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Behandlung historischer Objekte

„Geschichte bewahren“

Mag. Hannes Weinelt (1)

 

Einleitung

Im Zuge des Modernisierungsbooms der 60er und 70er Jahre ging wertvolles historisches Gut der Feuerwehren verloren. Achtlos landeten alte Geräte und Schriften auf dem Müll oder wurden auf Flohmärkten verschleudert. Einzig und allein einigen Sammlern und vorausblickenden Feuerwehrmännern ist es zu verdanken, dass dennoch eine Fülle historischer Objekte in den Feuerwehr-Museen und Sammlungen Österreichs zur Verfügung steht.

Spätestens jedoch mit den 80er Jahren setzte auch bei den einzelnen Wehren ein breites historisches Bewusstsein ein. Im Zuge der 100-Jahre-Jubiläen begann man sich für historische Schriften zu interessieren, alte Fotos hervorzukramen und historische Geräte auf Hochglanz zu bringen. Weiters wurden Traditionsräume eingerichtet, historische Schaulöschen veranstaltet oder bei einem der zahlreichen Oldtimertreffen teilgenommen.

Zum guten Willen, historisches Gut zu erhalten, gehört auch das nötige Fachwissen. Was soll warum und wie erhalten werden? Grundsätzlich sollte man keine Scheu haben, sich in allen Zweifelsfällen an professionelle Restauratoren oder die Fachkräfte großer Museen zu wenden, denn allzu oft erhält man von den „selbsternannten“ Experten bei zwei Anfragen drei verschiedene Meinungen.

 

1. Was bewahren und warum?

Diese Frage ist nicht so leicht zu beantworten, wie es auf den ersten Blick scheint (siehe dazu auch Punkt 5, 1a „Sammlungspolitik“ im Skriptum „Museumskunde“).

Grundsätzlich ist zu unterscheiden zwischen

a) was will ich erhalten, weil es erhaltenswert ist und

b) was kann ich erhalten, weil ich das nötige Geld, die nötigen Arbeitskräfte und den notwendigen Platz zur Verfügung habe.

ad a) Dies richtet sich nach der Sammlungspolitik des jeweiligen Sammlers bzw. Museums, jedoch seien einige Kriterien als Orientierungshilfe genannt:

Historischer Wert - wie wertvoll ist dieses Exponat zur Dokumentation der Feuerwehrgeschichte?

  1. Materialwert - wie wertvoll ist das Material (Gold, Silber, spezielles Papier etc.)?
  2. Künstlerischer Wert (z.B. bei Schriften, Degen, Ehrenbeilen, Trinkhörnern etc.).
  3. Einzigartigkeit - je weniger Exemplare es von einem Objekt gibt, um so wertvoller ist es.
  4. Persönlichkeitsbezogener Wert - hat dieses Objekt einem besonders verdienstvollen und bedeutenden Feuerwehrmann gehört?
  5. Regionsbezogener Wert - war dieses Objekt für die Wehr/Region/Land von herausragender Bedeutung?

Häufig wird der jüngeren und aktuellen Geschichte zu wenig Beachtung geschenkt. Man vergisst, dass das Aktuelle in einigen Jahrzehnten wertvolle Vergangenheit ist.

 

ad b) Wenn man ein Objekt erhalten möchte, muß man sich die Frage stellen, ob man dazu auch in der Lage ist. Falls das Geld zur Restaurierung fehlt, gibt es die Möglichkeiten, beim Feuerwehrverband, bei den entsprechenden Stellen des Bundes und Landes oder bei der Gemeinde um Unterstützung anzusuchen, die Möglichkeit eines privaten Sponsors oder eines Firmen-sponsorings. Arbeitskräfte lassen sich am leichtesten über persönliche Kontakte bzw. über Anfrage in regionalen oder Fachzeitschriften finden. Jedenfalls sollte man sich in heiklen Fällen um Fachberatung kümmern. Dazu stehen zur Verfügung: Landesmuseen, Archive und Bibliotheken in Bregenz, Innsbruck, Klagenfurt, Salzburg, Linz, Graz, Eisenstadt und Wien mit ihren Restaurierabteilungen. Bundesdenkmalamt - Landeskonservatoren in den Landeshauptstädten bzw. in Wien 1, Hofburg, Schweizerhof und BDA-Restaurierungswerkstätten in Wien 3, Arsenal 15/4, Österreichischer Restauratorenverband, Postfach 576, 1011 Wien.

