird sich als höfliche Menschen einigen. Fragen kostet nichts. Daß sich Sachbearbeiter, die sich jeden Tag mit der Materie beschäftigen, besser auskennen, ist wahrscheinlich. Ordnung in schriftlichen Dingen erspart manchen Verdruß.

Übrigens: Weißt Du, daß fast alle männlichen Bediensteten im Landesfeuerwehrkommando bei Freiwilligen Feuerwehren in NÖ Dienst machen, also gar nicht so welt- und feuerwehrfern dahinleben und auch ein bißchen etwas von den Dingen verstehen?

 

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„Habt Ihr keine Ordnung in Euren schriftlichen Sachen?“, fragt die holde Gattin des Kommandanten scheinheilig. „Ach was, diese vielen Listen und Statistiken und Termine sind mir zu blöd. Ich kenn’ mich da nicht aus“, brummt der holde Gatte vor sich hin. „Wie halt zu Hause“, sagt die holde Gattin, „da muß auch immer ich die Erlagscheine rechtzeitig einzahlen und die Wege bei Behörden erledigen. Wenn Ihr schon keine Frauen bei der Feuerwehr wollt, müßt Ihr halt selbst auf Ordnung schauen“. „Euch Frauen werden wir da brauchen“, brummt er vor sich hin, weil er nichts Gescheites antworten kann. Und fängt seufzend an, die letzte Aussendung des Bezirksfeuerwehrkommandos durchzulesen. Schon wieder ein Termin versäumt... „Soll ich Dich nächstes Mal erinnern?“ meldet sich die Holde vom Bügelbrett her, so fürsorglich, daß der Vorwurf unüberhörbar ist. So sind sie, die Frauen.

Schneider