Museumsdefinition des CTIF

MUSEUMSDEFINITION des CTIF (1)

Mit der Annahme der Museumsdefinition im Jahr 2002 anerkennt das CTIF die Erforschung der Feuerwehrgeschichte und die Aufbewahrung historischer Objekte ausdrücklich als Aufgabe der Feuerwehr. Diese Arbeit beschränkt sich aber nicht auf die Errichtung großer Museen, sondern beginnt bei der einzelnen Feuerwehr mit der geordneten Aufbewahrung von Belegen und Exponaten aus der Vergangenheit und Gegenwart.

CTIF-Kommission „Feuerwehr- und CTIF-Geschichte,
Museen und Dokumentation“

Definition
FEUERWEHRMUSEUM.

1. Vorbemerkungen

1.1 Bedeutung von Geschichte und Tradition

Nur wer seine Wurzeln kennt, kann die gegenwärtige Situation verstehen und Perspektiven für die künftige Entwicklung finden – das gilt auch für die Feuerwehr. Naturgemäß hat bei dieser das Hauptaugenmerk dem aktuellen Einsatzgeschehen, der Ausbildung und den Einsatzgeräten zu gelten. Jede Feuerwehr, aber auch Feuerwehrverbände, die daneben in irgend einer Form die eigene Entstehung und Entwicklung bis in die Gegenwart dokumentieren und zeigen können, sind zu beglückwünschen. Geschichtsdarstellung und Traditionspflege in Verbindung mit der modernen Einsatztechnik ergeben ein öffentlichkeitswirksames „Schaufenster“. Es ist für jede Feuerwehrgeneration eine sinnvolle Aufgabe, technisch überholte Gegenstände und Geräte als materielles Gedächtnis der Feuerwehrgeschichte zu erhalten und aufzubewahren.

Ein Feuerwehrmuseum ist eine Einrichtung, welche die Bedeutung und Leistung der Feuerwehr in Vergangenheit und Gegenwart darstellt, in dem Bewusstsein, dass die organisierte Hilfeleistung, erwachsen aus dem Willen, dem Nächsten in der Not beizustehen, eine wesentliche Voraussetzung für das Zusammenleben von Menschen in der Gemeinschaft bildet.

1.2 Zum Begriff Feuerwehrmuseum

Die Aufgaben eines Museums sind vielfältig und es muss verschiedene Voraussetzungen erfüllen. Es gibt eine Reihe großer Feuerwehrmuseen mit überregionaler Bedeutung und unter professioneller Führung. Daneben haben sich Kleinmuseen, Schauräume und Spezialsammlungen entwickelt. Man kann aber nicht immer gleich von einem „Museum“ sprechen. Wenn sich auch eine allgemeine Sprachregelung kaum durchsetzten wird, soll aus den festgelegten Begriffsbestimmungen in Zukunft ein Besucher erkennen können, um welche Art und Größe einer Schau es sich handelt. Dies bedeutet keinesfalls eine Abwertung der Kleinsammlungen – ganz im Gegenteil. Gemeinsames und wichtigstes Ziel bleibt der Erhalt und die Bekanntmachung der Geschichte der Feuerwehren und ihres Kulturgutes. Sie sollten den natürlichen Gegebenheiten bei der kleinsten Feuerwehr bis zu den regionalen und überregionalen Feuerwehrverbänden Rechnung tragen. Ihre Gesamtheit ergibt einen kaum abschätzbaren Wert.

Zu berücksichtigen sind auch die in den einzelnen Mitgliedsländern gegebenen Voraussetzungen, die von der Regelung durch staatliche Ministerien bis zur „Privatsache“ der Feuerwehren reichen.

Die umfassendste und international anerkannte Definition des Begriffes „Museum“ stammt vom Internationalen Council of Museums ICOM (Satzungen, angenommen von der 11. Generalversammlung in Kopenhagen, 14. Juni 1974, in der Fassung vom 4. November 1986, Artikel 3 und 4):

„Das Museum ist eine nicht gewinnbringende, ständige Einrichtung im Dienste der Gesellschaft und ihrer Entwicklung, die für die Öffentlichkeit zugänglich ist und materielle Belege des Menschen und seiner Umwelt zum Zwecke des Studiums, der Erziehung und der Freude erwirbt, erhält, erforscht, vermittelt und ausstellt.“

 

2. In diesem Sinne gelten für die Feuerwehren nachstehende Definitionen:

2.1 Archiv / Depot

Eine Sammlung ergibt sich aus dem Zusammentragen und Aufbewahren von Exponaten zu einem bestimmten Thema, in diesem Falle zum Thema Feuerwehr. Selbst die kleinste Sammlung einer Feuerwehr erfordert das Anlegen eines Archivs bzw. Depots.

