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Schneiders Serie „Die Leiden der Feuerwehrfrauen“

Schneiders Serie "Die Leiden der Feuerwehrfrauen"

Dr. Hans Schneider veröffentlichte als Chefredakteur in „brand aus“, Zeitschrift der Niederösterreichischen Feuerwehren, in den Jahren 1977 und 1978 nachstehende Serie (Wiedergabe in der damaligen Rechtschreibung).

 

Handb. Serien brand aus

 

 Seite  Nr. Jahr Nr.  Seite Titel
 1 1 1977 10 433 Die Leiden der Feuerwehrfrauen
 2 2 1977 12 546 Die Leiden der Feuerwehrfrauen II,
 Mit der Frau reden!
 3 3 1978 1 31 Die Leiden der Feuerwehrfrauen III,
 Wie oft zur Feuerwehr gehen?
 4 4 1978 3 98 Die Leiden der Feuerwehrfrauen IV,
 Noch ein Amt? Nein sagen können!
 6 5 1978 6 190 Die Leiden der Feuerwehrfrauen V,
 So grausam sind unsere Einsätze
 8 6 1978 7 239 Die Leiden der Feuerwehrfrauen VI,
 Die Frauen von St. Pölten ...

  

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Ablage unter: Schneiders Serie „Leiden der Feuerwehrfrauen“

Handbuch zur Feuerwehrgeschichte - Ausgabe: April 2005/2

Ablage unter: Einführung i. d. Fw-Geschichte

Handbuch zur Feuerwehrgeschichte - Ausgabe: Mai 2000

Die Leiden der Feuerwehrfrauen

„Warum schreibt ‚BRAND AUS’ nicht einmal auch über die Frauen der Feuerwehrmänner? Die Männer stolzieren in der schönen Uniform einher, und wir Frauen haben daheim die Arbeit, plagen uns mit den Kindern ab und sind abends allein, bis der Herr der Schöpfung spät heimkommt.“

„BRAND AUS“ wollte schon lange über das Frauenproblem schreiben und setzte sich während der Wasserwehrleistungsbewerbe in Melk mit Gattinnen und Töchtern von Feuerwehrmännern zusammen. Eine ganze Palette von Aussprüchen kam zusammen, die das Problem, unter dem wir ja alle ein wenig leiden, umreißen.

Was sagen die Feuerwehrmänner, was sagen vor allem die Frauen zu diesen Aussprüchen? „BRAND AUS“ würde das Thema gern weiterverfolgen, Leserbriefe veröffentlichen und dann eigene Gedanken bringen. Werden sich die „BRAND AUS“-Leser beteiligen? Wir wünschen uns das sehr.

 

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  1. „Das ganze Schimpfen über die Feuerwerkerei nützt nichts. Er geht ja trotzdem hin. Die wenige Freizeit ist vertan, die Familie kommt zu kurz und leidet.“
  2. „Wenn es nur schimpfende Gattinnen gäbe, gäbe es keine Feuerwehr, und das wäre auch nichts.“
  3. „Natürlich helfen wir zusammen. Ich mache den Funkdienst, wenn er nicht daheim ist. Und daß er den Overall ganz verrußt heimbringt – mein Gott, wenn er halt so gern hingeht! Dann ist er ja wieder daheim und hilft mir und zeigt seinen guten Willen.“
  4. „Mein Mann ist jetzt 35, er hat im Beruf alles erreicht, was er erreichen wollte. Er möchte aber doch noch etwas leisten und nicht 25 Jahre im Büro den gleichen Trott haben. Ein bißchen Selbstbestätigung – wer braucht das nicht? Ich verstehe, daß er dort gern mittut. Er braucht es einfach.“
  5. „Unser Vater ist ein tüchtiger Bauer, aber unsere Landwirtschaft ist einfach ein zu enger Horizont für ihn. Er ist ein geborener Planer. Die Feuerwehr erfüllt ihn.“
  6. „Wer hat nicht als Hobby etwas ganz anderes als den eigenen Beruf? Ich auch. Warum mein Mann nicht? Übertreiben soll er halt nicht.“
  7. „Ich kann ihn doch nicht immer daheim anbinden, das hält kein Mann aus. Daß Männer einmal unter sich sein wollen, muß ich doch einsehen.“
  8. „Solange er bei der Feuerwehr ist, weiß ich wenigstens, wo er ist. Das habe ich mir schon gesagt, als wir noch nicht einmal verlobt waren.“
  9. „Ich schätze an meinem Mann, daß er für die Allgemeinheit etwas tun will. Ich mag keinen, der um 5 Uhr das Gartentürl zusperrt und dann nichts anderes im Kopf hat als das Fernsehen oder das Gasthaus. Vielen Männern ist es egal, was sich rund um sie abspielt. Meinem nicht.“
  10. „Mein Mann erzählt mir immer, was sie bei der Feuerwehr tun. So kann ich ein wenig mitleben. Unser Nachbar erzählt gar nichts.“
  11. „Das finde ich unfair: Er hat seine Feuerwehr und ist immer wieder unterwegs, nur ich soll immer daheim sein. Wehe, wenn er nicht seine Bequemlichkeit hat. Wenn ich einmal bei einer Freundin bin, murrt er.“
  12. „Andere Hobbies, zum Beispiel das Jagen, kosten viel mehr.“
  13. „Wenn einer gar kein Hobby hat, ist er ein Sonderling.“
  14. „Bei der Feuerwehr muß er sich geistig anstrengen, das schadet ihm nicht. Der Meine würde sonst versumpern.“
  15. „ Lassen wir sie, wie sie sind, sie haben schon recht. Engel haben wir ja nicht geheiratet. Wenn es allzu arg wird, setzen wir uns schon durch.“
  16. „Wenn unser Vater bei der Feuerwehr ist, machen wir uns einen gemütlichen Abend. Dann kommt er heim und setzt sich zu uns. ‚Na, habt Ihr auch einen schönen Abend gehabt?’ Wir freuen uns, wenn wir spüren, daß er nach der Übung wieder gern nach Hause kommt.“
  17. „Der Meine sagt immer: ‚Schau, irgendwer muß es doch machen. Wer sollte denn sonst hinausfahren?’ Das sehe ich dann ein und bin im geheimen stolz auf ihn.“
  18. „Angst, wenn er wegmuß? Natürlich. Man kann immer nur hoffen, daß er wieder gut zurückkommt.“
  19. „Mein Mann ist nicht einer der Pünktlichsten. Bei der Feuerwehr bringen sie ihm das bei. Und er hat dort wirklich anständige Leute getroffen.“
  20. „Bei uns sind die Feuerwehrfrauen auch manchmal dabei, wir fahren miteinander weg, es sind eigentlich alle, Frauen und Männer, eine große Kameradschaft.“
  21. „Ich freue mich, wenn ich auch als Frau etwas mithelfen kann. Bei Festen stehen wir hinter dem Grillrost, die Frau unseres Kommandanten macht ihm die schriftlichen Sachen. Ob Frau oder Mann – ich finde, jeder soll dort etwas für die Allgemeinheit tun, wo er kann.“
  22. „Schon vor der Hochzeit habe ich meiner Zukünftigen gesagt, daß ich viel Zeit für die Feuerwehr aufwende. Damals hat sie ja gesagt und mir nie nachträglich Vorwürfe gemacht.“ Dies eine Männerstimme im Chor der Damen.
  23. „Ich reiße mich nicht mehr so sehr um das Feuerwehrspielen, aber eines macht mir Sorge: Die meisten unserer Männer sind untertags auswärts in der Arbeit. Wenn in dieser Zeit ein Brand ausbricht? Die Frauen wären immerhin daheim. Ich weiß, die Männer lehnen Frauenfeuerwehren ab, die Versicherungen auch. Aber reden – reden sollte man schon darüber!“

