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Auszeichnungen für die Feuerwehren in Österreich

Adolf Schinnerl (1)

Mit einer Auszeichnung auf dem Rock wird die einem Feuerwehrmitglied zuteil gewordene öffentliche Anerkennung für alle sichtbar. Es ist dies der einzige Lohn, den die freiwilligen Feuerwehrleute erhalten und sie tragen die Medaillen und Kreuze sichtlich mit Stolz. Sie sind sich ihrer Leistungen bewusst und bezeugen damit gleichzeitig die lang andauernde ehrenamtliche Tätigkeit für ihre Mitbürger und das kameradschaftliche Zusammensein in der Feuerwehrgemeinschaft. Um diese Anerkennung mussten die Feuerwehren allerdings lange und immer wieder ringen.

Ehrenmedaillen für vieljährige verdienstvolle Tätigkeit
auf dem Gebiete des Feuerwehr- und Rettungswesens (2)

 

Vorrecht des Kaisers

Zu Beginn der sechziger Jahre des 19. Jahrhunderts wurden auf dem Gebiet des Kaiserstaates Österreich die ersten freiwilligen Feuerwehren gegründet. Nach einigen Jahrzehnten erfolgreicher Entwicklung war der Wunsch nach einer sichtbaren Auszeichnung für die langjährige Tätigkeit bei den Feuerwehrmännern sehr stark und ging durchaus von der Basis aus. Orden zu vergeben war aber das Vorrecht des Kaisers. Der Weg bis zur „Allerhöchsten Entschließung“ und Stiftung einer Ehrenmedaille war lang und schwierig.

 

Erste Bemühungen

Bereits 1880 bat der „Erste niederösterreichische Feuerwehr-Untersützungs-Verein“ das österreichische k.k. Ministerium des Innern um Schaffung einer staatlichen „Rettungsmedaille für hervorragende Leistungen im Feuerwehr- und Rettungswesen“. Als diese nicht bewilligt wurde, schuf der Verein eigene prachtvolle Abzeichen und verlieh sie den Feuerwehrmännern mit Anhängeplättchen für mehrjährige Vereinszugehörigkeit. Dabei war zu beachten, dass das Abzeichen keine Ähnlichkeit mit den Medaillen des Staates aufweist, da sonst das Tragen verboten worden wäre.

Beim 3. Österreichischen Feuerwehrtag am 8. September 1884 kam es zur Empfehlung, den Feuerwehren zu raten, den Männern als Auszeichnung für 10-, 20- und 25-jährige ununterbrochene ersprießliche Dienstleistung, möglichst im Einvernehmen mit der betreffenden Gemeindevertretung, Anerkennungsdiplome zu überreichen. Als sichtbare Auszeichnung solle man die „Kapitulationsstreifen der Armee“ (Streifen in Dreiecksform auf dem linken Blusenärmel) einführen.

Die Idee, der Staat selbst möge ein „Ehrenzeichen“ stiften, scheint vom Kassier des Feuerwehr-Landes-Centralverbandes für Böhmen, Josef Beuer, Fabrikant für Feuerlöschgeräte in Reichenberg, ausgegangen zu sein. Am 10. Oktober 1866 beantragte er in der Ausschusssitzung seines Verbandes, „dass in Österreich staatliche Ehrenzeichen für 25-jährige Dienstleistung als Feuerwehrmann gegründet würden, so wie dies in Bayern, Sachsen u.s.w. der Fall ist“. Diese Anregung des böhmischen Verbandes war auch Thema bei der Vorbesprechung für den 4. Österreichischen Feuerwehrtag am 21. Februar 1887 in Brünn. Auf Antrag von Reginald Czermack stimmten die Vertreter der Landesfeuerwehrverbände der Schaffung einer „Medaille für 25 Jahre Tätigkeit“ zu.

Diesbezügliche Erkundigungen bei den staatlichen Stellen ergaben ungünstige Auskünfte. Schließlich wollte man auch nicht selbst um eine Auszeichnung bitten, weshalb vom 4. Feuerwehrtag auch kein diesbezüglicher Beschluss gefasst wurde.

Die Frage kam aber in Feuerwehrkreisen nicht zur Ruhe. Anlässlich des 20-Jahre-Jubiläums des Verbandes der mährisch-schlesischen Feuerwehren 1889 wurde auf Antrag von Alois Schwarz, Schriftführer des Deutschen Feuerwehrverbandes in Mähren, am 21. Juli 1889 die Stiftung einer „Medaille zur Erinnerung an das 20-jährige Gründungsfest“ beschlossen, welche vom „Central-Ausschuss für belobte 25-jährige Dienstzeit oder besonders hervorragende Leistungen an Vereinsmitglieder zu verleihen sei“. Die ersten Medaillen gingen an Obmann Dr. Carl Richter und Rudolf M. Rohrer.

Ein Jahr später beabsichtigte Dr. Johann Schauer aus Wels, Obmann des oberösterreichischen Feuerwehrverbandes und Mitglied des Abgeordnetenhauses des Reichsrates, die Stiftung eines Verdienstzeichens für Feuerwehrmänner zu beantragen. Am 14. Mai 1890 sprach er in dieser Sache bei Ministerpräsident Graf Eduard von Taaffe vor. Sein Vorschlag war eine Medaille für 25-jährige ununterbrochene Dienstzeit, nicht aber für besondere Verdienste oder für Lebensrettung. Dafür sollten die Feuerwehrmänner wie alle anderen Staatsbürger behandelt und durch die Feuerwehrauszeichnung nicht von anderen Medaillen ausgeschlossen werden. Von Taaffe ließ verlauten, dass er nicht grundsätzlich gegen eine solche Auszeichnung sei.

 

Aktivitäten des Ständigen österreichischen Feuerwehrausschusses

Am 22. Juni 1890 lag der Sitzung des Österreichischen Feuerwehrausschusses ein diesbezüglicher Antrag aus Oberösterreich vor. Das „Ehrenzeichen“ sollte nach 25 Jahren „tadelloser Dienstzeit“ unter Anrechnung der Militärdienstzeit vom Staat verliehen werden.

Der Landes-Centralverband für Böhmen kam dem Österreichischen Feuerwehrausschuss zuvor und überreichte bereits am 10. August 1890 ein Bittgesuch. Das offizielle Ansuchen des Österreichischen Feuerwehrverbandes vom 29. Oktober 1890 wurde am nächsten Tag Ministerpräsident Graf von Taaffe durch Reginald Czermack und Dr. Carl Richter übergeben.

Der Inhalt und die Argumente sind im wesentlichen die gleichen, wie sie nun seit 15 Jahren vorgebracht werden:

  • Der Wert einer Auszeichnung für 25-jährige aufopferungsvolle Feuerwehrtätigkeit liegt, vor der Feuerwehr und vor der Öffentlichkeit, in einer Stiftung durch den Staat bzw. dessen Allerhöchstes Oberhaupt.
  • Mehrere deutsche Staaten haben eine solche Ehrenmedaille schon gewährt.
  • Eine Auszeichnung für 25 Jahre Dienst würde das Ausharren erleichtern.
  • Dies ist um so wichtiger, als durch das Landsturmgesetz im Kriegsfall die meisten jüngeren Feuerwehrmänner einrücken und die Feuerwehren sich dann auf ältere (auch erfahrenere) Mitglieder stützen müssen, wenn sie ihre für die öffentliche Sicherheit so wichtigen Aufgaben weiter erfüllen sollen.
  • Die Feuerwehr hilft nicht nur bei Bränden, auch bei anderen Katastrophen ist sie die einzige Organisation, auf die sich der Staat stützen kann.
  • Die Feuerwehrmänner arbeiten gratis, es ist daher an sie ein anderer Maßstab anzulegen als an bezahlte Beamte oder sonstwie Lohnabhängige. Wer setzt sonst, außer beim Militär, sein Leben für die Öffentlichkeit ein?
  • Auszeichnungen durch einzelne Gemeinden, die oft nicht getragen werden dürfen, schaffen Ungleichheit.
  • Werden Ältere im Dienst erhalten, kommt dies der Ruhe, Erfahrenheit und Besonnenheit im Einsatz zugute, die Jüngeren werden zu Ausdauer angespornt, Nichtfeuerwehrmänner können zum Beitritt bewogen werden.
  • Die Feuerwehren haben durch die Bildung von Sanitätstransportkolonnen den Transport der Verwundeten von den Lazarettzügen in die Lazarette im Kriegsfall übernommen. Ohne ältere, nicht einrückende Kameraden kann dieser Dienst nicht aufrechterhalten werden.
  • Nur tadellose Dienstleistung soll genügen. Sie soll durch die Feuerwehrbezirksverbände überprüft werden. Die Qualität des Feuerwehrdienstes und des Verhaltens würde also gefördert und käme der Schlagkraft zugute.
  • In Ungarn gibt es seit 1884 eine sogenannte Dienstmedaille, die für 5-, 10- und 15-jährige Dienstzeit verliehen wird und die auf der Uniform getragen werden darf.

Vorgeschlagen war eine Medaille mit schwarz-gelbem Band. Das k.k. Ministerium des Innern bat man, dem Kaiser die „Stiftung eines Ehrenzeichens für langdienende Feuerwehrmänner anzuempfehlen“. Die erhoffte positive Erledigung blieb aus.

So konnte Dr. Schauer am 6. September 1891 dem 5. Österreichischen Feuerwehrtag in Teplitz nur „über die Ansichten des Herrn Ministerpräsidenten“ berichten. Die Delegierten forderten den Österreichischen Feuerwehrausschuss zu „weiteren Schritten“ auf und betonten, dass man nicht mit den bezahlten Beamten in einen Topf geworfen werden wolle.

Die Feuerwehr ließ nicht locker. Am 1. Dezember 1891 erinnerten die Landesverbände von Salzburg und Vorarlberg das k.k. Ministerium des Innern an die Eingabe, am 16. Dezember 1891 verwendete sich der slawische mährisch-schlesische Verband und Vorsitzender Reginald Czermack erinnerte den Ministerpräsidenten am 30. Dezember 1891. Doch Wien schwieg, auch als Czermack am 28. Oktober 1892 erneut an von Taaffe schrieb und nachdem am 15. Mai 1892 der Vertrag zur Aufstellung der „Local-Kranken-Transport-Colonnen“ zwischen Rotem Kreuz und Österreichischem Feuerwehrausschuss geschlossen worden war. Er betont nochmals, Feuerwehrmänner könnten mit Beamten und Bediensteten keineswegs verglichen werden.

Als der Deutsche Kaiser das Protektorat über alle deutschen Feuerwehren übernahm und eine Auszeichnung stiftete, beeilte sich Czermack, dies von Taaffe mitzuteilen. Auch Dr. Schauer hatte am 1. Dezember 1892 beim Ministerpräsidenten wieder vorgesprochen. Diesem war aber „die Sache derzeit politisch nicht durchstehbar“ (Nationalitätenstreit in der Vielvölker-Monarchie) und bedeutete, „die Feuerwehren sollten sich wieder melden, sobald politisch Ruhe eingekehrt ist“. Er ließ erkennen, dass er sich mit der königlichen ungarischen Regierung ins Einvernehmen setzen wolle, und befürchtete, wenn die Feuerwehrmedaille gewährt würde, auch die Beamten sofort eine Auszeichnung verlangen. Dies scheint überhaupt das entscheidende Argument für die Hartnäckigkeit zu sein, mit welchem der Wunsch der Feuerwehren nach einer 25-Jahre-Medaille abgewiesen wurde.

Der Ton in den Protokollen des wahrlich vaterländischen und kaisertreu eingestellten Österreichischen Feuerwehrausschusses wurde nun ungeduldiger und am 3. Dezember 1893 beschloss dieser in Wien eine neue Eingabe. Diese Aktivitäten riefen auch den Ungarischen Feuerwehrverband auf den Plan und es kam zum Gesuch an das königlich ungarische Ministerium des Innern, die ungarische Feuerwehr-Dienst-Medaille auf 25 Jahre zu erweitern. Die ungarische Eingabe „versandete“ im Innenministerium gleich wie die österreichische.

Am 9. März 1894 überreichte Reichsratsabgeordneter Dr. Johann Schauer die neue Petition im k.k. Ministerium des Innern. Zugleich veröffentlichte man den gesamten Text in der „Österreichischen Verbands-Feuerwehr-Zeitung“ und versuchte damit auf das Ministerium auch öffentlich Druck auszuüben. Die seit dem 11. November 1893 unter Ministerpräsident Alfred Fürst zu Windischgraetz gebildete Regierung blieb ebenfalls eine positive Antwort schuldig.

 

Ein Majestätsgesuch

Reginald Czermack bat die Landesfeuerwehrverbände, ihn schriftlich zur Einreichung eines Majestätsgesuches aufzufordern und damit die Dringlichkeit und den allgemeinen Wunsch der Feuerwehren von unten her zu dokumentieren. Bis zum 25. März 1895 schickten alle Landesfeuerwehrverbände, auch der slawisch mährisch-schlesische, die Aufforderungen.

Auch der Ungarische Feuerwehrverband beschloss am 24. März 1895, gemeinsam mit dem Österreichischen Feuerwehrausschuss vorzugehen. Er meinte, das gemeinsame Ziel könne nur durch ein sogenanntes Majestätsgesuch der transleithanischen und zisleithanischen Reichshälften erreicht werden.

Der Österreichische Feuerwehrausschuss beschloss am 2. Februar 1896 die Absendung eines Majestätsgesuches an den Kaiser persönlich. Die Landesfeuerwehrverbände waren aufgerufen, die Reichsratsabgeordneten ihres Gebietes „ohne Unterschied der politischen Farbe um die freundliche Einflussnahme anzugehen“.

Dr. Johann Schauer übergab Ende Mai 1896 in der Kabinettskanzlei das Majestätsgesuch, das prächtigst ausgestattet und in Plüschsamt gebunden war. Am selben Tag überreichte er dem Ministerpräsidenten Graf Kasimir von Badeni eine Abschrift. Reginald Czermack wiederum bat um Unterstützung beim Vorsitzenden des Präsidialbüros im k.k. Ministerium des Innern, Freiherrn von Koerber, und beim Präsidenten der Österreichischen Gesellschaft vom Roten Kreuz, Franz Graf von Falkenhayn.

Nachdem wieder keine Antwort erfolgte und Dr. Schauer am 12. November 1896 in einer Audienz bei von Badeni keine ermunternde Mitteilung erhielt, war klar, dass man im Ministerium die Schaffung eines Ehrenzeichens überhaupt nicht wollte. Die Feuerwehren waren schwer verärgert und enttäuscht. Dr. Schauer empfahl, den Weg einer Audienz beim Kaiser zu beschreiten und dabei Seiner Majestät den Tätigkeitsbericht von 1891 bis 1896 zu unterbreiten. Schließlich wurde auch die Audienz unterbunden.

Am 6. April 1897 beschwerte sich nun der Österreichische Feuerwehrausschuss beim k.k. Ministerium des Innern, dass österreichische Feuerwehrfunktionäre bei der Gewährung staatlicher Auszeichnungen immer wieder unberücksichtigt blieben, in Ungarn hingegen Feuerwehrfunktionäre mit höchsten staatlichen Auszeichnungen bedacht würden, was in der Presse bereits kommentiert werde. Gleichzeitig erinnerte man wieder an die unerledigte Petition um die Stiftung eines Ehrenzeichens für 25 Jahre Feuerwehrtätigkeit.

