Museumskunde

Vom Traditionsraum zum Feuerwehrmuseum

Autor: Mag. Hannes Weinelt (1)

 

Einleitung

In den letzten zwei Jahrzehnten explodierte die Zahl der Museumsgründungen in Österreich. Daneben existieren zahlreiche Sammlungen sowie eine Fülle von temporären Großausstellungen. Und alle diese Einrichtungen kämpfen um finanzielle und mediale Unterstützung sowie um das wichtigste Gut und dem „Gradmesser“ des Erfolgs: die Besucheranzahl.

Auch die Feuerwehrmuseen und Sammlungen bilden hier keine Ausnahme und müssen versuchen, im gesättigten Kulturmarkt ihre Stellung zu behaupten. Qualität ist dabei das oberste Prinzip und im Zeitalter der virtuellen Animationen und Megaspektakel reicht eine qualitätvolle Sammlung allein nicht aus. Es braucht ebenso eine qualitätvolle Präsentation und Vermittlung sowie eine qualitätvolle Vermarktung.

Das vorliegende Skriptum soll Anregung und Hilfe sein, um die Arbeit der Feuerwehrmuseen zu professionalisieren sowie eine Abgrenzung des Begriffs Feuerwehrmuseum von Traditions/Schauräumen und Sammlungen einzelner Feuerwehren oder Privatpersonen vorzunehmen. Abgrenzung heißt jedoch keinesfalls Ausgrenzung - ganz im Gegenteil. Gemeinsames und wichtigstes Ziel bleibt der Erhalt und die Bekanntmachung der Geschichte der freiwilligen Feuerwehren in Österreich, denn allein auf dem Bewußtsein der Vergangenheit läßt sich eine erfolgreiche Zukunft aufbauen.

 

1. Zum Begriff Museum - ein historischer Rückblick

Der Begriff „Museum“ ist, mit anderer Bedeutung, schon seit der Antike gebräuchlich: in Griechenland war „mouseion“ ein Ort der Besinnung, eine philosophische Institution oder ein Tempel der Muse. In der Römerzeit wurde mit „museum“ ein Ort der philosophischen Diskussion bezeichnet.

Erst im Gefolge der Aufklärung, häufig im Zusammenhang mit der Gründung von wissenschaftlichen Gesellschaften, entstanden um 1700 erstmals Museen, die nicht nur für einen ausgewählten Personenkreis zugänglich waren, sondern der gesamten Öffentlichkeit dienten.

Vorläufer:

 

Anfg. 2. Jt. v. Chr.:

Larsa/Mesopotamien (Sammlung von Kopien früherer Inschriften für den Unterricht); Kreta (Sammlungen von Weihegaben in Tempeln)

16.-11. Jh. v. Chr.:

Fürstliche Sammlungen in China

6. Jh. v. Chr.:

Ur/Babylonien (Sammlung von Antiquitäten und Grabungsfunden)

5. Jh. v. Chr.:

Athen (Pinakothek in der Akropolis)

4. Jh. v. Chr.:

Athen (naturwissenschaftliche Sammlungen des Aristoteles im Lyceum)

3. Jh. v. Chr.:

Alexandria (Studiensammlung im mouseion)

ab 2. Jh. v. Chr.:

Sammlungen in Privathäusern und Tempeln des Römischen Reiches

2.-3. Jh. v. Chr.:

Kaiserliche Sammlungen in China

7.-12. Jh. n. Chr.:

Sammlungen in Palästen und Grabmälern im Gebiet des Islams

ab 8. Jh.:

Tempelsammlungen in Japan
Kirchliche Schatzkammern in Europa

15.-16. Jh.:

Kunstsammlungen der Medici in Florenz

ab 16. Jh.:

Sammlungen des Vatikans in Rom

16.-17. Jh.:

„Kunst- und Wunderkammern“ in Europa
(z.B. Abras, Erzherzog Ferdinand von Tirol; Prag, Kaiser Rudolf II.);
Sammlungen der Sächsischen Kurfürsten, der Bayerischen Herzöge und reicher Augsburger und Nürnberger Patrizier

17.-18. Jh.:

 höfische Kunstsammlungen als Bestandteil von Residenzschlössern, Antikensammlungen

 

National und regional

An den kaiserlichen Höfen der Habsburger in Wien und Prag, der Erzherzöge in Graz und Innsbruck und bei den Fürsterzbischöfen in Salzburg entstanden aus frühen Anfängen im Verlaufe von Jahrhunderten große Kunstsammlungen.