Schneider

Die Leiden der Feuerwehrfrauen II

Mit der Frau reden!

In vielen Feuerwehren, an manchem Stammtisch wurden „Die Leiden der Feuerwehrfrauen“ („BRAND AUS“ 10/1977, Seite 433) diskutiert, und wohl noch selten ist unsere Zeitung von so vielen Frauen gelesen worden. Verständlich. Wir alle leiden ein wenig darunter, daß die viele Zeit, die wir der Feuerwehr opfern, der Frau und den Kindern verlorengeht. Wir werden in dieser Nummer das Problem nicht ausdiskutieren, aber einige Gedanken können überlegt werden. Dabei ist uns klar, daß die Situation in jeder Ehe anders ist. Was für den einen ein guter Rat, eine praktikable Lösung ist, geht am Problem der anderen Ehe völlig vorbei.

 

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Feuerwehr – Interesse beider Partner?

Manches ist leichter, wenn auch die Gattin, die Braut, an der Feuerwehr interessiert ist, wenn beide sehen und einsehen, daß ja jemand die Arbeit machen muß, wenn beide sich freuen, daß etwas weitergeht. Wenn „sie“ aber völlig desinteressiert ist, entsteht viel leichter Unzufriedenheit: „Schon wieder bist Du weg“, und sie ahnt nicht, daß er doch nicht als einziger wegbleiben kann, wenn die anderen zum Reinigen des Feuerwehrhauses zusammenkommen. Auf einmal ist der schleichende Gedanke „Sie versteht mich nicht“ da. Daher: daheim von der Feuerwehr erzählen! Die Frau soll um das Problem und die Situation der Wehr wissen, soll mitdenken können. Nur dann kann sie auch einsehen, daß er eben wirklich weggehen muß.

Frauen arbeiten mit

Könnte die Frau vielleicht mithelfen? In vielen Feuerwehren haben die Frauen ihre eigene Position. Sie nehmen in nicht wenigen Fällen den Männern den Funkdienst ab (an manchen Fixstationen sitzen untertags Feuerwehrgattinnen), es gibt ausgezeichnete „Leiterinnen des Verwaltungsdienstes“, wenn auch der Mann die blauen Dienstgradspiegel trägt. Wie viele weibliche Schweißtropfen sind nicht schon bei Feuerwehrfesten hinter dem Grill und beim Servieren geflossen!

Das ist „unsere Feuerwehr“

Unsere Feuerwehr darf ihren Ball in wunderschönen Räumen von Gönnern abhalten. Am Nachmittag des nächsten Tages kommen fünfzehn Kameraden mit ihren Frauen bzw. ihren Mädchen, bewaffnet mit Kübeln, Fetzen usw. Alle dreißig helfen zusammen, und auf einmal haben wir gemeinsam die Spuren von unserem Ball beseitigt. Dann sitzen alle bei einer Jause beisammen. Alle sind dann „die Feuerwehr“, nicht nur die Männer. Die Jause macht sich für das Klima in der Wehr bezahlt. Unser Kommandant ersucht dann sogar die Frauen, sie mögen dafür sorgen, daß die Männer nicht auf die Übungstermine vergessen. Der versteht’s!