 

Neuerliche Eingabe mit Medaillenentwürfen

In einer weiteren Eingabe am 30. Dezember 1897 erinnerte Czermack daran, dass auch ungarischerseits ein Majestätsgesuch eingereicht worden sei und auch die tschechischen Verbände sich allen bisherigen Ansuchen um Gewährung der Medaille angeschlossen hätten, die Frage also durchaus jenseits aller politischen Spannungen und Gegensätze stehe. Da die verschiedenen Ministerpräsidenten, bei denen man bisher vorgesprochen hatte, nie eine klare Absage erteilt hatten, legte man sogar drei Entwürfe für die Medaille vor und hatte auch schon Verleihungsbestimmungen verfasst. Man rechnete mit Medaillen für den zisleithanischen und transleithanischen Teil der Monarchie und schlug daher ein gelb-rotes Band als internationale Feuerwehrfarbe vor und erbat einen lateinischen Text. In beigelegten Landesverbandsberichten war mit großer Bitterkeit hingewiesen worden, dass die Feuerwehren für ihre selbstlosen, opferwilligen, freiwilligen und unentgeltlichen Dienste niemals eine Anerkennung erhielten, während staatliche Organe, Militärpersonen und Beamte Dekorationen und Anerkennungen erhielten.

Insgeheim hoffte man auf die Stiftung der Medaille aus Anlass des fünfzigjährigen Regierungsjubiläums Kaiser Franz Josephs am 2. Dezember 1898.

Ministerpräsident Gautsch von Frankenthurn, erst seit dem 28. November 1897 im Amt, empfing am 17. Jänner 1898 alle Mitglieder des Österreichischen Feuerwehrausschusses. Er war nun doch etwas beunruhigt und ließ sich von den Statthaltern und den Landespräsidenten in den Kronländern der zisleithanischen Reichshälfte über Organisation und Aufbau, politische Richtung und Zuverlässigkeit der Feuerwehren und über deren Meinung zur Stiftung einer 25-Jahre-Medaille berichten.

Die meisten „Landeschefs“ sprachen sich durchaus für die Medaillenstiftung aus. Sie würde das Ansehen und den Eifer der Feuerwehren beträchtlich heben. In politischer Hinsicht seien fast alle Feuerwehren tadellos und durchaus loyal, nur bei wenigen komme es hie und da zu Spannungen zwischen deutschen und slawischen Feuerwehren, in anderen Fällen sei zu konstatieren, dass die nationalen und sozialen Gegensätze ihre Schärfe verlieren. Freilich würden bisweilen von Feuerwehren beider Sprachen Paraden zur Propagierung nationaler Ideen ausgenützt.

Am 7. März 1898 trat die Regierung Gautsch zurück und der böhmische Feudalherr Franz Anton Graf Thun und Hohenstein wurde neuer Ministerpräsident. Der Feuerwehrausschuss ließ nicht locker, und bereits am 28. März 1898 wurde das Präsidium vom neuen Ministerpräsidenten empfangen. Die Funktionäre fühlten eine „anerkennenswerte Geneigtheit des Ministerpräsidenten, sich zu diesem langjährigen Herzenswunsche der österreichischen Feuerwehren wohlwollend verhalten zu wollen, zumal seine Excellenz selbst Feuerwehrmann und sogar Feuerwehrkommandant gewesen war“.

Zum Kaiserjubiläum 1898 hat man rund 20.000 Feuerwehrmänner in der Wiener Praterhauptallee antreten und Spalier bilden lassen und in der Rotunde wurden die Landesfeuerwehrkommandanten dem Kaiser vorgestellt, der nur einige belanglose Fragen stellte und zum Feuerwehrwesen nicht viel mehr als „das ist eine äußerst nützliche Einrichtung“ sagte.

 

Große Enttäuschung

Als auch im Jubiläumsjahr für die Feuerwehren keine Medaille, wohl aber am 18. August 1898 eine „Jubiläums-Medaille für Zivilstaatsbedienstete“ und eine „Ehrenmedaille für 40-jährige treue Dienste“ gestiftet wurde, machten sich Enttäuschung, Müdigkeit und Unmut breit. Zudem verbitterte den Österreichischen Feuerwehrausschuss, dass Feuerwehrmänner anlässlich des Jubiläumsjahres nur stiefmütterlich bedacht worden waren. Während 56 Vertreter des Roten Kreuzes höhere Auszeichnung erhalten hatten, wurden nur elf Feuerwehrmänner dekoriert und als Auszeichnungsgrund meistens auch nicht die Feuerwehraktivität angegeben. Schließlich beschloss der Österreichische Feuerwehrausschuss am 4. Juni 1899, in der Sache keine weiteren Schritte mehr zu unternehmen.

Inzwischen hatte das Großherzogtum Baden bereits eine Medaille für 40 Jahre Feuerwehrdienst gestiftet, und anlässlich des Internationalen Feuerwehrkongresses 1900 in Paris mussten die österreichischen Feuerwehrfunktionäre sehen, in welch hervorragender Weise französische Berufs- und freiwillige Feuerwehren von staatswegen mit Auszeichnungen bedacht werden. Weitere Verbitterung war die Folge.

Die allgemeine Resignation teilten allerdings altgediente Feuerwehrfunktionäre nicht. Sie taten sich zusammen und baten den Feuerwehrausschuss beim k.k. Ministerium des Innern die Erlaubnis zu erwirken, dass der Österreichische Feuerwehr-Reichsverband selbst 10-, 20,- und 30-jährige Dienstmedaillen herausgeben dürfe, welche durch die Landesverbände zuerkannt und von der Feuerwehrschaft an der Uniform getragen werden könnten. Diese sollten eine lateinische Inschrift tragen und an einem feuerwehrfarbenen, gelb und rot gestreiften Bande befestigt sein.

Nun antwortete der Innenminister wenigstens einmal, freilich kurz und ohne konkrete Zusagen. Man trat weiterhin auf der Stelle und „die alten Feuerwehrmänner müssen sich mit dem erhebenden Bewusstsein treu erfüllter Pflicht begnügen“, schrieb eine Zeitung. Das Ministerium war nicht gewillt, dem Druck nachzugeben.

Die Schaffung des „Feuerwehr-Verdienstkreuzes“ durch Prinz Luitpold von Bayern am 25. Februar 1901 riss in Österreich die Wunden erneut auf. Kopfzerbrechen machte den Funktionären auch die 1898 gestiftete 40-Jahre-Medaille für Staatsbedienstete, da man der Meinung war, dass diese auch Angehörige der Berufsfeuerwehr erlangen könnten, so dass der paradoxe Fall eintreten würde, dass bezahlte Feuerwehrmänner die Medaille erhielten, die Männer der freiwilligen Feuerwehren aber nicht.

 

Politische Initiative

Am 8. Salzburger Landesfeuerwehrtag am 22. Juni 1902 in Zell am See war gefordert worden, der Landtag solle sich der Medaillenfrage annehmen. Kaiserlicher Rat Julius Haagn, Obmann des Landes-Verbandes der freiwilligen Feuerwehren des Herzogtumes Salzburg und Landtagsabgeordneter, wurde bei Landeshauptmannstellvertreter Dr. Albert Schumacher vorstellig. Bereits am 17. Juli 1902 lag dem Salzburger Landtag ein Antrag von Dr. Schumacher und Genossen vor: Die Früchte eines ersprießlichen Wirkens der Feuerwehren ernte nicht nur der Staat, sondern auch jedes einzelne Kronland (das war ein neues Argument), es sollten daher auch von den Landtagen Anregungen zur Ehrung der Feuerwehrmänner kommen, durch Verleihung von Anerkennungsdiplomen seitens der Landtage bzw. der Landesausschüsse, aber auch durch die Einleitung von Schritten, welche geeignet erscheinen, die Stiftung eines staatlichen Ehrenzeichens zu erreichen.

Der Landesausschuss (Regierung) wurde beauftragt, sich mit den ständigen Ausschüssen in den übrigen Kronländern ins Einvernehmen zu setzen, um gemeinsam geeignete Schritte zur Erlangung eines staatlichen Ehrenzeichens für 25-jährige ununterbrochene und belobte Dienstleistung im Verbande einer freiwilligen Feuerwehr zu unternehmen und dem nächsten Landtage zu berichten.

Der Landesausschuss Salzburg wandte sich nun an alle Landesvertretungen der zisleithanischen Reichshälfte. Diese stimmten alle zu und sandten entsprechende Schreiben an das k.k. Ministerium des Innern und gaben dem Salzburger Landesausschuss auf seine Anfrage nur positive Antworten.

Angesicht dieser Initiative, die der Feuerwehr selbst das Gesetz des Handelns nahm, aber wirksamer war und den Anschein vermied, als bettle sie unwürdig um die Auszeichnung, stellte der VII. Österreichische Feuerwehrtag am 6. September 1902 in Salzburg einen diesbezüglichen Antrag zurück.

Bis zum 26. Juni 1904 schwiegen die staatlichen Behörden. An diesem Tag meinte Haagn in der Sitzung des Österreichischen Feuerwehr-Reichsverbandes, wenn noch keine Erledigung erfolgt sei, liege dies sicher an den politischen Verhältnissen. Er schlug nun eine Interpellation (offizielle Anfrage) an den k.k. Minister des Innern und damit an die Regierung vor, welche Stellung dieselbe zu dieser Angelegenheit nehme.

Am 24. November 1904 fragte der Salzburger Reichsratsabgeordnete Dr. Julius Sylvester mit einigen anderen Abgeordneten den Minister des Innern, ob er geneigt sei, bezüglich der von den Landesvertretungen erbetenen Schaffung eines staatlichen Ehrenzeichens für 25-jährige ununterbrochene und gelobte Dienstleistung im Verband einer freiwilligen Feuerwehr die nötigen Verfügungen zu treffen.

Für die Interpellationsbeantwortung fertigte der zuständige Referent ein langes Exposé an, in dem die wichtigsten bisherigen Bemühungen dargestellt wurden. Nunmehr hatten sämtliche Landeschefs die Stiftung der Medaille befürwortet. Einer der Gründe für die bisherige Ablehnung, die Medaille würde zu einer nicht im Interesse des hohen Ansehens dieser Allerhöchsten Auszeichnung gelegenen Verallgemeinerung führen, treffe nicht zu, daher sei die Schaffung nicht nur gerechtfertigt, sondern geradezu wünschenswert. Der Anspruch wäre bei der politischen Landesstelle anzumelden, in deren Bereich die Feuerwehr liegt, deren Mitglied der Anspruchsberechtigte ist. Diese hätte den Anspruch zu prüfen.

Auch Berufsfeuerwehrmänner und hauptberuflich bei einer freiwilligen Feuerwehr oder einem freiwilligen Rettungskorps Tätige sollten die Medaille unter besonderen Umständen erhalten können, etwa bei besonderem Diensteifer und dergleichen. Am 15. Februar 1905 beantwortete der Minister des Innern, Graf Bylandt-Rheidt, im Abgeordnetenhaus die Interpellation des Dr. Sylvester und Genossen – er werde die Angelegenheit fördern.

Reginald Czermack, nun Ehrenpräsident des Österreichischen Feuerwehr-Reichsverbandes, schlug noch einmal vor, wegen der Mehrsprachigkeit einen lateinischen Text zu wählen, und erbat für das Band die Feuerwehrfarbe „gelb-roth klein gestreift“. Dass dann die orange-gelbe Farbe gewählt wurde, war die Entscheidung des Ministeriums des Allerhöchsten Hauses und des Äußeren, das gegen die Feuerwehrfarben Bedenken erhoben hatte. Dessen Vorschlag, statt eines Kaiserporträts Feuerwehrembleme anzubringen, stimmte man wiederum im Ministerium des Innern nicht zu, da die Medaille auch für Tätigkeiten im Rettungswesen verliehen werden sollte.

Stiftung durch Allerhöchste Entschließung am 24. November 1905

Am 24. November 1905 stiftete Kaisers Franz Joseph die lang ersehnte Feuerwehrauszeichnung. Die Beantragung der Medaille erfolgte durch das k.k. Ministerium des Innern und nicht jenes des Äußeren, da sie nur für die im Reichsrat vertretenen Königreiche und Länder bestimmt war. Die Entschließung und die dazugehörige Verordnung wurde am 2. Dezember 1905, dem 57. Jahrestag der Thronbesteigung des Kaisers, im amtlichen Teil der Wiener Zeitung veröffentlicht:

In der Absicht, verdiente Mitglieder und Bedienstete von Feuerwehren und Rettungskorps durch ein sichtbares Zeichen Allerhöchster Anerkennung zu belohnen, haben Seine k. und k. Apostolische Majestät mit Allerhöchster Entschließung vom 24. November d. J. eine Medaille allergnädigst zu stiften und für deren Verleihung die im nachstehenden Statute dargelegten Grundsätze huldvollst zu genehmigen geruht.“

Statuten der mit Allerhöchster Entschließung vom 24. November 1905 gestifteten Ehrenmedaille für fünfundzwanzigjährige verdienstliche Tätigkeit auf dem Gebiete des Feuerwehr- und Rettungswesens:

§ 1. Die Medaille führt den Namen

 

„Ehrenmedaille für fünfundzwanzigjährige verdienstliche Tätigkeit
auf dem Gebiete des Feuerwehr- und Rettungswesens“.

 

§ 2. Diese Medaille ist aus Bronze, hat einen Durchmesser von 3,2 Zentimeter, zeigt auf der Vorderseite das Brustbild Seiner k. u. k. Apostolischen Majestät, umrahmt zu beiden Seiten von einem von oben herabhängenden, unten offenen Lorbeerkranze, auf der Rückseite in einem gleichfalls mit Lorbeer umrahmten, mit einer Flamme gezierten Schildchen die Inschrift: „XXV“ und als Umschrift: „FORTITUDINI VIRTUTI ET PERSEVERANTIAE“ (= für Mut, Mannestugend und Ausdauer).

Die Medaille wird an einem orangegelben, 39 Millimeter breiten Bande auf der linken Brustseite getragen und rangiert nach der Jubiläums-Medaille für Zivilstaatsbedienstete.

§ 3. Anspruch auf diese Ehrenmedaille haben Personen, welche durch 25 Jahre als aktive Mitglieder einer der in den im Reichsrate vertretenen Königreichen und Ländern bestehenden freiwilligen Feuerwehren oder freiwilligen Rettungskorps angehört und in dieser Eigenschaft eine eifrige und nützliche Tätigkeit entfaltet hat.

§ 4. Die Medaille kann auch Angehörigen einer nicht freiwilligen, beziehungsweise einer Berufsfeuerwehr oder eines nicht freiwilligen, beziehungsweise eines Berufsrettungskorps, ferner Bediensteten einer freiwilligen Feuerwehr oder eines freiwilligen Rettungskorps verliehen werden, welche durch 25 Jahre in einem solchen Verbande oder Dienste gestanden sind und während dieser Zeit besonderen Pflichteifer, anerkennenswerte Hingebung bei Erfüllung der dienstlichen Obliegenheiten und hervorragende Tüchtigkeit an den Tag gelegt haben.

§ 5. Die Medaille wird ohne Unterschied des Ranges, des Standes und des Geschlechtes, jedoch nur an solche Personen verliehen, rücksichtlich welcher nicht nach Maßgabe des § 6 des Gesetzes vom 15. November 1867, RGBl. Nr. 131, die Unfähigkeit zur Erlangung von Orden und Ehrenzeichen vorliegt.

Eine ununterbrochene 25jährige Tätigkeit wird nicht gefordert; desgleichen braucht sich die Tätigkeit ihrer Gesamtdauer nicht auf eine und dieselbe Körperschaft zu beschränken.

§ 6. Der Anspruch (§ 3) auf die Medaille ist von den Bewerbern unter Nachweisung der angeführten Erfordernisse bei der politischen Bezirksbehörde des Aufenthaltsortes geltend zu machen.

Die Beurteilung der Anspruchsberechtigung und die Zuerkennung der Medaille erfolgt durch die politische Landesbehörde.