Das meist größte Problem ist der Platz, sowohl in der Ausstellung wie im Depot. Falls es sich um ein jedenfalls zu erhaltendes Gerät oder Fahrzeug handelt, sollte man sich entsprechend auch um einen Platz bemühen, entweder im eigenen Umkreis oder bei anderen Sammlern und Museen.

 

2. Wie soll bewahrt werden

2.1 Kleines Begriffslexikon

Dokumentation verlangt die Offenlegung aller getroffenen Maßnahmen in Wort und Bild. Bei Ausstellungsleihgaben sollte ein eigener Objektpass alle Zustände und Umstände vom Zeitpunkt der Übergabe bis zur Rückkehr festhalten.

  • Imprägnierung: feste Stoffe mit Flüssigkeiten zum Schutz vor Wasser, Zerfall und anderes Durchtränken.
  • Konservierung heißt Sicherung und authentische Erhaltung von Form und Material (Substanz) als minimaler Eingriff in damit verträglicher, haltbarer und reversibler Weise.
  • Korrosion: Zerstörung von Materialien durch chemisch-physikalische Einwirkung (z.B. Rosten ist Korrosion des Eisens).
  • Renovieren (wieder neu machen, erneuern): Renovieren bedeutet Erneuerung des Aussehens eines Objekt und ist nur gerechtfertigt, wenn sonst die originale Substanz verloren geht.
  • Restaurieren (wieder herstellen): Bei der Restaurierung werden störende Veränderungen, z.B. Übermalungen entfernt, Farben regeneriert, um das Objekt möglichst in seiner ursprünglichen Form wieder erlebbar zu machen.
  • Wartung und Pflege (ist vorbeugende Konservierung) umfasst Kontrolle und Regelung von Umweltfaktoren, Sicherheitsvorkehrungen sowie richtige Präsentation oder Lagerung.

 

2.2. Grundsätzliches

Grundsätzlich sollte man warten, pflegen und konservieren. In einzelnen Fällen ist eine Restaurierung sinnvoll, vor allem wenn es darum geht, im Laufe der Geschichte verfremdete Objekte wieder in den ursprünglichen Zustand zurückzuversetzen (z.B. neuere Lackschichten entfernen, um den ursprünglichen Anstrich wieder zum Vorschein zu bringen). Nur wenn es unumgänglich ist, sollte man zur Renovierung schreiten (z.B. hoffnungslos abgemorschte Teile einer Holzleiter ersetzen etc.).

 

3. Hauptgefahren und grundsätzliche Vorsorge

Klima und Umwelt

Im Freien besteht die Umweltgefährdung aus der Summe aller natürlichen Witterungsfaktoren (Sonne, Regen, Wind, Frost, Temperaturschwankungen, Luftverschmutzung etc.) und dem Faktor Zeit.

Im Inneren schaffen fehlende oder falsche Lüftung, falsche Heizung oder Beleuchtung (einschließlich Sonneneinstrahlung), aber auch Baumängel (feuchte Mauern, Kondensation auf schlecht isolierten Außenwänden, undichte Fenster etc.) vermeidbare Probleme.

Das Idealklima bewegt sich von 10 - 20 °C und 50 bis 60 % relativer Luftfeuchte, starke Schwankungen sind schlecht. Generell gilt es im Winter in beheizten Räumen auf die Trockenheit achtzugeben, im Sommer auf zu hohe Luftfeuchtigkeit, aber Luftfeuchtewerte unter 40 % und über 70 % sind unbedingt zu vermeiden, ebenso Frost oder Wärme über 25 °C. Zur regelmäßigen Kontrolle dienen Klimaschreiber oder elektronische Meßgeräte.