„Sie“ weiß Bescheid

Auch gemeinsame Ausflüge und Exkursionen können das Verständnis bei den Frauen fördern. Dann sagt die Frau auf einmal „Unsere Feuerwehr“, und nicht mehr: „Du mit Deiner Feuerwehr“.

Reden Sie mit Ihrer Frau über die Probleme Ihrer Wehr! Das heißt freilich nicht, daß man all die kleinen Streitereien und Menschlichkeiten der Wehr brühwarm der Gattin heimbringt. In Ausnahmsfällen kann es immerhin vorkommen, daß auch eine Frau – nicht nur die Männer – nicht dichthält ... Mit Nichterzählen ist es nicht getan. Es gibt Männer, die meinen, Feuerwehr sei nur Männersache und gehe die Frauen nichts an. Das sind veraltete Ansichten.

Kann die Frau zuhören?

Ein Gespräch über die Sorgen der Feuerwehr kann für die Ehe sehr schön sein. Schlimmer ist es, wenn „sie“ das alles nicht interessiert, wenn sie nicht mehr zuhören will, wenn „seine“ Interessen und Freuden ihr völlig egal sind. Wenn es so ist, sind aber bereits Partnerprobleme vorhanden. Vom „Sie hört nicht zu“ bis zum „Sie versteht mich nicht“ ist nur ein kurzer Weg, und dann kommt langsam die Entfremdung.

Hier soll sich der Mann fragen, ob er nicht mitschuldig ist an dieser Situation. Hört er mit Interesse und Anteilnahme zu, wenn die Frau über ihre Freuden, ihre Sorgen, Enttäuschungen und „Belanglosigkeiten“ mit dem Mann sprechen will? „Blödes Weiberzeug“, heißt es dann gar nicht so selten. Aber die Frau soll verständig sein!

Wenn es bei Ihnen so ist, lernen Sie wieder, sich gegenseitig zuzuhören, lernen Sie wieder, daß es wichtig ist, die Sorgen des Ehepartners zu kennen, daß es wichtig ist, daß er (sie) sich ausreden kann.

 

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Aber nicht immer ist es gleich so dramatisch. Die Gründe, daß „sie“ über den für die Familie verlorenen Abend stöhnt, traurig ist, schimpft, verbittert ist – je nach Stil -, könnte anderswo liegen. Darüber im nächsten „BRAND AUS“.

Schneider

Die Leiden der Feuerwehrfrauen III

 

Wie oft zur Feuerwehr gehen?

Es ist nicht immer gleich das Feuer auf dem Dach, wenn der Gatte oft zur Feuerwehr geht. Mit der Zeit stöhnt die Gattin aber doch. Wie oft kann es sich der Mann „leisten“, abends oder zum Wochenende nicht daheim zu sein?

 

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Hier ist wieder jeder Fall anders. Das Problem gehört zwischen den beiden Partnern abgesprochen. Es geht sicher nicht, daß der Mann meint, er allein habe zu bestimmen, wann es zuviel wird. Sie sollen miteinander überlegen, was für die eigene Ehe, was für die heranwachsenden Kinder, für die Gesundheit, für das Geschäft oder den Beruf noch tragbar ist. Mit einem überlasteten, nervösen Mann ist niemandem gedient, auch nicht der Feuerwehr. Eine weise Frau wird freilich mit einkalkulieren, wieweit der Tapetenwechsel, das völlig andere Klima und das andere Arbeitsgebiet bei der Feuerwehr dem Mann hilft, sich vom Alltag, vom beruflichen Streß zu lösen, was letztlich wieder der Familie zugute kommt.

Aber auch der Mann darf nicht nur die Feuerwehr sehen: Wieweit hält meine Frau meine oftmaligen Abwesenheiten aus? Werden mir die Kinder mit der Zeit entfremdet? Auch sie haben ein Recht auf mich. Der dritte Fünfer auf die Mathematikschularbeit des Buben ist auch für den Feuerwehrmann ein Alarmzeichen. Bin ich mit meiner Frau, wenn ich dann daheim bin, wirklich gut und lieb? Oft bei der Feuerwehr sein und an den wenigen Abenden, an denen ich daheim bin, nur müde sein, geht auch nicht.

Alle diese Fragen kann man nur lösen, wenn man sich auch sonst gut versteht und gegenseitig mit feinem Gespür hört, wann es wirklich „gefährlich“ oder dringlich wird. Ideal – und notwendig – ist es also, gemeinsam das Maß der Feuerwehrtätigkeit festzulegen. Weitherzigkeit und Verstehen von beiden Teilen sind hier nötig. Der Mann kann stur sein, ebenso aber auch die Frau.

Daß unsere Feuerwehrtätigkeit der Frau ein Mehr an Arbeit aufbürdet, wissen wir. Das ist nicht selbstverständlich. Es genügt nicht, wenn der Kommandant einmal im Jahr den Frauen für alle Opfer dankt, die sie in der Stille bringen. Auch der Mann soll in guten Stunden immer wieder – Frauen können das nicht oft genug hören! – seiner Frau danken für die viele Arbeit und für das Verständnis, das sie seiner Feuerwehrarbeit entgegenbringt. Sie wird dann wieder lieber bereit sein, Abende allein zu verbringen.

Eine Frau muß spüren, daß er ihr Problem kennt und versteht. Sie muß spüren, daß er sich bemüht, abends doch zu einer möglichen Zeit heimzukommen, daß ihm das nicht egal ist. Es fällt ihm keine Perle aus der Krone, wenn er spätes Heimkommen rechtfertigt, ihr erklärt, warum es heute nicht früher war. Sie freut sich vielleicht (sicher sogar), wenn er anruft und Verspätungen ankündigt.