Behufs Verleihung der Medaille an die im § 4 bezeichneten Personen hat das betreffende Feuerwehrkommando, beziehungsweise die Leitung des betreffenden Rettungskorps bei jener politischen Bezirksbehörde einzuschreiten, in deren Amtsbereich die Körperschaft ihren Sitz hat.

Die Verleihung der Medaille erfolgt auch in diesem Falle durch die politische Landesbehörde.

Gegen eine abweisliche Entscheidung der politischen Landesbehörde ist der Rekurs an das Ministerium des Innern innerhalb vier Wochen zulässig.

§ 7. Das Tragen der Medaille „en miniature“ ist gestattet, das Tragen des Bandes allein ohne Medaille jedoch untersagt.

§ 8. Nach dem Ableben des Besitzers verbleibt die Medaille dessen Erben.

§ 9. Die strafgesetzlichen Bestimmungen über den Verlust von Orden und Ehrenzeichen haben auch auf diese Medaille Anwendung zu finden.

Die Freude bei den Feuerwehren war groß, und am 18. Dezember 1905 dankte der Ständige Ausschuss des Österreichischen Feuerwehr-Reichsverbandes Ministerpräsident Paul Freiherrn Gautsch von Frankenthurn und Minister des Innern Artur Graf Bylandt-Rheidt.

 

Amtsschimmel wieherte

Schon am 28. November 1905 erhielten die Kronländer Abschriften des Statuts und einen Erlass über die Bedeckungsmodalitäten. Die Kosten für die Medaille hatte die Staatszentralkasse vorzustrecken, dann wurden die Beträge den Kronländern aufgerechnet und von diesen getragen. Der vom Künstler Franz X. Pawlik erstellte Prägestempel kostete 435 Kronen. Die Prägung wurde im staatlichen Hauptmünzamt Wien vorgenommen, eine Medaille kam auf 30 Heller zu stehen, ein Band von der Posamentierwarenfabrik Eduard Weinhardt´s Erben in Wien auf 18 Heller.

Der Amtsschimmel drohte die Freude der Feuerwehrmänner arg zu trüben. Das k.k. Finanzministerium stellte sich auf den Standpunkt, die Eingaben unterlägen, da eine Gebührenbefreiung im Statut nicht ausdrücklich ausgesprochen sei, der Gebührenpflicht, die Medaille sei außerdem wohl keine Auszeichnung im eigentlich Sinn, da ein Rechtsanspruch auf sie geltend gemacht werden könne, der sogar mit Rechtsmitteln verfolgbar sei. Mit Ministerialerlass vom 14. Jänner 1906 wurde die Stempelmarke, eine Krone pro Bogen, für die Gesuche vorgeschrieben.

Dies rief in allen Kronländern Empörung und Verstimmung hervor. Wenn man vom Kaiser ausgezeichnet und bedankt werde, wolle man keineswegs dafür bezahlen. Die Stempelmarkenpflicht stehe im Widerspruch zur Intention des Kaisers, nach der den Feuerwehrmännern eine Belohnung zukommen, nicht aber eine Belastung auferlegt werden solle, intervenierte der Feuerwehr-Reichsverband. Mit Erlass des k.k. Finanzministeriums vom 24. April 1906 wurde die peinliche Affäre beendet: Wenn die Feuerwehr die Listen der zu Beteilenden einreicht, diese selbst nicht unterschreiben und die Gemeinde die Angaben bestätigt, entfällt die Stempelmarkenpflicht.

Die Anzahl der zu Beteilenden hatte man gründlich unterschätzt: Im März 1906 hielt man bereits bei 27.485 Medaillen, im ganzen brauchte man, bis der erste Bedarf gedeckt war, an die 40.000 Stück. Anfangs scheinen die Bezirkshauptleute die Auszuzeichnenden in ihre Amtsräume eingeladen zu haben, bald bemühte man sich aber, die Medaille bei festlichen Anlässen der Feuerwehren zu überreichen. Bisweilen delegierten Bezirkshauptleute die Überreichung auch an hohe Feuerwehrfunktionäre.

 

Ungarn im Nachteil

Die ungarischen Feuerwehren hatten schon 1884 die Dienstmedaille für 5-, 10- und 15-jährige Tätigkeit erhalten, wurden jetzt aber bei der 25-Jahre-Medaille nicht einbezogen. Das rief auch deren Funktionäre wieder auf den Plan. Sie wandten sich an den ungarischen Ministerpräsidenten und regten unter Hinweis auf Zisleithanien die Stiftung einer solchen Medaille auch für die Länder der ungarischen Krone an. Der Kaiser stiftete aber erst am 27. Mai 1911 die gewünschte Medaille, nachdem er auf der Belassung des orangegelben Bandes bestanden hatte. Der Text des Statuts gleicht jenem für die österreichische Medaille weitgehend. Von 1916 an wurden in Ungarn zusätzlich noch die Ehrenmedaillen für 35- und 45-jährige Dienstzeit verliehen.

 

Die Erste Republik schafft 1918 die kaiserliche Medaille ab

Die nach Kriegsende 1918 ausgerufene Republik Deutschösterreich hatte für die Feuerwehrmänner zum ersten Nachkriegsweihnachtsfest eine bittere Überraschung: Das Deutschösterreichische Staatsamt des Innern schaffte mit Verfügung gerade vom 24. Dezember 1918 die Medaille, da aus der monarchistischen Zeit stammend, ab. „Im Hinblicke auf die durch das Gesetz vom 12. November 1918, RGBl. Nr. 5, vollzogene Änderung der Staats- und Regierungsform von Deutsch-Österreich ist in Hinkunft die Ehrenmedaille nicht mehr zu verleihen, auch wenn der Anspruch auf die Verleihung schon vor der Verkündigung der Republik gegeben war“, wurde den Feuerwehren mitgeteilt. Weitere Ansuchen waren zu unterlassen, das Tragen der Medaille aber nicht verboten worden.

Gleich scheint man aber das Verleihungsverbot nicht ernst genommen zu haben, denn am 6. Februar 1919 noch heftete der Obmann des Bezirksfeuerwehrverbandes Tulln in Niederösterreich, Michael Muthsam, in Wolfpassing die Medaille einigen Kameraden an die Brust.

25- und 40-Jahre-Medaille der Ersten Republik

Dass das Wirken der freiwilligen Feuerwehren und ihre Hingebung für das allgemeine Wohl nicht von einer Medaille abhängig sei, war für die Feuerwehren wenig Trost. Sie waren um so verbitterter, als zahlreiche Ehrentitel aus der Zeit der Doppelmonarchie weiterverliehen wurden, während man ihnen die einzige Anerkennung entzog. Schon im April 1919 wurde die Forderung, die Republik möge ein Ehrenzeichen für 25 Jahre Feuerwehrtätigkeit einführen, laut und im Laufe des Jahres vermehrten sich diesbezügliche Anträge. Der Druck wuchs, da man hörte, dass die deutsche Reichsregierung bereits der Weiterverleihung des Feuerwehr-Ehrenzeichens zugestimmt hatte. Bei der ersten Nachkriegssitzung des Österreichischen Reichsverbandes für Feuerwehr- und Rettungswesen am 24. August 1920 wurden die Anträge eingebracht und um entsprechende Schritte gebeten. In der Folge versuchte man, die Wiedereinführung über den Weg der Politiker zu erreichen, die ja nun in der Republik weit mehr zu sagen hatten.

Am 1. Juni 1921 übernahm es Karl Jukel, im Bundesrat für die Sache zu wirken. Er war vorher niederösterreichischer Landtags- und dann Reichsratsabgeordneter, Vizepräsident des Abgeordnetenhauses, dann Staatssekretär für Verkehrswesen in der Provisorischen Nationalversammlung und nun Mitglied des Bundesrates und am 6. Juli 1922 wurde er Landesfeuerwehrkommandant von Niederösterreich. Ein Antrag Jukels war bereits am 11. Juli 1921 im Ausschuss für Verfassungs- und Rechtsangelegenheiten behandelt und einstimmig angenommen worden, und am 20. Juli 1921 nahm der Bundesrat einstimmig den Antrag der Bundesräte Jukel, Zwetzbacher, Dr. Rehrl und Genossen an, „die Bundesregierung wird aufgefordert, die entsprechenden Schritte zur Schaffung eines Ehrenzeichens für 25-jährige und 40-jährige treue und eifrige Feuerwehr- und Rettungsdienste in die Wege zu leiten“.

Inzwischen hatte auch Dr. Rudolf Lampl, Vorsitzender des Österreichischen Reichsverbandes für Feuerwehr- und Rettungswesen, dem Bundeskanzleramt einen ähnlichen Antrag übermittelt, aber eine Medaille für 25, 40 und 50 Jahre mit deutscher Inschrift erbeten, die Art der Ausführung der Behörde anheimgestellt. Dem Antrag hatten sich auch die Landesregierungen von Niederösterreich, Salzburg und Steiermark angeschlossen.

Das Bundesministerium für Inneres und Unterricht reagierte durchaus positiv. Das Verhalten der Beamtenschaft ist mit der aus der Kaiserzeit gewohnten nicht mehr vergleichbar. „Das Fehlen jeder Möglichkeit, Verdienste für das öffentliche Wohl staatlicherseits entsprechend zu würdigen, wird von der Verwaltung als schwerer Mangel empfunden. Der Wunsch nach Einführung eines Ehrenzeichens verdient daher volle Beachtung. Ein solches müsse abgesondert von anderen Auszeichnungswünschen behandelt werden, weil es sich nicht um einzelne besondere Leistungen, sondern um die Anerkennung des Dienstes einer langen Reihe von Jahren handle“, argumentierte sie.

Bereits am 14. September 1921 übersandte das Ministerium dem Bundeskanzleramt einen Gesetzes- und einen Verordnungstext, am 29. November 1921 ermächtigte der Ministerrat den Bundesminister für Unterricht, Dr. Waber, den Gesetzesentwurf im Nationalrat, so hieß der ehemalige Bundesrat nun, einzubringen, der Bundesminister für Finanzen sagte die Herstellung des Ehrenzeichens auf Kosten des Bundes zu. Da auch noch andere Auszeichnungsgesetze zur Beratung anstanden, verging bis zur endgültigen Beschlussfassung noch ein ganzes Jahr.

 

Erste Prägung 1923

Am 3. November 1922 wurde das Bundesgesetz über die Schaffung eines Ehrenzeichens für 25-jährige und 40-jährige eifrige und ersprießliche Tätigkeit auf dem Gebiete des Feuerwehr- und Rettungswesens erlassen und mit der Verordnung der Bundesregierung vom 15. Juni 1923 eingeführt.

„§ 1. Das Ehrenzeichen führt den Namen

Österreichische Medaille für vieljährige eifrige und ersprießliche Tätigkeit
auf dem Gebiete des Feuerwehr- und Rettungswesens

und wird in gesonderter Ausstattung für eine

25-jährige und für eine 40-jährige verdienstliche Betätigung“

auf diesem Gebiete verliehen.

§ 2. (1) Das Ehrenzeichen für eine 25-jährige eifrige und ersprießliche Tätigkeit auf dem Gebiete des Feuerwehr- und Rettungswesens ist eine Medaille aus Bronze, hat einen Durchmesser von 3,2 cm, zeigt auf der Vorderseite das Staatswappen, umrahmt von beiden Seiten von einem von oben herabhängenden unten offenen Lorbeerkranze, auf der Rückseite in einem gleichfalls mit Lorbeer umrahmten mit einer Flamme gezierten Schildchen die Inschrift „25“ und als Umschrift: „Für verdienstliche Tätigkeit auf dem Gebiete des Feuerwehr- und Rettungswesens“.

(2) Das Ehrenzeichen für eine 40-jährige verdienstliche Betätigung auf diesem Gebiete ist eine in der Ausführung derjenigen für 25-jährige Betätigung gleichgehaltene versilberte Medaille, bei welcher das Schildchen die Inschrift „40“ enthält.

(3) Beide Ehrenzeichen werden an einem 4 cm breiten, dreieckig zusammengelegten, orangegelben Bande auf der linken Brustseite getragen und rangiert das Ehrenzeichen für 25-jährige nach dem Ehrenzeichen für 40-jährige eifrige und ersprießliche Tätigkeit auf dem Gebiete des Feuerwehr- und Rettungswesens.

§ 3. (1) Für die Verleihung des Ehrenzeichens kommen Personen in Betracht, die während des angegebenen Zeitraumes als Mitglieder einer in der Republik Österreich bestehenden freiwilligen Feuerwehr oder einer freiwilligen dem Rettungswesen dienenden Körperschaft eine eifrige und ersprießliche Tätigkeit entfaltet haben, oder als Angehörige einer Berufsfeuerwehr oder eines Berufsrettungskorps, ferner als Bedienstete einer freiwilligen Feuerwehr oder eines freiwilligen Rettungskorps besonderen Pflichteifer, anerkennenswerte Hingebung bei Erfüllen der dienstlichen Obliegenheiten und hervorragende Tüchtigkeit an den Tag gelegt haben.

(2) Das Ehrenzeichen kann auch verliehen werden, wenn die Mitgliedschaft oder die Tätigkeit, die zur Anerkennung gelangen soll, nicht während ihrer gesamten Dauer auf eine und dieselbe Körperschaft beschränkt war.

(3) Personen, die mit der bestandenen Ehrenmedaille für 25-jährige Tätigkeit auf dem Gebiete des Feuerwehr- und Rettungswesens beteilt wurden, kommen für eine Verleihung der neuen Ehrenmedaille für 25-jährige Betätigung auf diesem Gebiete nicht in Betracht.

(4) Das Ehrenzeichen wir ohne Unterschied des Standes und Geschlechtes nur an Personen verliehen, die nicht infolge strafgerichtlicher Verurteilung von der Erlangung eines öffentlichen Amtes ausgeschlossen sind.

§ 4. Die Verleihung des Ehrenzeichens erfolgt über Antrag der politischen Bezirksbehörde, in deren Amtsbereich die Körperschaft ihren Sitz hat, durch den Landeshauptmann. Die Medaille wird nach vorherigem Ersatz der jeweils bekanntzugebenden Gestehungskosten den mit derselben Beliehenen in das Eigentum übergeben. Ebenso wird den Besitzern dieser Medaille über Wunsch und gegen vorherigen Erlag eines Ausfertigungspauschales, dessen jeweilige Höhe den Interessenten bekanntgegeben wird, eine besondere Verleihungsurkunde ausgefertigt werden.

§ 5. Die Verurteilung zu einer gerichtlichen Strafe, die die Unfähigkeit zur Erlangung eines öffentlichen Amtes zur Folge hat, zieht den Verlust der Berechtigung zum Tragen des Ehrenzeichens nach sich. Das Verleihungsdekret ist in diesem Falle einzuziehen.“

Die Medaillen waren jener des Jahres 1905 weithin nachempfunden und das orangegelbe Band wurde beibehalten. Die Herstellung erfolgte wieder im Hauptmünzamt Wien, Graveur war Franz Kounitzky. 1925 kosteten die Bronzemedaillen 60 Groschen, die Silbermedaillen einen Schilling. Hatte 1905 der Berechtigte selbst (später die Feuerwehr) anzusuchen, und hatte damals ein Rechtsanspruch bestanden, der auch einklagbar war, so war nun ein Rekursrecht nicht vorgesehen. Damit entfiel auch von vornherein die Stempelmarkenpflicht. Die Verleihung war der freien Entschließung der verleihenden Stelle anheimgestellt – jetzt der Landeshauptmann und früher die Statthalterei.

