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Pflege und Umgang mit neuen und alten Fahnen

Autor: Hartmut H. Gust (1)

 

Allgemeine Fahnenpflege und Aufbewahrung

  1. Jede Fahne sollte trocken, luftig, staubfrei und frei hängend aufbewahrt werden.
  2. Die Fahne soll nach Möglichkeit in einem angemessen großen Fahnenkasten von der waagrechten Fahnenstange frei nach unten hängen. Der Fahnenkasten soll nach Möglichkeit nicht an einer Außenmauer angebracht und vor direkter Sonnenbestrahlung geschützt werden. Er sollte seitliche Lüftungsschlitze haben, um den Staubeinfall von oben zu vermeiden. Die Luftschlitze sollten mit Schutzgittern versehen werden, damit Motten oder anderes Ungeziefer nicht in den Schrank gelangen können. Auf keinen Fall darf der Kasten luftdicht verschlossen sein, er soll regelmäßig zum Lüften geöffnet werden.
  3. Ist kein Fahnenkasten verfügbar, so sollte eine Fahne ebenfalls waagrecht von der Fahnenstange frei hängend (mit zwei Wandhaken) ca. 10 - 15 cm an einer trockenen Innenwand befestigt werden. Als Staub- und Lichtschutz sollte die Fahne unbedingt auf beiden Seiten mit einem genügend großen Tuch abgedeckt werden. Vor einem ständigen Scheuern durch einen eventuellen Luftzug muss sie unbedingt geschützt werden.
  4. Bei einer Ausrückung soll die Fahne nach Möglichkeit nicht fest um die Fahnenstange gewickelt, sondern nur zwei mal leicht über die Fahnenstange geschlagen und danach in eine passende Transporthülle gegeben werden. Die meisten Verschmutzungen und Beschädigungen einer Fahne entstehen beim Transport in einem Auto, wenn die Fahne nicht in einer entsprechenden Transporthülle verpackt wird.
  5. Bei unbeständiger Witterung sollte der Fähnrich nicht darauf vergessen, eine passende Regenhülle oder Regensack mitzuführen.
    Ist mit großer Wahrscheinlichkeit mit Regen zu rechnen, sollte die Fahne schon im Fahnenraum in die Regenhülle gegeben werden.
    Ist die Wettersituation unsicher, sollte der Regensack jederzeit griffbereit sein, um ihn gegebenenfalls über die komplette Fahne mit Spitze und Bändern zu stülpen (geht schneller und einfacher als eine Regenhülle).
  6. Nach einer Ausrückung ist unbedingt zu empfehlen, die Fahne schnellstmöglich an dem vorgesehenen Aufbewahrungsplatz wieder aufzuhängen. Sollte eine Fahne feucht geworden sein, so soll die Fahne schnellstmöglich aus der Transporthülle oder dem Regenschutz genommen und an einem passenden luftigen Platz aufgehängt werden, wo sie einige Tage zur Trocknung hängen bleibt (feuchte Fahnen niemals auf einem Tisch auflegen). Erst danach wird sie an den vorgesehenen Aufbewahrungsplatz gegeben (Fahne nicht im Fahnenschrank trocknen lassen).
  7. Eine Fahne sollte ca. drei bis vier mal im Jahr mit einer Kleiderbürste ausgebürstet werden. Das ist besonders zu empfehlen nach Ausrückungen, wo die Fahne feucht wurde oder bei Fahnen aus Baumwollsamt.
  8. Als Mottenschutz ist ein Stück Zirbenholz im Fahnenschrank bestens geeignet.
    Tipps zur Aufbewahrung alter Fahnen
  9. Für die Lagerung alter Fahnen gelten die Punkte 1), 2) und 3) sinngemäß.
  10. Der größte Feind einer Fahne ist das Sonnenlicht – deshalb nie eine Fahne dem direkten Sonnenlicht aussetzen. Diese besondere Gefahr besteht oft, wenn eine Fahne in einem Mannschaftsraum zur Dekoration verwendet wird.
  11. Die Fahne darf weder gerollt noch gefaltet gelagert werden.
  12. Hohe Temperaturschwankungen und Feuchtigkeit (z.B. ungeheizter Abstellraum im Winter) sind unbedingt zu vermeiden! Der Fahnenschrank sollte insbesondere in Kellerräumen mindestens zwei Zentimeter von der Wand entfernt aufgestellt werden.
  13. Die Klarsichthülle dient nur dem vorübergehenden Schutz bei einem Festzug. Die Fahne darf nicht dauernd unter dieser Hülle gelagert werden!

    Reinigung
  14. Eine Fahne darf weder gewaschen noch chemisch gereinigt werden! Nie versuchen, mit Alkohol oder anderen Hausmitteln (Gallseife) Flecken herauszuwaschen.
    Samtfahnen nur gelegentlich gegen den Strich ausbürsten. Seidenfahnen nie mit Wasser in Kontakt bringen.

 

Instandsetzungsmöglichkeiten alter Fahnen

a) Renovierung:

Vollständige Überarbeitung einer Fahne möglichst unter Nutzung traditioneller Handwerkskunst. Die Fahne ist wieder voll gebrauchsfähig und entspricht in etwa dem Original, das ursprüngliche Werk ist jedoch weitgehend zerstört. Eine Renovierung empfiehlt sich bei weniger wertvollen Fahnen, die weder einen hohen künstlerischen oder kunsthistorischen Wert noch ein hohes Alter besitzen. Eine renovierte Fahne hat die optische Qualität einer neuen Fahne.

b) Konservierung:

Sicherung des aktuellen Zustands einer Fahne unter Beibehaltung des Originals. Schäden werden nur dann ausgebessert, wenn dies zur Stabilisierung des Kunstwerkes erforderlich ist. Eine konservierte Fahne ist meist nicht mehr gebrauchsfähig, sondern ein wertvolles Museumsstück. Für diese Arbeiten können Zuschüsse von staatlichen Stellen gewährt werden. Eine umfangreiche Dokumentation der Arbeiten gehört zum Leistungsumfang.

c) Restaurierung:

Behutsame und unter Beachtung der denkmalpflegerischen Auflagen über die reine Konservierung hinausgehende Arbeiten. Dabei soll die Fahne weder "aufgefrischt" noch in ihrer Grundsubstanz verändert werden. Nur geringfügige Ergänzungen sind erlaubt; dabei müssen die alten Handwerkstechniken angewandt werden. Je nach Zustand des Originals kann eine restaurierte Fahne bedingt gebrauchsfähig sein.

d) Rekonstruktion:

Teilweise oder vollständige Neuerstellung einer stark zerstörten Fahne unter Beibehaltung möglichst vieler konservierter Teile der alten Fahne. Die rekonstruierte Fahne ist meist wieder voll gebrauchsfähig, hat aber stark an kunsthistorischem Wert verloren.

 

Für Fragen stehen die Fachleute gerne zur Verfügung.

 

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  1. Hartmut H. Gust, Firma Mondsee Fahnen GmbH, 5310 Mondsee

 

 

Ablage unter: Fahnenpflege

Handbuch zur Feuerwehrgeschichte - Ausgabe: Februar 2005/2

 

Ablage unter: Einführung i. d. Fw-Geschichte

Handbuch zur Feuerwehrgeschichte - Ausgabe: Mai 2000