Im Archiv werden die zweidimensionalen Belege, wie Dokumente, Protokollbücher, Literatur, Fotografien usw. fachgerecht geordnet und registriert aufbewahrt. Es ist eine wichtige Forschungsquelle und wird von einem geschulten Archivar verwaltet. Nach Vereinbarung wird Forschern die Einsichtnahme ermöglicht.

Im Depot verwahren Feuerwehren, welche keine Möglichkeit zur Schaustellung ihrer aus der Vergangenheit stammenden dreidimensionalen Objekte haben, diese sorgfältig und gesichert. Dasselbe gilt auch für einzelne Oldtimer und historische Großgeräte. Diese registrierten Objekte werden von einer geschulten Person gewartet. Bei einem bestimmten Anlass (Jubiläum) stehen dann die gepflegten Schätze der Feuerwehr zur Verfügung und können an einem geeigneten Ort aufgestellt und der Öffentlichkeit präsentiert werden.

2.2 Traditionsraum / Vitrinen

Ein Ort des Bewahrens, Gedenkens und Erinnerns.

Im Traditionsraum (bzw. Räumen) oder in Vitrinen einer einzelnen Feuerwehr oder eines einzelnen Verbandes werden nur technische Geräte, Uniformen, Dokumente, Fahnen, Bilder und Druckwerke gezeigt, welche bei der betreffenden Einheit angelegt bzw. verwendet wurden. Der Raum wird zu bestimmten Anlässen und auf besonderen Wunsch geöffnet.

Nicht ausgestellte Objekte befinden sich im Archiv und Depot.

Alle Exponate werden in einem Inventar registriert. Die Betreuung liegt in Händen sachkundiger Mitarbeiter bzw. Mitarbeiterinnen.

2.3 Sammlung / Schausammlung / Ständige Ausstellung

Spezialsammlungen von Helmen, Distinktionen, Abzeichen, Auszeichnungen, Briefmarken, Spritzen, Oldtimern usw. werden als solche bezeichnet. Diese enthalten Objekte, die über eine einzelne Wehr, Gemeinde oder Region hinausgehen. Die Sammler verfügen über ein Spezialwissen und Literatur zu ihren Objekten. Besichtigungsmöglichkeiten werden zu bestimmten Anlässen und auf Vereinbarung geboten.

Ist eine bestimmte Sammlung dauernd der Öffentlichkeit zugänglich, spricht man von einer Schausammlung oder Ständigen Ausstellung.

Die Sammlung kann bei einer Feuerwehr oder privat bestehen.

2.4 Feuerwehrmuseum

Der Name Feuerwehrmuseum muss ein Qualitätsbegriff sein und soll gemäß der ICOM-Definition die klassischen Anforderungen

    1. Sammeln,
    2. Bewahren,
    3. Forschen und Erschließen,
    4. Vermitteln

erfüllen.

Das Feuerwehrmuseum ist eine spezielle Institution (Einrichtung), die über Epochen hinweg und überregional zielbewusst Realien sammelt, diese sachkundig verwaltet und daraus mit wissenschaftlichen Methoden die technische Entwicklung und humanistische Aufgabe der Feuerwehren erforscht und darstellt. Weiters sammelt es Dokumente über das gesellschaftliche, ökonomische und soziale Umfeld, in welchem sich die Feuerwehrbewegung entwickeln konnte und in dem sie heute ihre Aufgabe zu erfüllen hat.

Es zeigt die Entwicklung der Feuerwehrtechnik in ihren wesentlichen Elementen von den Anfängen bis zur Gegenwart. Es dokumentiert die ganze Bandbreite der feuerwehrlichen Tätigkeiten des Einzelnen, der Gruppen und Verbände, in der Gemeinde, im Bezirk, in der Region, im Land. Diese Komplexität bietet dem Besucher und Forscher entsprechende Vergleichsmöglichkeiten.