Die Auszuzeichnenden wurden nun von den Feuerwehren in Listen, getrennt für 25 und 40 Jahre, eingetragen. Der jeweilige Obmann war unter ehrenwörtlicher Haftung für die Richtigkeit der Angaben verantwortlich. Die Bezirksobmänner reichten die Listen mit einem Gesuch bei den Bezirkshauptmannschaften ein. Die Dekorierung sollte in der Regel einmal jährlich gelegentlich der Bezirksfeuerwehrtage stattfinden. Obwohl der Finanzminister die Finanzierung durch den Bund zugesagt hatte, bestimmte das Gesetz, dass die Kosten für Medaille und Urkunde von den Beteilten vorher zu ersetzen waren. Letztendlich haben aber die Landesfeuerwehrverbände die Kosten getragen und die Peinlichkeit einer Selbstbezahlung durch die Ausgezeichneten vermieden.

Mit den Verordnungen vom 4. März 1924 und 7. Juli 1931 wurde die erste geringfügig ergänzt. In § 3 wurde nun verfügt, dass nicht die ganze Zeit, wohl aber mindestens fünf Jahre bei einer Feuerwehr auf österreichischem Bundesgebiet gedient sein musste, ebenso wurden Kriegsdienstleistung und Kriegsgefangenschaft eingerechnet, wenn nach Beendigung derselben der Feuerwehrdienst sofort wieder aufgenommen wurde. 1930 verbot das Bundeskanzleramt die Beteilung von unterstützenden und bloßen Ehrenmitgliedern, da sich der Bewerber ja persönlich eifrig und ersprießlich betätigt haben müsse und eben eine persönliche Dienstleistung erforderlich sei.

 

Zweite Prägung 1934

Nach der neuen Verfassung vom 1. Mai 1934 wurde auch das Staatswappen geändert. Es erfolgte daher die Neuprägung der Medaillen vom Münzamt Wien mit dem nunmehrigen Bundeswappen, das den zweiköpfigen Adler trug und von Graveur Richard Placht geschaffen wurde. Die Versendung nahm in jenen Jahren der jeweilige Landesfeuerwehrverband und nicht das Amt der Landesregierung vor.

 

Nationalsozialistische Ära 1938 - 1945

Nach dem 12. März 1938 wurde die Verleihung der österreichischen Feuerwehrmedaillen zunächst teilweise wie bisher vorgenommen, am 5. August 1938 jedoch verfügt, dass von einer weiteren Verleihung Abstand zu nehmen sei.

Während der nationalsozialistischen Zeit wurde auch in der Ostmark für 25 Dienstjahre in der Feuerwehr die 2. Klasse des am 30. Jänner 1938 gestifteten deutschen „Feuerwehr-Ehrenzeichen“ verliehen. Das Ehrenzeichen war ein gleicharmiges Kreuz, weiß emailliert und mit einem zinnoberroten Flammenkreuz belegt, trug in der Mitte über einem runden Knopf ein schräghängendes Hakenkreuz, ein Schriftring mit der Legende „Für Verdienste im Feuerlöschwesen“ umspannte des Kreuz, das an einem weißen Band mit rotorangen ca. 7 mm breiten Seitenstreifen und anschließenden dunkelroten 2-mm-Kanten getragen wurde.

 

Die Stiftung der Medaillen durch die Zweite Republik

Im ersten Nachkriegsjahr hatte man andere Sorgen als die Verleihung von Medaillen, aber schon 1947 kam von den verschiedensten Seiten der Wunsch, die alten Medaillen samt dem orangegelben Band wieder einzuführen. Da das feuerwehrliche Rettungswesen 1938 dem Roten Kreuz zugeordnete wurde, wollte man von dieser Seite, dass der Ausdruck „Rettungswesen“ weggelassen werde. Erstmals beschäftigte sich der Österreichische Bundes-Feuerwehrausschuss mit dieser Frage am 10. November 1947. Am 12. Februar 1948 wurde das Innenministerium um eine grundsätzliche Stellungnahme gebeten. Dieses teile am 6. Juni 1948 im Einvernehmen mit dem Bundeskanzleramt mit, dass die seinerzeitigen Bestimmungen nicht mehr angewendet werden und eine neue gesetzliche Grundlage zu schaffen sei. Falls abändernde oder ergänzende Bestimmungen gewünscht werden, sollten diese bekanntgegeben werden.

Sofort bat der Bundes-Feuerwehrausschuss die Landesfeuerwehrverbände um Stellungnahme. Alle begrüßten die Wiedereinführung. Verschiedenste Vorschläge wurden eingereicht: Das Feuerwehrreferat Mühlviertel wollte auch eine Medaille für 50 Jahre und die orangegelbe Farbe durch eine andere Farbe oder durch eine Kombination von Farben ersetzen. Graz schlug zugleich eine Auszeichnung vor, die man z.B. zu Tagungen des Internationalen Feuerwehrverbandes mitnehmen und für die persönlichen Verdienste sowie für die Lebensrettung verleihen könnte. Salzburg regte an, nicht die Dienstjahre, sondern die wirklichen Verdienste zu belohnen und statt einer Medaille eine Auszeichnung in Kreuzesform zu schaffen. Vorarlberg und Steiermark meinten, das Rettungswesen habe wegzubleiben, da Feuerwehr und Rettung nun völlig getrennte Organisationen seien. Die Steiermark wollte sichergestellt haben, dass Zeiten, während welcher ein Feuerwehrmann aus politischen Gründen aus der Feuerwehr ausgeschlossen war, angerechnet würden.

Die Wünsche wurden am 12. August 1948 zusammengefasst. Die Art und Form der Medaillen solle tunlichst jener entsprechen, die 1922 festgelegt worden war. Die verlorenen Dienstzeiten zwischen 1938 und 1945 sollten angerechnet werden. Der niederösterreichische Landesfeuerwehrkommandant Karl Drexler wurde zum Sachbearbeiter in der Medaillenfrage bestimmt. Er intervenierte wiederholt bei den Behörden, diese ließen sich aber Zeit.

Am 11. Jänner 1949 passierte der Gesetzesentwurf den Ministerrat und wurde dem Nationalrat zugeleitet, der am 9. März 1949 das Gesetz in der vorgeschlagenen Fassung beschloss. Er schloss sich wörtlich der Tradition von 1923 an und ließ auch das Rettungswesen im Text. Da sich der Alliierte Rat nicht einigen konnte, trat das Gesetz erst nach einer 31-Tage-Frist in Kraft. Ausstattung und Verleihungsbedingungen wurden erst von der Bundesregierung mit der 52. Verordnung vom 13. Dezember 1949 festgelegt, welche jedoch im Bundesgesetzblatt erst am 8. März 1950 veröffentlicht wurde. Grund dafür war, dass die Frage der Finanzierung der Medaillen und der dazugehörigen Diplome nicht geklärt war. Damit die Durchführung nicht noch weiter verzögert werde, erklärten sich die Landesfeuerwehrverbände wieder zur Kostenübernahme bereit, wollten diese aber von den Landesregierungen refundiert bekommen.

Das Ehrenzeichen führt wieder den Namen

„Österreichische Medaille für vieljährige eifrige und ersprießliche Tätigkeit
auf dem Gebiete des Feuerwehr- und Rettungswesens“.

und wird in gesonderter Ausstattung für eine

25-jährige und für eine 40-jährige verdienstvolle Betätigung

verliehen.

Es wird auch wieder am orangegelben Band getragen und durch den Landeshauptmann auf Antrag der Bezirksverwaltungsbehörde unter gleichzeitiger Übermittlung einer Urkunde verliehen und geht in den persönlichen Besitz über.

Der Medaillenentwurf war weitgehend an jenen der Ersten Republik angeglichen, das Wappen der Zweiten Republik, der Adler mit der gesprengten Kette, wurde übernommen. Die Prägung der Medaillen sollte wie 1905, 1923 und 1934 im staatlichen Münzamt Wien erfolgen. Da die Feuerwehr für die Kosten aufzukommen hatte, erwirkte sie die Erlaubnis, die kostengünstigere Prägung von der Privatfirma Ulbricht Hein´s Witwe Ges.m.b.H. in Kaufing bei Schwanenstadt durchführen zu lassen. Der ÖBFV bestellte vorerst 70.000 Stück. Die Auslieferung erfolgte an die Landesfeuerwehrverbände, welche die Medaillen den Landesregierungen zur Verfügung stellten.

Die Feuerwehren meldeten nunmehr die Kandidaten auf eigenen, vom Feuerwehrkommandanten und Bürgermeister unterschriebenen Anmeldeformularen dem Bezirksfeuerwehrverband, der überreichte die Anträge der Bezirkshauptmannschaft, die sie prüfte und samt einer Stellungnahme dem Amt der Landesregierung übermittelte. Medaillen und Urkunden wurden daraufhin der Bezirkshauptmannschaft zugeleitet.

Der 2. Ordentliche Bundesfeuerwehrtag am 17. Juni 1950 in Gmunden stand im Zeichen der Erledigung dieser langwierigen Angelegenheit, mit der Wiedereinführung der Medaille war ein Herzenswunsch zehntausender verdienter Feuerwehrmänner erfüllt. In ganz Österreich wurden die Medaillen verliehen, und da ein Nachholbedarf von mehreren Jahren bestand, wurden bis Ende 1950 rund 17.000 Feuerwehrmänner dekoriert.

 

Medaillen der Republik sind verfassungswidrig

Das Problem trat bereits bei der Frage der Kostentragung für die Medaillen auf. Da das Feuerwehrwesen Landessache sei und daher die gesetzliche Deckung zur Übernahme der Kosten durch den Bund fehle, lehnte das Bundesministerium für Finanzen diese ab.

Dem Föderalismus verpflichtet, griff die Vorarlberger Landesregierung das Rechtsproblem auf. Sie sei aus verfassungsrechtlichen Gründen gegen ein staatliches Ehrenzeichen und erwäge die Herausgabe einer Landesmünze, wurde dem Landesfeuerwehrverband am 6. Juli 1950 mitgeteilt. Das löste bei den Feuerwehren eine große Betroffenheit aus, da diese das gesamtösterreichische Ehrenzeichen haben wollten. Nach der Rücktrittsdrohung der Vorarlberger Feuerwehr-Verbandsleitung gestattete zwar die Landesregierung die Medaillen auszugeben, beschloss aber am 12. September 1950, sich an den Verfassungsgerichtshof zu wenden und feststellen zu lassen, ob sie berechtigt sei, die Feuerpolizeiordnung LGBl. 16/49 durch folgenden Paragraphen zu ergänzen: „§ 32 a. Für verdienstvolle Tätigkeiten für die Feuerwehr werden Landesehrenzeichen verliehen, deren Ausstattung und Verleihungsbedingungen durch Verordnung bestimmt werden“.

In der Verhandlung des Verfassungsgerichtshofes am 12. Dezember 1950 bekam die Vorarlberger Landesregierung recht.

Argumente der Bundesregierung:

  1. Laut Staatsgrundgesetz vom 21. Dezember 1867 (RGBl. Nr. 145) hatte der Kaiser ein über die Regierungs- und Vollzugsgewalt zugestandenes Recht der Verleihung von Titeln, Orden und sonstigen staatlichen Auszeichnungen.
  2. Diese Recht des Kaisers ist nach Abschaffung der Monarchie zunächst auf den Staatsrat, später auf die Staatsregierung und schließlich gemäß § 7 Verfassungsüberleitungsgesetz 1920 auf die Bundesregierung übergegangen.
  3. Außerdem besagt Artikel 65 Absatz 3 Bundesverfassungsgesetz, dass besondere Gesetze bestimmen, inwieweit dem Bundespräsidenten Befugnisse hinsichtlich der Gewährung von Ehrenrechten zustehen. Solche Bestimmungen können aber nur durch Bundesgesetze geschaffen werden.

Feststellung der Verfassungsrichter:

Die Schaffung von Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich und für Verdienste auf Sachgebieten, die in der Vollziehung Bundessache sind, steht der Bundesgesetzgebung zu.

Die Schaffung von Ehrenzeichen für Verdienste um ein einzelnes Land und für Verdienste auf Sachgebieten, die in der Vollziehung Landessache sind, steht der Landesgesetzgebung zu.

Daraufhin beschloss die Vorarlberger Landesregierung am 24. April 1951, die Aufhebung des Gesetzes vom 9. März 1949 zu beantragen und teilte dies auch den anderen Landesregierungen am 4. Mai 1951 mit. Nun wollte der ÖBFV wenigstens die Einheitlichkeit des Aussehens der Medaille retten und das Bundeswappen als Zeichen einer Anerkennung der Feuerwehrtätigkeit durch den Gesamtstaat, und nicht „nur“ durch das Bundesland, erhalten wissen. Er war auch bestrebt, eine Unterbrechung der Dekorierungen zu vermeiden. Der 3. Ordentliche Bundesfeuerwehrtag in Deutschlandsberg verabschiedete am 16. Juni 1951 an das Bundeskanzleramt und an die Landesregierungen eine diesbezügliche Resolution.

Am 29. September 1951 wurden durch Verlautbarung im Bundesgesetzblatt das Bundesgesetz vom 9. März 1949 und die Durchführungsverordnung vom 13. Dezember 1949 außer Kraft gesetzt. Mit diesem Tag der Verlautbarung war die Verleihung der Medaillen endgültig einzustellen.

Nun mussten landesgesetzliche Bestimmungen formuliert werden. Die Feuerwehrfunktionäre kämpften weiter um das Bundeswappen in den Medaillen als gesamtösterreichische Auszeichnung. Den Ländern wurde das Recht zugesprochen, beim Innenministerium darum anzusuchen. Die Landespolitiker entschieden aber unterschiedlich und seither gibt es die verschiedenen Feuerwehrmedaillen als

Landesauszeichnungen

Bezüglich der Gestaltung der Medaille entsprachen vorerst alle Länder außer Vorarlberg der Bitte des ÖBFV nach einer Angleichung an die Bundesmedaille des Jahres 1949. Die Maße blieben mit 32 mm gleich, außer Vorarlberg übernahmen sie fast unverändert die charakteristische Rückseite, auch das orangegelbe Band wurde allgemein übernommen. Beim Bundeswappen auf der Vorderseite blieben vorerst die Länder Burgenland, Niederösterreich, Steiermark und Wien, für das Landeswappen entschieden sich Kärnten, Oberösterreich, Salzburg, Tirol und Vorarlberg. Alle Bundes- und Landeswappen sind mit einem nach unten offenen Lorbeerkranz umrahmt, ausgenommen Vorarlberg, das die Umschriftung „Land Vorarlberg“ wählte und zusätzlich auf der Rückseite neben dem Text ein Bildnis des hl. Florian anbrachte.

Nun war auch der Weg frei für schon früher geäußerte Wünsche nach einer 50-Jahre-Medaille. Die Lebenserwartung stieg stetig an und auch die Feuerwehrtätigkeit konnte sich in der neuen Friedenszeit kontinuierlich entwickeln. Die Zahl der Mitglieder mit einer 50 Jahre dauernden Feuerwehrtätigkeit erhöhte sich von Jahr zu Jahr. Der ÖBFV engagierte sich in dieser Frage kaum mehr, verwies auf die Kompetenz der Länder und beschloss, die Angelegenheit sich entwickeln zu lassen. 1970 regte er über Antrag des Fachauschusses Freiwillige Feuerwehren die allgemeine Einführung einer 50-Jahre-Medaille dennoch an.

Mit Landesgesetz vom 25. November 1964 stiftete der Tiroler Landtag als erster eine Medaille für 50 Jahre Feuerwehrdienst, änderte zugleich die Graphik und zierte die Medaille mit dem knieenden hl. Florian. Das orangegelbe Band für die 50-Jahre-Medaille hat einen weißen und einen roten Streifen.