Licht

Durch zuviel Sonnen- als auch normales Tageslicht und künstliche Lichtquellen können unterschiedliche Schäden verursacht werden: Farben verändern sich, bleichen aus, Fasern werden spröde und brüchig, Papier bräunt etc. So sind aus konservatorischen Gründen Archivalien, Graphiken, Bücher und Textilien nie mit mehr als 50 Lux (zum Vergleich: direkte Sonnenbestrahlung = 10.000 Lux, Leuchtstoffröhren = ca. 500 Lux) zu beleuchten, wobei der Ultraviolett-Anteil der Beleuchtung ausgefiltert sein soll (durch Folien).

Verschmutzung

Staubablagerungen sind angereichert mit aggressiven Substanzen, die Schäden verursachen und das Erscheinungsbild des Objektes beeinträchtigen. Auch Ruß und andere Substanzen tragen zur Schädigung bei. Daher hat eine regelmäßige und sorgfältige Reinhaltung der Räume und Ausstellungseinrichtungen, die für die Aufbewahrung und Handhabung von Objekten bestimmt sind, zu erfolgen. Die Reinhaltung der Objekte selbst sollte das zuständige Fachpersonal vornehmen.

Schimmel, Pilze, Moder

Gefährlich sind feuchte Räume, unbelüftete Schränke und Nischen sowie nicht isolierte Stand- oder Rückenflächen auf kalten Sockeln oder Wänden. Die Luftfeuchtigkeit sollte nicht über 60 % betragen. Grundlegend ist daher eine gute regelmäßige Belüftung (Vorsicht vor Kondensfeuchte durch die Klimadifferenz Außen - Innen beim Lüften).

Tierische Schädlinge

Vor allem Holz (Holzwurm), Textilien (Motten) und Papier (diverse Insekten) zählen zu den gefährdeten Materialien. Gegen Motten helfen gute Belüftung, Lavendel und Mottenstreifen, in Schränken sind Insektizidscheiben oder -streifen empfehlenswert. Bei Einsatz handelsüblicher Schädlingsverhütungsmittel sind Nebenwirkungen auf andere Materialien des Gegenstandes zu vermeiden (z.B. Holzschutzmittel sind für Metalloberflächen schädlich). Bei starkem Schädlingsbefall soll man jedenfalls Spezialisten zu Rate ziehen.

Transport

Wenn es auch im Bereich der Feuerwehr wenig filigrane Exponate gibt, so ist doch jeder Transport - auch robusterer Geräte - ein gewisses Risiko. Eine gute Vor- und Nachbereitung ist empfehlenswert.

Kleingegenstände sollen bei jedem Transport verpackt werden (in Seidenpapier einwickeln und in eine Schachtel legen genügt in der Regel; bei leicht zerbrechlichen Gegenständen verwendet man am besten Luftpolsterfolie).

Vernachlässigungen und falsche Pflege

Von allen Faktoren sind die menschlichen Schwächen und Fehler am gravierendsten. Die unsachgemäße oder nicht sorgfältige Handhabung, die Unterlassung von rechtzeitigen Reparaturen, die Missachtung von Klima- und Sicherheitsfaktoren und schließlich die falsche Behandlung führt zu vermeidbaren Schäden.

Häufig wird die Depotpflege gegenüber den öffentlich zugänglichen Bereichen einer Sammlung unterschätzt.

 

4. Behandlung einzelner Materialien - Reinigung, Pflege, Lagerung

Jedes Material erfordert für seine Erhaltung bestimmte Umweltbedingungen und ist darüber hinaus für bestimmte Veränderungsfaktoren besonders anfällig. Mit richtiger Reinigung, Pflege und Lagerung sind die meisten Materialien lange zu erhalten. Bei umfassenderen Konservierungs-, Restaurierungs- oder Renovierungsmaßnahmen soll unbedingt eine Fachkraft zu Rate gezogen werden (siehe Punkt 1).

 

4.1. Metalle

Metalle gehören im Bereich der Feuerwehr wohl zum meist verwendeten Material: Sie sind in ihrer Zusammensetzung, Verarbeitung und Verwendung äußerst verschieden. Entsprechend vielfältig sind auch die Schäden und Veränderungen, die sich im Laufe der Zeit durch klimatische Bedingungen und Abnützung ergeben können.