Und manchmal muß einfach der gemeinsame Spaziergang möglich sein, das ruhige Gespräch. Sie muß die Sorgen des Haushaltes, die Sorgen mit den Kindern anbringen können. Und der Mann muß so weit ruhig werden, daß er auch wirklich zuhört, sich den Problemen stellt und sie nicht nur vor sich herschiebt, weil er schon wieder die nächste Sitzung im Kopf hat.

 

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All das ist in jeder Familie anders. Es gibt Frauen, die organisatorisch begabt sind, die den ganzen Tag genug Arbeit haben und denen es nichts ausmacht, am Abend allein beim Fernsehapparat zu sitzen, die sich vielleicht sogar gern einmal früher niederlegen und ausschlafen. Andere leiden darunter, wollen und müssen betreut werden. Das sind nicht „dumme Weibersachen“, das ist das Wesen und die Eigenart des Menschen, den ich einmal aus Liebe geheiratet habe.

Eine Mittellösung ist nur möglich, wenn es nicht einfach zuviel wird.

Schneider

Die Leiden der Feuerwehrfrauen IV

 

Noch ein Amt? Nein sagen können!

 

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Arbeit für die Öffentlichkeit ist mühsam und verlangt Zeit und Energie. Für manche ist das Sitzen auf der Ehrentribühne eine kleine Belohnung, für manchen eine Last, da die Zeit wieder der Familie abgeht. Wo die Grenze liegt, muß jeder selbst spüren. Sie nicht zu beachten kann zu einer menschlichen Katastrophe führen.

 

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„Er muß auch einmal nein sagen können, wenn man ihm wieder ein neues Amt anhängen will. Aber manche können schon nicht mehr sein ohne das Gehetztsein“. So die Worte einer Feuerwehrgattin aus dem Amstettner Raum in „brand aus“ 1/1978, Seite 27.

Das sagt sich im Augenblick der Verbitterung und des Unmutes leicht. Dahinter stecken zwei ernste Probleme.

 

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Wann soll er nein sagen? Es gibt ohnehin viel zu viele Männer, die immer nein sagen, wenn ein öffentliches Amt, eine ehrenamtliche Aufgabe zu übernehmen ist. Und doch müssen die Dinge getan werden, wenn unser öffentliches Leben und unsere Vereine nicht zusammenbrechen sollen. Wer ja zu einem Amt sagt, stellt sich der Tendenz entgegen, alles „der Gemeinde“, „dem Staat“, „denen da oben“ zu überlassen und sich weiter um nichts zu kümmern. Eine Feuerwehrfrau soll sich gut überlegen, ihren Mann in diese Haltung hineinzutreiben („Sei doch nicht so blöd, die anderen machen es ja auch nicht ...“).

Weiter: wenn jemand für öffentliche Tätigkeiten geeignet ist, dann fliegen ihm die Ämter nur so zu, und er kann sich bald nicht mehr der Obmannstellen erwehren. Feuerwehr, Berufsvertretung, Molkerei, Elternverein, Gemeinderat, Sportverein, Verschönerungsverein, Partei, Rotes Kreuz, jede Organisation entdeckt die Talente des Mannes. Er wird richtig hineingetrieben: „Du kannst das am besten, das geht schon noch!“ Es gibt Männer, die sich richtiggehend opfern.

Freilich, seien wir ehrlich. Es ist sehr schön für einen Mann, als tüchtig bekannt zu sein, in der Öffentlichkeit ein gewichtiges Wort mitzureden zu haben. Das öffentliche Leben gefällt. Etwas von dem Ruhm fällt auch auf die Frau ab.

Mehrfachfunktionen bewältigen!

Gar nichts gegen mehrere Funktionen, aber nur dann nicht, wenn der Mann sie wirklich bewältigt. Fachlich und familiär. Mancher hat dann so viele Dinge im Kopf, daß er vieles vergißt, daß er nirgends mehr ganz da ist, daß er nur mehr von Sitzung zu Sitzung hetzt. Damit ist dann keiner Organisation gedient. Andere wieder meistern die Doppel- und Dreifachbelastung tadellos, es gelingt ihnen sogar, fruchtbare Querverbindungen zwischen den Organisationen herzustellen, denen sie angehören.

Irgendwo ist aber dann eine Grenze erreicht, wo die Ortsbewohner nicht mehr schätzen, daß unser Mann so viel Zeit für öffentliche Funktionen opfert. Auf einmal ist das böse Wort vom Gschaftlhuber da, und daß es bald keine Funktion mehr gibt, die er nicht innehat. Wenn das erreicht ist, muß einem das Gespür sagen, es gibt keine objektive Grenze.

Es gibt Männer, die nicht genug an Ämtern bekommen können, die rastlos sind, wenn es noch irgend etwas gibt, wo sie nicht die ersten sind.

Die Grenze ist auch erreicht, wenn die Ehe und die Kinder ernstlich zu leiden beginnen. Wenn die Frau nur mehr verbittert ist, weil durch Monate kein Sonntag für den Familienspaziergang oder für einen Verwandtenbesuch mehr frei ist, wenn sie schon bald den ganzen Betrieb allein führt, weil er fast nur noch unterwegs ist, und wenn ihr das einfach zuviel ist und sie beginnt, sich um ihre Ehe und das Familienleben betrogen zu fühlen. Jede Frau ist hier anders. Es ist sinnlos zu argumentieren, die Frau des Kollegen Paulatschek meistere die gleiche Situation ausgezeichnet. Die eigene Frau meistert sie nicht, davon und von nichts anderem ist auszugehen.