Die Steiermark veränderte 1970 die Medaille durch Einprägung des Landeswappens und führte die 50-Jahre-Medaille an einem weiß-grünen Band ein. 1985 wurde die Vergabe um die Medaille für 60-jährige Tätigkeit erweitert.

Das Burgenland und Wien stellten 1971 die Medaille auf das Landeswappen um.

Niederösterreich schuf 1972 die 50-Jahre-Medaille und gestaltete das Aussehen neu: die Ausführung ist für Feuerwehr- und Rettungsmitglieder verschieden, die Vorderseite für die Feuerwehr trägt neben dem Landeswappen die bildliche Darstellung des hl. Florian, jene für das Rettungswesen das Rettungssymbol, ein gleicharmiges Kreuz.

Die Medaille für 50-jährige Tätigkeit wird in Oberösterreich seit 1994 und in Vorarlberg seit dem Jahr 2000 vergeben.

Das Burgenland, Kärnten, Salzburg und Wien haben bis jetzt außer den 25- und 40-Jahre-Medaillen keine weiteren Landesauszeichnungen eingeführt.

Die letzte Gemeinsamkeit der Auszeichnungen aller neun Bundesländer war lange das organgegelbe Band. Das hat sich inzwischen auch geändert und die Entwicklung der Feuerwehrmedaillen, welche im Jahr 1905 begonnen hat, scheint noch immer in Fluss zu sein.

 

Gesamtentwicklung der Feuerwehrmedaille:

Diese mit einer nun schon großen Tradition behaftete Medaille hat den Wandel der Staatsformen, hat Kriege und Zeiten politischer Wirrnisse überstanden und den Gegebenheiten unserer Zeit entsprechende Ausformungen und Erweiterungen erfahren.

Gesamtstaat:

 

1905:

„Ehrenmedaille für fünfundzwanzigjährige verdienstliche Tätigkeit
auf dem Gebiete des Feuerwehr- und Rettungswesens

 

24. 11. 1905, Stiftung der Medaille durch Allerhöchste Entschließung Kaiser Franz Josephs, Statut; Wiener Zeitung vom 2. 12. 1905.

24. 12. 1918, Einstellung der Verleihung durch Verfügung des deutsch-österreichischen Staatsamtes des Innern.

 

1922:

Österreichische Medaille für vieljährige eifrige und ersprießliche Tätigkeit
auf dem Gebiete des Feuerwehr und Rettungswesens

(gesonderte Ausstattung für 25- und 40-jährige Betätigung).

Gesetz vom 3. 11. 1922, BGBl. 14/1923;

Durchführungsverordnung vom 15. 6. 1923, BGBl. 309/1923;

Änderung der Verordnung vom 4. 3. 1924, BGBl. 99/1924;

Änderung der Verordnung, vom 7. 7. 1931, BGBl. 187/1931.

Das Bundeskanzleramt beauftragte am 12. 2. 1935 das Hauptmünzamt mit der Neuprägung der Medaille mit dem Doppeladler des neuen Staatswappens, das die am 1. 5. 1934 inkraftgetretene Verfassung bestimmte.

 

1949:

Österreichische Medaille für vieljährige eifrige und ersprießliche Tätigkeit
auf dem Gebiete des Feuerwehr und Rettungswesens“

(gesonderte Ausstattung für 25- und 40-jährige Betätigung).

Gesetz vom 9. 3. 1949, BGBl. 84/1949;

Durchführungsverordnung vom 13. 12. 1949, BGBl. 52/1949;

Kundmachung vom 8. 1. 1951 betreffend die Feststellung des Verfassungsgerichtshofes über die Zuständigkeit zur Schaffung von Ehrenzeichen, BGBl. 46/1951;

Kundmachung vom 16. 7. 1951 betreffend die Aufhebung durch den Verfassungsgerichtshof, BGBl. 215/1951;

Kundmachung vom 18. 9. 1951 betreffen die Aufhebung der Verordnung vom 13. 12. 1949, BGBl. 216/1951.

 

Bundesländer ab 1951:

 

6. 11. 1951 - Wien

Gesetz über das Ehrenzeichen 25 und 40 Jahre, LGBl. 22/1952.

21. 11. 1952 Novellierung, LGBl. 3/1953.

24. 2 1953 Verordnung, nach Genehmigung des Bundes statt Landeswappen Bundeswappen, LGBl.9/1953.

Das Ehrenzeichen führt den Namen

Medaille für Verdienste im Wiener Feuerwehr- und Rettungswesen“.

Gesonderte Ausstattung für 25- und 40-jährige Betätigung (Bronze bzw. versilbert), Verleihung samt Urkunde durch die Landesregierung.

 

13. 11. 1951 - Tirol

Gesetz über die Schaffung der 25- und 40-Jahre-Medaille, LGBl. 2/1952.

15. 1. 1952 Durchführungsverordnung, Landeswappen, LGBl. 7/1952.

25. 11. 1964, Gesetz über die Auszeichnungen des Landes Tirol, zusätzliche Schaffung der 50-Jahre-Medaille und graphische Neugestaltung mit dem knieenden hl. Florian, LGBl. 4/1965;

28. 6. 1983, Verordnung der Landesregierung vom 28. Juni 1983 über die Auszeichnungen des Landes Tirol, LGBl. 54/1983.

(Änderungen LGBl. 91/1976, 35/1985, 69/1991).

„Medaille für ersprießliche Tätigkeit
auf dem Gebiet des Feuerwehr- und Rettungswesens“.

Prägung in Bronze (25), versilbert (40) und vergoldet (50), zu tragen an einem Dreiecksband (keine Farbangabe).Gemeinden und sonstige Körperschaften öffentlichen Rechtes sind vorschlagsberechtigt, die Verleihung und Ausstellung der Urkunde obliegt der Landesregierung.

Die 25-, 40-, und 50-Jahr-Medaillen des Landes Tirol

 

 

27. 2. 1952 - Salzburg

Schaffung der 25- und 40-Jahre-Medaille mit Landeswappen, LGBl. 25/1952.

3. 6. 1953 Durchführungsverordnung, LGBl. 26/1953.

23. 4. 1975 Änderung der verwaltungsstrafrechtlichen Bestimmungen, LGBl. 58/1975.

7. 2. 2001 Neuverlautbarung mit dem Salzburger Ehrenzeichengesetz, LGBl. 45/2001.

Die Ehrenzeichen führen den Namen

Medaille für vieljährige eifrige und ersprießliche Tätigkeit
auf dem Gebiete des Feuerwehr- und Rettungswesens im Land Salzburg“.

Gesonderte Ausstattung für 25- und 40jährige Betätigung (Bronze bzw. versilbert), dreieckiges orangegelbes Band, Verleihung durch die Landesregierung auf Antrag der Bezirksverwaltungsbehörden oder Gemeinden mit Urkunde des Landeshauptmannes.

Die Medaillen des Landes Salzburg

 

18. 4. 1952 - Vorarlberg

Gesetz über das Feuerwehrehrenzeichen des Landes Vorarlberg, 25- und 40-Jahre-Medaille, LGBl. 18/1952.

18. 4. 1952 Durchführungsverordnung, Vorderseite Landeswappen – umrahmt mit den Worten „Land Vorarlberg“, Rückseite Bild des Feuerwehrpatrons St. Florian, LGBl. 28/1952;

Novelle LGBl. 43/1988.

13. 9. 2000 Inkrafttreten der Neuverlautbarung mit LGBl. 41/2000; Einführung der 50-Jahr-Medaille.

Feuerwehrmedaille des Landes Vorarlberg“.

Bronzeausführung für 25, versilbert für 40 und vergoldet für 50jährige verdienstvolle Tätigkeit in der Feuerwehr. Verleihung mit Urkunde durch die Landesregierung auf Antrag der zuständigen Gemeinde.

St. Florian auf der Medaille des Landes Vorarlberg

 

29. 4. 1952 - Kärnten

Landesgesetz über ein Ehrenzeichen für Verdienste im Feuerwehr- und Rettungswesen mit Landeswappen, LGBl. 23/1952.

Das Ehrenzeichen führt den Namen

Kärntner Medaille für Verdienste im Feuerwehr- und Rettungswesen“.

Gesonderte Ausstattung für 25- und 40-jährige verdienstvolle Betätigung (Bronze bzw. versilbert); orangegelbes Dreiecksband.

 

Am 22. Juli 1953 wurde mit Landesgesetz, LGBl. 28/1953, zusätzlich das Ehrenkreuz für besondere Leistungen auf dem Gebiete des Feuerwehr- und Rettungswesens, insbesondere für eine Lebensrettung, geschaffen.

Änderung am 2. Juli 1971, LGBl. 55/1971 – getrennte Auszeichnungen für Feuerwehrdienst und Rettungsdienst.

Dieses steht im Rang vor der Medaille und führt die Bezeichnung

Kärntner Ehrenkreuz für besondere Leistungen im Feuerwehrdienst“.

Es ist in Mattsilber ausgeführt, trägt einen erhabenen, glänzenden 1,5 mm breiten Rand, hat einen Durchmesser von 3,5 cm, zeigt auf der Vorderseite das Landeswappen, und wird an einem 4 cm breiten gelb-rot-weißen Dreiecksband getragen.

 

Verleihung durch die Landesregierung auf Antrag durch die Bezirksverwaltungsbehörde unter gleichzeitiger Übermittlung einer Urkunde.

 

 

29.5.1952 - Niederösterreich

Gesetz über die Schaffung der 25- und 40-Jahre-Medaille mit Bundeswappen, LGBl. 42/1952.

24. 2. 1972, Landesgesetz über die 25-, 40- und 50-Jahre-Medaille, LGBl. 19/1972 (0540/00).

Das Ehrenzeichen führt den Namen

Ehrenzeichen für vieljährige verdienstvolle Tätigkeit
auf dem Gebiete des Feuerwehr- und Rettungswesens“.

Die Ausführung ist für Feuerwehr- und Rettungsmitglieder verschieden, die Vorderseite für die Feuerwehr trägt neben dem Landeswappen die bildliche Darstellung des hl. Florian, jene für das Rettungswesen das Rettungssymbol, ein Kreuz. Anregung auf Verleihung durch die Gemeinden, Gemeindeverbände, Feuerwehr- und Rettungsorganisationen im Wege der Bezirksverwaltungsbehörden, Verleihung der Landeshauptmann mit Urkunde.

Die Feuerwehrmedaille des Landes Niederösterreich

 

9. 7. 1952 - Steiermark

Gesetz über die Schaffung der 25- und 40-Jahre-Medaille mit Detailbestimmungen, LGBl. 52/1952, mit gleichzeitiger Schaffung des Verdienstkreuzes für besondere Leistungen oder hervorragende Verdienste auf dem Gebiete des Feuerwehr- und Rettungswesens;

1. Novelle 19. 11. 1964, LGBl. 35/1965;

2. Novelle 8. 7. 1969, LGBl. 160/1969.

10. 11. 1970 Landeswappen statt Bundeswappen, zusätzliche Medaille für 50-jährige Tätigkeit, LGBl. 8/1971;

1. Novelle LGBl. 37/1978;

2. Novelle LGBl. 46/1985; nun auch Medaille für 60-jährige Tätigkeit.

Das Ehrenzeichen führt den Namen

Medaille für vieljährige eifrige und ersprießliche Tätigkeit
auf dem Gebiete des Feuerwehr- und Rettungswesens
“.

Gesonderte Ausführung für 25-, 40-, 50-, und 60-jährige Tätigkeit (25 = Bronze, 40 = versilbert, 50 und 60 = vergoldet) an einem 4 cm breiten orangegelben (25 und 40) bzw. einem 4,5 cm breiten weiß-grünen Band (50 und 60). Verleihung durch die Landesregierung mit Urkunde auf Vorschlag der Gemeinden.

 

1. 10. 1952 - Oberösterreich

Gesetz über das Ehrenzeichen für Verdienste im Feuerwehrwesen, Landeswappen, LGBl. 51/1952.

23. März 1956, Verdienstzeichen des Landes Oberösterreich, eingeschlossen die Feuerwehrauszeichnungen, LGBl. 7/1956.

31. 7. 1956 Oö. Feuerwehrehrenzeichen-Verordnung, LGBl. 28/1956.

27. 6. 1994 Oö. Feuerwehrehrenzeichen-Verordnung, LGBl. 62/1994, Einführung der 50-Jahr-Medaille.

26. 9. 1996 Oö. Feuerwehrgesetz, LGBl. 111/1996.

31. 7. 2000 Oö. Feuerwehrehrenzeichen-Verordnung, LGBl. 62/2000:

Oberösterreichische Feuerwehr-Dienstmedaille“

für 25-, 40- und 50-jährige Tätigkeit auf dem Gebiet des Feuerwehrwesens (Bronze, versilbert, vergoldet), dreieckig gefaltetes orangegelbes Band, Beantragung durch den Ortsfeuerwehrkommandanten im Wege des Bezirksfeuerwehrkommandanten an das Amt der Landesregierung, Verleihung mit Diplom.

 

Als einziger Landesfeuerwehrverband verfügt jener von Oberösterreich über keine eigenen Ehrenzeichen. Hier wurde dafür mit Landesgesetz vom 23. März 1956, LGBl. 7/1956, das dreistufige

Oberösterreichische Feuerwehrverdienstkreuz

als Landesauszeichnung gestiftet.

Die Beschreibung des Feuerwehrverdienstkreuzes findet sich in der Verordnung der Landesregierung vom 31. Juli 1956, LGBl. 28/1956 (wiederverlautbart mit Verordnung vom 31. Juli 2000, LGBl. 62/2000). Es kommt demnach in drei Stufen zur Verleihung. Die 1. Stufe ist ein vergoldetes, achtspitziges, glatt gerändertes Kreuz von 55 mm Durchmesser mit auf der Mitte liegendem farbig emaillierten Landeswappen, zwischen den Kreuzarmen züngelt ein rot emaillierter Flammenkranz; es wird als Steckdekoration getragen. Die 2. Stufe ist in Silber gehalten, von gleicher Formgebung und mißt 46 mm im Durchmesser. Die 3. Stufe von ebensolcher Form und Größe ist in Bronze ausgeführt. Die 2. und 3. Stufe werden an einem 40 mm breiten, weiß-rot gespaltenen Dreiecksband getragen.

 

25. 11. 1953 – Burgenland

Landesgesetz über die Schaffung der 25- und 40-Jahre-Medaille mit Bundeswappen, LGBl. 2/1954.

2. 3. 1971 Änderung des Gesetztes – Anbringung des Landeswappens, LGBl. 17/1971.

26. 5. 1994 Neuverlautbarung mit dem Burgenländischen Feuerwehrgesetz, LGBl. 49/1994.

Das Ehrenzeichen führt den Namen

Ehrenmedaille für vieljährige Tätigkeit auf dem Gebiet des Feuerwehrwesens“.

Gesonderte Ausstattung für 25- und 40-jährige Tätigkeit (Bronze bzw. versilbert), das Band wird rot-golden beschrieben, Antrag des jeweiligen Bürgermeisters und Ortsfeuerwehrkommandanten im Wege der Bezirksverwaltungsbehörde an die Landesregierung, Verleihung mit Urkunde des Landeshauptmannes.