Bei Metallgegenständen ist die empfindliche Oberfläche am meisten gefährdet und daher besonders sorgfältig zu behandeln. Herkömmliche Putzmittel enthalten meist kratzende Bestandteile, welche die Oberfläche langsam aber sicher abarbeiten. Durch richtige Pflege kann größerer Schaden vermieden werden.

Museale Metallobjekte sollten auch nur mit Handschuhen angegriffen werden.

4.1.1 Eisen

Eisen findet häufige Verwendung bei alten Gerätschaften (Feuerhaken, Beile, Laternen, Beschläge und sonstige Eisenteile bei Wägen und Handdruckspritzen) und auch bei neueren Geräten (Feuerlöscher, Fahrzeuge etc.). Der größte Schadensverursacher an Eisen ist der Rost: blankes Schmiede- oder Gusseisen oxydiert sehr rasch durch den Luftsauerstoff und die immer gegenwärtige Feuchtigkeit. Es bildet sich hellroter Rost (wasserhaltiges instabiles Eisenoxid). Farbig gefasste Eisengegenstände sind hingegen zum Teil vor Rost geschützt. Ihre Bemalung/Lackierung soll möglichst erhalten und nur vorsichtig gereinigt werden.

Reinigung und Schutz:

Die Rostentfernung kann vom Fachmann durch mechanische, elektrolytische oder chemische Verfahren vorgenommen werden. Das gereinigte Objekt überzieht sich jedoch sofort mit einem Rostanflug, wenn es nicht durch einen Überzug geschützt wird. Je nach Art und Gebrauch des Gegenstandes werden für diesen Schutz Wachse, Öle, Fette, pigmentierte Lacke oder Kunstharz verwendet.

 

4.1.2 Kupfer

Auch Kupfer und seine Legierungen (Messing, Bronze) sind häufig zu finden. Nicht nur bei Geräten (z.B. Windkessel, Strahlrohre etc.), sondern auch bei Helmen, Auszeichnungen, Modellen etc. Kupfer sowie Messing und Bronze bekommen im Laufe der Jahre eine natürliche Patina (Schutzschicht aus Kupferoxid). Diese dünnen Schichten bleiben sofern die Luft nicht sehr feucht ist und keine sauren Verunreinigungen oder Ammoniak enthält über lange Zeit beständig und sind auch der beste natürliche Schutz.

Pflege:

Da die Patina bei Bronze zugleich ein guter natürlicher Schutz ist, soll sie möglichst unbeschädigt erhalten bleiben. Lediglich Staub und Ruß können mit Seifenwasser oder mit einer Bürste entfernt werden. Kupfer- und Messinggegenstände nehmen durch die Patina einen warmen Ton an, durch Reinigen der Objekte wird ein greller Glanz erzielt, der oft nicht dem Alterswert entspricht.

Reinigung:

Für Buntmetalle sind handelsübliche milde Putzmittel erlaubt. Nie soll man aber Schmirgelpapier oder Stahlwolle verwenden. Diese reinigen nicht, sondern sie zerstören! Eine unschädliche Reinigung kann man jedoch auch durch natürliche Mittel erzielen

  • für Kupfer mit einer in Salz getauchten Zitrone
  • für Messing durch eine Lösung aus einem halben Liter Wasser und 4 Esslöffel Essig.

Anschließend sind die Gegenstände gut abzuspülen und zu trocknen.

 

4.1.3 Gold

Gold findet man im Feuerwehrbereich nur selten. Am ehesten bei Auszeichnungen bzw. in Form von Vergoldungen diverser Ziergegenstände.

Pflege:

Der größte Feind der Vergoldungen sind milchige Putzmittel mit scheuernden Bestandteilen (z.B. Sidol), welche die dünne Goldschicht sehr bald zerkratzen und abreiben. Grünliche oder schwarze Flecken zeigen an, dass schon bis zum unedlen Metall durchgerieben wurde.

Reinigung:

Besonders schöne alte Stücke mit Gravierungen, Perl- oder Emailbesatz sollten grundsätzlich nicht vom Laien gereinigt werden! Hingegen einfache glatte Gegenstände lassen sich sehr gut putzen, indem man sie in die Reinigungslösung eintaucht oder sie mit dieser mit einem Pinsel oder einem Baumwolltuch abtupft.