In der Renaissance wurden Kostbarkeiten und Raritäten in „Kunst- und Wunderkammern“ aufbewahrt, die z.B. zusammen mit Teilen der Sammlungen Kaiser Rudolfs II. aus Prag den Grundstock des Wiener Kunsthistorischen Museums bildeten. Aus den seit der Mitte des 18. Jh. systematisch aufgebauten naturwissenschaftlichen kaiserlichen Sammlungen ging das Wiener Naturhistorische Museum hervor.

Wenn auch Kaiser Joseph II. schon 1783 die Kunstsammlungen im Wiener Belvedere allgemein zugänglich machte, so war doch das Joanneum, 1811 als „Innerösterreichisches National-Musäum“ von Erzherzog Johann gestiftet, nach dem Ungarischen Nationalmuseum Budapest (1802) das zweite von seiner Gründung an öffentliche Museum im Habsburgerreich und ist somit heute das älteste derartige Institut in Österreich.

Nach der Revolution von 1848 entstanden vor allem auch im aufstrebenden Bürgertum zahlreiche Privatsammlungen, und um 1900 wurden im Zuge der Besinnung auf die regionale und lokale Kultur viele Heimatmuseen gegründet.

Das weltweit erste Feuerwehrmuseum soll 1912 in Braunschweig entstanden sein. Diese Sammlung verbrannte leider in den Kriegswirren des Jahres 1944.

 

2. Aktuelle Definition

Abgesehen vom Forschungsorganisationsgesetz (Oganisationsrecht der österreichischen Hochschulen. Textausgabe. Heft 8: Forschungsorganisationsgesetz, Forschungsförderungsgesetz, Innovations- und Technologiefondsgesetz. Stand 1. Mai 1993. Hg. v. Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung. Wien 1993. § 31-33), in dem die Bundesmuseen geregelt werden, gibt es für Museen und Sammlungen in Österreich keinerlei gesetzliche Grundlage. Auch der Begriff „Museum“ ist in Österreich nicht geschützt. Museen werden aber im Denkmalschutzgesetz (als Ansprechpartner bei Bodenfunden) (Denkmalschutzgesetz. Bundesgesetz vom 25. September 1923, BGBl. 1923/533 betreffend Beschränkungen in der Verfügung über Gegenstände von geschichtlicher, künstlerischer oder kultureller Bedeutung i. d. F. BGBl. 1959/92 und BGBl. 1978/167 in: Manzsche Gesetzesausgaben. Ausgabe Nr. 49, Wien 1979, Manzsche Verlags- und Universitätsbuchhandlung) und im Ausfuhrverbotsgesetz (als Aufbewahrungsort für an den Bund heimgefallene oder zwangsweise zu lagernde Objekte bzw. die Landesmuseen als mögliche Käufer im Verfahren zum Ersatzkauf) (Ausfuhrverbotsgesetz für Kulturgut. Bundesgesetz vom 5. Dezember 1918 STGBl. 1918/90 über den Verlust der Ausfuhr von Gegenständen von geschichtlicher, künstlerischer und sonstiger kultureller Bedeutung) (Ausfuhrverbotsgesetz für Kulturgut. AusfVKG. in der Fassung BGBl. 1985/253 und BGBl. 1986/391 in: Manzsche Gesetzesausgaben. Sonderausgabe Nr. 49a, Wien 1987, Manzsche Verlags- und Universitätsbuchhandlung) erwähnt.