Auszeichnungen des Bundesfeuerwehrverbandes

Für die Feuerwehren waren die von der ersten Republik geschaffenen staatlichen Ehrenmedaillen, welche nur für eine 25- und 40-jährige Dienstleistung verliehen wurden, nicht mehr zufriedenstellend. Sie wollten mehr und riskierten mit entsprechenden Anträgen, dass ihre wiederholten Beteuerungen, es ginge ihnen nur um die Belohnung freiwillig geleisteter Dienste und keineswegs um die Befriedung ihrer Eitelkeit, in Zweifel gezogen werden konnten. Wenn in der Monarchie die Stiftung einer Auszeichnung dem Kaiser vorbehalten war, sah sich nun in der Republik die Präsidentschaftskanzlei in der Rolle eines Gralshüters. Sie verwies auf die Bestimmungen des Paragraphen 9, Absatz 2, der Verordnung vom 26. Februar 1917, RGBl. Nr. 79, die das Tragen von Dekorationen, die in- oder ausländischen Orden und Ehrenzeichen ähnlich wären, verboten.

Das Bundeskanzleramt war der Ansicht, dass der äußeren Anerkennung mit den Medaillen von 1923 hinreichend Rechnung getragen worden sei. Die Präsidentschaftskanzlei fügte hinzu, dass Bestrebungen, die ohnedies in genügender Zahl vorhandenen tragbaren Auszeichnungen noch zu vermehren, zunächst einmal das Odium der Lächerlichkeit in sich trügen, und sie gegen diesen unerhörten Unfug, der sich seit dem Umsturz in Österreich breitmache und leider auch von vielen maßgebenden Faktoren, insbesondere von Landeshauptleuten nicht nur nicht eingedämmt, sondern manchmal sogar gefördert würde, immer ankämpfen werde. Trotzdem kam es zu nicht offiziellen Anerkennungen und Auszeichnungen.

 

Diplome und Ehrenzeichen

Auf Empfehlung des Reichsverbandes erhielten die Feuerwehrmänner eine Ehrenurkunde für die 50-jährige Dienstzeit vom jeweiligen Landeshauptmann und für die 60-jährige Dienstzeit vom Reichsverband verliehen. Der Steiermärkische Landtag hat als erster am 4. Juni 1926 ein eigenes Ehrenzeichen für Feuerwehrmänner mit 35-jähriger belobter Tätigkeit in Form eines weißen Kreuzes mit dem steirischen Panther geschaffen. Gegen die Verleihung von Ehrenurkunden gab es keine verfassungsmäßigen Einwendungen, aber der steiermärkische Beschluss entrüstete die Beamten des Bundeskanzleramtes und der Präsidentschaftskanzlei, da die Einführung von Ehrenzeichen der Länder für unzulässig erklärt wurde. Man stellte auch klar, dass Stiften öffentlich zu tragender Auszeichnungen das alleinige Recht des Bundespräsidenten (wie früher des Kaisers) sei. Ein Einspruch beim Verfassungsgerichtshof wurde aber auf Weisung des Bundeskanzlers nicht erhoben. Solange es sich nur um Spielereien mit Feuerwehr-Ehrenzeichen handle, habe die Sache keine Wichtigkeit, ließ daraufhin die Präsidentschaftskanzlei verlauten.

Die Feuerwehrverantwortlichen ließen nicht locker, um Änderungen am bestehenden Bundesgesetz zu erreichen. Zunächst stellten sie zur Diskussion, die Zeiten zur Erlangung zu verkürzen: für die bronzene Medaille auf 15 Jahre, für die silberne auf 25 und als neue für 35 Jahre eine goldene zu schaffen. Dies Initiative war erfolglos.

Einen neuen Antrag brachte der Tiroler Landesfeuerwehrverband am 2. Oktober 1931 beim Österreichischen Verbandstag in Bregenz ein. Dieser forderte die Einführung einer für das ganze Bundesgebiet einheitlichen Auszeichnung in drei Stufen, und zwar

  1. für Mitglieder von Bezirks-, Landes- oder Reichsverbandsausschüssen für organisatorische und sonstige wertvolle Dienste;
  2. für Rettung von Menschen aus Lebensgefahr unter Einsatz des eigenen Lebens;
  3. für Mitglieder, die zu Ehrenmitgliedern ernannt wurden.

 

Im Wege eines Einsichtsaktes des Bundeskanzleramtes bekam die Präsidentschaftskanzlei davon Kenntnis, deren Replik darauf war nicht gerade schmeichelhaft. Dann aber holte der Verband bzw. sein Präsident Dr. Rudolf Lampl zu einer großen Aktion aus und erhielt vom Bundeskanzleramt die Zustimmung für eine österreichische Verbandsauszeichnung. Diese sollte von der Vollendung einer bestimmten Dienstzeit unabhängig, für eine einzelne besonders verdienstvolle Tat oder für besonders verdienstvolles Wirken, verliehen werden können. Mit den Bescheiden des Bundeskanzleramtes vom 1. März 1933, Zl. 108.958/4/1933 und vom 17. Mai 1933, Zl. 147.622/4/33 wurde die Bewilligung zur Schaffung des

„Österreichischen Feuerwehr-Ehrenzeichens

und die Führung des österreichischen Bundeswappens auf demselben erteilt. Die Ausführung wurde dem Hauptmünzamt übertragen. Das Abzeichen wurde als hochformatiges Achteck ausgeführt, wodurch eine Verwechslung mit einer staatlichen Auszeichnung von vornherein ausgeschlossen war. Die Vorderseite zeigte den Bundesadler (einköpfig) über zwei gekreuzten Lorbeerzweigen, darum herum ein ovales Schriftband „ÖSTERREICHISCHER VERBAND FÜR FEUERWEHR- UND RETTUNGSWESEN“. Die Rückseite zeigte innerhalb von zwei aufsteigenden Zweigen aus Eichenlaub, an deren Grund in einem Kreis die Buchstaben FF spiegelverkehrt gegeneinander standen, in fünf Zeilen die Aufschrift „FÜR VERDIENSTE UM DAS FEUERWEHRWESEN“. Die Auszeichnung wurde abgestuft erstellt, die erste Klasse in Silber, die zweite in Bronze, und mit einem fächerförmig zu einer Rosette gefalteten weiß-rot gestreiften Band unterlegt. Sie wurde an der linken Brustseite ungefähr 15 Zentimeter unter den normalen Medaillen (also „tief“ bzw. anders als staatliche Auszeichnungen) getragen.

Das Verleihungsrecht des Verbandes wurde am 19. März 1933 mit den beschlossenen Bestimmungen und der Bestellung eines Verleihungsausschusses geregelt. Vorschlagsberechtigt waren die Landesverbände und der Präsident. Nur besondere Verdienste um das Feuerwehrwesen, wozu auch der feuerwehrliche Rettungsdienst gerechnet wurde, oder eine einzelne besonders verdienstvolle Tat sollten mit dieser neuen Auszeichnung bedankt und belohnt werden. Es konnte auch an Kameraden ausländischer Verbände und um das Feuerwehrwesen verdiente Nichtmitglieder verliehen werden. Eine festgelegte Höchstzahl sollte den Wert der Auszeichnung nicht durch allzuhäufige Verleihung mindern.

Österreichisches Feuerwehr-Ehrenzeichen 1934

 

Der Verfassung vom 1. Mai 1934 entsprechend, wurden analog der Änderung bei den 25- und 40-Jahre-Medaillen, auch diese Ehrenzeichen mit dem neuen Staatswappen (zweiköpfiger Adler) und der Umschriftung „ÖSTERREICHISCHER FEUERWEHRVERBAND“ neu geprägt. Da die erste Ausführung beider Stufen nur ein Jahr lang an wenige Persönlichkeiten vergeben wurde, stellt diese eine große Kostbarkeit dar. Aber auch die später vergebenen Auszeichnungen mit dem zweiköpfigen Adler sind heute eine außerordentliche Rarität.

Mit der Schlusssitzung des Österreichischen Feuerwehrverbandes am 3. Juli 1938 in Salzburg wurde auch die Verleihung dieser Auszeichnungen eingestellt.

 

Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg

Als sich der Österreichische Bundesfeuerwehrverband nach der anstrengenden Aufbauphase der Nachkriegszeit konsolidiert hatte und die Auseinandersetzung um die 1949 geschaffene „Österreichische Medaille für vieljährige eifrige und ersprießliche Tätigkeit auf dem Gebiete des Feuerwehr und Rettungswesens“ bzw. deren 1951 erfolgten Aufhebung ausgestanden war, dachte dieser auch wieder an die Einführung einer eigenen Auszeichnung. Bevor es zur Verwirklichung kam, waren die staatlichen Stellen zu kontaktieren. Damit in den im Entwurf von Oberbrandrat Walter Krumhaar vorgesehenen kleinen runden Schild das Bundeswappen eingeprägt werden konnte, mußte vom Innenministerium für Inneres die Erlaubnis eingeholt werden. Diese wurde am 19. Oktober 1949 mit Erlass Zl. 89.636-10/49 erteilt. Damit war aber noch nicht klar, ob ein Verband (der noch dazu auf Vereinsbasis wirkt) tun dürfe, was laut Gesetz und Recht nur der Regierung oder gar dem Bundespräsidenten zustünde.

Es vergingen noch fast vier Jahre bis mit Erlass des Bundesministeriums für Inneres vom 25. Juni 1953, Zl. 92.608-10/53, die Mitteilung einging, dass gegen Art und Ausstattung des vorgeschlagenen Dienstzeichens keine Bedenken bestünden. Auch seitens des Präsidiums des Bundeskanzleramtes und der Präsidentschaftskanzlei wurden keine Einwendungen mehr erhoben. Schließlich wurde die Bewilligung zum Tragen des Verdienstzeichens mit Bescheid der Sicherheitsdirektion Wien vom 18. Juli 1953, Zl. S.D. 32.094/53, erteilt.

Mit Beschluss des Bundesfeuerwehrausschusses vom 5. Dezember 1953 wurde das

„Verdienstzeichen des Österreichischen Bundesfeuerwehrverbandes

in drei Stufen geschaffen. Die 3. Stufe des Verdienstzeichens ist ein 40 mm hohes und 30 mm breites Kreuz, dessen unterer Arm etwas länger als die drei anderen ist. Es ist rot emailliert. Auf der Mitte liegt ein kleiner kreisrunder Schild mit dem Bundesadler in Bronze. In den Winkeln zwischen den Kreuzarmen züngeln von unten nach oben hellrot emaillierte Flammenbündel. Auf der Rückseite trägt das Medaillon die Inschrift „Ö.B.F.V.“. Die Verdienstzeichen der 2. und 1. Stufe sind der 3. Stufe gleichgehalten, doch sind die blanken Metallteile der 2. Stufe versilbert und die der 1. Stufe vergoldet ausgeführt. Beibehalten wurde das orangegelbe Band der Feuerwehrmedaillen, das jedoch mit zwei rot-weiß-roten Streifen ausgestattet wurde. Es wurde jedoch nicht wie in Österreich sonst üblich dreieckig gefaltet, sondern gerade und spitz auslaufend, also fünfeckig, damit erkennbar war, dass es sich hier um keine staatliche Dekoration handelt.

Zur Ehrung österreichischer Feuerwehrangehöriger für Katastropheneinsätze außerhalb ihres eigenen Bundeslandes oder im Ausland wurde das

Katastrophen-Gedenkzeichen des Österreichischen Bundesfeuerwehrverbandes

geschaffen. Dies ist das Verdienstzeichen 3. Stufe (Bronze), zur Unterscheidung jedoch an einem hellgrauen, mit zwei rot-weiß-roten Längsstreifen versehenen fünfeckig gefalteten Band zu tragen. Auf dem Band wird eine 22 x 6 mm messende Bronzespange angebracht, in welche der jeweilige Einsatzort und das Jahr des Einsatzes eingeprägt wird.

Diesbezügliche Ehrungen wurden bisher dreimal durchgeführt:

1965 – Katastropheneinsatz in Köflach – Steiermark,

1966 – Katastropheneinsatz in Treviso – Italien,

1976 – Katastropheneinsatz in Gemona – Italien.

Die Verdienstzeichen des Österreichischen Bundesfeuerwehrverbandes

Zur Ehrung von feuerwehrfremden oder keiner sonst uniformtragenden Organisation angehörenden österreichischen oder ausländischen natürlichen oder juristischen Personen, die sich um das österreichische Feuerwehrwesen besonders verdient gemacht haben, wurde in der 61. Präsidialsitzung am 7. Juli 1958 die

Florianiplakette des Österreichischen Bundesfeuerwehrverbandes“

eingeführt. Diese Ehrenplakette wird in drei Stufen, und zwar in Bronze, Silber und Gold verliehen.

Über 30 Jahre lang stand dem ÖBFV nur das Verdienstzeichen mit drei Abstufungen zur Anerkennung besonderer Leistungen und Verdienste zur Verfügung. Im Laufe der Zeit reichten diese zur Würdigung höher zu wertender Verdienste nicht mehr aus. Deshalb wurden in der 190. Präsidialsitzung am 1. Oktober 1984 den drei Verdienstzeichen zwei weitere Auszeichnungen vorangestellt.

Das

„Verdienstkreuz des Österreichischen Bundesfeuerwehrverbandes“

stellt einen achtspitzigen, geflammten, vergoldeten Strahlenstern mit aufgelegtem Kreuz in Form und Größe des Verdienstzeichens 1. Stufe des ÖBFV dar, wird in einer Stufe verliehen und ist zum Tragen als Steckkreuz an der Rückseite mit einer Sicherungsnadel ausgestattet.

Auch das

„Große Verdienstkreuz des Österreichischen Bundesfeuerwehrverbandes

wird in einer Stufe verliehen. Das Kleinod ist dem Verdienstzeichen 1. Stufe des ÖBFV gleichgehalten, nur größer dimensioniert, und zwar 60 mm hoch und 50 mm breit. Es wird als Halsdekoration an einem 50 cm langen und 11,5 cm breiten gelben Band mit beiderseits rot-weiß-roten Längsstreifen an den Rändern getragen.

Auszeichnungen der Landesfeuerwehrverbände

War man bei der Feuerwehr bisher bemüht, Auszeichnungen von höchsten staatlichen Stellen zu bekommen, änderte sich dies nach Einführung der ÖBFV-Auszeichnungen nachhaltig. Die Länder hatten mit der Schaffung der Feuerwehr-Verdienstmedaillen der Sache genüge getan. Bundes- und höhere Landesauszeichnungen wurden an verdiente Feuerwehrfunktionäre, wenn sie nicht auch Politiker waren oder noch andere Funktionen ausübten, kaum verliehen und bezahlte Beamte wurden noch immer höher ausgezeichnet als Ehrenamtliche.

Die Anforderungen an die Feuerwehren wurden immer größer, vor allem im Bereich der Technischen Einsätze. Der Organisationsaufwand entwickelte sich rasant und die Verantwortlichen mussten für ihre Aufgabe immer mehr Freizeit aufwenden. Im Bewusstsein ihrer Eigenständigkeit schufen die Landesfeuerwehrverbände nach dem Muster des ÖBFV eigene Auszeichnungen. Damit konnten die Verdienste im Lande zusätzlich und die gute Zusammenarbeit innerhalb der Verbände, schließlich auch noch die internationale kameradschaftliche Verbundenheit, entsprechend gewürdigt werden. Nur der Oberösterreichische LFV bildete insoferne eine Ausnahme, dass dessen Wunsch nach Schaffung von Ehrenzeichen das Land Oberösterreich in Form eines Landesgesetzes entsprochen hat. Den anderen Verbänden wurde das Recht zur Verleihung von Ehrenzeichen in den Feuerwehrgesetzen der Länder Rechnung getragen.

Bei der Verwirklichung dieser durchaus berechtigten Absichten wurde sicher vereinzelt übers Ziel geschossen und vor allem bei der Gliederung und Bezeichnung im Vergleich zu Bundes- und Landesauszeichnungen in einigen Fällen des Guten zuviel getan. Die besondere Stellung der Feuerwehrleute im gesellschaftlichen Gefüge des Landes, ihre ständige Einsatzbereitschaft und ihr Ehrenamt sollten aber diese vielleicht überspitzten Begehrlichkeiten tolerieren.