Als Reinigungsmittel dürfen verwendet werden: eine Lösung aus einem Teil Wasser und einem Teil Salmiak oder Feinwaschmittel. Danach müssen die Stücke gründlich mit Leitungswasser abgespült und mit Baumwoll- oder Leinentüchern abgetrocknet werden.

 

4.1.4 Silber

Im Gegensatz zu Gold wird Silber stark von den Umweltbedingungen beeinflußt: Das dunkle Anlaufen der Oberfläche zeigt, dass sich durch den Schwefelwasserstoffgehalt der Luft Silbersulfid bildet. Holzimprägnierungen, feuchte Wände und gewisse Farbstoffe beschleunigen die Oxydation.

Pflege:

Nur das Überziehen mit Lack (durch einen Fachmann!) kann das Anlaufen von Silber verhindern. Doch überwiegen dabei eher die Nachteile, so dass dies nicht empfehlenswert ist.

Reinigung:

Als Reinigungsmittel eignen sich dieselben Produkte wie bei Gold. Alte Sidolreste in den Vertiefungen kann man mit einer weichen Zahnbürste entfernen.

 

4.1.5 Zinn

Auch Zinn ist nur selten anzutreffen (Becher, Teller mit Feuerwehrmotiven).

Reinigung:

Grober Schmutz wird am besten mit warmem Seifenwasser (Kernseife) und einer weichen Bürste entfernt. Handelsübliche Silberputzmittel oder Reinigungspulver zerkratzen die Oberfläche.

Lagerung:

Da das Zinn gegenüber extremen Feuchtigkeits- und Temperaturverhältnissen empfindlich reagiert, sollte es nie längere Zeit bei Temperaturen unter 13 °C aufbewahrt werden.

 

4.1.6 Chrom

Für Chrom gelten dieselben Maßnahmen wie für Gold und Silber auch wenn es grundsätzlich widerstandsfähiger ist.

 

4.2 Holz

Holz gehört auch im Bereich der Feuerwehr zu einem viel verwendeten Werkstoff. Die Bandbreite reicht dabei von einem einfachen Stiel eines Feuerhakens über Leitern und Wägen bis zu einer wertvollen Statue des hl. Florian. Als organisches Material ist es in seiner Erhaltung von zwei Seiten her bedroht. Einerseits durch das Klima, dessen Einwirkung bis zur vollständigen Verwitterung führen kann, zum anderen durch Holzschädlinge (Insekten, Pilze), die das Holz auffressen bzw. zersetzen.

Klimaschäden

Holz reagiert sehr empfindlich auf die Schwankungen von Temperatur und Luftfeuchtigkeit. In feuchter Luft nimmt Holz Wasser auf und vergrößert dadurch sein Volumen. In trockener Luft gibt es Wasser ab und schrumpft. So entstehen bei wechselnden Klimabedingungen mechanische Spannungen im Holz, die sehr schnell zu Rissen und Sprüngen führen.

Schäden durch Holz zerstörende Insekten

Befall durch Holz zerstörende Insekten (Hausbock, Holzwurm), deren Larvengänge das Holz fressen, sind die Ursache. Alle Holzobjekte müssen laufend auf Holzwurmbefall untersucht werden. Am besten kontrolliert man zur Flugzeit der Käfer (April - August), ob durch Abklopfen der einzelnen Teile frisches Holzmehl aus Bohrlöchern fällt. Zu den vorbeugenden Maßnahmen gehört die Behandlung gefährdeter Stücke mit flüssigen Holzschutzmitteln, die durch ihre giftigen Substanzen die Larven und Käfer töten, jedoch die Eier nicht angreifen können. Deshalb muß diese Behandlung nach einigen Wochen und im darauffolgenden Jahr, wenn sich die Larven aus den Eiern gebildet haben, wiederholt werden.

Achtung: Holzschutzmittel sind fast ausnahmslos gesundheitsschädigend. Außerdem greifen sie Metalloberflächen an.