Auswählen können!

Es gibt viele Dinge, die auch geschehen, wenn ich sie nicht übernehme, es gibt aber auch nicht wenige, die einfach nicht oder nur schlecht getan werden, wenn ich mich nicht um sie annehme. Trotzdem muß ausgewählt werden. Ich kann nie alles tun, was eigentlich notwendig wäre, ich muß immer zusehen, wie einiges schlecht oder gar nicht getan wird. Es wird letztlich geschätzt, wenn ein gestandener Mann in einem seiner sechs Vereine erklärt, er nehme das Obmannsamt lieber nicht an, da er seine Grenzen kenne und die Arbeit, die mit einer guten Erfüllung der Obmannspflichten verbunden sei, nicht leisten könne.

Auch eine Familie und eine Ehe sind wichtige „öffentliche Ämter“, die gut zu versehen sind. Das muß sich wieder herumsprechen. Ein geplagter Vereinsfunktionär muß auch wieder aufstehen und sagen können, er habe auch eine Familie daheim, die ein Recht auf ihn habe und die er nicht vernachlässigen wolle. Daß es schwer ist, ein geliebtes Amt freiwillig aufzugeben, ist verständlich, es muß aber sein, wenn es daheim und beruflich nur mehr auf Kosten der Substanz geht.

Zehn Feuerwehrämter?

Auch innerhalb der Feuerwehr trifft dieses Problem zu. Mancher kann mehrere Funktionen bewältigen, für manchen ist es besser, sich einem Amt ganz und kompetent zu widmen. Mancher „schafft“ es, Funksachbearbeiter, Kommandant, Bewerter bei Bezirksleistungsbewerben zu sein, zu den Landesleistungsbewerben zu fahren, den Ball vorzubereiten, beim „Goldenen“ sieht man ihn in führender Position, dazu sitzt er in zwei Ausschüssen und hat nebenbei auch alle Lehrgänge besucht, die es in Tulln nur irgendwie gibt, vom Schiffsführer- bis zum Strahlenschutzlehrgang. Daß er sämtliche nur möglichen Leistungsabzeichen besitzt, ist selbstverständlich.

Um Gottes Willen nichts gegen interessiertes Engagement in der Feuerwehr. Tüchtige Leute sind selten, und die Männergemeinschaft lockt und ist herrlich. Aber werden hier nicht manchmal Perspektiven verschoben? Mit aller Verantwortungsfreude drei, meinetwegen vier Tätigkeiten aussuchen, in diesen Spezialist sein und die übrigen fahren lassen. Oft finden sich dann auf einmal ganz geschickte Leute, die den Posten ebenso gut versehen. Oder kann mancher nicht verkraften, daß er nicht unentbehrlich ist? Manches junge Talent kommt nicht zur Verantwortung, weil ein Funktionär meint, niemand anderer als er könne die verschiedenen Ämter versehen.

 

Nicht mehr daheim sein können?

 

Jeder Funktionär soll sich in ruhigen Stunden – am besten im Gespräch mit seiner Frau – fragen, ob er überhaupt noch einen Sonntag ohne öffentliches Amt aushält, ob er die Funktion nicht schon braucht, um dem sonst eintönigen Sonntag mit Frau und Kindern entfliehen zu können. Ob hier nicht das Amt hie und da nur Vorwand ist? Dies gar kein Pauschalvorwurf. Nur: fragen darf man das schon.

Die Frau soll natürlich auch bedenken, was von ihrem Mann übrigbleibt, wenn er ihr zuliebe alle Funktionen zurücklegt. Ob er – und sie kennt ihn doch! – ein zufriedener und glücklicher Mann wird, wenn er dann nur mehr daheim Fenster streicht, den Garten umsticht, beim Forellenteich sitzt und am Sonntagnachmittag mit ihr spazieren geht. Ob sie ihm nicht einen Teil seines Selbstbewußtseins nimmt, einen Teil von dem, was ihm wirklich Freude macht, was ihn erhebt?

Den richtigen Weg muß jeder selbst finden. Jeder ist in der Feuerwehr willkommen, wir müssen aber auch den Mut haben, einen Kameraden zu entlassen, ihm das „Zurückstecken“ sogar nahezulegen, wenn er sich menschlich und familiär bei uns sichtlich übernimmt. Wenn es in der Ehe, mit den Kindern, beruflich und gesundheitlich dann schief geht, können wir ihm nicht helfen, haben ihn aber vorher ausgesaugt und ausgelaugt.

 

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Eine gute Lösung des Problems, das in hunderten Familien aktuell ist, wünscht Ihnen

Schneider

 

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Gemeinsam mit der Frau über strahlende Kinderaugen staunen, mit dem Kind auf dem Teppich spielen, mit beiden einen geruhsamen Sonntag mit gemeinsamen Frühstück und Rodelfahren verbringen – das ist schön, verlangt aber viel Zeit und Gelöstsein. – Eine öffentliche Funktion zu bekleiden und zugleich ein guter Familienvater zu sein, ist eine Kunst, die erlernbar ist. Schlimm, wenn sich die Frau eines vielbeschäftigten Funktionärs plötzlich um die schönsten Stunden ihrer Ehe betrogen fühlt.