 

Niederösterreich

Den Anfang machte am 26. November 1952 der Niederösterreichische LFV mit dem Beschluss eines dreistufigen „Verdienstzeichens in Gold, Silber und Bronze“. Es hatte die Form eines mehr hohen als breiten Lorbeerkranzes mit dem Spinnenhelm vor einem Strahlrohr und am oberen Ende das Landeswappen, unten die Aufschrift „Für Verdienste“. Es wurde als Steckdekoration bis 1959 verliehen.

Eine neue Form des dreistufigen „Verdienstzeichens“ wurde am 21. Juni 1959 beschlossen und bis 1969 verliehen. Es bestand aus einem nach oben spitz zusammenlaufenden Flammenbündel, in welches das Landeswappen eingebettet war; das Flammenbündel spross aus einer leicht gekrümmten Leiste mit der Aufschrift „Für Verdienste“; an einem dreieckigen Band getragen.

Das „Verdienstkreuz“ und die „Verdienstzeichen“ in der gegenwärtigen Form haben den Beschluss vom 4. September 1969 als Grundlage.

Die sich nach außen hin verbreiternden Kreuzarme zeigen an den Enden kleine Ausbuchtungen, sind blau-gelb-blau emailliert, auf der Kreuzmitte liegt das emaillierte niederösterreichische Landeswappen. Das Verdienstkreuz, der höchste Grad, ist ein Steckkreuz von 60 mm Höhe und Breite, das in den Kreuzwinkeln je sieben goldene Strahlen zeigt. Die Verdienstzeichen gliedern sich in eine 1., 2. und 3. Klasse und sind dementsprechend golden, silbern und bronzen bordiert und 45 mm hoch und breit. Sie werden an einem 45 mm breiten, blau-gelb gespaltenen Band mit einem im blauen Feld eingewebten, mit dem jeweiligen Grad korrespondierenden Metallfaden von 3 mm Breite getragen.

Weiters wurde eine mit Verbandsbeschluss vom 13. November 1976 geschaffene „Einsatzmedaille“ ein Jahr lang verliehen. Diese Medaille ist oval, 42 mm hoch und 36 mm breit, in Bronze geprägt, zeigt auf der Vorderseite des Korpsabzeichen der österreichischen Feuerwehren mit der Umschrift „Landesfeuerwehrverband“ und darüber die Inschrift „Für besonderen Einsatz“, Rückseite blank, an einem 40 mm breiten hellgrauen Band, versehen mit einem 2 mm breiten krapproten Mittelstreifen, getragen.

Schließlich wurde am 27. März 1985 eine „Medaille für Internationale Feuerwehrkameradschaft“ gestiftet. Die runde Medaille hat einen Durchmesser von 35 mm, ist in altsilber-patiniertem Metall gehalten und zeigt auf der Vorderseite einen Spinnenhelm über einem Strahlrohr, umgeben von der Inschrift „Internationale Feuerwehrkameradschaft“, Rückseite in schräg versetzter Anordnung das niederösterreichische Landeswappen und das Feuerwehrkorpsabzeichen, um beide Wappen läuft die Inschrift „Niederösterreichischer Landesfeuerwehrverband“, getragen an einem 40 mm breiten blau-gelben dreieckig gefalteten Band.

 

Burgenland

Als zweiter Verband beschloss am 3. Juli 1954 der burgenländische die Schaffung eines „Verdienstzeichens“ in drei Stufen, nämlich in Gold, Silber und Bronze.

Es zeigt ein aus dem jeweiligen Metall gestanztes, rot emailliertes Leopold-Kreuz von vorerst 35 mm Höhe und Breite, auf dessen Mitte ein kleines, farbig emailliertes Landeswappen liegt, von dessen oberem Rand züngelt eine dreizackige Flamme in den oberen Kreuzarm, zwischen den Kreuzarmen liegen je drei Lorbeerblätter, wird an einem 50 mm breiten rot-gelben Dreiecksband getragen.

Am 1. Jänner 1985 traten neue Satzungs- und Verleihungsrichtlinien in Kraft. Deren wesentlichster Bestandteil war neben der Vergrößerung der bisherigen Verdienstzeichen von 35 auf 45 mm sowie die Ausführung der Kreuzarme in rotem Email innerhalb der dem Grad entsprechenden Metallumrandung, die Einführung eines neuen Grades an der Spitze des Sets.

Es ist dies das „Ehrenzeichen (Steckkreuz) - Gold“, als Sterndekoration gestaltet. In einem strahlenförmigen goldenen Quadrat mit einer Diagonale von 55 mm liegt das 45 mm hohe und breite, rot emaillierte, goldgerandete Leopoldkreuz, auf dessen Mitte wiederum das burgenländische Landeswappen, an dessen Oberseite wie bisher die dreizackige Flamme und zwischen den Kreuzarmen die Lorbeerblätter. Am 4. Oktober 1996 wurde diesem Grad ein zweiter, das „Ehrenzeichen (Steckkreuz) - Silber“ mit einem silbernen Stern hinzugefügt.

Seit November 1990 verleiht der Landesfeuerwehrkommandant die „Ehrenmedaille für verdienstvolle Zusammenarbeit“ in Bronze, Silber und Gold. Sie ist kreisrund mit 35 mm Durchmesser, zeigt auf der Vorderseite eine randnahe Inschrift, und zwar links das Wort „Burgenländischer“ und rechts in zwei Reihen „Landes-Feuerwehrverband“, innerhalb dieser Beschriftung finden sich in schräg überlappender Anordnung das farbig einbrennlackierte burgenländische Landeswappen und das Feuerwehrkorpsabzeichen, die Rückseite zeigt oberhalb zweier gekreuzter Lorbeerzweige in drei Zeilen die Inschrift „Für verdienstvolle Zusammenarbeit“, getragen an einem 50 mm breiten rot-gelben Dreiecksband, das zwischen den beiden Farben einen 5 mm breiten Streifen in der jeweiligen Metallfarbe führt.

Mit den „Florianiplaketten“ in zwei Größen (groß, klein) und drei Stufen (Gold, Silber, Bronze) und dem „Ehrenring“ verfügt der Burgenländische Landesfeuerwehrverband über weitere Auszeichnungsmöglichkeiten.

 

Oberösterreich

Wie schon erwähnt, verfügt der Landesfeuerwehrverband Oberösterreich über keine eigenen Ehrenzeichen, da hier 1956 Landesauszeichnungen gestiftet wurden.

Hingegen kann dieses Bundesland auf die Besonderheit verweisen, daß auch die Bestimmungen für das Feuerwehrleistungsabzeichen landesgesetzlich geregelt sind und die Bezirksfeuerwehrverbände über eigene Verdienstmedaillen verfügen. Diese werden in den Städten Linz und Wels dreistufig, in Steyr einstufig verliehen. Ferner gibt es Medaillen in drei Stufen in den Bezirken Braunau, Eferding, Freistadt, Gmunden, Grieskirchen, Kirchdorf, Linz-Land, Ried im Innkreis, Rohrbach, Schärding, Vöcklabruck und Wels-Land, in zwei Stufen in Steyr-Land und in Urfahr-Umgebung eine Floriani-Medaille in Gold und dazu eine Floriani-Kette in Gold, Silber und Bronze.

 

Salzburg

Das verbandseigene „Verdienstzeichen“ des LFV Salzburg wurde im Jahr 1956 geschaffen und kam als 3., 2. und 1. Stufe in Bronze, Silber und Gold zur Verleihung. Das Kleinod ist ein rot emailliertes achtspitziges Malteser-Kreuz von 45 mm Höhe und Breite, auf dessen Mitte das emaillierte Landeswappen mit dem Herzogshut liegt; aus den vier Ecken des Kreuzes zuckt je ein Flammenbündel.

1965 kamen das „Steckkreuz“ und das „Goldene Steckkreuz mit Stern“ als Steigerung des Verdienstzeichens dazu. Das Steckkreuz ist ein breit silbergerahmtes achtspitziges Kreuz, trägt das goldgerandete Verdienstzeichen 1. Stufe und hat einen Durchmesser von 54 mm. Der höchste Grad, das Steckkreuz mit Stern, ist ein aus silberfarbenen Strahlenbündeln gebildeter Stern von 75 mm Durchmesser, auf dem das Verdienstzeichen 1. Stufe ruht.

Mit Beschluss vom 24. August 1984 wurde die Vergabe der Verdienstzeichen neu geregelt und ausgeweitet. Wesentlichster Punkt war die Unterscheidung in Verdienstzeichen, welche dunkelrot emailliert und den eigenen Mitgliedern und Funktionsträgern vorbehalten bleiben, und in Ehrenzeichen, die weiß emailliert und zu anderweitigen Ehrungen bestimmt sind.

Waren die „Verdienstzeichen“ auf der Rückseite bisher glatt, zeigen sie nunmehr das Feuerwehrkorpsabzeichen und die Umschrift „Verdienstzeichen des Landesfeuerwehrverbandes Salzburg“. Das Verdienstzeichen wurde um die „Verdienstmedaille“ erweitert. Diese Bronzemedaille ist kreisrund mit 33 mm Durchmesser, zeigt auf der Vorderseite das verkleinerte emaillierte Verdienstzeichen und auf der Rückseite das Feuerwehrkorpsabzeichen mit der Umschrift „Verdienstmedaille des Landesfeuerwehrverbandes Salzburg“ im Relief.

Das „Ehrenzeichen“ folgt in der Gestaltung und Form und Größe dem Verdienstzeichen. Unterschiedlich ist jedoch die weiße Emaillierung, das auf der Mitte des Kreuzes liegende Feuerwehrkorpsabzeichen und das Landeswappen sowie auf der Rückseite die Umschrift „Ehrenzeichen des Landesfeuerwehrverbandes Salzburg“. Das Ehrenzeichen wird in den drei üblichen Stufen und als höchster Grad das Steckkreuz zum Ehrenzeichen 1. Stufe verliehen.

Schließlich wurde am 10. April 1994 noch die „Medaille für verdienstvolle Zusammenarbeit“ geschaffen, die in Silbergrau gehalten ist und im Durchmesser 33 mm misst. Sie zeigt auf der Vorderseite das Landeswappen mit dem Herzogshut und die Umschrift „Landesfeuerwehrverband Salzburg“ und auf der Rückseite über dem Feuerwehrkorpsabzeichen und zwei gekreuzten Lorbeerzweigen die Inschrift „Für verdienstvolle Zusammenarbeit“.

Alle Verdienst- und Ehrenzeichen werden mit Ausnahme der Steckkreuze und dem Steckkreuz mit Stern auf einem rot-weiß moirierten, 45 mm breiten, dreieckig gefalteten Band getragen.

 

Steiermark

Im Mai 1961 sah sich der LFV Steiermark veranlasst, Auszeichnungen zu schaffen. Der Beschluss vom 18. Mai wurde vom Landesfeuerwehrtag am 15. und 16. Juli 1961 genehmigt. In der Folge wurde das „Verdienstzeichen“ in drei Klassen verliehen. Die Dekoration ist ein 42 mm hohes und breites achtspitziges, weiß emailliertes Kreuz, dessen Besonderheit es ist, dass die Kreuzarme nicht wie beim Malteserkreuz gerade verlaufen, sondern nach innen leicht geschwungen und ebenso die Einkerbung an den Enden eine leichte Krümmung zeigt. Zwischen den Kreuzarmen züngeln dreiteilige, rot emaillierte Flammenbündel, auf der Mitte des Kreuzes liegt das farbige steirische Landeswappen auf silbernem Grund. Das Band war ursprünglich, wie beim Verdienstzeichen des ÖBFV, 35 mm breit und fünfeckig, später dreieckig gefaltet. Die Farben des Bandes sind ein breiterer dunkelbrauner Mittelstreifen, der beiderseits von schmalen weiß-grünen Streifen mit braunem Vorstoß begleitet wird.

Schon ein Jahr später, am 5. Juli bzw. 12. August 1962 kamen das „Große Goldene Verdienstzeichen“ und das „Große Silberne Verdienstzeichen“ dazu. Beide haben dasselbe Aussehen wie die schon bestehenden Verdienstzeichen, sind dem höheren Rang entsprechend aber mit 60 mm Höhe und Breite größer gehalten und werden als einfaches Steckkreuz getragen.

Mit den Beschlüssen vom 26. Juni und 12. Juli 1969 erhielten die bisherigen Auszeichnungen mit vier neuen Ehrenzeichen einen respektablen Zuwachs. Als höchste Auszeichnung das „Große Goldene Ehrenzeichen mit dem Stern“ und das „Große Silberne Ehrenzeichen mit dem Stern“, achtspitzige Strahlensterne von 75 mm Durchmesser, echt vergoldet beziehungsweise versilbert, auf denen in entsprechender Größe das bereits beschriebene Verdienstkreuz ruht und als Steckdekoration getragen werden.

Das „Große Goldene Ehrenzeichen am Bande“ und das „Große Silberne Ehrenzeichen am Bande“ rangiert nach den „Ehrenzeichen mit Stern“ und kommt als Halsdekoration zur Verleihung. Die Dekoration findet sich wieder in Gestalt des Verdienstkreuzes und misst in Höhe und Breit 62 mm. Eine Spange in entsprechender Metallfarbe stellt die Verbindung zum Band her, das 45 mm breit ist und ebenfalls die Farben weiß-grün-braun-weiß-grün aufweist.

Die „Medaille für verdienstvolle Zusammenarbeit“ wurde 1986 eingeführt. Diese ist kreisrund mit einem Durchmesser von 35 mm, in einer Tombak-Legierung geprägt und versilbert, zeigt auf der Vorderseite die Darstellung des Verdienstkreuzes innerhalb der Umschrift „Landesfeuerwehrverband Steiermark“ und auf der Rückseite innerhalb eines ober- und unterhalb befindlichen Lorbeerzweiges die Inschrift „Für verdienstvolle Zusammenarbeit“. Getragen wird sie an einem 45 mm breiten Dreiecksband, das dem der Verdienstzeichen gleicht.

 

Tirol

Der Tiroler LFV ist bescheiden und begnügt sich mit je zwei Graden eines Ehrenkreuzes und eines Verdienstzeichens, welche erst 1970 geschaffen wurden und deren Bestimmungen über die Verleihung Anhang zum Tiroler Feuerwehrgesetz 1970 sind.

Es sind dies das „Ehrenkreuz in Gold“, das „Ehrenkreuz in Silber“, das „Verdienstzeichen in Silber“ und das „Verdienstzeichen in Bronze“. Alle vier Grade haben die Form eines Malteserkreuzes von 55 mm Höhe und Breite. Gemeinsam ist ihnen weiters die 1,5 mm breite grün emaillierte Umrandung, das aus dem Winkel des oberen Kreuzarmes hervorbrechende rot emaillierte Flammenzeichen und der ebenfalls rot emaillierte, auf der Kreuzmitte ruhende Tiroler Adler. Unterschieden werden sie durch die Metallteile, die innerhalb der grünen Umrandung sichtbar werden: Gold, Silber und Bronze in leicht gekörnter Ausführung. Das goldene und silberne Ehrenkreuz wird als Steckdekoration, das silberne und bronzene Verdienstzeichen an einem 50 mm breiten weiß-roten Dreiecksband getragen.

Außerdem ehrt der Tiroler LFV Feuerwehrmänner, die sich im Einsatz besondere Verdienste erworben haben, mit dem „Einsatzverdienstzeichen“, das vor dem Verdienstzeichen in Silber rangiert.