Ein Team von Mitarbeitern leitet das Museum und widmet sich der Forschung. Ihre Arbeit mündet in entsprechenden Veröffentlichungen der gewonnen Erkenntnisse und in Sonderschauen.

Neben Sammeln, Katalogisieren, Bewahren, Restaurieren und Forschen steht vordergründig der Aspekt des Vermittelns und Lernens im Museum. Nach der neueren Museumsphilosophie gilt der Grundsatz „Weniger ist oft mehr“. Das heißt, ein ausgewähltes Exponat kann dem Besucher mitunter mehr sagen als eine massierte Ansammlung gleicher oder ähnlicher Gegenstände. Die Möglichkeit des Lernens bedingt eine verständliche Aufbereitung und prägnante Erklärung des Gezeigten. Nach Möglichkeit sollen auch einige Exponate bereitgestellt werden, welche von den Besuchern angefasst und ausprobiert werden können.

Die nicht ausgestellten Exponate werden in einem Depot gesichert aufbewahrt.

Rechtsträger (gesetzlicher Eigentümer) eines Museums kann ein Staat, eine Kommune, eine öffentlich-rechtliche Körperschaft, eine Feuerwehr, ein privatrechtlicher Verein oder eine Privatperson sein.

Die Idealvoraussetzung für die Bezeichnung Museum wären:

  • Führung durch professionelles Personal (mindestens eine hauptberufliche Person),
  • Fixe (regelmäßige) Öffnungszeiten,
  • Systematische Aufarbeitung der Bestände,
  • Umsetzung der musealen Zielsetzung in wissenschaftlicher Arbeit bzw. Publikationstätigkeit,
  • Zugang für Forschende zum Archiv.

Zur weiteren Entwicklung wird empfohlen, dass die verschiedenen Feuerwehrsammlungen und Museen einen Verbund bilden und eine elektronisch unterstützte Kommunikationsebene aufbauen. Sie sollten sich damit untereinander ergänzen und einen ständigen Erfahrungsaustausch pflegen.

 

Werdegang dieser Definition:

7. Tagung 1999 in PRIBYSLAV:

Vorlage durch die Vorsitzenden der Internationalen Arbeitsgemeinschaft:
Entwurf von Dr. Jaromír Tausch, Tschechien;
Bearbeitung und Ergänzung von BR Adolf Schinnerl, Österreich.

Dazu schriftliche Stellungnahmen im Jahr 2000 von:
Dr. Agnes Váry, Ungarn;
Mag. Hannes Weinelt, Österreich.

8. Tagung 2000 in FELDKIRCH:

Diskussion im Forum unter der Leitung von Mag. Hannes Weinelt, Österreich.

9. Tagung 2001 in Kurort JONSDORF:

Diskussion der überarbeiteten Vorlage unter der Leitung von Dr. Jaromír Tausch, Tschechien, und Hannes Weinelt, Österreich.
Protokollierung und Weiterleitung zur Beschlussfassung an die CTIF-Geschichte-Kommis-sion durch BR Adolf Schinnerl.

4. Sitzung der CTIF-Kommission „Feuerwehr- und CTIF-Geschichte, Museen und Dokumentation“ am 13. Oktober 2001 in Kurort JONSDORF, Deutschland, Vorsitz Dipl. Ing. Gunnar Haurum.
Vorschlag eine Zertifizierungsrichtlinie zu erarbeiten.
Weiterleitung an den Exekutiven Rat des CTIF mit der Empfehlung, die Definition anzunehmen.

3.-4. Mai 2002 Sitzung des Exekutiven Rates in GUEBERSCHWIHR (bei Colmar), Frankreich, Vorsitz Präsident François Maurer, Frankreich.
Zustimmung und Weiterleitung an die Delegiertenversammlung.

19. September 2002 Delegiertenversammlung in WIEN, Österreich, Vorsitz Präsident François Maurer, Frankreich.
Endgültige Annahme durch das höchste Organ des CTIF.

 

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  1. 1 CTIF Comité Technique International de prévention et d´extinction du Feu.
    Internationales technisches Komitee für vorbeugenden Brandschutz und Feuerlöschwesen.

 

Ablage unter: Museumsdefinition des CTIF

 

Handbuch zur Feuerwehrgeschichte - Ausgabe: November 2002