 

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Die Leiden der Feuerwehrfrauen V

 

So grausam sind unsere Einsätze

Die Uniform, das schöne Volksfest, die Leistungsbewerbe, die Kameradschaft – was lockt unsere Männer zur Feuerwehr? Das Eigentliche, der Einsatz, ist nicht schön. Er macht schmutzig, er macht müde, führt an die Grenzen körperlicher, vor allem aber seelischer Belastbarkeit und ist fast zuviel für einen Menschen, der Frau und Kind oder eine Braut daheim hat.

„brand aus“ hat am Tag nach einem nächtlichen Einsatz einen jungen Feuerwehrmann befragt. Es war ergreifend, wie er den Tod erlebte und wie er in dieser Nacht erwachsen wurde – und dennoch bei der Feuerwehr bleiben will.

Dieser Beitrag ist auch den Frauen jener Männer gewidmet, denen der Feuerwehrdienst ihres Gatten innerlich fremd bleibt. Vielleicht verstehen sie ein wenig ...

 

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„Nur schnell eine Hose übergezogen...“

„Die Landesstraße Katzelsdorf – Kleinwolkersdorf im Bezirk Wr. Neustadt kennen wir alle als eine Todesstraße. 22 Verkehrstote hat es dort schon gegeben“, beginnt Richard (so wollen wir den bescheidenen jungen Kameraden nennen) zu erzählen.

4. Februar 1978, nachts. Vor eineinhalb Stunden hat der Faschingsamstag begonnen. Richard wacht im Bett vom Heulen der Feuerwehrsirene auf. Nur schnell eine Hose über den Pyjama gezogen, und schon ist er bei der Haustür draußen. Es ist finster, eiskalt. Im Laufen schaut er, ob er schon etwas sieht. Feuerschein, Einsatzfahrzeuge?

Von allen Seiten kommen die Männer zum Feuerwehrhaus gerannt, in ähnlichem Aufzug. „Was ist los?“ schreit man einander zu.

Da ist der Verwalter. Eben spricht er über Funk mit „Florian Wr. Neustadt“: „Schwerer Verkehrsunfall auf der Landesstraße Katzelsdorf – Kleinwolkersdorf. Bitten um zwei Rettungsfahrzeuge.“ Gar nicht ruhig und sachlich spricht er ins Mikrophon, sondern engagiert, heftig, schnell, von der Wichtigkeit jeder Sekunde gepeitscht.

Schnell in die Einsatzbekleidung. Während man die Stiefel anzieht (eine Ewigkeit, bis man im Europaanzug drinnen ist), wird festgelegt, wer mit dem Tanklöschfahrzeug, wer mit dem Kleinrüstfahrzeug fährt. Das Rüstfahrzeug hat man erst vor kurzem bekommen, ist eben daran, sich mit der Ausrüstung vertraut zu machen. Man ist eine „kleine Dorffeuerwehr“, hat nur selten mit Unfällen zu tun, fährt einfach mit viel gutem Willen.

„Wir konnten kaum hinschauen ...“

Schnell, schnell. Richard und einige Kameraden besetzten das Kleinrüstfahrzeug. Was muß man bei einem Unfall tun? Das Wissen aus der Landesfeuerwehrschule spult ab – und dann ist alles ganz anders.

Vier Minuten nach der Alarmauslösung in Katzelsdorf sind die Männer in der Allee. Die Blaulichter laufen weiter. Ein PKW ist frontal gegen einen alten Alleebaum gekracht.

Schnell Absicherung der Unfallstelle: Auf beiden Seiten werden die Gefahrenzeichen „Feuerwehr“ aufgestellt. Der Scheinwerfer des Kleinrüstfahrzeuges und des bald nachkommenden TLF leuchten die Unfallstelle aus.

Jetzt sieht man erst genau: Zwei junge Männer liegen neben dem verunfallten PKW der Länge nach auf der Straße (vorbeikommende Autofahrer haben sie bereits herausgezogen), ein weiterer Verletzter liegt auf der rückwärtigen Bank des Autos, der Fahrer liegt über das Lenkrad gebeugt, stöhnt mit fast unmenschlichen Lauten, ist aber nicht ansprechbar.

Sie haben noch kein Blut gesehen, die jungen Feuerwehrmänner, sind einen Moment unfähig, etwas zu tun. Und dann – sie wagen erst nicht hinzusehen, dann tun sie es doch, vorsichtig. Und bekommen schreckgeweitete Augen: Es sind Freunde, Burschen aus dem Dorf, mit denen man noch vor wenigen Stunden beisammen war. Aber es sind bewußtlose Freunde, Freunde, die sich nicht rühren, denen Blut aus dem Mund sickert. Es ist fast zuviel für die jungen Burschen. „Wenn man die Unfallopfer nicht kennt, ist es leichter, dann kann man nüchterner und objektiver handeln“, meint Richard sinnend zu „brand aus“.

„Tut doch etwas!“

Der Anblick der reglosen Freunde lähmt, beflügelt aber im nächsten Augenblick zu umso größerer Aktivität. Es sind vier Verletzte (oder gar schon Tote?), zwei Sankas sind zu wenig. Richard setzt sich an das Funkgerät: „Florian Wr. Neustadt von Rüst Katzelsdorf kommen!“ Ein drittes Sanitätsfahrzeug wird angefordert, „Florian Wr. Neustadt“ nimmt die Verbindung mit dem Roten Kreuz auf, während Richard schon wieder auf der Straße ist.