 

Kärnten

Die Auszeichnungen des LFV Kärnten gehen von einem am 7. Mai 1972 gefassten Beschluss aus. Der „Großstern des Ehrenzeichens des Kärntner Landesfeuerwehrverbandes“ hat die Form eines glänzend versilberten, aus acht Strahlenbündeln gebildeten Sternes von 75 mm Durchmesser, auf dem ein rot emailliertes Balkenkreuz von 50 mm Höhe und Breite mit aufgesetztem vergoldeten Kärntner Landeswappen liegt. Die Arme des Kreuzes werden von zwei Randleisten in Gold eingefasst.

Im „Ehrenzeichen des Kärntner Landesfeuerwehrverbandes“ als Steckkreuz in Gold findet sich das auf dem Großstern liegende Balkenkreuz wieder, ist aber mit einer Höhe und Breite von 60 mm größer. Großstern und Steckkreuz werden als Brustdekoration getragen.

Die „Ehrenzeichen am Band“ in Gold, Silber und Bronze sind in Form des rot emaillierten Balkenkreuzes von 50 mm Höhe und Breite gehalten und zeigen die die Kreuzarme begleitenden Randleisten in der dem jeweiligen Grad entsprechenden Metallfarbe. Getragen werden sie an einem 45 mm breiten, dreieckig gefalteten Band in den Farben gelb, 14 mm, rot, 20 mm, und weiß, 10 mm, mit einem dem jeweiligen Grad entsprechenden 3 mm breiten metallenen Mittelstreifen.

Das „Silberne Verdienstabzeichen“ wird für Verdienste um das Feuerwehrwesen, besonders für die Ausbildung der Feuerwehren verliehen (ovales Steckabzeichen mit Kranz, Strahlrohr und Kärntner Helm).

Die Kärntner „Medaille für verdienstvolle Zusammenarbeit“ ist achteckig und zeigt auf der Vorderseite das Landeswappen und die Umschrift „Kärntner Landesfeuerwehrverband“, auf der Rückseite innerhalb eines offenen Lorbeerkranzes die Inschrift „Für verdienstvolle Zusammenarbeit“.

Die „Medaille für mehr als 50-jährige Zugehörigkeit zur Feuerwehr“ ist eine Spezialität des LFV Kärnten, da diese nicht wie in anderen Ländern den 25- und 40-Jahre-Medaillen des Landes angefügt wurde. Sie ist rund, zeigt auf der Vorderseite das Landeswappen mit der Umschrift „Kärntner Landesfeuerwehrverband“ und auf der Rückseite in einem offenen Lorbeerkranz die Inschrift „50 Jahre Feuerwehr“.

Eine weitere Besonderheit in Kärnten stellen die zwei für die Klagenfurter Feuerwehren geschaffenen „Ehrenzeichen der Landeshauptstadt Klagenfurt“ dar.

Jenes für „Verdienste als Feuerwehrkommandant“ hat einen Durchmesser von 50 mm, zeigt auf der Vorderseite das Wappen der Stadt mit der Umschrift „Die Landeshauptstadt Klagenfurt – für außergewöhnliche Leistungen“ und die Rückseite trägt die Inschrift „Als Feuerwehrkommandant“ sowie den eingravierten Namen des Geehrten. Verliehen wird es ohne Band als Brustorden in Gold, Silber und Bronze.

Das ebenfalls dreistufige Ehrenzeichen für „Verdienste im Feuerwehrwesen“ unterscheidet sich nur im Durchmesser von 35 mm und der Inschrift auf der Rückseite „Im Feuerwehrwesen“. Es wird an einem 20 mm breiten rot-weiß-grünen Emailband getragen.

 

Vorarlberg

Der LFV Vorarlberg hat sich bei dem am 25. März 1977 geschaffenen „Verdienstkreuz“ auf drei Stufen beschränkt, und zwar auf ein Verdienstkreuz in Gold, Silber und Bronze.

Für das Verdienstkreuz von 40 mm Höhe und Breite wurde eine nicht alltägliche, aber ansprechende Form gefunden. Die Kreuzarme sind aus je fünf etwas auseinanderstrebenden Stäben von verschiedener Länge und unterschiedlicher Oberflächengestaltung in der jeweiligen Metallfarbe gehalten. Auf der Mitte des Kreuzes liegt das farbige Vorarlberger Landeswappen mit einem darübergesetzten silberfarbigen Spinnenhelm. Es wird an einem 40 mm breiten roten Dreiecksband mit einem je nach Stufe 4 mm breiten Streifen in Gold, Silber oder Bronze getragen.

 

Wien

Den Reigen zur Schaffung von Verbandauszeichnungen schloss am 12. Dezember 1980 der LFV Wien. Auch er übte Zurückhaltung und bestimmte, dass das „Verdienstkreuz“ nur in einer, das „Verdienstzeichen“ in drei Stufen, als Goldenes, Silbernes und Bronzenes, zur Verleihung gelangen sollte. Bei der Gestaltung der Dekoration kam das Malteserkreuz wieder einmal zu Ehren.

Der höchste Grad, das Verdienstkreuz, ist eine Steckdekoration von 60 mm Höhe und 55 mm Breite. Es stellt sich als achtspitziges Kreuz dar, ist rot emailliert und golden umrandet. Auf der Kreuzmitte liegt das farbig emaillierte Wiener Wappen. In den Kreuzwinkeln finden sich in Reliefprägung dargestellte goldene Flammenbündel.

Die drei Verdienstzeichen sind dem Verdienstkreuz gleichgehalten, allerdings nur 50 mm hoch und breit und von der ihrer Bezeichnung entsprechenden Metallfarbe umrandet. Auch die Flammenbündel sind im jeweiligen Klassenmetall gehalten. Sie werden an einem orangeroten rot-weiß geränderten dreieckig gefalteten Band getragen.

Nachbetrachtung

Wenn in früheren Zeiten Adel, Großgrundbesitzer und Beamte für alle Belange des Volkes zu sorgen hatten, waren diese naturgemäß auch für die Entgegennahme von Ehrungen zuständig. Obwohl vom Staat honoriert, wurden Beamte und Militärs nach langer Dienstleistung in Orden aufgenommen und erhielten Tapferkeits- und Dienstmedaillen.

Um die Mitte des 19. Jahrhunderts kam ein neues Bürgerbewusstsein auf. Bürger, Bauern und Handwerksmeister gründeten zum eigenen Schutz freiwillige Feuerwehren. Ihre Hilfe war effizient und kostete nichts. Ausgezeichnet wurden aber noch immer die „Oberen“, und so verwundert es nicht, wenn die Feuerwehren für ihre jahrzehntelange freiwillige und unentgeltliche Tätigkeit eine öffentliche Anerkennung haben wollten. Frühe Anregungen wurden vom Behördenapparat jahrelang blockiert. Die Feuerwehren litten unter einem Anerkennungsdefizit. Bis zur ersten Verleihung der durch den Kaiser im Jahr 1905 gestifteten 25-Jahre-Medaille hatte so mancher Freiwillige schon über 40 Jahre bei der Feuerwehr gedient.

Als nach der Ausrufung der Republik das Tragen von Auszeichnungen dem demokratischen und republikanischen Wesen eher widersprechend erschien, beharrten die Feuerwehren auf die öffentliche Anerkennung und erhielten von staatlicher Seite auch prompt wieder die 25- und zusätzlich die 40-Jahre-Medaille zugesprochen. Die Würdigung durch den Gesamtstaat war den Feuerwehren eine große Genugtuung.

Auch nach der Errichtung der Zweiten Republik erhielten die Feuerwehren per Bundesgesetz im Jahr 1949 ihre Auszeichnungen wieder. Als es danach um die Schaffung weiterer Republikauszeichnungen ging und sich Bundespräsident Dr. Karl Renner dagegen aussprach, fiel eine sicher unbedachte, für die Feuerwehren aber wenig schmeichelhafte Bemerkung. Er meinte, dass es Sache der Regierung sei, Orden zu schaffen, sie könne sich dann auch das Verleihungsrecht zusprechen, doch würde ein solcher Orden nur den Wert einer Feuerwehrmedaille haben und von niemandem ernst genommen werden. Trotzdem nahmen die Feuerwehrleute die Auszeichnungen weiter gerne entgegen und sie wurden von ihren Mitbürgern in den Dörfern, Märkten und Städten sehr wohl ernst genommen.

Die Situation änderte sich dann aber abrupt. Wachsendes föderalistisches Bewusstsein rief die Vorarlberger Landesregierung auf den Plan. Sie war der Ansicht, wenn das Feuerwehr- und Rettungswesen in die Kompetenz der Länder falle, sind diese auch für die Anerkennung von Verdiensten zuständig. Es kam 1951 zur bekannten Aufhebung des Bundesgesetzes und seither sind die Länder für Auszeichnungen der Feuerwehren zuständig. Vehement kämpften die Funktionäre des ÖBFV noch um die Beibehaltung des Bundesadlers auf den Landesauszeichnungen als Zeichen der österreichischen Einheit. Es setzte sich aber das Länderbewusstsein durch.

Nachdem die Schaffung von Verdienstzeichen durch die Länder und Auszeichnungen durch den Bundesfeuerwehrverband ermöglicht wurden, kam es ab 1953 zu einer völlig neuen Entwicklung. Die Aufgaben der Feuerwehren wurden immer mehr. Die Technischen Einsätze erforderten eine Ausweitung der Einrichtungen. Der organisatorische und administrative Aufwand war auf allen Ebenen enorm und die Funktionäre mussten immer mehr Freizeit opfern, um ihren übernommenen Pflichten gerecht werden zu können. Das musste anerkannt werden. So schufen die Landesfeuerwehrverbände eigene Auszeichnungen und unterstrichen damit auch ihr Selbstverständnis.

So gibt es eben in Österreich sehr viele und verschiedene Feuerwehrauszeichnungen. Manche meinen, dass damit des Guten zuviel getan worden sei. Man muss das aber relativieren. Im Grunde genommen haben alle Landesfeuerwehrverbände, einige Ausuferungen ausgenommen, das gleiche Schema, und die Auszeichnungen werden nur den Mitgliedern des jeweiligen Verbandes verliehen. So gesehen, sind die landesspezifischen Auszeichnungen auch wieder ein Ganzes und der Vorwurf einer „Medaillensucht“ ist sicher nicht gerechtfertigt.

Bei der Verleihung von Auszeichnungen durch die Republik Österreich werden die Landeskompetenzen streng beachtet. Obwohl von der Politik in letzter Zeit das „Ehrenamt“ viel gepriesen wird, findet man unter den Ausgezeichneten kaum Feuerwehrfunktionäre. Gut, dass sie die eigenen Ehrenzeichen haben.

Auszeichnungen sind der einzige Lohn der Feuerwehrleute. Sie dürfen diese zu Recht mit Stolz tragen und damit zeigen, dass sie schon jahrelang gemäß ihrem Wahlspruch

„Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr“

verantwortungsvoll ihre freiwillig übernommenen Aufgaben erfüllen.

 

Literatur:

Protokoll zur Sitzung des ständigen österreichischen Feuerwehr-Ausschusses, abgehalten zu Wien, am 2. Februar 1896; Druck von Rudolf M. Rohrer in Brünn; 1049-96.

Majestätsgesuch des ständigen österreichischen Feuerwehr-Ausschusses vom 20. März 1896; Druck von Rudolf M. Rohrer in Brünn; 1353-96.

Günter Erik Schmidt, „Ehrenzeichen und Medaillen der Republik Österreich und der Bundesländer ab dem Jahre 1945“, Verlag der Österreichischen Staatsdruckerei, Wien, 1960.

Vaclav Mericka, „Orden und Ehrenzeichen der österreichisch-ungarischen Monarchie“, aus dem Tschechischen übersetzt, Verlag Anton Schroll & Co, Wien und München, 1974.

Dr. Hans Schneider, „100 Jahre Österreichischer Bundesfeuerwehrverband“, Festschrift aus Anlass des 100-Jahr-Jubiläums, 1989.

Dr. Hans Schneider, „Für verdienstvolle Tätigkeit“, „Niederösterreichische Feuerwehrstudien“, Band 1, Niederösterreichischer Landesfeuerwehrverband, 1990.

Günter Erik Schmidt, „Ehrenzeichen und Orden im Österreich der Zwischenkriegszeit 1918-1938, Leykam Buchver-lagsgesellschaft m.b.H., Graz, 1994.

Günter Erik Schmidt, „Orden und Ehrenzeichen Österreichs 1945-1999“, Verlag Österreich, Wien, 1999.

Foist Johann, Ehren-Oberbrandrat, Laxemburg, „Urkunden, Auszeichnungen, Medaillen, Abzeichen“, Behelf für niederösterreichische Feuerwehrarchivare, Ausgabe 1983, 1985, 1991.

Diverse Reichs-, Bundes- und Landes-Gesetzblätter, Satzungen und Verleihungsrichtlinien des Österreichischen Bundesfeuerwehrverbandes und der Landesfeuerwehrverbände.

 

Ordenssammlung:

Leopold Giczi, Ehren-Brandinspektor, Archivar der Freiwilligen Feuerwehr Baden bei Wien.

 

Abkürzungen und Erklärungen:

BGBl. – Bundesgesetzblatt

LGBl. - Landesgesetzblatt

RGBl. - Reichsgesetzblatt

LFV - Landesfeuerwehrverband

 

ÖBFV – Österreichischer Bundesfeuerwehrverband

Werdegang und Namen:

1889 – Gründung als „Ständiger Österreichischer Feuerwehr-Ausschuss“

1900 – „Österreichischer Feuerwehr-Reichsverband“

1917 – „Österreichischer Reichsverband für Feuerwehr- und Rettungswesen“

1918 – Ende der Aktivitäten des Verbandes mit dem Zerfall der Monarchie

1920 – Wiederaufnahme der Tätigkeit in der Republik unter Beibehaltung des alten Namens

1930 – „Österreichischer Verband für Feuerwehr- und Rettungswesen“

1935 – „Österreichischer Feuerwehrverband“

1938 – „Österreichischer Landesfeuerwehrverband“, dann Auflösung

1945 – Erstes Treffen zur Vorbereitung der Wiedergründung

1946 – „Vorberatender Ausschuß“

1947 – „Bundes-Feuerwehrausschuß“

1948 – „Österreichischer Bundesfeuerwehrverband“

 

 

Cisleithanien – Land diesseits der Leitha; Zisleithanien, nach dem österreichisch-ungarischen Ausgleich 1867 der nichtamtliche Name für die österreichische Reichshälfte = die im Reichsrat vertretenen Königreiche und Länder.

Transleithanien – im Gegensatz dazu der nichtamtliche Name der jenseits der Leitha gelegenen Reichsteile Ungarn und Kroatien.

k.k. – kaiserlich-königlich = für die Behörden im ehemaligen Österreich-Ungarn der österreichischen Reichshälfte.

k.u.k. – kaiserlich und königlich = für die beide Reichsteile betreffenden Behörden im ehemaligen Österreich-Ungarn.

 

Anmerkung:

Dieser Aufsatz wurde anläßlich der 9. Tagung der Internationalen Arbeitsgemeinschaft für Feuerwehr- und Brandschutzgeschichte (10. – 13. Oktober 2001 Kurort Jonsdorf, Sachsen, Deutschland) vom Verfasser vorgetragen und im Tagungsband abgedruckt.

 

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  1. BR Adolf Schinnerl, Adnet, Referent des Landesfeuerwehrverbandes Salzburg und Sachbearbeiter des ÖBFV-Sachgebietes 1.5 Feuerwehrgeschichte und Dokumentation.
  2. Literaturangaben, Abkürzungen und Erklärungen am Ende des Aufsatzes.

 

Ablage unter:Auszeichnungen f.d.Feuerwehren i.Ö.

 

Handbuch zur Feuerwehrgeschichte - Ausgabe: Oktober 2005/2