Die umfassendste und international anerkannte Definition des Museums stammt von International Council of Museums ICOM (Satzungen, angenommen von der 11. Generalversammlung in Kopenhagen, 14. Juni 1974, in der Fassung vom 4. November 1986, Artikel 3 und 4):

„Das Museum ist eine nicht gewinnbringende, ständige Einrichtung im Dienste der Gesellschaft und ihrer Entwicklung, die für die Öffentlichkeit zugänglich ist und materielle Belege des Menschen und seiner Umwelt zum Zwecke des Studiums, der Erziehung und der Freude erwirbt, erhält, erforscht, vermittelt und ausstellt.“

 

3. Museumstypen

3.1. Museumsgattungen

Je nach dem Eigentümer (Rechtsträger) der Sammlungen eines Museums sind die folgenden Museumsgattungen zu unterscheiden:

  • Staatliche Museen (Nationalmuseum, Bundesmuseum, Staatliche Kunstsammlungen, königliches Museum u.a.)
  • Museen öffentlich rechtlicher Körperschaften (Landesmuseum, Kreismuseum, Stadtmuseum, Gemeindemuseum, Diözesanmuseum, Kammermuseum u.a.)
  • Museen privatrechtlicher Körperschaften (Vereinsmuseum, Genossenschaftsmuseum, Firmenmuseum, Stiftungsmuseum u.a.)
  • Privatmuseum.

3.2. Museumsarten

Je nach dem Inhalt der Sammlungen und dem Wirkungsbereich eines Museums können verschiedene Museumsarten unterschieden werden, die auch häufig zu Mischformen verbunden sind:

  • Naturwissenschaftliche Museen
    enthalten Objekte, die die Natur ohne Zutun des Menschen hervorgebracht hat, und stellen die Folge des Einflusses menschlicher Tätigkeit auf die Umwelt dar.
  • Geschichtsmuseen
    stellen in zeitlicher Abfolge die Entwicklung von Staaten, Regionen oder Orten dar.
  • Technisch-wissenschaftliche Museen
    umfassen die Grundlagen der Technik und der Naturwissenschaften und ihre Erzeugnisse und Anwendungsbereiche.
  • Kulturgeschichtemuseen
    geben eine historisch orientierte Zusammenfassung der Teilbereiche menschlichen Schaffens.
  • Kunstmuseen
    umfassen die Ergebnisse künstlerischer Tätigkeit des Menschen in allen Erscheinungsformen.
  • Verbundmuseen
    sind eine Kombination mehrerer in sich homogener Fachbereiche und können verschiedene Museumsarten in sich vereinigen.
  • Sonderformen
    sind entweder durch Spezialisierung auf einen eng begrenzten fachlichen, örtlichen oder zeitlichen Bereich (z.B. Heimatmuseum, Landschaftsmuseum, Ökomuseum, Ortsmuseum, Firmenmuseum, Industriemuseum, Gedenkstätte, Schloßmuseum) oder durch besondere Organisations- und Betriebsformen charakterisiert (z.B. Freilichtmuseum, Universitätsmuseum, Forschungsmuseum, Kindermuseum, Blindenmuseum, Mobiles Museum, Nachbarschaftsmuseum, Kunsthalle, Botanischer und Zoologischer Garten, Wildpark, Technisch-wissenschaftliches Zentrum).

Auch das Feuerwehr-Museum zählt am ehesten zu den Sonderformen.

 

4. Vom Traditionsraum zum Feuerwehrmuseum

Im Zuge der Feuerwehrhausneubauten richten sich immer mehr Feuerwehren eigene Traditionsräume ein bzw. schmücken Versammlungsräume oder Stiegenaufgänge mit historischen Gegenständen oder Bildern ihrer Wehr. Zu leichtfertig werden solche Initiativen oft als Museum bezeichnet. Wenn auch der Begriff Museum - wie in Punkt 2 ausgeführt - nicht geschützt ist, soll doch ein aufbauender Begriffskatalog mit entsprechenden Kriterien zur Klarheit innerhalb der Feuerwehren und auch der Besucher beitragen.

4.1. Der Traditionsraum

Hierbei handelt es sich um eine Sammlung historischer Exponate aus dem Bereich der eigenen Wehr, die in einem eigenen Raum des Feuerwehrhauses bzw. in Vitrinen und an Wänden ausgestellt ist.