Außer dem Lenker rührt sich keiner der Verletzten. Die beiden auf der Straße Liegenden werden vorsichtig in die Wiese gelegt, auf eine Schulter. Einer ist der beste Freund eines der Feuerwehrmänner. Dieser beginnt gleich mit Herzmassage, Abreibung gegen die Kälte und mit Mund-zu-Mund-Beatmung, bemüht sich verzweifelt um das Leben des Freundes. Bald ist seine Einsatzbekleidung blutig, sein Gesicht, seine Hände. Und die jungen Leute müssen das mitansehen.

Den auf der Rückbank Liegenden ziehen die Männer heraus und legen ihn auf die Wiese. Er ist bewußtlos, sieht aber relativ gut aus. Der Lenker liegt stöhnend über dem Lenkrad, der Sitz ist beim Anprall ganz nach vorne gerutscht. Vorsichtig versuchen die Feuerwehrmänner, den Mann aus dem Auto herauszuziehen. Erst als sie seinen Oberkörper halb heraußen haben, brüllt er – immer noch bewußtlos – auf. Seine Beine sind zwischen dem nach vorn gerutschten Sitz und dem Gaspedal eingeklemmt, der Unterschenkel ist verdreht, der Knochen des abgebrochenen Schienbeines schaut aus dem blutigen Fleisch heraus.

Wieder ein paar Sekunden, in denen die Burschen die Augen zumachen, nicht weiterkönnen, schlucken. Einer muß weggehen, er kann kein Blut sehen, erbricht sich. Die anderen treten zur Seite, respektieren das, bleiben selbst da. „Macht es so!“, „Versucht doch das!“ will jeder gute Ratschläge geben.

Zu viert versuchen die Feuerwehrmänner, die Rückenlehne des Fahrzeuges abzubrechen, während einer den stöhnenden Lenker aufrecht hält. Vergeblich. Von der rechten hinteren Tür dringt man zum Fahrersitz (Der Beifahrersitz hat sich hochgebogen, über ihn kann man nicht zum Fahrersitz) und setzt den hydraulischen Spreizer zwischen Fußraum und Lenkersitz an, muß dabei ganz nahe an den Verletzten heran. Endlich gibt der Sitz krachend nach. Man kann den Lenker befreien. Vorsichtig! Behutsam legt man ihn auf die gefrorene Wiese, kann das unmenschliche Stöhnen und Wimmern kaum mehr ertragen.

Bis die Rettung kommt...

„Dann konnten wir eigentlich nichts tun“, erzählt Richard weiter. Jede Sekunde des Wartens wird zur Grausamkeit. Junge Männer, die tatenlos warten müssen und doch etwas tun wollen, schon um sich selbst zu beruhigen.

„Ich werde nie vergessen, wie erleichtert und zugleich angespannt wir waren, als wir am Dorfausgang die Blaulichter der Rettungsfahrzeuge sahen.“ Dann sind sie da, die Kameraden. Sie können nur drei Verletzte mitnehmen. Wer bleibt zurück, bis das andere Fahrzeug eintrifft? Dann wird entschieden. Einige Feuerwehrmänner fahren mit, setzen auch im Sanka verzweifelt die Mund-zu-Mund-Beatmung und die Herzmassagen fort. Gespenstisch verschwinden die Blaulichter am Dorfrand. Das dritte San-Fahrzeug transportiert den Lenker ab, der immer noch stöhnt, ohne ansprechbar zu sein.

„Aufräumen“ – keine Routinesache

„Als die Verletzten nicht mehr unter uns waren, kam ein sonderbares Gefühl der Erschlaffung. Es ging nicht mehr um Sekunden, wir konnten nichts mehr tun, wir waren auf einmal furchtbar allein an der Unfallstelle. Einzelne schluckten, schauten reglos das Autowrack an, starrten vor sich hin, starrten auf die Blutflecken. Sie hatten abgeschaltet.

Wir beleuchteten für die Unfallfotos der längst eingetroffenen Gendarmerie die Unfallstelle mit unseren Lichtflutern, dann stellten wir das Fahrzeug von der Fahrbahn weg. Das war nicht so einfach, denn die Bodenplatte war geknickt und stand auf dem Straßenbelag auf. Händisch, mit Hilfe einer Brechstange, konnten wir das Wrack in den Straßengraben schieben. Wir hätten dringend Arbeitshandschuhe gebraucht, denn die Blechkanten waren messerscharf. Auch ein einfacher Besen fehlte uns, so mußten wir die Glas- und Blechreste mit Hilfe von Schaufeln und Waldbrandpatschen beseitigen. Mit dem Strahl des Tanklöschfahrzeuges wäre das leicht möglich gewesen, wir hätten damit aber im Februar auf der Straße eine Eisbahn erzeugt.“

Banges Warten im Krankenhaus

Das TLF rückte ein, das Kleinrüstfahrzeug fuhr zum Krankenhaus Wr. Neustadt, um die Kameraden, die mit den Verletzten mitgefahren waren, abzuholen.

Jetzt wurde es noch einmal bitter. Die Kameraden saßen im Warteraum der Unfallabteilung, drinnen schrie der Lenker, als man ihn röntgenisierte. Einer der Mitgefahrenen wurde hineingerufen, um die Verunfallten zu identifizieren. Zwei der Verletzten seien bereits tot eingeliefert worden, um die anderen beiden werde man sich bemühen. „Wir bissen die Zähne zusammen, als die Gendarmen hereinkamen und uns nach den Wohnadressen der Toten fragten.

Die Kameraden warteten ...