Schäden durch Pilze

Zu unterscheiden sind Schimmelpilze, die auf der Holzoberfläche leben und sich vom Zellinhalt ernähren, jedoch die Holzsubstanz nicht angreifen. Ihre Beläge führen zu Verfärbungen (z.B. Blau-streifigkeit) des Holzes. Weit gefährlicher dagegen sind der echte Hausschwamm und der Kellerschwamm. Diese entwickeln sich sehr schnell und leben auch in trockener Atmosphäre weiter. Um leben zu können, brauchen die Schwämme Wasser, das sie durch Zersetzung des Holzes gewinnen. Da sie nur von der Holzsubstanz leben, führt der Befall dieser Pilze zur völligen Zerstörung des Holzes.

Reinigung und Pflege

Grundsätzlich gilt es zwischen Werkzeugen (Feuerhaken, Beile, etc.) und gearbeiteten Bildwerken (Statuen) zu unterscheiden.

Im Falle von unbemalten Holzstangen, Leitern, Holzspritzen und Wägen kann man durchaus mit Wasser und Reibbürste zu Werke gehen. Metallteile sollten nach Möglichkeit vorher abmontiert und extra gereinigt werden.

Handelt es sich jedoch um feinere Exponate, wie z.B. eine alte wertvolle Statue eines hl. Florian, dann darf diese nur trocken mit einem weichen Haarpinsel oder mit Putzwolle gereinigt werden. Bei bereits abgeblätterten Fassungen (Bemalungen) oder bei Blasenbildung nicht weiter reinigen, sondern einen Restaurator zu Rate ziehen. Abgebrochene Teile so rasch als möglich von einem Restaurator anleimen lassen.

Lagerung, Ausstellung

Lagerung und Ausstellung bei möglichst gleichbleibender Temperatur und Luftfeuchtigkeit (45-55%). Die Luftfeuchtigkeit kann durch Be- und Entlüftungsgeräte relativ stabil gehalten werden, auf die Temperatur ist vor allem bei Betrieb von Raumheizungen zu achten.

Beim Ausstellen ist zusätzlich auf die Beleuchtung zu achten, denn starke Lichtquellen können zum einen durch die Wärmeabstrahlung, zum anderen durch fototechnische Prozesse zu Schäden führen.

 

4.3 Textilien

Textilien kommen bei Feuerwehruniformen sowie Fahnen und Standarten vor. Auch alte Textileimer fallen darunter. Textilien sind besonders empfindlich, sie werden mit zunehmendem Alter brüchig und können schließlich zerfallen. Verschiedene Umwelteinflüsse beschleunigen diesen Vorgang, der nicht mehr rückgängig zu machen ist.

Schadensursache und ihre Auswirkungen

Licht schädigt die Fasern, die ihre Geschmeidigkeit verlieren und brüchig werden. Die Farbstoffe bleiben unter Lichteinwirkung aus und die weißen Materialien gilben.

Falsche klimatische Bedingungen können z.B. bei zu hoher Luftfeuchtigkeit über 60 % zu Schimmelbefall und zur Stockfleckenbildung führen. Anhaltende Trockenheit unter 50 % wiederum kann die Fasern spröde machen.

Schädlinge wie Motten, Silberfischchen, Pelz- und Teppichkäfer fressen Löcher in die Gewebe.

Falsche Reinigung durch chemische Mittel, durch Handwäsche oder in der Waschmaschine kann irreparable Schäden, meist das Schrumpfen des Gewebes zur Folge haben.

Pflege und Aufbewahrung

Die günstigsten klimatischen Bedingungen liegen für Textilien bei 15 - 20 °C und bei einer relativen Luftfeuchtigkeit von 50 - 60 %. Die Schimmelbildung und der Schädlingsbefall können durch gute Belüftung der Schränke und durch Einlegen von Insektizidscheiben oder -streifen verhindert werden. Gut ist es, die Textilien zweimal im Jahr aus dem Kasten zu nehmen und einen Tag lang zu lüften. Da Textilien sehr empfindlich auf Tages- und Kunstlicht reagieren, werden sie am besten im Dunkeln aufbewahrt. In Museen oder anderen Ausstellungsräumen ist bei dauernder Beleuchtung eine Lichtstärke von 50 Lux einzuhalten. Zur Lagerung eigenen sich am besten abgeschlossene (jedoch belüftete) Schränke zum Legen (Uniformhosen, Fahnen, Standarten) oder Hängen (Uniformjacken, -mäntel). Über besonders wertvolle Exponate sollte man einen zugeschnittenen Leinenüberzug geben, keinesfalls dürfen luftundurchlässige Klarsichtsäcke verwendet werden, da ihr Material die Textilien chemisch zersetzt. Richtige, der Schulterform angepasste Kleiderbügel tragen wesentlich zur guten Erhaltung bei. Sie verhindern Falten und Knickbildungen sowie das Verziehen des Stoffes.