Wichtig ist in diesem Fall:

  1. Ein Inventar mit möglichst detaillierter Beschreibung der einzelnen Exponate (ansonsten können sehr leicht einzelne Exponate verschwinden bzw. ihre Funktion in Vergessenheit geraten).
  2. Die sachgemäße Konservierung, Ausstellung und Lagerung der Exponate, um ihren Erhalt zu sichern.
  3. Das Vermitteln der Geschichte der Exponate an die nachrückende Generation. Dazu ist es sinnvoll, innerhalb der Wehr einen eigenen Archivar zu bestimmen und auszubilden sowie die Zusammenarbeit mit dem Landesfeuerwehrmuseum oder sonstigen größeren Museen zu suchen.

4.2. Die Sammlung

Zum Unterschied eines Traditionsraumes beherbergt eine Sammlung Exponate, die über eine einzelne Wehr bzw. Gemeinde hinausgehen. Oft beschränken sich Sammlungen auch auf Spezialgebiete der Feuerwehr, wie z.B. Helme, Orden, Ärmelabzeichen etc. Je nach Besitzer der Sammlung unterscheidet man zwischen

a) einer Privatsammlung und

b) der Sammlung einer Feuerwehr.

In beiden Fällen ist es sinnvoll, wenn Feuerwehrmuseen mit den jeweiligen Sammlern in Kontakt stehen, zum Zwecke des Austausches und der gegenseitigen Unterstützung. Die Punkte 1 bis 3 unter 4.1 gelten auch hier im selben Maße.

4.3. Die Schausammlung

Der einzige Unterschied zur Sammlung besteht in der Ausstellung und öffentlichen Zugänglichkeit dieser. Auch kommen bei der zur Schaustellung der Exponate neue Sicherheitsrisiken (Beschädigung, Diebstahl etc.) hinzu. Auch hier ist die Beratung durch ausgebildete Museumskräfte sinnvoll.

4.4. Das Feuerwehrmuseum

Dieses soll gemäß der ICOM-Definition (siehe 2) die klassischen Anforderungen

  1. 1. Sammeln
  2. 2. Bewahren
  3. 3. Forschen
  4. 4. Vermitteln erfüllen.

 

5. Die Aufgaben des Feuerwehrmuseums

Die folgenden Ausführungen sind keinesfalls vollständig und dienen nur zur Anregung.

 

ad 1) Sammeln

Ziel jeder Sammlung muß es sein, das relevante Sachgebiet objektiv und möglichst vollständig und mit aussagekräftigen Belegen zu dokumentieren. Die Summe der Objekte darf nicht zu einer reinen Ansammlung werden, die einzelnen Objekte müssen vielmehr in ihren ursprünglichen Entstehungs- und Funktionszusammenhang eingepasst und daraus verstanden werden.

a) Sammlungspolitik

Da nicht alles aus der Vergangenheit erhalten werden kann, muß das Museum eine Auswahl aus dem Vorhandenen vornehmen. Dabei ist es notwendig, die Sammeltätigkeit in einem Maße zu beschränken, dass sie den Aufbau und die Erhaltung einer sinnvollen, gut dokumentieren Sammlung gewährleistet. Jedes Museum verfolgt dabei sein eigenes aktives Sammelprogramm, das in den Grundzügen schriftlich festzulegen ist und auf welches das Museum selbst und sein Wirkungsfeld definiert werden. Immer ist jedoch der Faktor Zufall zu berücksichtigen, der ein Aufgabenbereich eines Museums durch einen unerwarteten Zuwachs unter Umständen neu ausrichten kann.

b) Formen des Erwerbs

Die wichtigsten Formen des Erwerbs sind: Ankauf, Leihgabe/Dauerleihgabe, Schenkung, Legat (Vermächtnis), Tausch. Über jede Form des Erwerbs von Objekten müssen in den Inventarbüchern bzw. auf den Karteikarten alle erforderlichen Aufzeichnungen (Vorbenützer, Preis, Bedingungen) gemacht werden. Im Falle eines Ankaufes müssen die Rechnungen selbstverständlich aufbewahrt werden. Bei den Leihgaben ist zu beachten, dass die Bezeichnung Dauerleihgabe dazu führt, dass der Eigentümer das Recht verliert, das Objekt wieder zurückzufordern. Er kann es zwar verkaufen, nicht aber aus der Sammlung entfernen. Im übrigen sollte versucht werden, den Anteil an Leihgaben in den Dauerausstellung so niedrig wie möglich zu halten. Bei Sonderausstellungen muß man natürlich in größerem Umfang auf Leihgaben zurückgreifen. Für alle Leihgaben sollte man immer einen Mustervertrag parat haben (siehe Anhang). Auch Geschenke sollen ausdrücklich schriftlich bestätigt werden.