Dann waren wir im Krankenhaus auf einmal unnötig. „Wir fuhren zum Feuerwehrhaus Katzelsdorf zurück. Am Dorfeingang stand ein Gendarm beim Garteneingang eines Einfamilienhauses und läutete. Die Eltern wußten noch nicht, daß ihr Sohn tot war. Sie schliefen“.

Gegen 3 Uhr kommen die Männer – Familienväter und junge Burschen – nach Hause. Keiner hat in dieser Nacht mehr ein Auge zugedrückt. Auch die Gattinnen und Mütter berichten später, wie stumm, geschockt die Männer nach Hause gekommen sind. Einige trinken tagelang keinen Tropfen Alkohol, andere steigen tagelang nicht in ihr eigenes Auto.

„Zwei sind gestorben, aber zwei haben wir noch gerettet“, ist die große Erleichterung. „Unser Einsatz hat doch einen Sinn gehabt.“ Am Sonntagvormittag starb der Lenker, wenige Tage später der Verletzte. „War unser Einsatz umsonst?“

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Jeder hat einmal sein erstes grausames Feuerwehrerlebnis. Für manchen ist es fast mehr, als er ertragen kann.

Der Arzt muß nüchtern, sachlich handeln, darf nicht zuviel Mitleid haben, wenn er dem Kranken wirklich helfen will, dennoch dürfen ihn Not, Jammer, Blut und Schmerzensschreie nicht kalt lassen. Ebenso nicht den Feuerwehrmann. Wehe, wenn er herzloser, gefühlloser Unfalltechniker wird.

Eine Gattin, eine Mutter soll wissen, was los war, wenn der Mann, der Sohn schweigend von einem Einsatz heimkommt. Mancher kann nicht erzählen, schluckt das Furchtbare in sich hinein, trägt es tagelang mit sich herum. Mancher will erzählen, muß sich die Erlebnisse von der Seele reden.

Wohl dem Feuerwehrmann, der dann eine Frau, ein Mädchen, eine Mutter hat, die zuhört. Ihr Frauen, helft Euren Männern dann! Sie brauchen Euch. Dem Feuerwehrkameraden werden sie ihr Inneres kaum bloßlegen, Euch aber schon.

Schneider

Die Leiden der Feuerwehrfrauen VI

 

Die Frauen von St. Pölten ...

Anmerkung: geschrieben nach der verheerenden Gasexplosion in St. Pölten am 30.Mai 1978, die zwei tote und 28 schwer verletzte Feuerwehrmänner gefordert hat.

Sie waren anfangs die größte Sorge der Feuerwehrführung. Würden sie „durchdrehen“, würden sie ihre Männer unsicher machen und nicht mehr zur Feuerwehr gehen lassen?

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Erste, durchaus verständliche Reaktion: „Gott sei Dank ist es nicht der meine.“ Zweite Frage: „Wie geht es dem meinen? Bleibt ihm etwas zurück? Kann er wieder arbeiten?“ Sie waren so hilflos und konnten nichts tun ... Die Feuerwehrkommanden versuchten, beruhigend einzuwirken und gaben alle Informationen sofort an die Gattinnen der Verletzten weiter. Man nahm sich jener Frauen an, die nicht zu ihren Männern durften, man sagte den Verletzten, daß man ihren Frauen und Kindern helfen würde, daß die Frau lieb grüßen lasse, daß auch für den Betrieb gesorgt würde.

Viele Frauen wollten irgend etwas tun, Blut spenden, wohl auch, damit nur irgend etwas geschehe. Und dann waren ja auch die Kinder da, die ein Abendessen brauchten und morgen wieder zur Schule mußten.

Sehr bald setzten die Besuche im Krankenhaus ein, was Ängste und heimliche Tränen brachte, aber auch Beruhigung, je überschaubarer die Situation der Gatten und Söhne wurde. Tröstlich auch, daß die Krankenhausangestellten so spürbar alles für die Verletzten taten. Die Frauen klammerten sich an jeden kleinen Fortschritt im Befinden ihrer Männer, waren auch getröstet, daß die von Verbänden Entstellten nach den ersten Erschöpfungsreaktionen so gut zusammenhielten, sie preßten zwischen versteckten Tränen wohl auch ein Lachen hervor, als der erste Witz kursierte, als der erste wieder eine Zigarette halten und zu den versengten Lippen führen konnte. Wie die Frauen nur einfach stumm an den Betten saßen und die Hand auf die Brust des Mannes legten, wie sie seine Schmerzen und seine aufkommende Mutlosigkeit mit einem ruhigen „Ich bin ja da“ auffingen, wie sie den bärenstarken Mann mit Kompott fütterten: Manches eheliche Zusammenleben ist wohl in diesen Tagen wieder fester geworden, manche Liebe zwischen alten und jungen Ehegatten vielleicht neu erwacht.

Keine Frau war wütend auf die Feuerwehr, keine wird den Mann drängen „auszusteigen“. Als wenige Tage nach der Katastrophe in St. Pölten-Wagram die Zwetzbachermühle brannte, hielt keine Frau den Mann zurück.

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„Sagen Sie unseren Frauen Dank, schreiben Sie von dem großen Respekt, den wir gegen sie empfinden. Sie waren größer, als wir erwartet hatten. Sie haben alle Angst durchgestanden, die eine Frau nur haben kann, sie sind tapfer gewesen, wie nur Frauen tapfer sein können. Sie gehören zu uns, unsere Feuerwehrfrauen. Ohne sie wäre kein Einsatz möglich, ohne sie und ihren entsagenden Mut keine Feuerwehr. Wir Männer wissen das. Danke“.

 

Schneider