Robustere Uniformen können selbst gereinigt werden, solange dies mit einer Kleiderbürste bzw. einem Abroller möglich ist (keinesfalls waschen!).

Im Falle von Fahnen und Standarten sollte man Rücksprache mit einem Textilrestaurator halten.

 

4.4 Papier

Papier ist ein mit Holz und Textilien eng verbundenes Fasermaterial. Es ist gegen mechanische und chemische Einwirkungen sehr empfindlich. Ein abgelaufener Verfallsprozess kann (wie bei Textilien) nicht mehr rückgängig gemacht werden. Die Restaurierung kann nur den Verfall stoppen und Zerstörtes durch Neues ersetzen.

Schadensursachen und ihre Auswirkungen

Gebrauchsschäden entstehen durch unvorsichtigen Umgang mit Papier. Es entstehen Falten, Knicke, Risse, Löcher.

Verschmutzungen rühren von Staub, Ruß, Fingerabdrücken, Tinte, Rost, Fett, Fliegenschmutz usw. her.

Umweltschäden wirken sich umso schlimmer aus, je schlechter die Qualität des Papiers ist. Tageslicht ist für gutes Papier nicht sehr schädlich, bräunt aber schlechtes Papier. Künstliches Licht und direkte Sonneneinstrahlung ermöglichen verschiedene Abbaureaktionen an der Zellulose und bleichen bestimmte Tinten sowie pflanzliche Farbstoffe aus. Zugleich reichert sich das Papier mit Säuren an und beginnt zu zerfallen. Zu hohe Luftfeuchtigkeit unterstützt Bakterien und Schimmelbefall, während zu trockene Luft das Papier brüchig macht.

Chemische Schäden, Säuren in Papier, Tinte oder Druckerschwärze können zersetzend wirken.

Schimmelpilze und Bakterien entwickeln sich bei anhaltender Luftfeuchtigkeit von über 65 % und bei fehlender Luftzirkulation. Die Pilze ernähren sich von der Zellulose und vom Bindemittel. Sie können das Papier vollkommen zerstören.

Durch Verwendung ungeeigneter Materialien entstehen Restaurierschäden, die zum Teil irreparabel sind. Das häufigste Beispiel für diese Schadensursachen ist durchsichtiges Klebeband (Tixo, Tesa) und Klebefolien.

Zerrissenes Papier darf nie mit durchsichtigen oder anderen Klebebändern geklebt werden, Bestandteile des Klebstoffes verfärben das Papier und lassen es brüchig werden.

Keinesfalls darf Papier mit Stecknadeln präsentiert werden.

Insekten

Bücherschränke werden von mehreren Insektenarten bewohnt, die entweder Schimmelpilzfresser (Spinne, Bücherskorpion, Hausmilbe) nützlich oder aber Papier schädigend (Silberfischchen, Schabe, Messingkäfer, Holzwurm) sein können. Als Faustregel gilt, dass sich Insekten, die sich in Buch- und Papierbeständen befinden und nach Spinnentieren aussehen, nützlich sind. Würmer (Larven) und Käfer hingegen sind schädlich.

Auch Nagetiere können in Papierbeständen schlimme Schäden anrichten.