c) Inventarisierung

Jedes Objekt, das in den Besitz des Museums kommt, ist sofort mit einer zumindest provisorischen Nummer zu versehen, die der fortlaufenden Nummer des Inventarbuches entspricht. Erst bei der systematischen Bearbeitung nach erfolgter Reinigung des Objektes wird die Nummer an diesem selbst angebracht. Dabei sind, wenn möglich, Hängeetiketten zu verwenden, eine direkte Bezeichnung des Objektes soll nur in einer Form erfolgen, die einerseits dauerhaft, andererseits aber auch wieder ohne Beschädigung der Oberfläche entfernbar ist. Klebeetiketten sind grundsätzlich abzulehnen. Das Sammlungsinventar hat zumindest die folgenden Daten zu enthalten: Inventarnummer, Erwerbsdatum und Erwerbsart, Objektbenennung und Beschreibung, Herkunft, eventueller Ankaufspreis, Standorthinweis, Eintragungsdatum und Paraphe.

d) Kontrolle

Sowohl die Sammlung selbst als auch ihre Dokumentation ist periodisch wiederkehrenden Kontrollen zu unterziehen. Priorität hat dabei die regelmäßige Überprüfung der Sammelprojekte in der Schausammlung und in den Lagerräumen auf ihren physischen Zustand. In den Schausammlungen ist überdies besonderes Augenmerk auf das Vorhandensein der Objekte zu legen.

e) Bewertung

Die Feststellung des Wertes eines Objektes ist in den folgenden Fällen erforderlich:

bei einem vorgesehenen Kauf, bei einem vorgesehenen Tausch, bei Beschädigung oder Verlust für Zwecke der Versicherung. Sie hat mit größter Sorgfalt unter Berücksichtigung der jeweils geltenden Normen für die Bestimmung des aktuellen Verkehrswertes zu erfolgen.

 

ad 2) Bewahren

Im Eifer des Sammelns wird bisweilen der sachgerechten Lagerung zu wenig Bedeutung beigemessen. Richtig wäre es jedenfalls, von Anfang an günstige Lagerbedingungen zu schaffen, wobei sich die Anforderungen der verschiedensten Objekte deutlich unterscheiden. Als allgemeine Richtlinie kann eine Temperatur um 18° bei etwa 45 - 55 % Luftfeuchtigkeit gelten. Dabei sind gleichmäßige Schwankungen im Tages- und Jahreslauf weniger nachteilig als rasche kurzzeitige Veränderungen sowohl der Temperatur als auch der Luftfeuchtigkeit.

Das bedeutet, beim Lüften besondere Vorsicht walten zu lassen. Je nach Material sind die Objekte vor folgenden schädlichen Einflüssen zu sichern:

  • Licht, Verschmutzung, Schimmel, Pilze, Moder, Absticken, tierische Schädlinge, Erschütterung, Berührung.

Im allgemeinen unterscheidet man zwischen:

  • Wartung und Pflege (ist gleich vorbeugende Konservierung): diese umfasst Kontrolle und Regelung von Umweltfaktoren (Tauzustand, Klimaeinflüsse), Sicherheitsvorkehrungen (gegen Wasser, Feuer, Diebstahl, Vandalismus), Präsentation und Manipulation der Sammelstücke (Lagerung, Befestigung, Beleuchtung, Reinigung).
  • Konservierung: diese heißt Sicherheit und authentische Erhaltung von Form und Material (Substanz) als minimaler Eingriff in damit verträglicher und reversibler Weise.
  • Restaurierung: diese bedeutet über die bloße Substanzkonservierung hinausgehende Ergänzung oder Wiederherstellung reduzierter oder verlorener Werkteile (Formoberfläche, Farbgebung etc.), soweit diese auf gesicherten Grundlagen möglich und mit dem spezifischen Denkmalcharakter zu vereinbaren sind.

Alle getroffenen Maßnahmen sollten in Wort und Bild dokumentiert werden.

 

ad 3) Forschen

Ausgehend von der dominierenden Stellung, die der Sammlung für jedes Museum zukommt, hat sich die Forschungstätigkeit vorrangig auf die Bearbeitung des Sammlungsgutes zu konzentrieren. Erst dadurch werden die toten Objekte zu lebendigen Dokumenten von nationalem und internationalem Wert. Dabei stehen die Fragen nach

a) der räumlichen Herkunft,

b) der Möglichkeit zur zeitlichen Einordnung und

c) der funktionellen Beziehungen zu einer bestimmten Umwelt

im Vordergrund.

Die Forschungsmethoden unterscheiden sich grundsätzlich nicht von jenen anderer wissenschaftlicher Institutionen, jedoch kommt - für die Feuerwehrgeschichte des 20. Jh. - der Befragung von Zeitzeugen und deren Nachkommen eine besondere Bedeutung zu. Weiters benötigt man eine gute Kenntnis des jeweiligen sozialen, politischen und wirtschaftlichen Umfeldes, um Stellung, Bedeutung, Schwierigkeiten etc. der Feuerwehren richtig zu interpretieren. Die Zusammenarbeit mit den entsprechenden Archiven (Gemeinde, Stadt, Land) sowie den Feuerwehren direkt ist in vielen Fällen unerläßlich.

 

ad 4) Vermitteln

Der Bildungsauftrag verpflichtet das Museum:

a) Ausgewählte Sammlungsteile in ständigen Schausammlungen zu präsentieren.

b) Spezielle Teilbereiche in eigenen Sonderausstellungen aufzubereiten.

c) Vermittlungsprogramme (Gruppenführungen, spezielles Kinderprogramm, Familienprogramme etc.), die eine Vertiefung der Beziehung Besucher - Museumsinhalt ermöglichen, anzubieten.

d) Die Sammlungen durch Kataloge und Spezialpublikationen zu erschließen.

 

ad a)
Grundsätzlich hat jeder Ausstellungsgestalter die Fragen zu stellen, was er überhaupt vermitteln will und wen er mit seinen Informationen anzusprechen gedenkt. Ausgestellte Objekte stehen nie für sich selbst, seien sie noch so attraktiv. Eine Vielzahl an Hilfsmitteln kann verwendet werden, um die Zusammenhänge innerhalb derer die Objekte gesehen werden können, zu erklären. Diese Hilfsmittel reichen von Texten, graphischen Darstellungen, Bildern, Kopien, Modellen usw. bis zu audiovisuellen Medien, die entsprechend der finanziellen Möglichkeiten, aber auch ihrer Sinnfälligkeit und Effizienz bei Informationsvermittlung zum Einsatz kommen sollten.

ad b)
Eines der wichtigsten Instrumente, um das Interesse des (vor allem lokalen) Publikums am Museum wachzuhalten, sind Sonderausstellungen (Möglichkeit der Kooperation mit anderen Museen - Wanderausstellungen).

ad c)
Führungen mit frontal, verbaler Information allein genügen heute nicht mehr. Viele Gruppen erwarten sich eine erlebniszeitbezogene Vermittlung. Vor allem für Kinder und Jugendliche sind interaktive Vermittlungsprogramme notwendig. Museumspädagogen, vielleicht auch Feuerwehrjugendreferenten können hier zu Rate gezogen werden.

ad d)
Neben der Vermittlung der Museumsinhalte durch Ausstellungen und Programme, die naturgemäß die Anwesenheit der Besucher erfordert, ist die Herausgabe von Veröffentlichungen ein wichtiges Kommunikationsmittel des Museums. Sie dienen einerseits der Vertiefung und Vervollständigung des Informationsangebotes und ermöglichen andererseits auch eine Beschäftigung mit den Inhalten, ohne dass dadurch das Museum aufgesucht werden muss.