Lagerung

Vorsichtiger Umgang mit Gegenständen aus Papier muß selbstverständlich sein. Beste Klimaverhältnisse sind bei einer Temperatur von 10 - 20 °C und einer relativen Luftfeuchtigkeit von 40 - 65 %. Holzschränke eigenen sich besser als Metallgestelle, da sie selber eine kleine Klimaanlage darstellen und Schwankungen von Wärme- und Feuchtigkeitsverhältnissen ausgleichen können. Zugleich bieten sie Schutz vor Staub, Nagetieren usw. Schadinsekten müssen unbedingt vertilgt werden. Eine Spezialfirma sollte zu Rate gezogen werden.

Keinesfalls dürfen Klarsichtfolien verwendet werden. Diese beinhalten Weichmacher und führen zur Zerbröselung des Papiers. Am besten eignen sich säurefreie Kartons und dazwischengelegtes, säurefreies Papier.

 

5. Fotografien

Fotografien gehören als Spezialfall zum Thema Papier, wodurch sich Gefahren, Umgang und Lagerung weitgehend decken.

Da Reproduktionen leicht herstellbar sind, sollten die Originale in den Depots aufbewahrt werden, am besten einzeln in säurefreien Papiersäckchen in Kartonschachteln.

Prinzipiell können alle Fotolabors Reproduktionen anfertigen, jedoch sollte – da es sich um wertvolles historischen Gut handelt – eine Vertrauensbasis und eine gewisse Erfahrung des Labors im Umgang mit historischen Bildern gegeben sein. Falls man im Besitz einer geeigneten Ausrüstung ist, ist es empfehlenswert, die Fotos selbst abzufotografieren und die Filme ausarbeiten zu lassen.

 

6. Motorbetriebene Fahrzeuge und Geräte

In Anbetracht der Vielfalt der Fahrzeuge und Geräte, den Zuständen dieser und der zukünftigen Verwendungsabsichten ist es kaum möglich, allgemeine Richtlinien zu geben.

Zu unterscheiden ist, ob man motorbetriebene Fahrzeuge und Geräte nur einlagern, ausstellen oder auch betriebsbereit halten möchte.

Lagerung

Die Lagerung ist in sauberen, kühlen, nicht zu hellen Räumen zu empfehlen. Zu große Wärme und Licht wirken sich nachteilig auf Lack und Gummiteile aus. Die Fahrzeuge sollen immer aufgebockt werden, um Fahrgestell, Federn und Räder zu entlasten. Vor der Einlagerung soll eine Grundreinigung durchgeführt werden. Treibstoffe und Motoröl sollen in den Tanks bleiben, um das Durchrosten dieser zu verhindern (Ölwanne für Ölaustritt unterstellen).

Ausstellung

Auch die Ausstellung soll in kühlen, trockenen, nicht zu hellen Räumen erfolgen. Fahrzeuge müssen unbedingt aufgebockt werden.

Fahrzeuge und Geräte sollen in dem Zustand ausgestellt werden, in dem sie während des Gebrauches waren. D. h. gereinigt, jedoch nicht wie neu und auf Hochglanz. Man kann jedoch zur Veranschaulichung ein Foto und eventuell auch einen Plan eines neuwertigen Gerätes neben dem Original zeigen.

Für den Betrieb

Falls ein motorbetriebenes Fahrzeug bzw. Gerät in Betrieb genommen werden soll, braucht es nicht nur eine umfangreiche Kenntnis und anfängliche Wartung und Reparatur, sondern man muss sich regelmäßig um das Fahrzeug bzw. Gerät kümmern, sonst „verkümmert“ es unweigerlich.

Dazu empfiehlt sich, die Lektüre der im „Handbuch“ vorhandenen Fachbeiträge. Jedenfalls ist hier die fachliche Kompetenz eines Mechanikers oder eines guten Gerätewartes (der vielleicht sogar mit diesem Gerät zu tun hatte) unerläßlich.

Da jedes Fahrzeug / Gerät einen Einzelfall darstellt, sollte man sich um fachkundigen Rat bemühen. Die kompetenteste Stelle ist in diesem Bereich das Technische Museum in Wien.

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  1. Mag. Hannes Weinelt, Leiter des Steirischen Feuerwehrmuseums in Groß St. Florian.

 

Ablage unter: Behandlung historischer Objekte

 

Handbuch zur Feuerwehrgeschichte - Ausgabe: Februar 2001/2