 

6. Feuerwehrmuseum und Besucher

6.1. Publikumsstruktur

Bei der Vermittlungstätigkeit des Museums ist zu bedenken, dass potentiell jeder Mensch Museumsbesucher ist. Dies bedeutet, dass die folgenden Strukturelemente berücksichtigt werden müssen:

  • * Alter (Kinder, Jugendliche, Erwachsene)
  • * Bildungsniveau (Schulbildung, berufliche und private Kenntnisse)
  • * Nationalität (Einheimische, Ausländer)
  • * Herkunft (örtlich, regional, national, international)
  • * Interesse und Motivation (Bildungsbesucher, Touristen, Fachleute, Sammler, Sondergruppen, zufällige Besucher)

6.2. Besuchszeiten

Es ist wichtig, dass das Museum seinen Besuchern so lange wie möglich zur Verfügung steht. Das bedeutet, dass unter Berücksichtigung der finanziellen, personellen und konservatorischen Gegebenheiten alle Möglichkeiten einer publikumsfreundlichen Besuchszeitregelung ausgeschöpft werden müssen. Besuchszeiten sollen jedenfalls einfach und unkompliziert sein und auf die Möglichkeiten und Bedürfnisse der Besucher Rücksicht nehmen.

6.3. Eintrittspreise

„Was nichts kostet, ist nichts wert!“ lautet ein gerne zitierter Ausspruch. Sinnvoll ist natürlich eine Preisstaffelung mit zumindest Einzel Erwachsener, Einzel ermäßigt, Gruppentarif, Schülertarif und Familienkarte.

6.4. Besucherfreundlichkeit

Die Besucherfreundlichkeit beginnt bei der Wegbeschreibung durch entsprechende Tafeln an den Zufahrtsstraßen und endet bei der Weitervermittlung in ein gutes Restaurant oder eine weitere Sehenswürdigkeit in der Umgebung nach dem Museumsbesuch. Dazwischen liegen: ausgeschilderter, nahegelegener Parkplatz, freundlicher Empfang, Übersichtsplan oder gutes Leitsystem durch die Ausstellungsräume, gut lesbare, übersichtliche Texte, Sitzgelegenheiten im Museum, saubere und gut ausgeschilderte Toiletten, ein Museumsshop etc.

6.5. Öffentlichkeitsarbeit

Damit Besucher ein Museum auch wahrnehmen, ist es nötig, sich der verschiedenen Formen der Werbung zu bedienen. Notwendig ist ein einheitlicher Schriftzug oder ein Symbol (Logo), das in allen graphisch gestalteten Werbematerialien verwendet wird. Wichtig ist auch eine intensive Zusammenarbeit mit den lokalen und regionalen Tourismusverbänden und Unternehmen, wobei sich vor allem Plakate und Handzettel (Folder) sehr bewährt haben, auf denen die wichtigsten Daten des Museums aufscheinen. Eine ständige Zusammenarbeit mit der Redaktion lokaler Zeitungen ist notwendig. Auch der Einsatz des Internets gewinnt für die Museen immer mehr an Bedeutung. All die bisher besprochenen Maßnahmen kosten außer zeitlichem Aufwand, relativ wenig.

6.6. Publikumsuntersuchungen

Zur Selbstkontrolle des Museums und zur Verbesserung seines Angebotes können die Ergebnisse verschiedener Untersuchungen herangezogen werden. Die beiden wichtigsten sind die Besucherstatistik, die der nachträglichen Kontrolle dient, und die empirische Besucherstudie, mit deren Hilfe das potentielle Interesse des Publikums, seine Erwartungen, Bedürfnisse, Kenntnisse, Vorurteile und falsche Vorstellungen zu einer bestimmten Thematik besser eingeschätzt werden können.

6.7. Mitgliederorganisationen, Vereine, Partnerschaften

Neben den herkömmlichen Museumsvereinen ist eine aktive Form der Einbindung des Publikums in Form von Clubs, Gesprächsrunden, Spezialführungen, Symposien etc. empfehlenswert. Eine zukunftsträchtige Form der Zusammenarbeit ist durch Partnerschaften gegeben, wobei man andere Institutionen, z.B. Firmen, sucht, die das Museum finanziell oder mit Fachberatung oder Materialsponsoring unterstützen, während das Museum Spezialempfänge für Firmenangehörige oder Großkunden etc. anbieten kann.

 

7. Organisation und Verwaltung

Rechtsträger (gesetzlicher Eigentümer) eines Museums kann ein Staat, eine öffentlich-rechtliche Körperschaft, eine privatrechtliche Körperschaft oder eine Privatperson sein. Entscheidend ist eine Organisationsstruktur und auch eine Finanzplanung nicht nur für die Errichtung des Museums, sondern auch für den laufenden Betrieb. Ansonsten besteht die Gefahr, nach anfänglicher Euphorie zu einem „Schlüsselmuseum“ zu werden, das über kurz oder lang die Aufgaben eines Museums nicht mehr erfüllt.

 

8. Betriebsanlagen

8.1. Raumorganisation

Je nach Funktion unterscheiden wir Räumlichkeiten mit

  • Grundfunktionen: die ständige Ausstellung, Studienräume, Sonderausstellungsräume, Räume für Präsentationen und Demonstrationen, Vorträge etc.
  • Räume mit Eingangsfunktionen: Eingangsbereiche, Information, Orientierung, Verkauf, Garderobe, Toiletten, Buffet, Ruheräume etc.
  • Logistische Funktionen: Lagerräume, Werkstätten, Manipulationsräume etc. und
  • Koordinationsfunktionen: Büro und Forschungsareale, Referenz- und Besprechungsräume etc.

 

8.2. Sicherheitsanlage

Die meisten Museen haben Alarmeinrichtungen, die sehr wohl dem Raumschutz gegen Diebstahl und Einbruch als auch dem Brandschutz dienen. Entscheidend für die Wirksamkeit ist, wie gut die Vorsorge für ein rasches persönliches Eingreifen durch die Feuerwehr, Polizei oder den Kustos selbst gewährleistet ist. Nach den räumlichen und organisatorischen Gegebenheiten richtet sich auch die Entscheidung, ob und welche Versicherungen abgeschlossen werden sollten, wobei zwischen Versicherungen für die baulichen Einrichtungen und die Objekte selbst unterschieden werden muß. Zu beachten ist auch, dass Objekte, die als Leihgaben zu Ausstellungen entsandt werden, durch den Leihnehmer entsprechend gegen Transport- und sonstige Risiken versichert werden sollen. Neben der Versicherung gegen Feuer-, Wasserschaden, Sturmschaden und Diebstahl soll auch auf die Haftpflicht nicht vergessen werden, da Unglücksfälle mit Personenschaden sehr teuer sein können.

 

9. Anhang

9.1. Literaturliste (Auswahl)

Mühlthaler, B.: Kleines Handbuch der Konservierungstechnik, Bern - Stuttgart 1979.

Dembski, G.: Sicherheitsfibel für Galerien, Museen, Ausstellungen, Bibliotheken und Archive. Sicherheit im Museum. Schutz vor Einbruch, Diebstahl und Beschädigung. Brandschutz. Organisation, hg. v. Österreichischen Museumsbund, Wien 1977.

Waidacher, F.: Handbuch der Allgemeinen Museologie, Wien - Köln - Weimar 1993: Böhlau Verlag - Mimundus 3. Wissenschaftliche Reihe des Österreichischen Theatermuseums, hg. v. Oskar Pausch.

Wechschenfelder, K.; Zacharias, W.: Handbuch Museumspädagogik. Orientierung und Methoden für die Praxis, Düsseldorf 1981.

Waidacher, F.; Gräf, W.: Einführung in die Museumskunde, Steierm. Landesmuseum Joanneum, Graz 1987.

Brocza, J.; Hanreich, G.: Kleine Anleitung zur Errichtung und zum Betrieb eines Museums, Verband österr. Museen, Galerien, Schau- und Studiensammlungen, Museumsverband, Wien - Pram, 1998.

 

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  1. Mag. Hannes Weinelt, Leiter des Steirischen Feuerwehrmuseums in Groß St. Florian.

 

Ablage unter: Museumskunde

Handbuch zur Feuerwehrgeschichte - Ausgabe: Februar 2001/2